Apero: Auf Château de Monluc wurde der Pousse-Rapière erfunden. Foto: Hilke Maunder
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Pousse Rapière: Apéro der Gascogne

Pousse Rapière nennt sich der klassische Aperitif der Gascogne, der auf dem Château Monluc von Saint‑Puy im Département Gers erfunden wurde. Der Spritz gascon ist seit 1963 Kult.

Erfunden hat ihn René Lassus – er ist der Vater jenes Mannes, der mich jetzt empfängt und auf die Terrasse führt: Noël Lassus. Sie ist riesig, ein langes Rechteck, erbaut auf der Spitze eines Hügelkammes, der weite Ausblicke auf die sanft gewellte Landschaft der Ténarèze eröffnet – mit Feldern und Weiden, versprengten Dörfern, kleinen Landstraßen.

Das Château de Monluc hat eine lange Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Es wurde auf den Überresten einer mittelalterlichen Burg errichtet und war über viele Jahrhunderte der Sitz der Familie Lasseran de Mansencôme.

Im Jahr 1502 wurde in diesem Anwesen Blaise de Monluc geboren. Er war ein herausragender Soldat und Memoirenschreiber, der im 16. Jahrhundert als Marschall von Frankreich diente. Seine Memoiren, die Commentaires, sind nicht nur literarisch ein Juwel, sondern gelten unter Historikern als beste Beschreibung der damaligen Militärtaktik.

Saint-Puy: Château de Monluc. Foto: Hilke Maunder
Stammsitz des Pousse Rapière: Château de Monluc. Foto: Hilke Maunder

Wilder Wein im tiefen Keller

Begeistert lässt Noël Lassus die Schlossgeschichte Revue passieren. Er erzählt vom 100-Jährigen Krieg so, als hätten sich England und Frankreich erst gestern gestritten, und wirft mit Namen, Zeiten, Schlachten, Weltgeschichte und lokalen Ereignissen um sich, dass mir ganz schwindelig wird. Noël Lassus hat inzwischen auf der Terrasse den Niedergang zum Keller erreicht. Knarrend öffnet sich die Tür. Feucht und kühl ist es. Im fahlen Licht der Strahler erkenne ich Fässer, säuberlich aufgereiht entlang der Wand.

„Unsere Familie Lassus hat im Jahr 1961 das Château Monluc erworben. Mein Vater René Lassus stellte hier anfangs nur seinenvin sauvage her, einen Schaumwein nach der méthode champénoise, bei dem die zweite Gärung in der Flasche stattfindet – eine Technik, wie sie die Champagnerherstellung nutzt.“

Saint-Puy, Château de Monluc: Hier lagert der Vin Sauvage. Foto: Hilke Maunder
Hier lagert der Vin Sauvage. Foto: Hilke Maunder

Während Monsieur erzählt, blicke ich rätselnd auf einen merkwürdigen Apparat. Noël errät meine Gedanken. „Hier wird unservin sauvage für den Pousse Rapière ganz automatisch gerüttelt“, erklärt er und setzt das Gerät in Gang. Die Maschine haben Noëls Vorfahren erfunden – ein Rund, dicht an dicht gefüllt mit 280 Flaschen, die der Motor auf einen Schlag präzise dreht. Die Reben für den Schaumwein – Ugni Blanc und Gros Manseng – wachsen seit Römertagen am Schlosshang.

Saint-Puy, Château de Monluc; Kellerversteck für prickelnde Tropfen. Foto: Hilke Maunder
Das Kellerversteck… Foto: Hilke Maunder

Im Haupthaus führt ein kleines Museum tiefer in die Weinherstellung hinein, von den Wänden blicken Mitglieder der noblen Familie auf die alte Presse. Und blanke Degen. Ausgestellt sind mehrere Exemplare einer Rapière. Der elegante, leichten Stoßdegen, der im 16./17. Jahrhundert aus Italien in die Gascogne kam, wurde zum Namensgeber des Aperitifs.

Noël Lassus hat unterdessen im Haupthaus eine Bodenplatte hochgeklappt, ist diesmal von hier in den Keller gestiegen und hat von dort die gut gekühlten Zutaten für den Pousse Rapière hinaufgeholt. Neben dem prickelnden Schaumwein gehört dazu ein Armagnac-Likör, den das Château Monluc ebenfall exklusiv selbst herstellt – nach einem geheimen Rezept aus Armagnac, Bitterorange und Gewürzen.

Dieser Degen hat den Namen eines Drinks inspiriert: Pousse Rapiere. Foto: Hilke Maunder
Dieser Degen hat den Namen eines Drinks inspiriert: Pousse Rapiere. Foto: Hilke Maunder

Pousse Rapière – so wird er gemixt

Das Château Monluc hat zudem speziell gravierte Gläser und Karaffen entwickelt, die das richtige Dosieren erleichtern. „Der offene Glas-Stopfen der Pousse Rapière-Karaffe wurde perfekt auf die notwendige Likör-Menge für zwei Flaschen vin sauvage angepasst. Einfach beides mischen, Eiswürfel und Orangenschnitzel dazu. Fertig ist der erfrischende Sommer-Cocktail und apéro !“

Und wer keine Pousse-Rapière-Karaffe hat? „Der mischt Likör und Wein einfach im Verhältnis 1:7“, empfiehlt Noël Lassus. Und genießt einen authentischen Aperitif, der seit mehr als sechs Jahrzehnten das Herz der Gascogne prägt.

Saint-Puy, Château de Monluc. Foto: Hilke Maunder
Monsieur zeigt die perfekte Zubereitung des Pousse Rapière. Foto: Hilke Maunder

Pousse Rapière: die Infos

Château de Montluc

• 32310 Saint-Puy, Tel. 05 62 28 94 00, kostenlose Führung und Verkostung.

Cassaigne im Winter: Frost im Armagnac-Land.. Foto: Hilke Maunder
Im Herzen des Armagnac: Cassaigne mit seinen Weinstöcken, an denen die Trauben für den berühmte Brand im Sommer reifen. Foto: Hilke Maunder

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Diagonale du Vide: Im Gers grüßen die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder
Im Gers grüßen die Pyrenäen. Foto: Hilke Maunder

Im Buch

Der Reiseführer: Midi-Pyrénées*

Cover Annette Meiser, Midi Pyrenees

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