Propriano: Im Jachthafen findet ihr auch noch einige der traditionsreichen bunten Pointu-Fischerboote. Foto: Hilke Maunder

Propriano: Strandperle am Golf von Valinco

Welch eine Lage: Malerisch schmiegt sich Propriano an der Südwestküste Korsikas an den Golf von Valinco, einer der schönsten Buchten der Insel. Tief schneidet sich hier die Küste ins Land, umgeben von bewaldeten Hügel und schroffen Granitfelsen. Im Rücken von Propriano erheben sich die Ausläufer des Alta Rocca. Vor der Stadt erstreckt sich das tiefblaue Mittelmeer.

Dank dieser geschützten Lage bietet Propriano nicht nur einen natürlichen Hafen, sondern auch zahlreiche Strände mit feinem Sand und türkisfarbenem Wasser. Mit ihren kleinen Buchten, felsigen Landzungen und flachen Stränden, ist seine Küste wie gemacht zum Baden, Segeln und Tauchen eignen. Durch die zentrale Position zwischen Ajaccio und Bonifacio ist Propriano zudem ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungen im südlichen Korsika.

Seit der Vorzeit fühlen sich die Menschen hier wohl, zeigt die prähistorische Fundstätte Filitosa, etwa neun Kilometer nordwestlich von Propriano, mit beeindruckenden megalithischen Menhiren und Torren. Auch das Alignement von Stantari, zwei Steinreihen aus der Bronzezeit, etwa 16 Kilometer südlich von Propriano, belegt die frühe Besiedlung.

 Im zweiten Jahrtausend v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Propriano die antike Hafenstadt Pauca. Bei Ausgrabungen im Quartier Quatrina wurden im Sommer 2009 65 Gräber aus der Antike entdeckt.

Propriano: die Hafenmeile. Foto: Hilke Maunder
Die Hafenmeile von Propriano. Foto: Hilke Maunder

1564 ging Sampiero Corso dort an Land, um Korsika von der Knute Genuas zu befreien. Dies misslang. Und die Seemacht gründete im Jahr 1640 an der südlichen Westküste von Korsika seine Hafenstadt Propriano. 1794 bestand Propriano angeblich nur noch aus vier Häusern, was auf häufige Piratenüberfälle zurückzuführen war.

Erst im 19. Jahrhundert, nachdem 1873 eine Straße zwischen Bonifacio und Ajaccio gebaut wurde, entwickelte sich der Ort. Das Bauerbe ist daher recht übersichtlich. 1868 begann auf der Place de l’Eglise im Stadtzentrum der Bau der Pfarrkirche Notre-Dame de la Miséricorde: Die Kirche wurde schrittweise errichtet: Das Hauptgebäude war Ende 1869 fertiggestellt, die Sakristei und ein Teil des Glockenturms wurden 1876 gebaut, und der Glockenturm wurde erst 1881 vollendet.

Die Kapelle Sainte-Marie in Tivaloggio wurde 1860 beschlossen, als Tivolaggio noch eine eigenständige Gemeinde war und als Ersatz für eine ältere, baufällige Kirche errichtet. 1974 wurde Tivolaggio in Propriano eingegliedert-

Bis heute ist das Herz von Propriano überraschend klein. Es besteht aus der Flaniermeile zwischen Jachthafen und Mole, der parallelen Restaurantmeile, und der dahinter liegenden Geschäftsstraße Avenue Napoleon, die Feinkostgeschäfte, Souvenirshops, Boutiquen und Cafés säumen. Eine Apotheke, das Fremdenverkehrsamt, eine Bank. Und schräg gegenüber eine Bar, die das Lebensmotto der Urlauber mit ihrem Namen aufgreift: No Stress Café.

Propriano: das No Stress Café an der Hafenmeile. Foto: Hilke Maunder
Das No Stress Café an der Hafenmeile von Propriano. Foto: Hilke Maunder

Das sandige Band der Traumstrände

Propriano liegt an einem trichterförmigen Golf, in den die drei Flüsse (von Nord nach Süd) münden: der Taravo etwas weiter nördlich bei Porto-Pollo, Rizzanese und Baracci direkt bei Propriano.

Ihr Schwemmsand hat wunderschöne Strände geschaffen. Der schönste ist für mich die Plage du Lido, der sich hinter dem Leuchtturm von Scoglio Longo bis zur Plage de Puraja erstreckt. Er ist etwa 400 Meter lang, flach abfallend und kinderfreundlich. Wilder und einsamer ist die Plage de Capu Laurosu in der Nähe des Flughafens.

Als schönster Strand südlich von Propriano gilt die fast vier Kilometer lange Plage de Portigliolo. Je weiter vom Strandaufgang entfernt und je näher am Rizzanese, desto einsamer und schöner.

Nördlich von Propriano könnt ihr an der Plage de Barraci einen schönen Strandtag genießt – und von dort aus das Baracci-Tal erkunden.

Oder fahrt an der Küste gen Süden bis nach Belvédère-Campomoro und wandert dort zu einem der mächtigsten Genuesertürme Korsikas hinauf – der Blick über den Golf von Valinco ist fantastisch! Hier gibt’s die Infos zur Tour!

Propriano – einer der beliebtesten Segel-Häfen von Korsika. Foto: Hilke Maunder
Propriano – einer der beliebtesten Segel-Häfen von Korsika. Foto: Hilke Maunder

Propriano: meine Reisetipps

Schlemmen

Terra Cotta

Michelin ist vollen Lobes für den Küchenchef dieses Schlemmerlokals an der Hafenpromenade von Propriano. Gekonnt kombiniert hier Thomas Duval die Fische seines Bruders, eines hauptberuflichen Fischers, mit den besten Produkten vom Land und kreiert kulinarische Kleinode: knusprige Krapfen von wilden Gambas, Gemüse-Fregola (sardische Pasta) mit süßsaurer Sauce, ein langsam gegartes mit Zitrone und Zucchin … und köstliche Desserts, raffiniert, frisch und nie zu süß.
• 31, avenue Napoléon III, 20110 Propriano, Tel. 04 95 74 23 80,

Tempi Fà

„Frühere Zeiten“ nannte Küchechef Frédy Faverot seine kulinarische Kombi aus Épicerie und Bistro, die beide tief in der korsischen cuisine du terroir verwurzelt sind und Erinnerungen an Großmutters Küche wecken.
• 11, avenue Napoléon III, 20110 Propriano, Tel. 04 95 76 06 52, www.tempifa.com

Chez Parenti (Parenti & Fils)

Seit 1935 eine beliebte Adresse für korsische Meeresküche. Genießt sie auf einer schattigen Terrasse mit Blick auf den Golf von Valinco und die am Anker liegenden Boote!
• 10, avenue Napoléon III, 20110 Propriano, Tel. 04 95 76 12 14, www.chezparenti.fr

Le Cabanon

In der Brasserie am Hafen serviert Marc Chaudey grundsolide korsische Küche. Zu empfehlen: der Wildschweinbraten mit einem AOP-Tropfen wie Clos Ornasca oder einem Patrimonio-Muskat von Gentile.
• 26, Avenue Napoléon III, Tel. 04 95 76 07 76

Boucherie Bischof

Joseph Bischof war ein deutscher Auswanderer, der in den 1960er-Jahren nach Korsika gekommen war und 1971 in Propriano gemeinsam mit seiner Frau Pierrette eine erste Metzgerei in der Rue du 9-Septembre in Propriano eröffnet hatte, bevor sie unter das Rathaus und später in die Rue des Pêcheurs umzogen. Als Joseph Bischof 2021 verstarb, warte seine Gattin Pierrette das Trauerjahr ab. Doch danach eröffnete sie im Frühjahr 2022 wieder die Schlachterei – und hält stolz das Erbe ihres Mannes lebendig. Tagtäglich gibt es hier einen Mittagstisch zum Mitnehmen.
• 6, rue des Pêcheurs, 20110 Propriano, Tel. 04 95 25 02 31

In der Nähe

Hier könnt ihr schlafen

Le Bellevue*

Ein grundsolides, kürzlich renoviertes Familienhotel mit 16 Zimmern und gutem Preis-Leistungsverhältnis. Wer nach vorn heraus schläft, kann sich über traumhafte Blicke auf den Hafen freuen. Hier* könnt ihr es buchen.
• 13, avenue Napoléon, 20110 Propriano, Tel. 04 95 76 01 86, www.hotels-propriano.com

Noch mehr Betten*

 
Propriano: Wandbild am Rathaus. Foto: Hilke Maunder
Am Rathaus von Propriano findet ihr dieses Wandbild. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

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Im Buch

Jenny Hoch: Gebrauchsanweisung für Korsika*

Cover: Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika. Foto: Hilke Maunder33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst seitdem sie quasi hier lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt. Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen! Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Zum Träumen: Das Haus auf Korsika*

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot 2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Findens, der Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt.

Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht sich auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.

Marcus X. Schmid: Korsika*

Marcus X. Schmid, Korsika

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll.

Ich kann seinen Führer aus ganzem Herzen empfehlen – er hat mich auf allen Erkundigungen nie im Stich gelassen und mir oft schöne, neue, unbekannte und überraschende Ecken gezeigt.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ und „Südfrankreich“ erschienen sowie Führer zu italienischen Destinationen. Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

Hilke Maunder: Baedeker „Korsika“*

Baedeker Korsika

Mit blau lackierten Fingernägeln ordnet Madame auf dem Markt von Bastia in einem Bastkorb längliche Stangen. „Boutargues“, verrät das Schild. „Das ist echter korsischer Kaviar. Nur noch wenige Fischer entnehmen den Meeräschen den Rogen. Mein Mann ist einer davon.“ Die Rarität hat ihren Preis: 150 Euro das Kilo.

Der Nachbar-Händler sieht das erstaunte Gesicht und hält ein Holzbrett hin: “ Goûtez !“ Lasst euch mit meinem Baedeker Korsika* an Orte wie diesen (ver)führen. Genussmomente und einzigartige Erlebnisse: Sie machen den Band besonders. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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