Postkarte aus … Saint-Cénéri-le-Gerei

Blick auf Saint-Céneri-le-Gérei mit seiner Brücke über die Sarthe
Blick auf Saint-Céneri-le-Gérei mit seiner Brücke über die Sarthe

Es war ein später Nachmittag im Herbst. Geschafft von der Arbeit, hatte ich meine Unterkunft in Alençon erreicht, und wollte nur noch eines: etwas essen und dann schnell schlafen. Aber Madame ließ nicht locker. „Wenn Sie schon hier in der Ecke sind,  müssen Sie noch nach Saint-Céneri-le-Gérei. Es ist nicht weit – und lohnt sich!“ Sie schwärmte so lange von dem kleinen Örtchen an der Grenze der Départements Orne und Sarth, das ich doch neugierig wurde. Und nicht enttäuscht.

Das Minidorf versteckt sich mit einer Handvoll Häuser an einer Mäanderschleife der Sarthe rund 12 km entfernt von Alençon im Regionalen Naturpark Normandie-Maine. Felsflanken aus Granit und dichtes Grün umgeben die kleine Siedlung, die so malerisch, so zeitentrückt und baulich intakt ist, dass sie zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört.

Normannisches Landhaus in Saint-Céneri. Foto: Hilke Maunder

Der Bronze-Künstler

Diese natürlichen Vorzüge, aber auch die Ruhe, haben einen bekannten französischen Maler angelockt. Vor vielen Jahren – 1981 –  flüchtete Christian Malézieux (geb. 1931) aus Paris hierher und arbeitet seitdem ganz in der Nähe über die Sarthe als Maler und Bildhauer.

Seine Werke begegnen euch beim Bummel durch das Dorf.  In der Hauptstraße erinnert seine Bronzebüste an den französischen Maler Paul Saïn, der 25 Jahre lang in Saint-Céneri-le-Gérei gelebt hatte, ehe er 1908 in Avignon verstarb. Für die Pfarrkirche des Dorfes fertigte er  aus Bronze ein Grabtuch und einen Kreuzweg, den ihr in der romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert bewundern könnt.

Wie sehr das kleine Dorf die Künstler anlockt und inspiriert, verrät alljährlich im Mai seit 1986 drei  Tage lang das Festival  La rencontre des Peintres.

Die romanische Kirche von St-Céneri-le-Gérei. Foto: Hilke Maunder

Les Jardins de la Mansonière

Auf einem der Hügel über der Sarthe leben Michelle und Philippe Manson. Rund um ihr Wohnhaus haben sie seit 1986 Les Jardins de la Mansonière angelegt. „Jeder der neuen Themengärten bildet eine Welt für sich“, erklärt mir Michelle.

„Im Haselnussgarten singen die Bäume in den Fingern des Windes von ihrer verrückten Liebe zu unbeschreiblichen Rosen, während der Mondgarten seinen silbernen Hochzeitstag feiert.“ In poetischen Bildern beschreibt sie ihr Grün, das 1993 zum jardin préfére des Français gewählt wurde und 2007 auf Platz fünf der besten französischen Parks kam.

Die Kapelle von Saint-Céneri-le-Gérei. Foto: Hilke Maunder

Jazz an der Kapelle

Am Ufer der Sarthe laufe ich zurück in den Ort. Dabei entdecke ich immer wieder stille, idyllische Orte. So wie diese Kapelle, die sich am Ortsrand auf einer weiten Wiese vor dunklen Bäumen erhebt. Anfang Juli bildet sie die Kulisse für die Open-Air-Konzerte die Festivals Saint Scèn. Die Künstler, die dort auftreten, sind am Nachmittag junge Talente aus der Region, am Abend lokale Jazzgruppen.

In der Aubergedes sœurs Moisy trafen sich viele Künstler. 1908 schloss sie ihre Pforten. Foto: Hilke Maunder

Saint-Céneri-le-Gerei: meine Reisetipps

Schlemmen

L’Auberge de la Vallée

Traditionelle französische Küche mit Terrinen, Côte de Bœuf und anderen Klassikern.
• D 535 (im Dorfzentrum), Tel. 02 33 28 94 70, www.facebook.com

L’Auberge des Peintres

Rote Stühle auf dem Gehweg, die Tische genauso grün wie die nostalgische Ladenfront: Der Gasthof der Maler besitzt für mich das schönste Ambiente zum Schlemmen auf der Terrasse oder drinnen, wo tatsächlich Bilder von Künstlern die Wände schmücken. Auch die Küche des gemütlichen Bistros überzeugt. Auf der Karte: grundsolide Hausmannskost, abgestimmt auf die Jahreszeiten.
• D 535 (im Dorfzentrum), Tel. 02 33 26 49 18, www.facebook.com

L’Échoppe Gourmande

Die besten lokalen Erzeugnisse findet ihr in diesem Feinkostladen, der  drinnen und draußen auch kleine Gerichte serviert: Schnecken,  Crêpes, Salate und bunte Platten, allesamt tief verwurzelt in der Küche der Region.
• 23, rue Saint-Pierre, Tel. 02 33 81 91 21 , www.facebook.com/lechoppegourmande61

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Normandie

DMBA Normandie von Hilke Maunder

Sechs Kapitel, gegliedert nach regionalen Gesichtspunkten, geben einen Überblick über die raue Provinz mit Charme. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen und Specials. Sie erklären, warum der Golfstrom die Normandie zum Garten am Meer macht, betrachten die Poesie in Beton von Le Havre und die Renaturierung des Mont St-Michel.

Jedes Kapitel endet mit Infoseiten zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten, die auf der Reisekarte lokalisiert sind. Dazu: Empfehlungen zu Hotels und Restaurants, Anregungen zum Aktivsein – und meine ganz persönlichen Tipps. Wer mag, kann den Band hier * bestellen – es gibt ihn auch als eBook!

Hilke Maunder, Normandie – ein Garten am Meer. DuMont Reiseverlag, Ostfildern. 121 S.
ISBN: 978-3770-1942-85

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Weinberankte Feldsteinhäuser sorgen für gemütliches Flair in St-Céneri-le-Gérei. Foto: Hilke Maunder
Stillleben mit Fliederbeeren. Foto: Hilke Maunder

 

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