Peyro Levado – der Riese von Lacaune

Der Peyro Levado bei Lacaune. Foto: Hilke Maunder
Der Peyro Levado bei Lacaune. Foto: Hilke Maunder

Drei Kilometer nordöstlich von Lacaune erhebt sie sich, knapp 100 Meter von der Départementstraße D 622 entfernt, auf freiem Feld: die größte Menhirstatue der Welt. 4,50 Meter hoch ragt dort die auch pierre plantée genannte Menhirstatue Peyro Levado in den Himmel des regionalen Naturparks des Haut-Languedoc im Département Tarn.

Erst 1820 wurde dieser besondere Stein entdeckt. Damals befand er sich in einem sehr schlechten Zustand. Der Peyro Levado (auch: Peyro-Lebado) hatte sich im Laufe der Jahrtausende beträchtlich geneigt und seine Gravuren nahezu verloren.

Aufgerichtet und gerettet

Doch 58 Jahre nach seiner Entdeckung ließ die Commission des Monuments Mégalithes den Menhir wieder aufrichten und beauftragte mit dem schwierigen Unterfangen einen Steinmetz aus Le Thïoys. 80 Goldfranken erhielt er als Lohn fürs Aufrichten, umgerechnet rund 1000 Euro. Die Ausgrabungen zu seinen Füßen, die 1883 erfolgen, brachten keinerlei Aufschlüsse oder weitere Funde aus der Vorzeit. Seit dem gleichen Jahr steht der Stein unter Denkmalschutz – und trägt seitdem den Namen Peyro Levado.

Der Peyro Levado ist die wohl berühmteste der vielen Menhirstatuen Okzitaniens. Mehr als 100 dieser pierres plantées erheben sich im Aveyron, im Norden des Hérault und im Tarn. Alle diese Monumente stammen aus dem Neolithikum und damit aus einer Zeit, in der sich der Mensch vom Sammler und Jäger zum sesshaften Ackerbauern wandelte.

Dieser Übergang erfolgte in Okzitanien in der Zeit um 3500 vor Christus. 4,50 Meter ist die pierre plantée insgesamt lang. Einen Meter tief steckt sie in der Erde. 1,70 Meter ist sie breit und bis zu 50 Zentimeter tief, sprich, dick. Mit diesen Maßen ist sie ein wahres Schwergewicht unter Europas Menhiren und bringt neun Tonnen auf die Waage.

Am Menhir informiert eine Tafel über die Statue. Foto: Hilke Maunder
Am Menhir informiert eine Tafel über die Statue. Foto: Hilke Maunder

Riesen aus Granit

Die Menhir-Statuen Okzitaniens bestehen aus Sandstein oder, wie beim Peyro Levado, aus Granit. Ihre Form bildet stets ein abgerundetes Parallelepiped. Gravuren und anthropomorphe Skulpturen schmücken den Stein. Dieser Gravuren unterscheiden die Menhire des Südwestens von denen der Bretagne.

In Okzitanien zeigen die Skulpturen männliche oder weibliche Figurationen. Weibliche Menhir-Statuen präsentieren dort auf dem Stein ihre Brust oder tragen Schmuck. Die männlichen Menhirstatuen tragen Gegenstände oder Werkzeuge zwischen ihren Händen.

Mann in Stein

So auch der Peyro Levado, der zu den ältesten Menhirstatuen der Region gehört. Wer genau hinsieht, kann in den groben, schematischen Gravuren einen Mann erkennen. Ein Halbrund trennt den Kopf vom Körper, als Augen wurden zwei Löcher in den Stein geschlagen.

Eine zweite Gravur hebt den Arm vom Körper ab. Mit etwas Abstand – die Handdarstellung fehlt auf dem Stein – sind die Umrisse eines spitzen Werkzeuges zu sehen. Auf Bauchhöhe markieren zwei Linien einen Gürtel samt Schnalle, darunter weitere Linien die Beine.

Hotspot für Statuenmenhire

Die Region rund um Lacaune mit seinem berühmten Schinken gilt als der wichtigste Standort von Statuenmenhiren in Europa. Mehr als 20 geheimnisvolle Statuen dieser Art stehen zwischen Lacaune, Murat und Nages in der bergigen Landschaft.

Neben Lacaune gehört Saint-Sernin-sur-Rance im Département Aveyron zu den bedeutendsten Fundstätten von Menhirstatuen. 1888 hatte dort Kinder eine Stele mit der Darstellung einer Frau gefunden und dem örtlichen Pfarrer gezeigt. Auch die dortigen Statuenmenhire tragen den für die okzitanischen Vorzeit-Funde typischen Gürtel.

Der <em>Peyro Levado</em> bei Lacaune. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Peyro Levado: meine Reise-Infos

Hinkommen & ansehen

Peyro Levado

Der Peyro Levado erhebt sich im Parc Régional Naturel du Haut-Languedoc an der D 622 von Lacaune nach Murat-sur-Vèbre. Ihr könnt ihn ganzjährig rund um die Uhr zu besichtigen; Infotafel und Parkplatz an der D 622

Centre d’Interprétation des Statues Menhirs

18 Menhir-Statuen als Original oder Kopie in zwei Sälen zeigt dieses Museum, das Vorzeit-Fans in den 1950er-Jahren gründeten, und blättert so Leben und Alltag vor 5500 Jahren auf.
• Rue de la Mairie, 81320 Murat-sur-Vèbre, Tel. ß5 32 11 09 46, www.murat-sur-vebre.fr

Schlafen und schlemmen

Logis Hôtel le Relais de Fusiès*

1690 eröffnete die Familie Fusiés eine Posthalterei. Zwei Könige, eine Revolution, fünf Verfassungen, acht Präsidenten und einige Epidemien später, ist das Dreisternehaus mit dem Logis-Label cosy noch immer eine gemütliche Bleibe mit 30 Zimmern, nostalgischem Flair in den öffentlichen Bereichen und modernem Komfort im Stil von heute in den Zimmern. Das 400 Quadratmeter große Spa birgt neben Sauna und Schwimmbad auch einen Hammam und einen Außen-Jacuzzi. Auch die Küche im Restaurant ist vorzüglich.
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À La Maison

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In nächster Nähe zum Menhir weist der Schmuck eines Kreisverkehrs auf die zweite Berühmtheit von Lacaune hin: seinen Schinken. Foto: Hilke Maunder
In nächster Nähe zum Menhir weist der Schmuck eines Kreisverkehrs auf die zweite Berühmtheit von Lacaune hin: seinen Schinken. Foto: Hilke Maunder

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2 Kommentare

  1. Hallo,
    vielen Dank für diesen Bericht.
    Bei uns im Saarland haben wir auch zwei “Menhiere”:
    den Gollenstein und den Spillenstein, die beide noch größer sein könnten.
    Viel Spaß beim googlen

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