Neue Schmöker très français: Lesetipps fürs Frühjahr

Lesetipps fürs Frühjahr

Wenn die Tage länger werden, die Temperaturen steigen, die Sonne lacht, dann schnapp ich mir ein Buch und lese draußen. Auf der Terrasse, auf dem Balkon und jetzt, bei Corona, auch im Fensterrahmen hockend. Hauptsache, endlich wieder im Licht, an der frischen Luft. Geht es euch auch so? Dann habe ich hier ein paar schöne Lesetipps für euch!

Hochspannung

Liliane Fontaine, Die Richterin und der Kreis der Toten*

Liliane Fontaine liebt das Languedoc. Und macht es zum Schauplatz von Krimis, die akribisch recherchiert sind, Hochspannung mit französischem Savoir-vivre verknüpfen und einen beim Lesen sofort in den Süden versetzen.

Genauer gesagt: nach Nîmes, wo die Untersuchungsrichterin Mathilde  de Boncourt mit ihrem Team von der Police Judicaire Mord, Raub und andere Verbrechen aufklären. Jetzt stehen sie vor ihrem schwierigsten Fall.

Ein junge Frau begeht Selbstmord. Ein Student wird ermordet, ein Apotheker erschlagen, und zwei ältere Damen versterben. Was auf den ersten Blick wie eine unglückselige Serie von Einzeltaten aussieht, entpuppt sich jedoch als fatale Verquickung.

Mathilde muss handeln und den gefährlichen Kreislauf durchbrechen, ehe es weitere Opfer gibt.

Auch Band drei der Krimiserie, die die Saarländerin seit 2018 unter ihrem Geburtsnamen Liliane Fontaine um die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt aus Nîmes verfasst, ist ein spannender, intelligenter wie überrascher Lesespaß.

Und lässt sich unabhängig von den beiden vorhergehenden Fällen (Fall 1: Die Richterin und die Tote vom Pont du Gard*, Fall 2: Die Richterin und die tote Archäologin*“) lesen! Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Christine Cazon, Vollmond über der Côte d’Azur*

Pünktlich zum Frühlingsbeginn legt auch Christine Cazon alljährlich einen neuen Krimi vor. Ihre Bücher fallen etwas aus der Reihe im Vergleich zu anderen Krimis – es sind eher Reportagen aus anderen  Lebenswelten von Menschen,  Gruppen, Clan, geschlossenen Gesellschaften. Immobilienhaie, Drogenhändler, Luden, Mamadous. Jeder Krimi ist zugleich eine hochspannenden Sozialstudie von der Côte d’Azur.

Im mittlerweile 7. Fall steht Commissaire Duval vor privaten wie beruflichen Herausforderungen. Es ist ist April in Cannes, und seine Freundin Annie ist hochschwanger. Sein Halbbruder geht bei einer Razzia Drogenfahndern ins Netz. Und in einem Bistro wird eine Patientin der psychiatrischen Klinik von Mougins ermordet.

Ein verzwickter Fall für Duval, der mit Drogen, Prostitution und bizarren Gestalten, die Yoga bei Vollmond praktizieren, Duval an die Grenzen bring. Und doch… Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Herz & Historie

Wie die Regionalkrimis boomen seit einigen Jahren auch Romane, die Herz mit Historie verknüpfen. Besonders beliebt sind Romane, die der Faszination der Tempelritter nachspüren, die 1950er-Jahre aufleben lassen oder die Nazizeit in Frankreich.

Agnès Gabriel, Merci, Monsieur Dior*

Glück ist das Geheimnis aller Schönheit“ hat Christian Dior gesagt, und kein Satz passt besser zur Handlung des 416 Seiten dicken Romans als diese Maxime. Die Handlung entführt euch ins Jahr 19047. Célestine flieht nach dem Tod ihrer Mutter und geplatzten Hochzeit auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben aus der Provinz in die Großstadt und schlüpft zunächst bei einer alten Schulfreundin in Paris unter, ehe sie beim Modeschöpfer Christian Dior eine Anstellung erhält. Die junge Frau inspiriert den Couturier mit ihrer natürlichen Weiblichkeit, sie wird seine Privatsekretärin und Muse.

Doch dann verliebt sie sich – und diese Liebe stürzt sie ins Unglück. Bis ihr Leben eine ungeahnte Wendung nimmt…

Agnès Gabriel lässt beim Lesen das Paris der 1950er-Jahre aufleben. Sie blickt kenntnisreich hinter die Kulissen des großen Modehauses und garniert die Lebensgeschichte von Célestine, die sich von einem naiven Landmädchen zur selbstbewussten Frau entwickelt, mit faszinierenden Einblicken in die Arbeitswelt der Haute-Couture.

Für spannende Momente beim Lesegenuss sorgt ein raffinierter Betrug. Kurzum: eine toller Roman für Lesespaß im Frühlingslicht! Wer mag, kann den Roman hier* online bestellen.

Fiona Valpy, Jahre der Hoffnung*

Fesselnd ist auch der Roman von Fiona Valpy, die mit „Jahre der Hoffnung“ Einblicke in die fesselnden Geschichte der französischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg gewährt.

Dazu komponiert sie den Roman mit zwei Handlungssträngen. Die Haupthandlung begleitet Eliane Martin in den schwierigen Jahren 1938-1944. Die Protagonistin lebt mit ihren Eltern Liesette und Gustave sowie Bruder Yves in der alten Mühle von Couillac im Herzen Frankreichs, während Mireille, ihre Schwester, in Paris tätig ist.

Éliane arbeitet als Hausmädchen für den Comte de Bellevue. Jener bittet sie, durch das Tragen eines roten Seidentuches beim  Ernten wertvolle Infos den Widerständlern mitzuteilen. Éliane willigt ein.

Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahr 2017. Ich empfand die Rahmenhandlung als überflüssig. Auch, wenn beide Ebenen schließlich verschmelzen und die Vergangenheit an die Gegenwart und Zukunft binden.

Mich hatte die Zeitreise ins besetzte Frankreich mehr fasziniert. Zumal sie, hervorragend recherchiert, auch viele Details aus jenen Jahren zutage förderte, die ich noch nicht kannte. Nur schade, dass das Cover des Buches so gar nicht passt….  Wer mag, kann die spannenden Lesegeschichte hier*  online bestellen.

Lebenskunst

Mit ihren literarischen Kriminalromanen um Kommissar Adamsberg wurde Fred Vargas alias Frédérique Audoin-Rouzeau weltberühmt. In Von der Liebe, linken Händen und der Angst vor leeren Einkaufskörben* unternimmt Frankreichs Krimikönigin den Versuch, das „monströse Knäuel des Lebens“ zu entwirren und den Schlüssel zumGlück zu finden.

Nur wer das Unnötige schätzt, ist imstande, die Balance zu halten und einen direkten Draht zum Glück herzustellen. Und belegt ihr These mit der Farbenlehre von Blau, Rot und Lila zum Thema Liebe.

224 Seiten lang reiht sie Assoziation an Assoziation, Wortspiel and Wortspiel, Gedanke and Gedanke – und warnt sich und ihre fiktive Crew, ihre Leser, eindringlich davor, nicht den Faden zu verlieren, sondern beherzt ihr zu folgen.

Was ich tat… und mich nach 224 Seiten fragte, was eigentlich der eigentliche Inhalt ihres Essays gewesen war. Oder ob das Werk in der Joyce’schen Stream of ConsciousnessTradition stand…

Ähnlich ging es mir beim zweiten XXL-Essay von Vargas, der bereits 2001 in Frankreich erschienen war. Auch diesmal hatte mich der Titel angesprochen. Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von Schränkenversprach, die große Sinnfrage nach dem Sinn des Lebens ganz pragmatisch – und doch voller Leichtigkeit und französischen „esprit“ anzugehen. Doch auch diesmal machte ich beim Lesen die gleiche Erfahrung.

Atemlos reiht Fred Vargas ihre Beobachtungen und Aperçus auf, fast ein wenig gehetzt. Und auch hier ohne roten Faden, sondern hüpfend von einer Idee zur nächsten Eingebung. Beide Bände ähneln dadurch einem Potpourri der Philosophie, kunterbunt gefüllt bis an den Rand mit Beobachtungen, klugen Bemerkungen, Lebensweisheiten und Belanglosigkeiten.

Das Lesen wird zum Strudel, der mitreißt, Gedanken und Gefühle umher wirbelt – wie das wahre Leben. Und beim Schlusspunkt der letzten Seite so urplötzlich endet, wie er begonnen hatte. Wer mag, kann die Bücher online bestellen – und damit den Blog unterstützen. *merci*!

Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von Schränken*, Von der Liebe, linken Händen und der Angst vor leeren Einkaufskörben

Landeskunde

Bretagne. Eine literarische Einladung*

Die Küsten, Strände und Städte sind als Urlaubsgebiete bekannt. Aber… kennt ihr auch  Autoren von dort. Schriftsteller von früher und Dichter von heute. Niklas Bender hat sich auf die literarische Reise begeben und sie ausgegraben. Freut euch auf Autoren, die ihre Heimat am Rande Europas spannend, berührend, lustig und bezaubernd vorstellen.

Mal wagen sie sich mutig an neue Themen und Formen, Dann wiederum lassen sie fast schon autobiografisch den Alltag von einst und das Leben auf dem Lande aufleben. In den Gedichten klingt die Achtung vor den Urgewalten durch. Die Kraft der Meere – Symbol für den Freiheitsdrang der Bretonen.

Eine spannende literarische Entdeckungsreise auf 144 Seiten, Pflichtlektüre für alle Bretagne-Fans. Wer mag, kann das Buch hier* bestellen.

Reiseführer

Mit dem Wohnmobil durch die Normandie*

Frisch erschienen im Februar 2020 ist der Normandie-Reiseführer von Anette Scharla-Dey und Franz Peter Tschauner, der unentbehrlich ist für alle, die mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil in der Normandie unterwegs sind.

Lebendig, ungeheuer detailliert, mit schönen Fotos und vielen tollen Infos stellen sie euch das Reiseland Normandie vor, ihre Highlights und unbekannteren Juwele.

Wer nicht selber planen will, kann auf 15 Routen zurückgreifen, denen man anmerkt, dass sie tatsächlich allesamt abgefahren und erlebt wurden. Und nicht am Rechner mit Google Maps konzipiert wurden.

Sehr hilfreich sind auch die genauen Anfahrtsbeschreibung zu Womo-Stellplätzen und Servicestationen samt GPS-Daten. Und die schönen Fotos machen richtig Lust, einmal mit dem Wohnmobil die Region zu bereisen.

Neben der Normandie gibt es 16 weiter Bände zu Urlaubszielen in Frankreich.

Wer mag, kann den Womo-Führer Normandie wie auch die anderen Titel hier* online bestellen.

* Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Merci für's Teilen!

8 Kommentare

  1. Bonjour! Ich bin gerade hier beigetreten. Vielen Dank für dir interessanten Beiträge und Infos!
    Auch wir bleiben zur Zeit lieber in Deutschland, obwohl wir unseren Hof in der Bretagne mit den Pferden schmerzlich vermissen und mein Mann seine Kinder in Paris. Seltsame und nicht einfache Zeiten…. Ja, gesund bleiben, das ist, was gerade zählt!!

    • Liebe Helga, ich kann sehr gut verstehen, dass Du die Bretagne vermisst, Deinen mit den Pferden und Deinen Mann in Paris! Mir geht es ähnlich – meine Tochter und mein Liebster sind auch durch Corona von mir getrennt… Bleib gesund!

  2. Hallo Hilke,

    erst mal ein großes Kompliment an Dich und Deine Beiträge, die ich seit geraumer Zeit schon mit Begeisterung lese vor allem auch weil ich in Frankreich lebe dh dorthin ausgewandert bin. Deine Buchtips nehme ich als Leseratte gerne an. Ich habe auch einen kleinen Blog allerdings beschreibe ich nur mein bescheidenes Leben im Perigord aber vielleicht schaust Du mal rein. http://www.dordogne-blog.com

    Alles Liebe und vielleicht bis bald

    Beatrice

      • Lieber keine Küsse in diesen Zeiten. Wir trauern unserem Zweitwohnsitz im Département Pyrenäen-Orientale nach. Sonst sind wir Mitte März losgefahren. Aber unsere französischen Nachbarn meinen, wir wären zur Zeit in Deutschland besser aufgehoben, ein kleiner Trost. Liebe Grüße und vielen Dank für Ihre informativen Beiträge.

      • Liebe Frau Ullmann, das denke ich auch – ich bin für Buchprojekte in den Pyrénées-Orientales und erlebe tagtäglich, dass die Ausgehsperren immer strenger und die Versorgungslage immer schlechter wird – in den Dörfern besonders. Bleiben Sie gesund!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.