Noble Nächte: Schloss Rochegude

Trutzige Steinhäuschen um ein wehrhaftes Schloss, einige enge Gassen, Geranien in Tontöpfen, überbordende Bougainvillea auf alten Wallmauern – und ringsherum das helle Grün der Weinfelder, die erst am Horizont enden… In dieser bukolischen Landschaft, dieser lieblichen Heimat von Trüffel, Wein und Olivenöl, errichteten bereits die Römer einen Rastplatz und unterbrachten ihre Reise auf der Via Agrippa.

In der Renaissance erbaute der Marquis von Rochegude hier sein Schloss, wehrhaft und repräsentativ zugleich. Vor einigen Jahrzehnten zum Luxushotel umgebaut, gehört seine Sommerresidenz Château de Rochegude seit 2009 zur Relais & Châteaux-Kette.

Was für ein Empfang!

Dunkler Efeu umrankt die verwitterten Schlossmauern, im Innenhof begrüßt ein steinerner Flötenspieler die ankommenden Gäste. Sanft bläst der Mistral über die Terrasse und öffnet den Blick bis zur kahlen Bergspitze des Mont Ventoux.

Der Garçon bringt einen Apéritif, zutraulich kommt ein Golden Retriever, lässt sich kraulen und bellt leise, als das Glas geleert ist. Sogleich kommt der Garçon erneut und führt den Gast hohe Gänge mit Marmorböden entlang, vorbei an Schwerter tragenden Statuen, Holztruhen und schweren Lüstern. Eine elegant geschwungene Wendeltreppe empor, eine holzgeschnitzte Tür aufgestoßen, und voilà: votre chambre!

Logieren wie einst der Adel

25 Kleinode von 20 bis 35 Quadratmeter Größe birgt die verschachtelte Festung, jedes in einer anderen Farbgebung stilvoll möbliert mit Antiquitäten der Region. Mal leuchten die Wände in tiefem Rot, flirten mit sattem Grün und dunklem Holz, dann wieder gibt sich das Gemach ganz verspielt und sanft in Rosa, Weiß und Hellblau.

Wie gemalt wirken die Motive auf den Souleiado-Stoffen, die in jedes Zimmer provençalisches Flair bringen. Auf imposanten Spiegeln tanzt das Sonnenlicht, das durch die hohen Fensterscheiben dringt.

Lebensart des Südens

Im Innenhof sind längst die großen Sonnenschirme aufgespannt. Zum Déjeuner, dem leichten Mittagsmahl, serviert Thierry Frébout Zandersalat unter einer Speckkruste und empfiehlt einen Rosé, der nur wenige Kilometer weiter auf den Schwemmlandböden der Côteaux du Tricastin sein fruchtig-frisches Bukett erlangt hat.

Zu großer Form läuft Frébout am Abend auf, wenn er mit den Produkten und Aromen der Provence jongliert, den Oliven aus Nyons, und seiner großen Leidenschaft, den Trüffeln des Tricastin. Im Sommer schwelgt der Steinbutt in Trüffelbutter, im Winter komponiert der Küchenchef ein komplettes Trüffelmenü.

Winter-Luxus: die Trüffel der Drôme

Dann können die Gäste auf dem Château ein ganzes Wochenende lang die Trüffelregion Drôme entdecken, über Trüffelmärkte bummeln und sogar einen Gottesdienst besuchen, bei dem der Priester höchstpersönlich die exquisiten Pilze weiht.

Ein Muss, meint Trébout, ist auch die Käseplatte von Madame Déal, die als „Affinateuse“ Rohmilchkäse so verfeinert, dass keiner dem anderen gleich – und für ihre hohe Kunstfertigkeit als eine der wenigen Frauen als Meilleure Ouvrière de France ausgezeichnet wurde. Diniert wird im Waffensaal.

Für den – danach dringend notwendigen – Verdauungsspaziergang empfiehlt sich der zehn Hektar große, private Schlosspark. Rehe und Damhirsche streifen hier frei unter uralten Eichen umher, gelegentlich musiziert die örtliche Blaskapelle an dem kleinen Jugendstilpavillon. Sportlich lassen sich die Kalorien auf dem Tennisplatz oder im Swimmingpool verbrennen. Doch da kommt bereits wieder der Garçon. „Wollen Sie sich jetzt ein wenige stärken?“ Und wieder ist die Auswahl unwiderstehlich…

Château de Rochegude: ein paar Reise-Infos

Schlafen und schlemmen

Château de Rochegude

Place du Château, F – 26790 Rochegude, Tel. + 33 (0) 4 75 97 21 10, www.chateauderochegude.com
Anreise: Auf der Route du Soleil (A7) bis zur Ausfahrt Bollène, auf der Straße nach Carpentras den Schildern nach Rochegude folgen (9 km).

Was könnt ihr unternehmen?

Grignan: berühmter Bilderbuchort der Drôme. Impressionen und Infos findet ihr hier.

Gorges de l’Ardèche: Megaschlucht mit Panoramastraße, Bootsverleih und Wanderwegen. Ein paar Impressionen.

Lehrreich: Naturpfad der Domaine Rocheville – der Tipp.

Wein-Uni Suze-la-Rousse: Infos und Hintergrund gibt es hier.

Shopping & Genießen

Provence-Genuss-Manufaktur mit Bistro: Aix et Terra. Ein Portrait.

Ausgezeichnet als Frucht und Öl: Oliven aus Nyons – Tipps und Infos gibt es hier.

Die Grenache ist Königin bei den Weinen der südlichen Rhône – hier habe ich die spannende Weinregion mit Verkostungstipps vorgestellt.

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