500 Jahre da Vinci: Loiretal feiert die Renaissance

Logo des Renaissance-Jahres 2019. Copyright: Viva da Vinci/Centre-Val de Loire, Pressebild

Die Region Centre-Val de Loire feiert 2019 anlässlich des 500. Todestags von Leonardo da Vinci die Renaissance in Frankreich. 1519 begann der Bau des Château de Chambord, und auch Katharina von Medici, ab 1547 Königin von Frankreich, erblickte vor 500 Jahren in Florenz das Licht der Welt.

Das Loiretal mit seinen Königen und Königinnen, Gärten, Flüssen und zahlreichen Schlössern gilt als Wiege der Renaissance in Frankreich. Historische Persönlichkeiten wie Franz I., Katharina von Medici und Leonardo da Vinci haben zu ihrer Blüte in der Region Centre-Val de Loire beigetragen.

Dank ihrer Förderung konnte sich das künstlerische Schaffen, die Philosophie, Wissenschaft und Literatur in der Region entfalten. Die Schlösser der Loire sind wahrscheinlich der schönste Beweis für den Erfolg dieser Epoche. Für dieses kulturelle und natürliche Ensemble ist das Loiretal der Schlösser mit den Kathedralen von Chartres und Bourges in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.

Meisterwerk der Hochgotik: die Kathedrale von Bourges im Berry. Foto: Hilke Maunder

Wiege der Renaissance in Frankreich

Château bedeutet im Französischen sowohl Burg wie Schloss, und Burgen gab es an der Loire zuhauf. Während des Hundertjährigen Krieges, der von 1337 bis 1453 dauerte, bildete die Loire zeitweise die Grenze zwischen den von England besetzten Gebieten im Norden und dem französischen Kernland. Während dieser Zeit wurden daher die Burgen und Festungen betrieben, die als Bollwerke gegen die Engländer dem Schutz der Anwohner dienen sollten, massiv ausgebaut.

Als der Hof von Paris ins Loire-Tal zog, und nach Ende des 100-Jährigen Krieges die Zentralgewalt des Königs erstarkt war, wurden diese Festungen umgebaut zur feudalen Residenzen. Die beiden einzigen Ausnahmen: Chinon und Loches.

Amboise wurde als erste Burg zur königlichen Residenz ausgebaut. Karl VIII. indes konnte die Vollendung seines durch die italienische Renaissance geprägten Palastes nicht mehr erleben. Er starb 1492, nachdem er sich sein königliches Haupt an einem Türsturz gestoßen hatte…

Chambord war der letzte große Schlossneubau an der Loire. Franz I. ließ den Mammutbau in einem abgelegenen Waldstück errichte. Anlass war, so Flaubert, die Schmach seiner Niederlage gegen Karl V. bei der Wahl des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches.

König Franz rächte sich mit dem Bau des damals prächtigsten Schlosses seiner Zeit:440 Zimmer und 365 Kamine – für jeden Tag einen. Dort empfing er seinen Rivalen…. 72 Tage nur konnte der Monarch sein Schloss präsentieren. Dann verstarb er.

Ende des 16. Jahrhunderts kehrte der Hof zurück nach Paris. Der Bau von Versailles gab den Schlössern der Loire den Todesstoß. Doch wurden viele der Schlossanlagen nicht gänzlich verlassen, sondern weiterhin bewohnt und manchmal auch erweitert.

So könnt ihr dort alle Baustile von der Renaissance über Barock und Klassizismus bis zum Historismus antreffen. Viele Schlösser wurden auch als Jagdschlösser oder Sommerresidenzen weiter genutzt.

Blois war das erste Schloss, das nach den Zerstörungen der Französischen Revolution als erstes wieder hergestellt wurde und diente als Vorbild für weitere Restaurierungen

Die Burg von Langeais. Foto: Hilke Maunder

Leonardo da Vinci: Darum kam er an die Loire

Leonardo da Vinci kommt als alter Mann nach Frankreich. Der Künstler und Wissenschaftler flüchtet förmlich aus Rom nach Amboise 1516 auf Einladung des französischen Königs Franz I. und lässt sich auf dem Landsitz von Cloux nieder, dem heutigen Schloss Clos Lucé.

Hier beginnt auch die französische Geschichte dreier Meisterwerke: die Mona Lisa, Anna selbdritt und die Felsengrottenmadonna mit dem Christuskind und dem Johannesknaben. Sie alle befinden sich heute im Louvre von Paris. Seine letzte Ruhestätte fand da Vinci im Schlossgarten seines Gönners in einer Kapelle. Sie ist bis heute Pilgerziel für Da-Vinci-Fans.

Schloss Amboise: das Grab von da Vinci. Foto: Hilke Maunder

Viva Da Vinci: Renaissance für alle Sinne

Das  Jubiläum ist mehr als eine Gedenkfeier. Das Festjahr will Menschen aus aller Welt zu den Themen Geschichte, Kunst und Wissenschaft mit seinem prall gefüllten Programm zusammenbringen, das sich gleichermaßen an Öffentlichkeit und Fachpublikum richtet.

Hauptthemen sind Kulturerbe, Kunst und Geisteswissenschaften, Musik, Gärten, Naturwissenschaften und technische Errungenschaften, Architektur, Handwerk, Gastronomie und im weitesten Sinne Art de Vivre.

Das gesamte Jahr hindurch sind Highlights geplant. Freut euch auf ein großartiges digitales Wanderspektakel, das zeitgenössische Kunst und Musik miteinander vermischt, grüne Aliens, Kammermusik zu den Gedichten von Ronsard, Renaissancebälle und spannende Ausstellungen, die auch verraten, was Leonardo mit den Robotern gemeinsam hat. Neugierig? Dann klickt hier für das gesamte Programm!

Leonaro lesen: meine Buchtipps

Der Esel auf dem Eis*

Für Leonardo da Vinci war die Natur Vorbild. In seinen Miniaturen spricht sie zu uns: der Stein, der Nusskern, das Feuer, die Luft, das Wasser, die Auster, das Schwein, der Esel. Sie sind die Helden – und Opfer – der Fabeln, die Leonardo da Vinci mit dem Titel „Favole e Leggende / Animali Fantastici“ verfasst hat. Ihre kurzen, sehr anschaulichen Texte hat Rudolf Hagelstange meisterhaft ins Deutsche übersetzte. Nur auf den ersten Blick sind es leichte, einfache Stücke.

Kaum länger als eine Buchseiten, enthalten sie universelle Weisheiten. Leonardos Botschaften sind heute noch so aktuell und treffend wie zu Lebzeiten des italienischen Genies. Wie sehr sie den Zeitgeist treffen, zeigt auch die Gruppe Karat. Sie ließ sich von Leonardo da Vincis Fabel „Der Schwan“ zu ihrem Song „Schwanenkönig“ inspirieren.

Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Leonardo da Vinci, Der Esel auf dem Eis. Unionsverlag: Zürich 2019. 112 Seiten. ISBN 978-3-293-00496-2

Leonardo da Vinci

Maler, Ingenieur, Forscher, Philosoph: Leonardo da Vincis war ein Universalgenie, dessen Leben und Werk bis in unsere Zeit ausstrahlt. Der Italiener brachte Weltbilder in Wanken. Und schuf mit dem geheimnisvollen Lächeln der Mona Lisa eines der faszinierendsten Kunstwerke der Welt. Auch der Künstler gibt bis heute Rätsel auf. Wer war Leonardo?

Bereits 1901 verfasst der Petersburger Künstler Dmitri Mereschkowski die bis heute beste Biografie von Da Vinci. Wie keim Zweiter erweckt der wichtigste Vertreter des Russischen Symbolismus Leonardo auf 640 Buchseiten zum Leben. Sieben Mal war Mereschkowski für den Literaturnobelpreis nominiert. Er starb 1941 in Paris.

Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Dmitiri Mereschkowski, Leonardo da Vinci. Unionsverlag: Zürich 2019. Aus dem Russischen von Erich Boehme. 640 Seiten. ISBN: 978-3-293-20835-3

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2019 feiert das Loiretal der Schlösser 500 Jahre Renaissance. Foto: Hilke Maunder
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