Radel-Tipp: Petite Camargue

Die Petite Camargue bei Vauvert. Foto: Hilke Maunder
Die Petite Camargue bei Vauvert. Foto: Hilke Maunder

Diesmal möchte ich euch eine tolle Tagestour per Rad vorstellen, die ich gerade abgestrampelt bin: von den Weingärten der Costière des Nîmes geht es ganz entspannt zu den Lagunenseen und einsamen Gehöften der Petite Camargue.

Eure Route durch die Petite Camargue

Ihr startet in Beauvoisin Richtung Générac und biegt kurz vor dem Dorfzentrum auf die Route de Franquevaux (D 197) ab. Die Weingärten der Costières de Nîmes begleiten euch. Am Horizont funkeln schilfgesäumte Lagunenseen in der Sonne.

Die Petite Camargue gehört zum Weinbaugebiet der AOC Costières de Nîmes. Foto: Hilke Maunder
Die Petite Camargue gehört zum Weinbaugebiet der AOC Costières de Nîmes. Foto: Hilke Maunder

Costières de Nîmes ganz bio

Doch erst einmal lädt das Bioweingut Domaine de Bel Air la Côte zur Weinprobe. Mehr als 40 Jahre alt sind die Weinstöcke mit Grenache, Carignan und Syrah-Reben, die auf der Colline aux 4 Vents wachsen – und wahrhaft sonnendurchglühte Weine liefern.

Oder wartet mit eurem Aperitif bis zum Château Beaubois von Fanny und François Boyer. Für ihre Bioweine haben die Geschwister bereits etliche Auszeichnungen erhalten. Besonders köstlich: L’ Expression – ein Rosé von 2011.

Der Canal de Sète à Rhône führt mitten durch die Petite Camargue. Foto: Hilke Maunder
Der Canal de Sète à Rhône führt mitten durch die Petite Camargue. Foto: Hilke Maunder

Goûter am Kanal…

Lust auf ein Picknick? Dann kauft zum Wein im denkmalgeschützten Dörfchen Franquevaux mit seiner alten Abtei etwas Proviant und setzt euch am Canal du Rhône à Sète ins Gras: im Rücken die Weingärten, vor euch die vielen Hausboote, die neben der Kanalbrücke vertäut haben, und dahinter ein amphibisches Grasland – malerisch!

Warum gerade auf diesem Kanal so viele Hausboote unterwegs sind? Es gibt auf den 98 Kilometern zwischen Beaucaire mit Sète, wo er in den Étang de Thau mündet, nur eine einzige Schleuse!

Petite Camargue: Der r Canal du Rhône à Sète ist ein beliebtes Hausbootrevier. Foto: Hilke Maunder
Petite Camargue: Der r Canal du Rhône à Sète ist ein beliebtes Hausbootrevier. Foto: Hilke Maunder

In Franquevaux befand sich ab 1143 ein Zisterzienserkloster, von dem heute nur noch eine Steinmauer erhalten ist, die einst zur Kirche gehörte. Hauptaufgabe der Mönche war die Trockenlegung der großen Sümpfe ringsum und die Salzgewinnungen.

Dazu arbeiteten die Mönchen mit ihren geistlichen Kollegen der Abteien Psalmody und Saint-Gilles zusammen. Salz war das weiße Gold des Mittelalters. Die Folge: Das Kloster wurde mehrfach überfallen und geplündert.

Petite Camargue: Die kleine Camargue ist Stierland - hier werden sie gezüchtet – und findet im Sommer die "course camarguaise" statt, ein unblutiges Stierkampfspektakel. Foto: Hilke Maunder
Die kleine Camargue ist Stierland – hier werden sie gezüchtet – und findet im Sommer die “course camarguaise” statt, ein unblutiges Stierkampfspektakel. Foto: Hilke Maunder

Stiere …

So untrennbar wie das Salz gehören auch die Stiere zur Camargue. Nicht einmal einen Kilometer westlich vom mittelalterlichen Ortskern von Franquevaux werden sie von der Familie Fougairolles auf der Manade Martini (467, Route de Gallician, Tel. 04 66 73 30 17) gezüchtet. Um sich abzukühlen, baden im Sommer dort bis zu 20 Bullen gemeinsam im nahen Bach.

Solche gestempelten Zeichen findet ihr häufig in der Petite Camargue. Sie verraten: Hier wohnt ein Sieger der Course Camarguaise. Foto: Hilke Maunder
Solche gestempelten Zeichen findet ihr häufig in der Petite Camargue. Sie verraten: Hier wohnt ein Sieger der Course Camarguaise. Foto: Hilke Maunder

Wenn ihr im Juli dort seid, könnt ihr beim Dorffest von Franquevaux auch Gardiens wie Emmanuel Rosier hoch zu Ross auf den weißen Pferden er Camargue, Abends singt dann vielleicht auch Régine Pascal.

Sie ist die musikalische Botschafterin der Camargue. All ihre Lieder sind durchdrungen von ihrer  die Leidenschaft und Liebe zur Camargue, aber auch zur Provence.

Achtet auch einmal auf die Hauswände. Hier und da steht ihr Stempel mit Mustern und Jahreszahlen. Sie verraten: Hier wohnt ein erfolgreicher Stierkämpfer.

In der Camargue werden Stiere gezüchtet auf Höfen, die sich Manade nennen. Foto: Hilke Maunder
Manade nennen sich die Höfe, auf denen die Stiere der Camargue gezüchtet werden. Foto: Hilke Maunder

…oder Siesta?

Ihr habt mehr Lust auf Wellness und Verwöhnen? Eine kleine Auszeit im Spa des Templiers beugt Muskelkater vor und macht Körper, Geist und Seele glücklich. Schwitzt im Hamam, lasst euch im Jacuzzi beblubbern oder wählt eine der vielen Massagen  (place du Monastère, Tel. 04 66 88 02 95), http://beaute-spa-templiers.com).

Weiter gen Süden radelt ihr nun vorbei an dichten Schilfgürteln, die stille Wasserflächen verstecken, auf kleinen Landwegen links (!) herum um den Étang du Scamandre.

Die Petite Camargue bei Vauvert. Foto: Hilke Maunder
Die Petite Camargue ist von größeren und kleineren Étangs durchsetzt – ein Paradies für Wasser-, Wat- und Zugvögel. Foto: Hilke Maunder

Ibis, Reiher und Flamingo

Euer Ziel: das Centre de Découverte de Scamandre (Route des Isles, Gallician, Tel. 04 66 73 52 05). Das Naturschutzzentrum stellt Flora und Fauna der Petite Camargue vor. Danach könnt ihr auf  Holzplankenwegen mitten durch den Weiher wandern und die gefiederten Gäste hautnah entdecken.

Bohlenwege führen durch die amphibische Landschaft und hin zu Aussichtspunkten. Foto: Hilke Maunder
Bohlenwege führen durch die amphibische Landschaft und hin zu Aussichtspunkten. Foto: Hilke Maunder

Das 146 Hektar große Naturschutzgebiet ist ein Paradies für Vogelfreunde. Neben großen Populationen von Ibissen lassen sich auch neun Reiher-Arten beobachten.

Centre de Scamandre. Foto: Hilke Maunder
Im Mai blühlen auch Akazien und Schwertlilien im Reservat. Foto: Hilke Maunder

Die Landschaft ist unglaublich wild, weit und untersprünglich. Auf hohen Brutplätzen könnt ihr im Frühjahr auch die Störche beobachten, die hier ihren Nachwuchs aufziehen.

Störche nisten im Naturreservat von Scamandre. Foto: Hilke Maunder
Störche nisten im Naturreservat von Scamandre. Foto: Hilke Maunder

In den Fluten sind auch Bisamratten (ragondins) daheim. Ihr Auftauchen erkennt ihr am laut hörbaren Gluckern. Vom Hauptweg aus führen immer wieder kleine Wege noch tiefer hinein in die amphibische Landschaft, hin zu Aussichtspunkten über den étang und zu versteckten Beobachtungspätzen.

Je weiter ihr den Bohlenwege folgt, desto amphibischer wird die Landschaft am Centre de Scamandre. Foto: Hilke Maunder
Je weiter ihr den Bohlenwege folgt, desto amphibischer wird die Landschaft am Centre de Scamandre. Foto: Hilke Maunder

Danach folgt ihr 5,5 km lang der D779, die mitten durch das Lagunenland führt: rechts der Étang du Crey, links der Étang du Charnier.

Gallician: Genießen beim Notar

Petite Camargue: das schönste Weingut von Gallician - das Mas du Notaire. Foto: Hilke Maunder
Petite Camargue: das schönste Weingut von Gallician – das Mas du Notaire. Foto: Hilke Maunder

Überquert wieder den Canal du Rhône à Sète und legt im Herzen des ehemaligen Fischerdorfes Gallician, das heute fest in der Hand der Winzer und Hausbootkapitäne ist, vor dem Mas du Notaire einen Stopp ein.

Die Familie von Jean-Pierre Rambier vinifiziert nicht nur tolle Weine, sondern hält auch fünf bezaubernde Ferienwohnungen bereit (Tel. 04 66 73 33 23).

Noch mehr Weine!

Der Weinberg des Château Roubaud. Foto; Hilke Maunder
Der Weinberg des Château Roubaud. Foto; Hilke Maunder

Südlichstes Weingut des Rhône-Tales und direkt am Jakobsweg gelegen ist das nahe Château Mas Neuf (Tel. 04 66 73 33 23), dessen Reben im alten, steinigen Bett der Rhône wachsen – lauter rote Verführer.

Vorbei an der großen Salzpfanne der Salin de Vauvert bringt euch der Chemin des Salines (D779) zurück nach Beauvoisin.

Ihr wollt noch bleiben? Dann quartiert euch bei Patricia Mijouin ein, die nahe der Mairie in einer Sandsteinvilla die vier Gästezimmer von Couleurs de Camargue eingerichtet hat, und lasst euch abends beim gemeinsamen table d’hôte aller Gäste kulinarisch verwöhnen (6, rue des Templiers, Tel. ß07 88 04 03 16, www.facebook.com).

Petite Camargue: Schmuck am Radweg - die Gräser der Camargue. Foto: Hilke Maunder
Die Gräser der Camargue sind unglaublich vielfältig. An den Étangs und am Ried findet ihr vor allem Schilfpflanzen wie Rohrkolben, Binsengras und Rohrglanzgras – und am Radweg schmuckes Pampapsgras. Foto: Hilke Maunder

Noch mehr Betten*
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Radelnd durch die Petite Camargue

Eure Radroute durch die Petite Camargue
Eure Radroute durch die Petite Camargue

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Weiterlesen

Im Blog

In Aigues-Mortes umschließt eine vollständig erhaltene Stadtmauer die historische ville close. Tipps, Infos und Impressionen zu dieser Perle der Camargue findet ihr hier.

In Les-Sainte-Maries-de-la-Mer tragen die Zigeuner die schwarze Sara ins Meer – und könnt ihr dem Klerus aufs Dach steigen. Klickt mal hier.

Die Camargue gehört administrativ zu Arles. Mehr über die flächenmäßig größte Kommune Frankreichs erfahrt ihr hier.

Im Buch

Der Krimi zur Petit Camargue

Xavier-Marie Bonnot_Im Sumpf der Camargue_Cover_©Unionsverlag

Packt bei eurer Reise in diese Region einen Krimi mit ins Gepäck, den ich in nächtlichen Stunden verschlungen habe: Im Sumpf der Camargue* von Xavier-Marie Bonnot.

Der zweite Fall des Marseiller Kripomannes Michel de Palma, der vom Milieu seiner Heimat nur Le Baron genannt wird, gehört zu den besten französischen Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Spannend, überraschend, kenntnisreich in der Region verwurzelt – ein Lesevergnügen bis zur letzten Seite! Wer mag, kann den Band hier* online bestellen

Den ersten Fall von Commissaire Michel de Palma habe ich euch in meinem Blogbeitrag zum Krimiland Frankreich vorgestellt.

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatals Frankreich Süden (Okzitanien)* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyà. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennen*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich neu entdeckt und getestet habe. Ein Online-Update-Service informiert euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreich 2021 in 9. Auflage erschienen.

Das 588 Seiten dicke Werk ist der beste Begleiter für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich vor vielen Jahren von Barbara Markert übernommen und seitdem umfassend aktualisiert und erweitert.

Freut euch auf neue Insidertipps, neue Reiseziele, frischen Hintergrund und viele Erlebnisvorschläge für Aktive und Entdecker – von Lichterkunst in Bordeaux’ U-Boot-Basis bis zu Wanderungen unter Wasser.

Damit ihr Frankreich noch besser versteht, gibt es natürlich auch viel Hintergrund zu Frankreich und seinen Menschen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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7 Kommentare

  1. Danke für die Tipps! Die Radtour hört sich wunderbar an, wir planen sie fest ein für unseren nächsten Aufenthalt in dieser Gegend. Beim Nachschlagen der Tour auf google maps bzgl. der Vereinbarkeit mit dem Wohnmobil habe ich jedoch festgestellt, dass das Restaurant in Franquevaux dauerhaft geschlossen zu sein scheint. Das wäre schade!

  2. Das liest sich wieder sehr interessant. Die Camargue auf dem Sattel des Velos zu erkunden und dabei die Langsamkeit des Seins zu genießen und an z.B. Flamingos vorbeizugleiten, das stelle ich mir sehr schön und entspannend vor. Der Tipp kommt gleich in meine Frankreich-Reise-Wunschliste.

  3. Die Gegend, Ortschaften und das Centre Scamandre haben wir schon mit dem PKW besucht. Mit dem Rad stelle ich es mir noch schöner vor so mitten durch die Natur. Nur im Hochsommer sehr unangenehm, da kaum Schatten weit und breit.

1 Trackback / Pingback

  1. Petra Pokorny

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