Ein Wochenende in Poitou-Charentes

Île de Ré: Sainte-Marie-de-Ré. Im Herzen der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder
Im Herzen der Zitadelle von Saint-Martin-de-Ré. Foto: Hilke Maunder

Eine goldene Badeküste mit einer Handvoll Inseln. Im Hinterland grasende Kühe, malerische Orte und Männer, die in Kähnen durch Frankreichs grünem Venedig staken: Poitou-Charentes ist Postkarten-Idylle pur.

Ein Wochenende genügt, um dem südländischen Flair am Atlantik zu erliegen. Mir passierte dies schon gleich beim Anblick von La Rochelle, der Stadt der vier Häfen.

Der alte Hafen von La Rochelle mit der Tour de la Lanterne. Foto: Hilke Maunder

Drei Türme – Tour Saint-Nicolas (37 m), Tour de la Chaîne (34 m) und Tour de la Lanterne (55 m) – wachen seit Jahrhunderten über den alten Hafen.

Das Kombiticket in der Tasche – Kinder unter 18 sind frei – bieten sich traumhafte Ausblicke auf die Altstadt und das Solarboot Yélo, das zum Quartier des Minimes mit der größten Marina der Atlantikküste hinüber schippert.

Der Hafen von La Rochelle. Foto: Hilke Maunder

Maritim & ganz entspannt

Zwischen den 4.800 Jachten ist der Katamaran Kapalouest vertäut. Abends legt er zum Sunset-Törn ab und verschönt den Sonnenuntergang mit einem Apéritif.

Morgens lockt der Hauptmarkt, wo sich seit 1834 in der Markthalle die Köstlichkeiten der Region stapeln: Austern aus Marennes, Muscheln aus Charron, Charentais-Melonen, Cognac, Pineau, Landweine, Käse und Wurst.

Charmante Cafés und Bistros wie Gerbe de Blé säumen den Platz. Ein Schmuckstück der Renaissance ist das Rathaus mit seinen Nischen, Säulen und Arkaden.

André, ein alteingesessenes Lokal in den Arkaden der Innenstadt. Foto: Hilke Maunder

Hinter dem rot-weißen Leuchtturm vom Quai Valin versteckt sich das Quartier Saint-Nicolas. Das einstige Fischerviertel hat sich seinen dörflichen Charme bewahrt, besonders an der Place de la Fourche.

Leihräder sind die beste Art, die vielen schönen Viertel von La Rochelle zu entdecken!

Wie La Rochelle zum wichtigsten Hafen für den Handel mit der neuen Welt wurde, verrät das Musée du Nouveau Monde in einem Reederpalais des 18. Jahrhundert.

Die schwimmende Wetterstation France 1 dient heute als maritimes Museum. Im Sommer verwandelt sich ihr Oberdeck in eine Open-Air-Bar mit Traumblick auf den Hafen und die Kutter-Veteranen L’Angoumois und Manuel-Joël.

2018 wurde der gesamte Hafenbereich saniert. Ganz erstaunt blickte ich auf einige Holzhäuser, die typisch skandinavisch auf mich wirkten: la ville en bois – die Stadt aus Holz.

Heute bergen die Holzhäuser und alten Werkstätten neben der Universität eine Mediathek und Geschäfte wie diesen grünen Fahrradverleih. Zum alternativ-jungen Ambiente passt die nahe Belle de Gabut.

Das im Mai 2018 neu eröffnete Kulturzentrum entstand in einem ehemaligen Parkhaus.

Das Aquarium von La Rochelle. Foto: Hilke Maunder

Ganz in der Nähe findet ihr auch das sehr sehenswerte Schifffahrtsmuseum von La Rochelle sowie das Aquarium.

Mehr als 500 verschiedene Fischarten leben in seinen  65 Becken, die die ursprünglichen Lebensräume nachempfinde. Ein Becken simuliert sogar Ebbe und Flut!

Auch mit dem Rad könnt ihr prima zur Île de Ré kommen! Foto: Hilke Maunder

Insel des Lichts

Wie in La Rochelle, wo 350 gelbe Stadträder auf Gäste warten, lassen sich auch die Inseln von Poitou-Charentes am schönsten mit dem Fahrrad entdecken. Radelt hinüber auf die die Île de Ré mit goldenen Stränden, grünen Wäldern und Lifestyle in weißen Inseldörfern. Mehr zu Frankreichs Sylt im Atlantik erfahrt ihr hier im Blog.

Weiß, Grün und Ziegelrot: die Farben der Inselhäuser auf der Île de Ré – hier in Rivedoux. Foto: Hilke Maunder
Einst waren es 1000 Salzbauern auf der Île de Ré. Heute arbeiten noch 70 „sauniers“ für die Inselkooperative Foto: Hilke Maunder
Kirchturmblick auf Saint-Martin-de-Ré. Foto: Hilke Maunder

Oder besucht die etwas rustikalere Île d’Oléron mit ihren Salzpfannen, weiten Stränden und Austernbänken. Auch die Künstler sind von der Insel ganz begeistert. Klickt mal hier!

Traumstrand von Oléron: die Plage de la Rémigiasse. Foto: Hilke Maunder
Die Hütte dieses Austernfischers aus Saint-Trojan-les-Bains hat es auf den Titel von „Le Point“ geschafft. Foto: Hilke Maunder
In Saint-Trojan-les-Bains_stellt auch Caroline Minassian in den einstigen Hütten der Austernfischer ihre Arbeiten aus. Foto: Hilke Maunder

Zur Île Madame könnt ihr bei Ebbe durchs Watt. Sehr sehenswert ist schließlich auch die kleiner Île d’Aix, auf der Napoleon auf seine Verschiffung ins Exil wartete.

Frankreichs grünes Venedig

Mit solchen Booten geht es durch den Marais Poitevin. Diese hier sind am Anleger von La Repentie de Magné vertäut. Foto: Hilke Maunder

Westlich von Niort erstreckt sich eine amphibische Landschaft, die seit 2010 zu den Grand Site de France gehört: le Marais Poitevin – Frankreich grünes Venedig. Charmante Dörfer wie Coulon, Magné, Arçais, La Garette oder Le Vanneau säumen dort ein Netzwerk von Kanälen.

Auch in Coulon starten Rundfahrten durch das grüne Labyrinth des Marais Poitevin. Foto: Hilke Maunder

In Coulon, Arcias, St-Hilaire-la-Palud und Maillezais starten dort Ausflugsfahrten mit conches, flachen Kähnen.

Mitten durch den Marais Poitevin führt bei Magné die Radwanderroute La Francette. Foto: Hilke Maunder

Mit langen Stangen lassen die Bootsführer das Boot langsam gleiten lassen. Und so leise, das keine Vögel erschreckt auffliegen, sondern ihr Reiher, Wasserhuhn & Co. ganz in Ruhe beobachten könnt.

In Coulon könnt ihr auch Paddel- und andere Boote mieten, um das Netzwerk der Kanäle zu erkunden. Foto: Hilke Maunder

Doch stochert der Kahnführer plötzlich im Schlamm, hält sein Feuerzeug über die Fluten– und eine Stichflamme schießt in den Himmel.

Für Sekunden hat sich Methan, das natürliche Faulgas im Unterkunft, entzündet. Wow, ist das klasse hier, meint da nicht nur der Nachwuchs.

Poitou-Charentes: meine Reisetipps

Die einstigen Hütten der Austernfischer haben sich in Saint-Trojan-les-Bains in Ausstellungsräume für Künstler verwandelt.

La Rochelle
• Perfekt für Flaneure: das zentrale, frisch renovierte Dreisternehaus Hôtel Saint-Nicolas. 13, rue Sardinerie / Place de la Solette, 17000 La Rochelle, Tel. 05 46 41 71 55, www.hotel-saint-nicolas.com
• Die Rue St-Jean-du-Pérot ist die Restaurantstraße der Stadt – neben Küchen aus aller Welt locken Weinlokale, Kneipen mit Live-Musik, Kino (Le Dragon) und Schauspiel (La Coursive).
• Le Mail: eine Institution der Stadt, seit Sommer 2018 komplett saniert. Freut euch auf frische Bistroküche! 16, allée du Mail, Tel. 05 46 34 12 52, www.restaurant-le-mail.com
• Shopping: Traditionell werden in Frankreich Messer in den Bergen hergestellt – Farol fertigt maritime Klingen. Blau wie das Meer ist sein neues Messer „Le Grand Bleu“ (64, quai Louis Prunier, www.farol.fr)!

Inseln

• Stilvolles Hideaway in edlem Weiß und Grau: La Maison Douce, 25, rue Mérindot, 17410 Saint-Martin-de-Ré, Tel. 05 46 09 20 20, www.lamaisondouce.com
• Feinste Bistroküche von Laurent Favier: chai nous comme chai vous, 1, rue de la Garde, 17630 La Flotte/Île de Ré, Tel. 05 46 09 49 85, www.chainouscommechaivous.fr
• Frischer können Austern nicht sein. Monsieur Robert erntet sie gleich vor der Tür: Le Relais des Salines, Port des Salines, 17370 Grand-Village-Plage (Oléron), Tel. 05 46 75 82 42, www.facebook.com/lerelaisdessalines

Shopping

Zwei „musts“ auf den Inseln: der Markt von La Flotte auf der Île de Ré und die Cabanes des Créateurs in Le Château d’Oléron und anderen Inselorten.

Mode, Kunst, Insel-Deko und köstliche kulinarische Produkte: In Saint-Martin-de-Ré verführen die vielen Boutiquen und inhabergeführten Geschäfte zu einem Einkaufsbummel. Foto: Hilke Maunder

Marais Poitevin
• Hôtel Le Central, Coulon; familiär geführtes Haus mit Regionalküche im Restaurant
Bootstouren: ab Coulon, Arcias, St-Hilaire-la-Palud, Maillezais, www.parc-marais-poitevin.fr

Shopping-Tipps für die Region

• Puschen wäre eine Beleidigung. Die Traditionspantoffeln La Charentaise von Rodinaud sind trendy. Und öko – seit 1907 werden sie aus 100% Leinen hergestellt! https://la-pantoufle.com
• Pineau ist das Nationalgetränk der Region . Traubenmost und Cognac paaren sich darin zum perfekten Apéro!

In La Rochelle eine gute Adresse für Pineau: Bossuet. Foto: Hilke Maunder

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Urban Art in der Altstadt von La Rochelle
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2 Kommentare

  1. Hallo Frau Maunder,
    sind die drei Bilder oben, die Sie Sainte-Marie-de-Ré zuordnen, nicht in Saint-Martin-de-Ré aufgenommen?! Zumindest das erste und das dritte erinnern mich doch sehr an Saint-Martin-de-Ré.
    Viele Grüße
    Britta Johannsen

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