Teuflisch gut: Le Pessebre Vivant

Perpignan: das Pessebre Vivant. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Donnergetöse und roter Blitz: Auf einmal wirbelt der Teufel über die Bühne, im roten Kostüm, Hörnerkappe und furchterregend langen, spitzen Krallen.

Maria und Joseph sind entgeistert. Die Hirten und anderen Gäste an der Krippe greifen zur Wehr. Sie bilden einen immer engeren Kreis um den Eindringling und schlagen ihn mit vereinter Kraft in die Flucht.

Perpignan: das Pessebre Vivant. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Le Pessebre vivant, die “lebendige Krippe”, die alljährlich zu Weihnachten im Palais des Rois de Majorque von Perpignan von einer Laienspielgruppe aufgeführt wird, hat mit einem gewöhnlichen Krippenspiel kaum etwas gemeinsam.

Perpignan: das Pessebre Vivant. Foto: Hilke Maunder
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Pessebre Vivant: Fest der Lebensfreude

Nicht ernst und nachdenklich, sondern voller Lebensfreude wird 90 Minuten lang die Geburt Christi gefeiert – mit schmissigen Gesängen, Tanz, Folklore und überschäumender Lebenslust.

Nur Maria schaut die gesamte Vorstellung etwas sauertöpfisch und abwesend drein – und würdigte ihren Mann, einen bärtigen Joseph, keines Blickes.

Inszeniert wird das Spektakel, das der katalanische Geschichtsforscher, Dramatiker und Dichter Esteve Albert  im Jahr 1960 aus der Taufe hob, seit mehr als 60 Jahren.

Perpignan: das Pessebre Vivant. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Aufgeführt wird es nicht auf Französisch, der offiziellen Hochsprache, sondern in der Sprache des Volkes: auf Katalanisch.

Aufgeführt wurde es von einem Chor aus Argelès-sur-Mer, der in den 1960er-Jahren enge Freundschaft mit Salvador Dalí pflegte, der den Bahnhof von Perpignan zum Zentrum der Welt erklärt hatte. Doch das ist eine andere Geschichte…

Weihnachtsklassiker und Volksgut

Le Fanal de Sant-Vicens nennt sie sich, und längst haben sich zu den Männern und Frauen der ersten Stunde auch die Töchter und Söhne und deren Enkel gesellt, die im Ensemble mitmachen.

Jean-Guy Candille leitet die Theatertruppe. Seine Tochter Fleurt  singt und tanzt nicht nur, sondern entwarf auch das Bühnenbild.

Gesungen wurden neben Weihnachtsklassikern wie “Es ist ein Ros’ entsprungen”, das auch auf Katalanisch wunderschön klingt, auch viele Melodien, die Jordi Barre (1920 – 2011) für den Chor komponiert hat.

Perpignan: das Pessebre Vivant. Foto: Hilke Maunder
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Der Chanson-Star der Katalanen

Der Chansonnier, der in der Pariser KonzerthalleOlympia Erfolge feierte, durch Japan tourte und Michel Fugain und Cali zu seinen Bewunderern zählt, feierte die größten Erfolge mit seinen Chansons auf Katalanisch.

Dadurch ist er, obgleich 2011  im Alter von 90 Jahren verstorben, bis heute für die Menschen im Roussillon mit seiner Musik und seinen Melodien enorm lebendig. Für die Tanzeinlagen verpflichtete Le Fanal de Sant-Vicens die Laientänzer von Per Què No ( Pourquoi Pas ). Am Klavier begleitete David Codina die Aufführung.

Cartes Blanches: kostenlos & begehrt

Karten für die Aufführungen des Pessebre Vivant, der “lebendige Krippe” von Perpignan, könnt ihr nicht kaufen. Am Tag der Aufführung werden cartes blanches, Freikarten, verteilt.

250 Plätze gibt es, der Andrang ist groß. Mehr als 400 Wartende hoffen durchschnittlich auf Einlass vor dem ehemaligen Palast der Könige von Mallorca.

Le Pessebre Vivant: mein Tipp

Kommt mindestens eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Wann Vorstellungen stattfinden, steht in der Tagespresse (L’Indépendant), in den Online-Veranstaltungskalendern und in Le Petit Agenda.

Ähnliche Krippenspiele könnt ihr auch in anderen Orten des Roussillon und jenseits der Grenze im spanischen Katalonien erleben.

Perpignan: das Pessebre Vivant. Foto: Hilke Maunder
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