Propriano: Boomtown von Südwest-Korsika

Propriano: Im Jachthafen findet ihr auch noch einige der traditionsreichen bunten Pointu-Fischerboote. Foto: Hilke Maunder
Auch im Jachthafen von Propriano findet ihr auch noch einige der traditionsreichen bunten Pointu-Fischerboote. Foto: Hilke Maunder

Nicht mal 400 Jahre alt ist Propriano. Und das trotz seiner langen Geschichte. Denn seit der Vorzeit lebten die Menschen in der Umgebung der Bucht. Das verraten die Zeugnisse der Megalithstätte Filitosa.

In der Römerzeit befand sich an dort eine  antike Siedlung namens Pauca. 1564 ging Sampiero Corso dort an Land, um Korsika von der Knute Genuas zu befreien. Dies misslang. Und die Seemacht gründete  im Jahr 1640an der südlichen Westküste von Korsika seine Hafenstadt Propriano.

Propriano: die Hafenmeile. Foto: Hilke Maunder
Die Hafenmeile. Foto: Hilke Maunder

Denn sein Zentrum ist klein. Es besteht aus der Flaniermeile zwischen Jachthafen und Mole, der parallelen Restaurantmeile, und der dahinter liegenden Geschäftsstraße Avenue Napoleon, die Feinkostgeschäfte, Souvenirshops, Boutiquen und Cafés säumen.

Eine Apotheke, das Fremdenverkehrsamt, eine Bank. Und schräg gegenüber eine Bar, die das Lebensmotto der Urlauber mit ihrem Namen aufgreift: No Stress Café.

Propriano: das No Stress Café an der Hafenmeile. Foto: Hilke Maunder
Das No Stress Café an der Hafenmeile. Foto: Hilke Maunder

Gabelhappen für Genießer

Viele Schritte und zwei Stunden später lasse ich mich in einen Sessel aus grauem Geflecht fallen und studiere die Karte. Die Kirchenuhr schlägt zwölf. Die Schiefertafel lockt mit einem Fischmenü zu überraschend günstigen Preisen. Keine Saison mehr, merke ich. Und verspeise kurz darauf bei Thomas Duval im Terra Cotta einen zarten wie delikaten weißen Thunfisch, der mit Cap-Corse-Likör mariniert wurde.

Propriano: Seeteufel im Restaurant Terra Cotta. Foto: Hilke Maunder
Restaurant Terra Cotta. Foto: Hilke Maunder

Dazu knackig frisches Gemüse, ein wenig Brot, etwas Wein und der Paradeblick auf den Jachthafen: parfait. Und auch die restliche Karte lässt weitere kulinarische Hochgenüsse erahnen.

Tintenfisch-Tempura. Auberginen-Canneloni mit Ziegenkäse-Füllung, Kapaun-Confit, langsam im Ofen mit Zitrone gegart… Am besten, ich bestelle das nächste Mal das Ménu “Découverte du Terroir”, das der Patron dem Lauf der Jahreszeiten anpasst.

Propriano: Bummelmeile am Jachthafen. Foto: Hilke Maunder
Schön: ein Bummel am Jachthafen. Foto: Hilke Maunder

Das Trio der Traumstrände

Propriano liegt an einem trichterförmigen Golf, in den die drei Flüsse (von Nord nach Süd) Taravo, Baracci und Rizzanese münden. Ihr Schwemmsand an wunderschöne Strände geschaffen. Der schönste ist für mich die Plage du Lido hinter dem Leuchtturm von Scoglio Longo.

Folgt der Straße. Nach vier Kilometer erreicht ihr die lange Plage de Capu Laurosu. Ein feinsandiges Paradies ist auch die fast vier Kilometer lange Plage de Portigliolo. Je weiter vom Strandaufgang entfernt und je näher am Rizzanese, desto einsamer und schöner…

Propriano – einer der beliebtesten Segel-Häfen von Korsika. Foto: Hilke Maunder
Propriano – einer der beliebtesten Segel-Häfen von Korsika. Foto: Hilke Maunder

Meine Reisetipps: Propriano

Schlemmen

Terra Cotta

Das Restaurant von Thomas Duval gehört zu den vielen, die den Jachthafen säumen. Und ragt doch heraus: So gut habe ich selten auf Korsika gesessen. Gebratener foie gras, die als Cappuccino daher kommt, Ziegenfilet mit einer Füllung aus schwarzen Oliven und brocciu – oder doch lieber grundsolide Spaghetti mit Langustinen?

Ob experimentell oder traditionell, Thomas Duval beweist sich seiner beiden Gault-Millau-Hauben als würdig. Lasst ein wenig Platz für die köstlichen Desserts!
• 31, Avenue Napoléon III, 20110 Propriano, Tel. 04 95 74 23 80

Auch Gilles Pudlowski hat das angesagte Lokal getestet.  Den Bericht des renommierten Gastrokritikers findet ihr hier.

Le Cabanon

In der Brasserie am Hafen serviert Marc Chaudey grundsolide korsische Küche. Zu empfehlen: der Wildschweinbraten mit einem A.O.C-Tropfen wie Clos Ornasca oder einem Patrimonio-Muskat von Gentile.
• 26, Avenue Napoléon III, Tel. 04 95 76 07 76

Filitosa. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

In der Umgebung

Baracci-Tal

Wellness, Outdoor und Genuss! Hier habe ich euch das Abenteuertal für alle Sinne vorgestellt.

Filitosa

Korsikas prähistorische Hauptstadt – hier habe ich sie euch vorgestellt.

Campomoro

Klein und charmant ist der Badeort Belvédère-Campomoro, den die größte Genueserfestung Korsikas bekrönt. Wandert auf dem Küstenweg dorthin! Die Infos gibt es hier.

Die Bucht von Campomoro mit Genueserturm und Badestrand. Foto: Hilke Maunder
Die Bucht von Campomoro mit Genueserturm und Badestrand. Foto: Hilke Maunder

Schlafen

Le Bellevue*

Ein grundsolides, kürzlich renoviertes Familienhotel mit 16 Zimmern und gutem Preis-Leistungsverhältnis. Wer nach vorn heraus schläft, kann sich über traumhafte Blicke auf den Hafen freuen.
• 13, Avenue Napoléon, 20110 Propriano, Tel. 04 95 76 01 86, www.hotels-propriano.com

Noch mehr Betten*
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Propriano: Wandbild am Rathaus. Foto: Hilke Maunder
Am Rathaus findet ihr dieses Wandbild. Foto: Hilke Maunder

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Zum Einstieg: Gebrauchsanweisung für Korsika*

Gebrauchsanweisung für Korsika33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst, seitdem sie quasi lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt. Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre  persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden  Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen! Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Zum Träumen: Das Haus auf Korsika*

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot 2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Finden, die Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt.

Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.

Reiseführer für Entdecker: Korsika*

Korsika-ReiseführerDer freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich kann seinen Führer aus ganzem Herzen empfehlen – er hat mich auf allen Erkunden nie im Stich gelassen und mir oft schöne, neue, unbekannte und überraschende Ecken gezeigt.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

Baedeker Korsika

Reiseführer für besondere Momente: Baedeker „Korsika“*

Mit blau lackierten Fingernägeln ordnet Madame auf dem Markt von Bastia in einem Bastkorb längliche Stangen. „Boutargues“, verrät das Schild.

„Das ist echter korsischer Kaviar. Nur noch wenige Fischer entnehmen den Meeräschen den Rogen. Mein Mann ist einer davon.“ Die Rarität hat ihren Preis: 150 Euro das Kilo.

Der Nachbar-Händler sieht das erstaunte Gesicht und hält ein Holzbrett hin: “Goûtez!” Lasst euch mit meinem Baedeker Korsika* an Orten wie diesen (ver)führen. Genussmomente und besondere Erlebnisse: Sie machen den Band besonders. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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