Eine Reise in die Champagne
Eine Reise in die Champagne überrascht. Wer diesen Landstrich im Nordosten Frankreichs erkundet, entdeckt eine Region voller reizvoller Gegensätze: mittelalterliche Fachwerkstädte und römische Ruinen, stille Wälder und sanft geschwungene Weinberge, prunkvolle Champagnerhäuser und bodenständige Winzerhöfe. Hier wurde französische Geschichte geschrieben – von keltischen Stämmen und königlichen Krönungen bis zu den Schlachtfeldern zweier Weltkriege. Und zugleich ist die Champagne eine Genusslandschaft par excellence: für Wein, Kultur und Lebensfreude.
Die Champagne liegt nur 150 Kilometer östlich von Paris, doch sie fühlt sich an wie eine andere Welt. Mit 25.606 Quadratkilometern ist sie etwa so groß wie Brandenburg und erstreckt sich über vier Départements: Marne, Aube, Ardennes und Haute-Marne. Ihre Hauptstadt ist nicht etwa das berühmte Reims, sondern das oft übersehene Châlons-en-Champagne.
Drei große Flüsse durchziehen die Landschaft – Marne, Seine und Aube – und ihre Täler säumen Weinberge mit Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay, die sich sanft die Hänge hinaufziehen. Dazwischen liegen weitläufige Getreidefelder, dichte Wälder und stille Seen. Eine Reise in die Champagne offenbart eine Region der Kontraste – entdeckt sie!

Von den Kelten zu den Königen
Die Geschichte der Champagne beginnt lange vor dem ersten Champagner. Im Jahr 57 vor Christus schlossen die keltischen Remi als einziger Stamm einen Bündnisvertrag mit Julius Cäsar – eine strategisch kluge Entscheidung, die der Region jahrhundertelangen Wohlstand bescherte. Die Römer gründeten Durocortorum, das heutige Reims, das schnell zu einer der bedeutendsten Städte Galliens aufstieg. Monumentale Bauwerke wie die Porte de Mars und der unterirdische Cryptoportique an der Place du Forum zeugen noch heute von dieser glanzvollen Epoche.


Doch die wahre Bedeutung der Champagne sollte sich erst im Mittelalter entfalten. Am Weihnachtstag des Jahres 496 ließ sich Chlodwig, der erste germanische Herrscher, in Reims katholisch taufen. Der Legende nach brachte eine Taube heiliges Öl vom Himmel – die berühmte Sainte Ampoule, die fortan bei allen Krönungszeremonien verwendet wurde. Damit war Reims zum spirituellen Zentrum Frankreichs geworden. Von 816 bis 1775 wurden hier 33 französische Könige gekrönt, von Ludwig dem Frommen bis Ludwig XVI. Ohne die Salbung in der Kathedrale Notre-Dame war göttliche Legitimation nicht möglich.

Eine der dramatischsten Krönungen war jene von Karl VII. im Jahr 1429. Die 17-jährige Jeanne d’Arc, ein einfaches Bauernmädchen aus Lothringen, führte den Dauphin durch feindliches Gebiet nach Reims und wendete damit das Schicksal Frankreichs im Hundertjährigen Krieg. Ihre Geschichte – heldenhafte Rettung, grausame Hinrichtung, spätere Heiligsprechung – ist tief mit der Champagne verwoben und gehört zu jeder Reise in die Champagne als historisches Echo.
Während Reims als Krönungsstadt glänzte, entwickelte sich Troyes zum wirtschaftlichen Herz der Region. Im 12. und 13. Jahrhundert waren die Champagner-Messen von Troyes das Handelszentrum Europas – eine Art mittelalterliche Wall Street, wo italienische Kaufleute auf flandrische Weber trafen, wo Gewürze aus dem Orient gegen flämische Tuche getauscht wurden. Der Reichtum dieser Epoche lässt sich noch heute an den prächtigen Fachwerkhäusern und gotischen Kirchen der Altstadt ablesen.
Doch auf den Glanz folgten dunkle Zeiten. Der Hundertjährige Krieg und die Religionskriege des 16. Jahrhunderts verwandelten die blühende Region in eine vergessene Provinz. Erst im 17. Jahrhundert, mit dem Aufstieg des Champagners, sollte die Champagne zu neuem Ruhm gelangen.

Weltkriege als Wendepunkt
Die Champagne des 20. Jahrhunderts ist untrennbar mit den beiden Weltkriegen verbunden. Im September 1914 stoppte die Schlacht an der Marne den deutschen Vormarsch auf Paris – ein Wendepunkt des Ersten Weltkriegs. Doch der Preis war hoch: 368 Dörfer wurden vollständig zerstört. Viele von ihnen wurden nie wieder aufgebaut. Heute existieren sie als villages détruits – zerstörte Dörfer –, markiert durch Gedenksteine und überwucherte Ruinen, stumme Mahnmale inmitten friedlicher Felder und Weinberge.
Der Zweite Weltkrieg endete in der Champagne: Am 7. Mai 1945, um 2:41 Uhr nachts, unterzeichnete Generaloberst Jodl in einer Handwerkerschule in Reims die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Siebzehn Jahre später, 1962, knieten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer gemeinsam in der Kathedrale von Reims – ein kraftvolles Symbol der deutsch-französischen Versöhnung und des europäischen Friedens.

Reims – die Krönungsstadt
Die meisten beginnen ihre Reise in die Champagne in Reims. Wer heute durch die Großstadt schlendert, spürt auf Schritt und Tritt die Schichten der Geschichte. Die Kathedrale Notre-Dame, ein Meisterwerk der Gotik, überragt die Dächer der Innenstadt. Ihre Westfassade mit den 2.303 Statuen, darunter der berühmte lächelnde Engel, ist eines der eindrucksvollsten Portale Europas. Im Inneren fällt das Licht durch Kirchenfenster von Marc Chagall, deren leuchtende Blautöne einen faszinierenden Kontrast zur mittelalterlichen Architektur bilden.

Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich der Palais du Tau, einst Residenz der Erzbischöfe und Schauplatz der königlichen Krönungsbankette. Heute beherbergt er einen Domschatz von unermesslichem Wert: Krönungsgewänder, den Kelch von Saint Remi und kostbare Reliquienschreine. Und dann ist da die Basilika Saint-Remi, eine romanische Kirche von schlichter Schönheit, in deren Krypta der Heilige Remigius ruht, jener Bischof, der Chlodwig taufte und damit die Geschichte der Champagne für immer prägte.

Doch Reims ist keine verstaubte Museumsstadt. In den Straßen der Altstadt und auf der Place Drouet d’Erlon pulsiert das Leben: Cafés mit Tischen auf dem Trottoir, Boutiquen in historischen Häusern, der geschäftige Markt auf der Place du Boulingrin, wo samstags Bauern aus dem Umland ihre Waren anbieten – Käse von der Fromagerie de Mussy aus Chaource, Honig aus den Ardennen, frisches Gemüse und duftende Backwaren. Abends füllen sich die Restaurants, in denen junge Köche regionale Traditionen neu interpretieren.

Unter der Stadt erstreckt sich eine andere Welt: die Champagnerkeller, in denen Millionen Flaschen in der kühlen Dunkelheit reifen. Große Häuser wie Veuve Clicquot, Taittinger, Pommery und Ruinart öffnen ihre Tore für Besichtigungen und Verkostungen. Ihr steigt hinab in die römischen Kreidesteinbrüche, wandert durch labyrinthische Gänge, wo die Flaschen auf Holzregalen ruhen, und erfahrt die Geheimnisse der méthode champenoise. Am Ende wartet die Verkostung – und plötzlich schmeckt der Champagner anders, wenn man weiß, welch aufwendiger Prozess in jeder Flasche steckt.

Châlons-en-Champagne – die unterschätzte Hauptstadt
Die offizielle Hauptstadt der Champagne ist Châlons-en-Champagne. Doch kaum ein Besucher verirrt sich bei einer Reise in die Champagne hierher – zu berühmt sind ihre Nachbarn. Wie schade! Die Stadt am Ufer der Marne besitzt einen stillen Charme, den man erst beim zweiten Blick entdeckt. Kanäle durchziehen die Altstadt, gesäumt von Trauerweiden, deren Zweige sich im Wasser spiegeln. Nicht umsonst wird Châlons manchmal als „Klein-Venedig der Champagne“ bezeichnet.
Das Herzstück der Stadt ist die Collégiale Notre-Dame-en-Vaux, ein gotisches Meisterwerk, das seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Ihr Glockenturm mit 56 Glocken ist einer der reichsten Frankreichs. Jeden Tag zur vollen Stunde erklingt ein Carillon, dessen Melodie über die Dächer der Stadt schwebt. Im angrenzenden Museum sind die Originalskulpturen des mittelalterlichen Kreuzgangs ausgestellt – feine Steinmetzarbeiten von berührender Schönheit.
Doch Châlons-en-Champagne ist mehr als historische Pracht. Die Stadt ist Verwaltungssitz der Region, ein lebendiges Zentrum mit Theatern, Museen und einer florierenden Kulturszene. Im Sommer verwandelt sich die Marne-Uferpromenade in eine grüne Oase, wo Einheimische picknicken, spazieren gehen oder einfach auf einer Bank sitzen und den Schwänen zusehen. In den Gärten rings um die Stadt blühen im Frühling Tausende von Tulpen – ein duftender Farbenrausch!
Troyes – die mittelalterliche Perle

Im Süden der Champagner birgt Troyes die größte zusammenhängende Fachwerkfläche Frankreichs. Mehr als 10.000 bunte Fachwerkhäuser aus dem 13.-16. Jahrhundert prägen die Altstadt, die aus der Vogelperspektive die Form eines Champagnerkorken hat. Viele von ihnen sind schief, windschief, mit Jahrhunderten auf dem Buckel und nicht auf Hochglanz saniert, sondern voller Patina. Wer bei seiner Reise in die Champagne durch Troyes bummelt, entdeckt ein Freilichtmuseum, das fasziniert. Hier ein Erkerfenster, dort ein geschnitzter Türsturz, überall Details, die den Blick fesseln. In der Ruelle des Chats, der „Katzengasse“, einer der schmalsten Straßen Frankreichs, berühren sich die Fachwerkhäuser fast.

Im Mittelalter war Troyes eine der reichsten Städte Europas, Zentrum des Textilhandels und Schauplatz der berühmten Champagner-Messen. Italienische Bankiers, flandrische Weber, deutsche Kaufleute – sie alle trafen sich hier, um Geschäfte zu machen. Der Reichtum dieser Epoche manifestierte sich in neun prächtigen Kirchen. Zu ihnen gehören die unvollendete Cathédrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul mit ihren spektakulären Glasfenstern, Saint-Urbain als atemberaubendes Juwel der Gotik und Sainte-Madeleine mit dem ältesten steinernen Lettner Frankreichs (1508-1517).

Im 19. Jahrhundert wurde in Troyes die Strumpfhose erfunden. Heute ist McArthurGlen Outlet das größte Designer-Outlet Europas. 150 internationale Marken im Outlet-Center verführen dort zum Shopping.
Im Viertel Saint-Jean locken kleine Antiquitätenläden, Kunstgalerien und Bistros. Auf den Märkten stapeln sich regionale Spezialitäten wie Chaource-Käse und Andouillette de Troyes. Die Kuttelwurst, die nicht jedermanns Sache ist, gehört zu Troyes gehört wie das Fachwerk. Und der Champagner der nahen Côte des Bar.
Épernay – das Herz der Champagner-Produktion

Épernay ist kleiner als Reims, bescheidener, unaufgeregter – und ist für viele bei ihrer Reise in die Champagne doch das eigentliche Ziel und Zentrum der Champagner-Welt. An der Avenue de Champagne reihen sich die großen Champagnerhäuser aneinander wie Perlen auf einer Kette. Diese 1,2 Kilometer lange Allee wurde 2015 zusammen mit den Weinbergen und Kellern der Champagne zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. 2025 feierte sie ihren 100. Geburtstag.

Die Avenue de Champagne ist die teuerste Straße Frankreichs – nicht wegen der Immobilienpreise an der Oberfläche, sondern wegen dessen, was darunter liegt. In 30 Meter Tiefe erstrecken sich über 100 Kilometer Kellergewölbe, in denen schätzungsweise 200 Millionen Flaschen Champagner lagern. Die Keller wurden in römischer Zeit als Kreidesteinbrüche angelegt und im 18. Jahrhundert von den Champagnerhäusern übernommen. Bei konstanten 12 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit herrschen hier ideale Bedingungen für die Reifung.

Das größte und berühmteste Haus ist Moët & Chandon. Gegründet 1743, erstrecken sich seine Keller über 28 Kilometer. Hier reifte der Lieblingschampagner von Napoleon, der auf seinen Feldzügen stets Kisten davon mitführte. Später wurde Kaiserin Joséphine eine treue Kundin. Das Château de Saran, einst Residenz der Familie Moët, thront über den Weinbergen und dient heute als exklusives Gästehaus bei einer Reise in die Champagne.

Perrier-Jouët, ein Haus im Stil der Belle Époque, besticht durch seine Jugendstil-Etiketten mit Anemonen-Motiven – entworfen vom Künstler Émile Gallé. Die Villa, umgeben von einem prächtigen Rosengarten, wirkt wie ein Märchenschloss. Pol Roger, das Lieblingshaus von Winston Churchill, pflegt bis heute englische Traditionen: diskrete Eleganz, zurückhaltender Luxus, perfekter Service. Churchill soll gesagt haben: „Meine Vorstellung vom Paradies ist, Pol Roger-Champagner zu trinken und nach England hinüberzuschauen.“

Die Champagnerhäuser überragt seit 1905 der 66 Meter hohe Turm von De Castellane. Von oben bietet sich ein Panoramablick über Épernay und die umliegenden Weinberge. Das nahe Champagnerhaus Mercier gilt als Pionier im Önologie-Tourismus. Eugène Mercier ließ einen riesigen Ballon bauen und bot Besuchern Fahrten über die Weinberge an. Heute könnt ihr im Fahrstuhl 30 Meter tief hinabsausen und in kleinen Zügen durch die 18 Kilometer langen Keller fahren und mit eurem Audioguide viel über die Geschichte und Kunst des Champagnerhauses erfahren.

Doch Épernay ist mehr als die Avenue de Champagne. In den Seitenstraßen finden sich gemütliche Bistros, wo Einheimische ihren Feierabend-Champagner trinken – oft einen einfachen, aber ehrlichen Winzer-Champagner, der hier für den Preis eines guten Weins über die Theke geht. Auf dem Markt an der Place de la République herrscht samstags reges Treiben: Gemüsestände, Käseverkäufer, ein Metzger, der seine hausgemachten Terrinen anpreist. Das ist die andere Seite der Champagne – bodenständig, authentisch, fern vom Glamour.

Kleine Perlen abseits der Hauptrouten
Wer bei seiner Reise in die Champagne das sanft gewellte Land abseits der ausgetretenen Pfade erkundet, stößt auf Orte von stiller Schönheit. Hautvillers, ein Dorf hoch über der Marne, gilt als Wiege des Champagners. Hier lebte und arbeitete Dom Pérignon, der Benediktinermönch, dem die Erfindung des Champagners zugeschrieben wird – auch wenn das historisch nicht ganz korrekt ist.

Die Legende ist mächtiger als die Fakten. Die Abteikirche, wo Dom Pérignon begraben liegt, ist schlicht und schön. Von der Terrasse vor der Kirche schweift der Blick über die Weinberge bis nach Épernay. Im Dorf selbst sind viele Hauswände mit schmiedeeisernen Zunftzeichen geschmückt – malerische Details, die bezeugen, wie stolz die Winzer hier auf ihre Arbeit und ihr Terroir sind.

Château-Thierry, am westlichen Rand der Champagne an der Marne gelegen, ist die Geburtsstadt von Jean de La Fontaine, Frankreichs großem Fabeldichter des 17. Jahrhunderts. Sein Geburtshaus ist heute ein Museum, das sein Leben und Werk würdigt. Die Stadt selbst, mit ihrer mittelalterlichen Burg, die über dem Fluss thront, hat einen melancholischen Charme. Hier spürt man, dass die Champagne eine Region im Übergang ist – halb Île-de-France, halb eigenes Universum.

Bei eurer Reise in die Champagne solltet ihr auch Langres tief im Süden an der Grenze zu Burgund nicht verpassen. Langres ist eine Festungsstadt wie aus dem Geschichtsbuch. Wie ein steinerner Gürtel umschließt die vollständig erhaltene Stadtmauer die Altstadt. Ihr könnt hier auf den Wällen spazieren und einen Panoramablick über vier Départements genießen!

Langres ist der Geburtsort von Denis Diderot, dem Aufklärer und Herausgeber der Encyclopédie. Ein Denkmal auf der Place Diderot erinnert an den großen Sohn der Stadt. Heute gehört Langres administrativ nicht mehr zur Champagne, doch die Stadt versteht sich als südliches Tor zur einst eigenständigen Grafschaft. Kulinarisch ist sie es allemal, denn hier wird der berühmte Langres-Käse produziert, ein würziger Weichkäse mit einer Mulde auf der Oberseite, in die traditionell Champagner oder Marc de Champagne gegossen wird.

Naturlandschaften zwischen Weinberg und Wald
Eine Reise in die Champagne zeigt: Sie ist nicht nur eine Kulturlandschaft, sondern auch eine historische Provinz von erstaunlicher natürlicher Vielfalt. Im Norden erheben sich die Ardennen, ein bewaldetes Mittelgebirge, das sich bis nach Belgien erstreckt. Hier entspringen kleine Flüsse, die sich ihren Weg durch tiefe Täler bahnen. Im Zentrum dominieren die Kreideplateaus, durchzogen von sanften Hügeln, auf denen die Weinberge wachsen. Im Süden, Richtung Burgund, wird die Landschaft hügeliger, dichter bewaldet.

Der Parc Naturel Régional de la Montagne de Reims schützt ein einzigartiges Waldgebiet zwischen Reims und Épernay. Hier findet sich eines der seltsamsten Naturphänomene Frankreichs: die Faux de Verzy, verdrehte Buchen, deren Äste sich wie Schlangen winden und am Boden entlangkriechen, statt in die Höhe zu wachsen. Niemand weiß genau, warum diese Bäume so wachsen – eine genetische Mutation wird vermutet. Im dämmrigen Licht des Waldes wirken sie mystisch, fast unheimlich. Kinder lieben diesen Ort, denn die knorrigen Bäume laden zum Klettern ein.

Weiter östlich liegt der Lac du Der-Chantecoq, der größte künstliche Stausee Frankreichs. Angelegt in den 1970er-Jahren als Hochwasserschutz für Paris, ist er heute ein Paradies für Naturliebhaber. Jedes Jahr, im Frühjahr und Herbst, rasten hier Zehntausende Kraniche bei ihrer Reise in die Champagne und ihrem Zug zwischen Skandinavien und Spanien. Insgesamt wurden 270 Vogelarten beobachtet. Am Seeufer stehen mehrere mittelalterliche Fachwerkkirchen, die beim Bau des Stausees abgebaut und an höher gelegenen Stellen wieder aufgebaut wurden – ein einzigartiges architektonisches Ensemble.

Im Süden, rund um Troyes, erstreckt sich die Forêt d’Orient, ein weitläufiges Waldgebiet, durchsetzt mit drei großen Seen: Lac d’Orient, Lac du Temple und Lac Amance. Im Sommer kommen Familien zum Baden, Segeln und Picknicken. Im Herbst färbt sich der Wald in allen Schattierungen von Gold und Rot. Und im Winter, wenn Nebel über den Seen liegt und die kahlen Bäume ihre Silhouetten in den grauen Himmel zeichnen, hat die Landschaft etwas Melancholisches, Kontemplatives.
Kulinarische Champagne – mehr als Champagner

Die Küche der Champagne ist bodenständiger, als man es von einer Region erwartet, die mit Luxus assoziiert wird. Eine Reise in die Champagne zeigt: Hier wird deftig gegessen, herzhaft, ehrlich. Die Potée champenoise, ein Wintereintopf aus Schweinefleisch, Kohl, Karotten und Kartoffeln, wärmt an kalten Tagen. Die Andouillette de Troyes, eine grobe Kuttelnwurst, ist nichts für zarte Gemüter, aber für ihre Liebhaber ein Fest. Und dann sind da die Rillettes aus den Ardennen – zartes, langsam geschmortes Schweine- oder Gänsefleisch, fein zerkleinert und mit eigenem Fett vermischt, gestrichen auf frisches Baguette.

Der berühmteste Käse der Region ist der Chaource, ein cremiger Weichkäse aus Kuhmilch mit AOC-Siegel. Sein Teig ist weiß und seidig, sein Geschmack mild mit einem Hauch von Pilzen. Jung gegessen, ist er fest und frisch; nach einigen Wochen Reifung wird er cremig und entwickelt komplexere Aromen. Dazu passt ein Glas mit dem Rosé des Riceys oder von den Coteaux Champenois, der stille Wein der Champagne, der oft unterschätzt wird, aber hervorragend zu Käse harmoniert.

Die biscuits roses de Reims sind eine Spezialität, die seit 1756 in der Stadt gebacken wird. Ursprünglich wurden die Kekse aus den Resten von Macarons-Teig hergestellt; ihre rosa Farbe stammt von Karmin, einem natürlichen Farbstoff, und sollte einst die Vanille-Punkte übertünchen. Diese rosa Kekse, hart, knusprig und unglaublich bröselig, werden traditionell in Champagner getunkt – die Säure des Weins und die Süße des Gebäcks ergeben eine perfekte Kombination.
Auf den Märkten der Region findet ihr bei einer Reise in die Champagne Honig aus den Wäldern und Weinbergen – Akazien- und Lindenhonig, goldgelb und duftend. Es gibt Senf aus Reims, der in Konkurrenz zu jenem aus Dijon tritt. Und natürlich gibt es überall Champagner…

Sterneküche und kreative Bistronomie
Die Champagne hat in den letzten Jahren eine beeindruckende gastronomische Renaissance erlebt. An der Spitze steht das Restaurant L’Assiette Champenoise in Tinqueux, einem Vorort von Reims, das seit 2014 drei Michelin-Sterne trägt. Küchenchef Arnaud Lallement, der das Restaurant in dritter Generation führt, kreiert eine Küche, die regional verwurzelt und gleichzeitig innovativ ist. Seine Gerichte sind Kunstwerke auf dem Teller: Langustinen mit Kaviar und Champagner-Schaum, Charolais-Rind mit Trüffel, Desserts, die aussehen wie Skulpturen. Die Weinkarte ist ein Kompendium der Champagne mit mehr als 1.000 Positionen.

Im Château Les Crayères in Reims, einem herrschaftlichen Anwesen umgeben von einem Park, residiert das Restaurant Le Parc mit zwei Michelin-Sternen. Küchenchef Christophe Moret interpretiert die klassische französische Küche mit leichter Hand. Seine Menüs sind eine Hommage an die Tradition, seine Kreationen mit regionalem Gemüse – Spargel aus den Ardennen, Karotten aus der Brie – sind modern und überraschend. Das Ambiente ist elegant ohne Steifheit: hohe Decken, kristallene Lüster, Tische mit Blick in den Garten.
Doch nicht nur die Sternerestaurants lohnen den Besuch bei einer Reise in die Champagne. In der Champagne gibt es eine wachsende Szene junger Köche, die auf lokale Produzenten setzen und die Farm-to-Table-Bewegung vorantreiben. In kleinen Bistros in Reims, Épernay und Troyes wird kreativ gekocht, werden alte Rezepte neu interpretiert, wird Champagner nicht nur als Aperitif, sondern als Begleiter zum gesamten Menü serviert. Das Klischee, Champagner passe nur zu Kaviar und Austern, wird hier genüsslich widerlegt: Champagner harmoniert wunderbar mit Käse, mit gebratenem Fisch, mit Gemüsegerichten, sogar mit Desserts.

Eine Reise in die Champagne : meine Tipps
Hinkommen
Mit der Bahn
Reims, Épernay, Châlons-en-Champagne und Troyes sind an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz TGV sowie regionale TER-Zugverbindungen mit Fahrradtransport angebunden. Ganz bequem per Bahn beginnt eine Reise in die Champagne beispielsweise mit direkten Verbindungen ab Paris Gare de l’Est nach Reims (ca. 45 Minuten), Troyes (ca. 1,5 Stunden) und Châlons-en-Champagne (ca. 1 Stunde).
Unterwegs
Mit dem Rad
Eine Reise in die Champagne kann auch perfekt per Rad erfolgen. Die Radwanderrouten durch die Champagne sind fast überall recht gut ausgebaut. Es gibt rund 450 Kilometer an voies vertes (grüne Wege) quer durch die Region, meist auf ehemaligen Leinpfaden, stillgelegten Bahnstrecken oder entlang von Kanälen und Flüssen. Besonders beliebt sind Radwege entlang der Marne vorbei an eindrucksvollen Weinbergen und Naturschutzgebieten.
Schlemmen und genießen
Was wäre eine Reise in die Champagne ohne die engagierten Köche, die hier köstliche Kreationen aus lokalen Produkten zaubern?
REIMS

Le Crypto
Frédéric Dupont serviert gegenüber den Krypoportiken der römischen Antike großzügige Portionen gesunder saisonaler Gerichte. Die ausgewogene Weinkarte birgt eine große Auswahl an guten Champagnern.
• 14, place du Forum, 51100 Reims, Tel. 03 26 25 27 81, https://restaurantlecrypto.eatbu.com

Brasserie Le Jardin
Das Bistro des Zweisternehauses Les Crayères von Christophe Moret ist ausgezeichnet mit dem Bib Gourmand – und entpuppt sich als eine elegaten moderne Brasserie im hauseigenen Park.
• 7, avenue du Général Giraud, 51100 Reims, Tel. 03 26 24 90 90, https://lescrayeres.com
Les Crayères

Zweisternechef Christophe Moret steht am Herd des Domaine Les Crayères, eines wunderschönen Belle-Époque-Anwesen am südöstlichen Stadtrand von Reims in unmittelbarer Nähe zu Pommery und zum Parc de Champagne. Seine tief in der Region verwurzelte, moderne Haute Cuisine ist optisch wie geschmacklich ein Hochgenuss.
• 64, boulevard Henry Vasnier, 51100 Reims, Tel. 03 26 24 90 00, https://lescrayeres.com

Le Balto
Eine beliebte, grundehrliche Terrasse zum Apéro zwischen Forum und Markthalle.
• 22, rue de Mars, 51100 Reims, Tel. 03 26 40 57 11

ÉPERNAY
Cook’in
Frankreich trifft Thailand im Kochtopf – und was die Fusionsküche von Guillaume Rousseaux darin hervorbringt, ist frisch, gesund und köstlich.
• 18, rue Porte Lucas, 51200 Épernay, Tel. 03 26 54 89 80, https://restaurant-cookin.fr
Symbiose
Unkompliziert, jung und doch sehr genussvoll ist die französische Küche von Justine und Maxime mittags wie abends.
• 5, rue de Reims, 51200 Épernay, Tel. 03 26 54 75 20, www.symbiose-restaurant.com
La Grillade Gourmande
Der Name verrät das Programm: Hier gibt es klassische französische Küche mit Fokus auf Fleisch.
• 16, rue de Reims, 51200 Épernay, Tel. 03 26 55 44 22, www.lagrilladegourmande.com
Aux crieurs de vin
Eine große Auswahl an Weinen und Champagnern, auch von kleinen Produzenten, dazu passend eine regionale und saisonale französische Küche: parfait !
• 4, place Jean Jaurès, 10000 Troyes, Tel. 03 25 40 01 01, https://auxcrieursdevin.fr

CHÂLONS-EN-CHAMPAGNE
Au Carillon Gourmand
Gegenüber der Stiftskirche Notre-Dame-en-Vaux setzt Küchenchef Philippe Kerman auf eine kunstvolle wie kreative Bistronomie von heute.
• 15 Bis, place Monseigneur Tissier, 51000 Châlons-en-Champagne, Tel. 03 26 64 45 07, www.carillongourmand.com
Jérôme Feck
Wenige Schritte weiter lockt am gleichen Platz das Hôtel d’Angleterre mit der Sterneküche von Jérôme Feck. Der sehr akribisch arbeitende Koch lernte sein Handwerk bei Meisterköchen in Langres, Reims und Épernay. Seit 2017 ist er in Châlons-en-Champagne tätig ist, wo er rasch für seine intensiven, ausgewogenen Saucen berühmt wurde, die er gezielt mit Säure oder Rauchnoten verfeinert.
• 19, Place Monseigneur Tissier, 51000 Châlons-en-Champagne, Tel. 03 26 68 21 51
Les Avizés
Stéphane Rossillon und seine Frau Nathalie betreiben das Restaurant des gleichnamigen Hotels mit Charme und Expertise. Stéphane hat seine kulinarische Ausbildung unter anderem bei Anne-Sophie Pic absolviert, was seine Küche bis heute prägt.
• 59, rue de Cramant, 51190 Avize, Tel. 03 26 57 70 06, www.selosse-lesavises.com
TROYES
Claire et Hugo
Claire und Hugo sind zwei junge, passionierte Autodidakten, die eine frische, köstliche wie gesunde Marktküche, servieren – 95 Prozent ihrer Zutaten stammen aus biologischem Anbau. Zu ihrem Lokal gehören neben dem Restaurant auch eine Bäckerei und eine Feinkostboutique. Schön im Sommer: die Terrasse und der Innenhof mit Zitronenhaus.
• 77, avenue du Général Gallieni, 10300 Sainte-Savine, Tel. 09 73 14 18 69, www.claireethugo.fr
Pierre et Clément
Küche und Wein, wirbt die Webseite, und genau dies findet ihr bei Pierre Page und Clément Marquet, die traditionelles und regionales Kochen mit frischen und lokalen Produkten verbinden. Auf der Karte findet ihr u.a. Steinbutt mit Schalensud, geschmorte Rinderbrust mit Holunderhonig und zum Dessert eine fruchtige Erdbeer-Rhabarber-Tarte.
• 1, ruelle des Chats, 10000 Troyes, Tel. 03 25 73 15 30, https://pierreetclement.fr

Hier könnt ihr schlafen
Loisium Wine & Spa Hotel Champagne
Oberhalb des kleinen Winzerdorfs Mutigny, mitten in den Weinbergen zwischen Reims und Épernay, findet ihr bei eurer Reise in die Champagne den ersten Ableger der österreichischen Loisium-Hotels in Frankreich. Die Architektur der 101 Zimmer und Suiten stammt vom New Yorker Büro Steven Holl Architects, das bereits das Loisium in Langenlois entworfen hat – klar, geradlinig und mit natürlichen Materialien wie Eichenholz, Wolle und Leinen für ein gemütliches und heimeliges Wohngefühl.
Zu den Zimmerkategorien gehören sowohl Doppelzimmer, Juniorsuiten als auch großzügige Suiten mit bis zu 42 Quadratmetern. Das Hotel bietet darüber hinaus einen Spa-Bereich mit beheiztem Außenpool, dessen Glasfront sich zu den Weinbergen öffnet, eine Brasserie, eine Bar sowie Tagungsräume. Von den Terrassen und Zimmern bietet sich ein weiter Blick über die welligen coteaux der Champagne, besonders stimmungsvoll am frühen Morgen, wenn Nebel in den Tälern hängt.
1, allée de la Sapinière, 51160 Mutigny, Tel. 03 10 01 82 00, www.loisium.com/champagne
Le 25 bis by Léclerc Briant
Das kleine, feine Stadthotel gehört dem Champagnerhaus Léclerc Briant, das hier auch seine Boutique untergebracht hat. Léclerc Briant ist ein Pionier im biologischen und biodynamischen Weinbau in der Champagne. Sein historisches Stadtpalais aus den 1850er-Jahren liegt direkt an der Avenue de Champagne in Épernay. Die fünf Zimmer in sanften Braun-, Weiß-, Beige- und Schwarztönen sind elegant modern mit einem Hauch Nostalgie. Champagner-Glück: ein Glas des hauseigenen Schaumweins im Salon.
• 25 bis, avenue de Champagne, 51200 Épernay, Tel. 03 26 56 40 70, www.les25bis.com
Villa Signolle by Michel Gonet
Hohe Decken, Parkett, ein paar ausgesuchte Designstücke, ansonsten Ruhe und Raum: Auch die Villa von Michel Gonet liegt an der Avenue de Champagne von Épernay. Im Keller des Hauses könnt ihr die Champagner des familiengeführten Hauses probieren – Michel Gonet produziert vor allem Chardonnay-lastige Cuvées aus Mesnil-sur-Oger und der Côte des Blancs.
• 37, avenue de Champagne, 51200 Épernay Tel. 03 26543929, www.gonet.fr
Hôtel Le Magny
Mit zwölf Zimmern, darunter einem Familienzimmer, empfiehlt sich dieser gutbürgerliche Gasthof für eure Reise in die Champagne. Chefkoch Gilles Oliveau steht für gehobene Hausmannskost, begleitet von Weinen und Champagner, serviert im nostalgisch-gemütlichen Speisesaal, im Winter am offenen Kamin oder bei schönem Wetter auf der Terrasse.
• Route de Tonnerre, D 452, 10340 Les Riceys, Tel. 03 25 29 38 39, www.hotel-lemagny.com
Le Relais Saint Jean
Schönes zentrales Mittelklassehotel mit charmantem Ambiente und freundlichem Service.
• 51, rue Paillot de Montabert, 10000 Troyes, Tel. 03 25 73 89 90
Camping Le Lac d’Orient
Großer, beliebter Campingplatz nahe einem See, sehr bekannt und regelmäßig als bester Platz der Region gelistet; ideal zum Schwimmen, Radfahren und für Wassersport. Familienfreundlich, moderne Einrichtungen, Stellplätze und Mietunterkünfte.
• 17, rue du Lac, 10140 Mesnil-Saint-Père, Tel. 03 25 40 61 85, www.camping-lacdorient.com
Flower Camping La Samaritaine, Buzancy
Kleiner, ruhiger Campingplatz mit schönem Naturteich, kinder- und hundefreundlich. Besonders empfehlenswert für Ruhesuchende und Naturliebhaber.
• 3, allée des Étangs, 08240 Buzancy, Tel. 03 24 30 08 88, www.camping-lasamaritaine.fr
Camping de Châlons-en-Champagne
Gut gelegener, gepflegter Campingplatz am Stadtrand von Châlons-en-Champagne mit Rad- und Fußwegen sowie guten Anbindungen zur Stadt, beliebt bei Reisenden, die eine grüne Auszeit am Wasser bei ihrer Reise in die Champagne suchen.
• Rue de Plaisance, 51000 Châlons-en-Champagne, Tel. 03 26 68 38 00, www.terracamps.com/camping-nature/camping-de-chalons-en-champagne
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Mehr über Champagner, den ihr bei eurer Reise in die Champagne kosten und kaufen könnt, erfahrt ihr hier. Meine Lieblings-Champagner stelle ich euch hier von A-Z vor.
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