Das Familien-Schloss: Château de Roquelune

Unweit von der Molière-Stadt Pézenas hat Ute Steinbeis ihr Paradies gefunden: ein Schloss aus dem 17. Jahrhundert, umgeben von einem ummauerten Park und Rebenland. Doch wie sah das Château de Roquelune damals heruntergekommen aus…das Dach defekt, der Putz blättert, drinnen leer, ungemütlich und vielen Leitungen, die neu zu legen waren. Die Deutsche, Jahrgang 1961, die in Bayern zuvor Paso-Fino-Pferde gezüchtet hatte, stand vor einer Mammutaufgabe.

Die Renaissance von Roquelune

Und packte sie an. Heute wohnt sie in den einstigen Stallungen, die sie mit einem Gespür für Zeitgeist und Zeitloses gemütlich und stylisch eingerichtet hat – allein der riesige offene Kamin im Herzen des Wohnzimmers, das nahtlos in Essbereich und Küche übergeht, ist ein Hingucker. Ich könnte glatt dort einziehen…

Doch ihr Herzblutprojekt erhebt sich hinter den Baumkronen Jahrhunderte alter Bäume. Das Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Von der Departementstraße führt eine sandige Auffahrt hin zum schmiedeeisernen  Tor. Ein Klick auf die Fernbedienung, und schon öffnet es sich. Und eröffnet den Blick auf ein Bassin, in dem sich der mandarinenfarbene Bau spiegelt. Freudig kommt Bambou angelaufen, ein Beauceron – in Frankreich ein beliebter Hütehund.

Service oder Selbstversorger ?

Einige Stufen führen hinauf zum Schloss, das Ute für maximal 20 Gäste eingerichtet hat. Im Erdgeschoss findet ihr eine große Küche mit amerikanischem Kühlschrank, Mikrowelle, Godin-Gasherd, Spülmaschine und zentraler Arbeitsinsel sowie einem Esstisch für alle, die lieber in der Küche als im Speisesaal die Mahlzeiten genießen möchten. Top eingerichtet ist auch die Waschküche mit Waschmaschine und Bügeleisen. Wer im Urlaub nicht Selbstversorger sein möchte, kann Service nach Wunsch hinzubuchen.

Konzerte für Liebhaber

Die Parkseite säumen zwei große Salons. Im Musikzimmer, das ein Flügel dominiert, lädt Ute im Winter des öfteren zu kleinen intimen Konzerten mit Musikern, die es zu entdecken lohnt – zum Beispiel  Hyun Chan Kye, einen jungen Pianisten des Conservatoire Régional de Montpellier, der an einem völlig verregneten Februarsonntag mit Chopin und Ravel die Zuhörer verzauberte.

Schmuckstück des roten Salons, mit Satelliten-TV, WLAN, CD und DVD der Medienraum des Schlosses, ist der große Kamin. Und auch im eleganten Esszimmer verbreitet der mit Ornamenten verzierten offene Kamin im Winters wohlige Wärme. Zweites Highlight ist das original erhaltene Marmorwasserbecken aus dem 18. Jahrhundert.

Idyll für 20 Gäste

Doch zurück ins Foyer, wo eine monumentale Treppe hinauf führt zu den Zimmern für maximal 20 Gäste. Und da stutze ich. Ist das nicht die Tagesdecke meiner Tochter? Und nicht meine Blumenbettwäsche? Ute lacht. „Ikea passt überall!“

Die vielen Antiquitäten, die ebenfalls für das komfortable-nostalgische Flair der Zimmer sorgen, hat Ute von Freunden erhalten, auf Flohmärkten oder beim Stöbern bei Brocante-Läden entdeckt. Über einem Bett schwebt imposant ein Baldachin, den Uta im Fundus des Schlosses entdeckt hat, allerdings völlig verschlissen. Neu bezogen, sieht er geradezu royal aus. Fühlt euch wie Queen oder King of the Day!

Jardin Clos: der Gartentraum

Aus den hohen Fenstern blickt ihr auf den großen schattigen Schlosspark mit uralten Bäumen und plätschernden Brunnen, der an einem ovalen Bassin endet. An der kleinen Mauer ist ein Kahn vertäut. „Schau genau hin“, sagt Ute. „Siehst Du es? Er ist nicht aus Holz, sondern aus Eisen! Das gibt es nur noch ganz selten in Frankreich.“ Ein paar Blüten am Bug,  in dem ein historischer Eisenkahn vertäut liegt. Sechs Hektar Land, eingefasst von einer Mauer, völlig ungestört, eine Oase, ruhige Welt für sich – zeitentrückt. Und wunderschön.

Früher gehören 33 Hektar Land zum Anwesen, die das Schloss und seine Bewohner versorgten. Im 19. Jahrhundert wurde Wein darauf angebaut, später sukzessive das Land verkauft.

Vom Gut zum Familienschloss

Heute gehört das Schloss von Ute Steinbeis im Languedoc zu den schönsten  Adressen für  private Feiern, Firmenevents und Familientreffen. So haben auch Großeltern aus Australien mit Söhnen in New York und London und einer Tochter in Paris ihre Kindern auf das Château de Roquelune eingeladen, um einmal ganz entspannt für mehrere Tage die Familie zu genießen und die Enkel zu sehen.

„Diese Konstellation habe ich ganz oft, weil ja heute die Familien oft in alle Welt verstreut sind. Im privaten Ambiente, und nicht in einem Hotel – alle drei Generationen unter einem Dach“, erzählt Ute, und ergänzt: „Oder zwei bis drei befreundete Familien mit Kinder im gleichen Alter ziehen im Schloss ein, kochen gemeinsam in der Küche und teilen sich die Kosten – das ist dann für alle erschwinglich.“

Unvergessliche Glücksmomente

Auch Hochzeitspaare lockt das luxuriöse Ambiente. Australier, Inder und Afrikaner haben sich in der Kapelle des Schlosses das Ja-Wort gegeben, am großen Tisch auf der Terrasse getafelt, in der Orangerie getanzt. „Das sind auch für mich Begegnungen und Erlebnisse, die für mich unvergesslich sind“, sagt Ute und öffnet die Pforte zu einem weiteren versteckten Schatz: ein 13 x 5 m großes Schwimmbecken, eingerahmt von Grün. Ute, ich bleibe!

Château de Roquelune: Reise-Infos

Château de Roquelune,Route de Caux, 34120 Pézenas, Tel. +33 (0)4 67 98 35 24, www.roquelune.com

Lage & Hinkommen

Das Chateau de Roquelune liegt im Tal des Hérault in Occitanie, 2 km von Pézenas und 20 Min. von Béziers und den Mittelmeerstränden entfernt. Es ist über die mautfreie Autobahn A75, Abfahrt Pézénas, gut zu erreichen.

Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Agde und Béziers, beide rund 20 Minuten Autofahrt entfernt. In Béziers befindet sich zudem ein Flugplatz, der u.a. von Ryan Air aus Düsseldorf-Weeze angeflogen wird.

Was könnt ihr unternehmen?

Veranstaltungen erleben

In den Salons und der Orangerie lädt die Schlossherrin regelmäßig zu Konzerten im kleinen Kreis

Schöne Orte entdecken

Pézénas: Ein paar Impressionen aus der Molièrestadt findet ihr hier.

Béziers: eine spannende Stadt mitten im Umbruch – mein kleines Portrait.

Sète: das ganze Jahr hindurch einfach wundervoll – die Hafen- und Strandstadt Sète, die auch tolle Museen birgt. Infos und Tipps von mir findet ihr hier.

Narbonne: meine kleine Liebeserklärung lest ihr hier. Unglaublich toll ist die dortige Markthalle, die ich euch hier vorgestellt habe.

Carcassonne: Die Südfranzösin Caroline Ducasse hat auf Mein Frankreich in diesem Gastbeitrag die Lieblingsecken ihrer Heimatstadt verraten.

Montpellier: etwas weiter weg, aber unglaublich spannend ist die Hauptstadt des Hérault mit ihrer wunderschönen Altstadt und der aufregend modernen Architektur am Lez. Hier findet ihr meine Tipps.

Wein verkosten

Abbaye de Valmagne

Seit 800 Jahren wird in der Zisterzienserabtei Wein gemacht – seit 2001 zertifizierte Bio-Tropfen. Die Abteikirche (1257) mit ihrem 83 m langem und 24,5 m hohem Kirchenschiff und Kreuzgang gehört zu den schönsten Beispielen gotischer Architektur und ist im Juli Bühne für ein Klassik-Festival (Villeveyrac). Hier habe ich sie vorgestellt.

Hervorragende Bioweine findet ihr bei Sébastien Rouve von der Domaine Mon Rêve am Lac du Salagou sowie bei Louis Fabre vom Château Coulon.

Weiterlesen

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)

„Dieser Bildatlas ist sehr sehenswert und ist wunderbar beschrieben“ schrieb Ingrid Beck im Januar 2017 als Kundenrezension auf Amazon zur 4. Auflage. Inzwischen ist Ende 2017 die fünfte Auflage meines DuMont-Bildatlas „Frankreich Süd“ mit vielen neuen Tipps und Infos erschienen.
Ihr Kompliment hat mich riesig gefreut, behandelt er doch auf 118 Seiten in sechs Kapiteln meine Herzensheimat im Süden. Den Band gibt es zudem nicht nur gedruckt, sondern auch als e-Book für Kindle! Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

DUMONT REISEVERLAG, 5. Auflage (Dezember 2017), ISBN: 978-3770194100, Buch: 9,95 €, Kindle: 7,99 €

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier * direkt bestellen. In Ergänzung empfehle ich den Band von Petit Futé.

Michael Müller Verlag, 8. Auflage 2018, ISBN 978-3-89953-997-4, www.michael-mueller-verlag.de

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