Roi René, der gute König: Wer war das?

Das Denkmal des "guten Königs René" vor seinem Schloss in Angers
Das Denkmal des "guten Königs René" vor seinem Schloss in Angers, geschaffen von David d'Angers. Foto: Hilke Maunder

Kein König wird den Franzosen so geliebt und verehrt wie der „gute König“ René (1409 – 1480). Er herrschte  in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert. Von seinem Stammland im Anjou und den anderen Territorien seiner Dynastie durch den Lauf der Geschichte abgeschnitten, wählte er 1472 Aix-en-Provence als Alterssitz.

Der gute König

Nicht nur dort ist der „le bon roi René“ ungeheuer populär. René I. machte seinen Hof in Aix zum Hochburg der Kultur und Wissenschaft. Der König, der noch acht weitere Adelstitel trug und fünf Sprachen beherrschte, war ein Schöngeist. Er widmete sich der Wiederbelebung der altprovenzalischen Troubadourkultur, versuchte sich selbst im Dichten, holte flämische Künstler in den Süden – und griff auch selbst gerne zum Pinsel.

Da der die niederländische Maltechnik perfekt imitieren konnte, hielt sich bis weit ins 19. Jahrhundert das Gerücht, er habe das Triptychon in der Kathedrale von Aix selber gemalt. Tatsächlich jedoch wurde der „Brennende Busch“ von Nicolas Froment geschaffen. Bis heute René zugeschrieben ist jedoch ein illuminiertes Stundenbuch. Ihr findet es in der  Bibliothèque Nationale de France in Paris.

Wein und Seide

Nicht nur in Wissenschaft und Kultur war René ein Mäzen. Auch der Wirtschaft gab der gute König neue Impulse. Er belebte den Weinhandel durch den Anbau der Muskatellertraube und holte Maulbeerbäume in die Provence, die damit zum Standort einer blühenden Seidenraupenzucht wurde.

Bis ins späte 19. Jahrhundert wurden die Kokons zu feinster Seide gesponnen. Erst in Heimarbeit und kleinen Manufakturen, dann in industriellen Großbetrieben, in denen vorwiegend junge Frauen und Waisen arbeiteten. Für Kinder unter zwölf Jahren wurde die Tagesarbeitszeit 1874 auf maximal sechs Stunden beschränkt, verraten die Dokumente des Musée la Soie von Taulignan.

Neue Heimat in der Fremde

Den Maulbeerbaum brachte René aus Persien in die Provence. Andere Pflanzen, die heute als typisch für die Provence gelten, holten bereits die Griechen ins Land: Olivenbäume und Weinstöcke. Im 19. Jahrhundert wurde es unter den reichen Einheimischen und zugereisten Engländern Mode, die Gärten der Villen in der Provence möglichst exotisch auszustatten.

Fremdpflanzen wie Araukarien (Chile), Agaven (Mexiko), Palmen (Afrika) und Eukalyptusbäume (Australien) wurden in der Provence heimisch. Auch die Flora spiegelt die Geschichte am Kreuzpunkt der Völker und Kulturen.

Der entführte Tote

René I. starb in Aix am 10. Juli 1480. Sein Grab jedoch ist dort nirgends zu finden. Nur eine Statue auf dem Cours Mirabeau erinnert in Aix an den letzten Herrscher der Provence. Seine letzte Ruhestätte fand der Herrscher in der Kathedrale von Angers. Seine Gebeine waren von den Angevinern klammheimlich in einer Nacht- und Nebelaktion entwendet und heimgeholt worden.

Die letzte Ruhestätte des guten Königs: die Kathedrale von Angers. Foto: Hilke Maunder

Auf den Spuren von Roi René

In und um Angers

Le Château d’Angers

Am 10. Januar 2009 zerstörte Feuer Teile des Stammschlosses von König René. Es kann daher sein, dass noch immer restauriert wird, wenn ihr die mächtige Festung auf dem schroffen Felsen nahe am Zusammenfluss von Maine und Loire besucht. Bereits die Römer hatten ihr einst einst ein Fort, ehe Ludwig IX. dort seine Festung erbauen ließ. Zur Ausschmückung ließ er Tapisserien weben, die heute weltberühmt sind: Die 103 m lange  Tenture de l’Apocalypse (Zyklus der Apokalypse). Mit  850 qm bilden seine sechs Bilder den größten mittelalterliche Wandteppich!

Eine gewaltige Ringmauer as Schiefer und Kalktuff mit 40 Meter hohe und 17 Türmen umgibt die Grafenresidenz, der König René das Logis Royal als königlichen Wohntrakt und das Châtelet hinzufügen ließ. Und da der König von fremden Ländern und Kulturen fasziniert war, fügte er den Gärten eine eine Menagerie für exotische Tiere und Haustiere hinzu. Ludwig XIV. nutzte das Schloss als kleine Bastille und ließ unliebsame Adlige einkerkern, darunter auch seinen obersten Finanzbeamte Nicolas Fouquet.

Le Manoir de Haute-Folie

Für seine zweite Frau Jeanne de Laval ließ König René 1476 inmitten der Weinberge dieses kleine Anwesen anlegen. Ihr findet es in der 5, rue Docteur-Guichard. Fans vom Geo-Caching kennen das Domizil!

Le Logis de Reculée

Am rechten Ufer der Main erwarb König René einige Häuser und Ländereien mit Wein, Gärten und einem Teich, an denen er seiner Angelleidenschaft frönen konnte.

Le Couvent de la Beaumette

Auf dem Felsen von Chanzé mit Blick auf Maine  legte König René am 5. Oktober 1452 den Grundstein für eine Kapelle, die er  Maria Magdalena weiht.  Die Gefährtin Jesu soll bei Aix-en-Provene im Massiv von Sainte-Baume in einer Höhle gelebt haben. Der Felsen an der Maine erinnerte René an die Provence, die zu seinem Königreich gehörte. Er nannte das Kloster „La Baumette“ und übergab es den Franziskanern, die in Frankreich auch „Cordeliers“ genannt werden.

Le Château des Ponts-de-Cé

.Vor den Toren von Angers steht stolz ein Bergfried aus dem 15. Jahrhundert. Er ist das letzte Überbleibsel einer der Sommerresidenzen von König René. Als Vorposten südlich der Verteidigung von Angers schützte diese befestigte Burg einst den einzigen Übergang über die  Loire zwischen Saumur und Nantes. In seinen Mauern verfasste einst Heinrich XIV. auf dem Weg nach Nantes sein Edikt der Toleranzfreiheit. Seit Seit 1862 birgt das Wahrzeichen von Les Ponts-de-Cé das Musée des Coiffes et des Traditions.

In Maine-et-Loire

Le Château de Baugé

Eine Zeitreise durch fünf Jahrhunderte erwartet euch im Jagdschloss des guten Königs.  Steigt die große Treppe zum Dachboden  empor, lehnt euch zurück und taucht bei einer 25-minütigen Projektion in die Geschichte von Anjou und seines Königs im Laufe der Jahrhundert ein. Danach könnt ihr ihm ersten Stock  in den Repräsentationsräumen die großen  Themen entdecken, die dem Herzog von Anjou am Herzen lagen: Ritterlichkeit, Turniere und höfische Liebe. Danach kommt ihr ins Privatgemacht, dann in das private Oratorium von René d’Anjou.

Le Manoir de la Ménitré

Das elegante Herrenhaus hieß einst „Grenier-aux-Rentes“. 1470 ließt es  König René für seine zweite Frau Jeanne de Laval e ausbauen und mit einer Kapelle sowie Geschütztürmen versehen.

Beaufort-en-Vallée

Kennenlernen könnt ihr Jeanne de Laval in Beaufort-en-Vallée, wo ihre Statue den Hauptplatz schmückt. Sie genoss die Aufenthalte in dem Städtchen, in dem René das Schloss hatte restaurieren lassen.

La Château de Saumur

„Schloss der Liebe“ nannte es René, und wie ein Märchenschloss erhebt sich der befestigte Palast seit 1340 hoch über Stadt und Fluss. Sein Wahrzeichen ist eine 12 Meter hohe, 2,4 Tonnen schwere Firstspitze. Vom Herzog von Berry als Miniatur in seinen Très riches heures  verewigt, wurde sie in 2500 Arbeitsstunden als moderne Replik gefertigt. Seit 2007 thront sie  wieder auf den Südturm –  mit integriertem Blitzableiter.  Reliefs, Lilien und Blumenmotiven zieren die Spitze, die mit v15 000 Blatt Gold überzogen ist.

Le Manoir de Launay

Auf dem rechten Ufer der Loire findet ihr das wohl originellste und atypischste Herrenhaus des Anjou. Im Manoir de Launay lebte König René mit seiner Frau Isabelle de Lorraine. Durch den Ehevertrag von 1419 kam René in den Besitz von Lothringen.

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Das Schloss von König René in Angers. Foto: Hilke Maunder
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