Postkarte aus … Rennes

Rennes: das Fachwerk der Rue de la Baudrairie. Foto: CRT Bretagne/Noé C. Photography
Rennes: das Fachwerk der Rue de la Baudrairie. Foto: CRT Bretagne/Noé C. Photography

Rennes, lange als provinziell, ernst und langweilig verschrien, ist heute „totalement branché“: Die Hauptstadt der Bretagne ist nicht nur den 60.000 Studenten der beiden Universitäten und mehreren Hochschulen angesagt. In der Hochburg des französischen Rock und Pop starteten Gruppen wie Niagara (1984-1992), Kalashnikov, Marquis de Sade (1977-1981) und Etiennne Daho ihre Karriere. Seit 1978 präsentiert das Festival Les Rencontres Trans Musicales alljährlich im November Musik jenseits des Mainstreams.

Ursprünglich als Rockfestival gegründet, hat sich Les Trans längst anderen Stilen geöffnet und zeigt heute alles, was aktuell ist: Chanson, Rap, Hip-Hop, Folk, Ethno, Techno und Jazz. Man tanzt zu Raï von Faudel und Rachid Tahia, verrenkt sich nach Afro-Rhythmen von Femi Kuti und schwingt zu Beats von Roni Size.

Der Erfolg des Musikfest, für den Oberbürgermeisterin von Rennes „ein Kulturschatz der Stadt“, ist der einmaligen Stimmung zu verdanken, die dort herrscht: Die Besucher tanzen open-air, die Bistros organisieren Happy Hours – zwischen der Place des Lices und der Place Ste-Anne reihen sich die meisten Theken der Region.

Boomtown der Bretagne

Die auf dem Reißbrett geplante Verwaltungsstadt am Zusammenfluss von Ille und Vilaine, die ihren Namen dem keltischen Redoner-Stamm verdankt, hat in den letzten 50 Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich und ließ „Roazhon“ in die Riege der zehn größten Städte Frankreichs aufsteigen. Die gute Verkehrsanbindung mit Flughafen und TGV-Anschluss schufen eine boomende Metropolregion mit bedeutenden Industrien und Forschungszentren.

1961 wurde in Rennes-la-Janais das damals modernste Citroën-Werk errichtet – zur Produktion des Ami 6, Frankreichs meistverkauftem Personenwagen. Charles de Gaulle wollte damit die Bretagne zu einer Industrieregion machen.Später wurden in der „usine verte“ die Modelle XM und Xantia montiert. 2018 lief mit dem SUV Citroën C5 Aircross das nächste Flaggschiff der Marke vom Band, ausgezeichnet mit der „Origine France Garantie“.

1984 entstand das Technologiezentrum Rennes-Atalante, zu dem 200 Hochtechnologie-Unternehmen und zwölf Forschungszentren gehören.1988 wurde Rennes zur ›dynamischsten Stadt‹ Frankreichs gewählt – und hat sich dieser Auszeichnung seither als würdig erwiesen.

Was solltet ihr euch ansehen?

Der mittelalterliche Kern wurde 1720 bei einem Großbrand nahezu zerstört. Beim Wiederaufbau entstanden monumentale Stadtpaläste, repräsentative neoklassizistische Fassaden und breite Avenuen. Die Bombenangriffe von 1940 richteten in der Südstadt schwere Schäden an. Dort dominiert moderne, funktionelle Architektur.

Die gotische Cathédrale Saint-Pierre, einst Krönungsstätte der bretonischen Könige, wurde nach einem Brand 1787 – 1844 als neoklassizistischer Prunkbau neu errichtet. Größter Schatz im Stuck überladenen Innern ist der vergoldete Schnitzaltar (16. Jh.) aus Flandern. In den Straßen ringsum verschonte der Stadtbrand die Häuser.

Schönes Fachwerk mit reichem Figurenschmuck finden sich in der pittoresken Rue de la Psalette, der Rue St-Sauveur und der Rue du Chapître, der Gasse der Antiquare und Galeristen. Durch die Rue Saint-Melaine kommt ihr zur Kirche Notre-Dame-en-Saint-Melaine. Dahinter schließt sich ein blumenreiche grüne Oase an: der 10 ha große Parc Thabor.

Rennes: Fachwerk in der Innenstadt. Foto: Pressebild CRT Bretagne/Jacqueline Piriou

An der lebhaften Place Sainte-Anne, dem Herzen der Hauptstadt, sind Cafés und Kneipen in die alten Fachwerkhäuser eingezogen. Auf der Place des Lices, dem mittelalterlichen Turnierplatz der Stadt, wird jeden Sonnabend rund um die Markthalle von Emmanuel Le Ray ein wunderschöner Wochenmarkt abgehalten. Mehr als 300 Erzeuger, Handwerkern, Kunsthandwerker und Händler machen ihn zum drittgrößten Frankreichs.

Flaniermeile, Open-air-Bühne und Treffpunkt der Stadt ist die Place de la Mairie, eingerahmt vom Rathaus (1734 – 1742) mit seinem gedrungenen Glockenturm, Grand Théâtre (1836) und Arkadenhäuser. An der Place du Parlament steht das alte Parlament der Bretagne. Der Palais du Parlament (1618-54) wurde nach einem Feuer 1994 originalgetreu wieder aufgebaut.

Architektonische Ikone, Treffpunkt und Kultur-Trio ist seit  März 2006 der nach Plänen von Christian de Portzamparc entworfene Komplex Les Champs Libres. „Die freien Felder“ vereinen drei Institutionen. Das Wissenschaftszentrum zeigt die Formung der bretonischen Landschaft. Die Bibliothek konserviert das erste lateinisch-bretonisch-französische Wörterbuch aus dem Jahr 149.

Die 1900 qm große Dauerausstellung des Musée de Bretagne entwirft mit 2300 Exponaten einen detaillierten Abriss der Geschichte der Region vom Paläolithikum bis Heute. Gezeigt werden neben Kunsthandwerk wie der berühmten gallo-römischen Statuette ›Brigitte‹ auch Mobiliar, Geschirr und Kleider. Das Musée des Beaux Arts birgt neben einer Sammlung zur Schule von Pont-Aven bedeutenden Werke von Lubin Baugin, Veronese, Rubens, Corot, Gauguin und Chardin sowie das berühmte Gemälde „Nouveau-Né“ von Georges de La Tour (1593-1652).

Rennes: das Kulturzentrum „Les Champs Libres“. Foto: Pressebild CRT Bretagne/Jacqueline Priou

Rennes: meine Reisetipps

Aktiv

Piscine Saint-Georges

Der Badetempel gehört zu den schönsten Art-Deco-Schwimmbädern Frankreichs. Stadtarchitekt Emmanuel Le Ray entwarf das Projekt  und holte die Pariser Keramiker Gentil und Bourdet für die äußeren Schmuckelemente. Drinnen dekorierte Isidore Odorico in Briare-Emaille die Dekoration des Schwimmbads. Der 96 Meter lange Beckenfries war 1999 vom Chlor so stark angegriffen, dass er abgebaut und durch eine Kopie einer italienischen Werkstatt ersetzt wurde.
• 2, rue Gambetta, Mo geschl., sehr schwankende Zeiten: metropole.rennes.fr/les-horaires-des-piscines

Stade Rennes

Der Erstligaclub von Rennes gehört zu den populärsten Fußballvereinen Frankreichs. Seine Matches sind noch echte Lokalderbys! Besitzer des Klubs ist der französische Milliardär François-Henri Pinault. Ab 1930 spielte der deutsche Stürmer Walter Kaiser für den Klub.
www.staderennais.com

Schlemmen

L’Arrivée

Stylische Bier- und Weinbar, die mittags und abends kleine aus regionalen Zutaten serviert, liebevoll wie raffiniert zubereitet vom Küchenchef Maumau.
• 35, Boulevard de Beaumont, www.bistrotlarrivee.bzh

La Petite Nature

100% vegan, frisch und lokal ist die grüne Mittagsküche, die ihr bei La Petite Nature im stylischen Retro-Ambiente genießt. Der Barista gehört zu den besten der Stadt.
• 1, place de la Rotonde, Tel.  02 57 21 29 07, www.facebook.com/PetiteNatureRennes, Mo-Fr 11-15 Uhr

Le Globe

Originell und konstant gut: die klassische französische Hausmannskost des charmanten Restaurants im Bistrot-Stil, in dem sich das bunt gemixte Viertel zum Apéro und Essen trifft: Anwälte, Händler, junge Mütter, Studenten…
• 32, Boulevard de la Liberté, Tel.  , www.facebook.com/LeGlobeRennes, So. geschl.

L’Atelier des Gourmets

Blank polierte Holz bei Tisch, Stuhl und Boden, helles Holzböden, blau und weiß die Wände, groß die Fenster: Gemütlich ist es hier, und tief verwurzelt in der Natur und dem terroir der Region ist auch die Küche von Thomas Schoos, der das Menü den Jahreszeiten anpasst. Verantwortlich für die Winkarte ist Guillaume Joubin, der ehemalige Chefsommelier der Élysée.
• 12, Rue Nantaise, Tel. 02 99 67 53 84, www.latelierdesgourmets-rennes.fr

FUJI

Sushi und Sashimi, edel serviert in stylischen Schalen. Schön köstlich!
• 4, rue Derval, Tel. 02 99 38 12 00, www.facebook.com/FUJI-Rennes

Le Carré

Kostet die kreative und zeitlose Küche im Herrenhauses „Le Molan“ aus dem 16. Jahrhundert im edlen Speisesaal des Erdgeschosses, an der Belle Epoque-Raum unter den Backsteingewölben oder auf der Terrasse.
• 34, Place des Lices, 35000 Rennes, www.lecarrerennes.fr

Galette Saucisse

Statt Bratwurst im Brötchen futtern die Bretonen ihre Wurst im herzhaften Buchweizen-Pfannkuchen – probiert sie an einem der  Imbiss-Stände!

Shopping

Rennaise Born & Breizh

„Rennaise“, mehr stand nicht auf dem ersten T-Shirt, das Morgane Suignard 2015 entwarf. Inzwischen ist eine ganze Kollektion voller Lokalpatriotismus.
www.facebook.com/rennaisebornandbreizh

Floh- & Trödelmarkt

• Boulevard de la Liberté donnerstags, 7-14 Uhr

• Braderie de Saint-Martin: 76, canal Saintz-Martin, 3. Wochenende im September

Bücher-Flohmarkt

jeden 2. und 4. Sonnabend auf der Place Ste-Anne.

Jouaillery de Thoury

Pascal de Thoury vertreibt nicht nur bekannte Marken, sondern fertigt seit mehr als 20 Jahren auch eigenen Schmuck.
4, rue de Saint-Malo, Tel. 02 99 79 29 79, www.bijouterie-dethoury-lpa.fr

Schlafen

Balthazar Hôtel & Spa*

Zwei miteinander verbundene Stadthäuser im Stadtzentrum bilden seit 2014 ein luxuriösen Boutique-Hotel mit Nuxe-Spa und begrüntem Innenhof. Nicht groß, aber elegant, sind die 54 von Classic bis Deluxe. Highlight der zwei Suiten sind die große privaten Terrassen mit Panoramablick über die Dächer der Stadt.
• 19, Rue Maréchal Joffre, 35000 Rennes, Tel.  02 99 32 32 32, www.accorhotels.com, https://hotel-balthazar.com

Hôtel Saint-Antoine*

Zur Best Western Premier Collectzion gehört dieses Viersternehaus, 250 m vom Bahnhof entfernt und in Laufnähe zur Altstadt. Seine 61 Zimmer – Supérieure, Exécutive und Deluxe – verbinden gemütlichen Komfort mit schickem, unaufgeregten Design. Auch und eine Suite mit zwei großen Privatterrassen und Blick auf die Dächer der Stadt Rennes. In die Zimmer integriert ist das Bad – mattiertes Glas trennt Bett und Dusche. Schön nach dem Sightseeing:  das Spa mit Whirlpool, ein Dampfbad und zwei Behandlungszimmer, in denen Carita-Pflegeprodukte verwendet werden. Im Pool wird das Schwimmen dank Gegenstromanlage richtig sportlich. Auch der Fitnessraum bringt euch zum Schwitzen. Eine Seltenheit bei französischen Stadthotels: der gesicherte Parkplatz.
• 27, avenue Janvier, 35000 Rennes, Tel. 02 23 44 33 33, https://saint-antoine-hotel.fr

Weitere Unterkünfte
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2 Kommentare

  1. Guten Morgen Hilke,
    wir übernachteten im Hotel Anne de Bretagne, rue Tronjolly, zentral gelegen, Centre Ville, mit Klimaanlage, komfortables. grosse Bett,freundl. Begrüssung und Garagenplatz. Nach der Stadtbesichtigung, die Fachwerkhäuser waren beeindruckend hatten wir das Menü im Restaurant Chez le Garcons in der rue du chapitre 21, ein zuvorkommender Service, moderne gemütl. Einrichtung und sehr nette Bedienung, die Empfehlungen für die Menüs waren hervorragend, preislich angemessen. Wir hatten dann noch eine nettes Gespräch mit dem Besitzer, Sehr zum empfehlen. 🙂

    • Guten Morgen, Jutta,
      danke für die beiden Tipps! Im Hôtel Anne de Bretagne hatte ich auch schon einmal geschlafen – der Garagenplatz ist Gold wert!! Das Restaurant werde ich beim nächsten Besuch gleich einmal testen!
      Merci und viele Grüße! Hilke

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