Teuflisch gut: Le Pessebre Vivant

Krippenspiel mit Teufel: Le Pessebre Vivant in Perpignan.
Krippenspiel mit Teufel: Le Pessebre Vivant in Perpignan.

Donnergetöse und roter Blitz: Auf einmal wirbelt der Teufel über die Bühne, im roten Kostüm, Hörnerkappe und furchterregend langen, spitzen Krallen. Maria und Joseph sind entgeistert; die Hirten und anderen Gäste an der Krippe greifen zur Wehr, bilden einen immer engeren Kreis um den Eindringling und schlagen ihn mit vereinter Kraft in die Flucht.

Le Pessebre vivant, die „lebendige Krippe“, die alljährlich zu Weihnachten im Palais des Rois de Majorque von Perpignan von einer Laienspielgruppe aufgeführt wird., hat mit einem gewöhnlichen Krippenspiel kaum etwas gemeinsam.

Pessebre Vivant: Fest der Lebensfreude

Nicht ernst und nachdenklich, sondern voller Lebensfreude wird 90 Minuten lang die Geburt Christi gefeiert – mit

schmissigen Gesängen, Tanz, Folklore und überschäumender Lebenslust. Nur Maria schaue die gesamte Vorstellung etwas sauertöpfisch und abwesend drein – und würdigte ihren Mann, einen bärtigen Joseph, keines Blickes.

Inszeniert wird das Spektakel, das der katalanische Geschichtsforscher, Dramatiker und Dichter Esteve Albert  im Jahr 1960 aus der Taufe hob, seit mehr als 50 Jahren. Und das nicht auf Französisch, der offiziellen Hochsprache, sondern in der Sprache des Volkes: auf Katalanisch.

Aufgeführt wurde es von einem Chor aus Argelès-sur-Mer, der in den 1960er-Jahren enge Freundschaft mit Salvador Dalí pflegte, der den Bahnhof von Perpignan zum Zentrum der Welt erklärt hatte. Doch das ist eine andere Geschichte…

Weihnachtsklassiker und Volksgut

Le Fanal de Sant-Vicens nennt sie sich, und längst haben sich zu den Männern und Frauen der ersten Stunde auch die Töchter und Söhne und deren Enkel gesellt, die im Ensemble mitmachen. Geleitet wird die Truppe von Jean-Guy Candille, dessen Tochter Fleur nicht nur singt und tanzt, sondern auch das Bühnenbild entwarf.

Gesungen wurden neben Weihnachtsklassikern wie „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, das auch auf Katalanisch wunderschön klingt, auch viele Melodien, die Jordi Barre (1920 – 2011) für den Chor komponiert hat.

Der Chanson-Star der Katalanen

Der Chansonnier, der der Pariser Olympia Erfolge feierte, durch Japan tourte und , Michel Fugain und Cali zu seinen Bewunderern zählt, feierte die größten Erfolgte mit seinen Chanson auf Katalanisch.

Dadurch er – zwar 2011 90-jährig verstorben – bis heute für die Menschen im Roussillon mit seiner Musik und seinen Melodien enorm lebendig. Für die Tanzeinlagen verpflichtete Le Fanal de Sant-Vicens  die Laientänzer von Per Què No (Pourquoi Pas). Am Klavier begleitete David Codina die Aufführung.

Cartes Blanches: kostenlos & begehrt

Karten für die Aufführungen des Pessebre Vivant, der „lebendige Krippe“ von Perpginan, könnt ihr nicht kaufen. Am Tag der Aufführung werden cartes blanches, Freikarten, verteilt – 250 Plätze gibt es, der Andrang ist groß. Mehr als 400 Wartende hoffen durchschnittlich auf Einlass vor dem ehemaligen Palast der Könige von Mallocra.

Le Pessebre Vivant: mein Tipp

Mindestens eine Stunde vor Vorstellungsbeginn kommen. Der Conseil Général verrät in seinem Kulturnewsletter Termin und Ort.

Ähnliche Krippenspiele könnt ihr auch in anderen Orten des Roussillon und jenseits der Grenze im spanischen Katalonien erleben.

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