Saint-Jean-de-Luz: die Lebensart der Basken

Saint-Jean-de-Luz: Stadtamsicht vom Strand. Foto: Hilke Maunder
Saint-Jean-de-Luz: Stadtamsicht vom Strand. Foto: Hilke Maunder

Donibane Lohizune heißt: Saint-Jean-in-der-Marsch. Doch das klingt nach Mücken, Sumpf, nichts Nettem. So gab sich das einstige Seeräubernest im Süden der baskischen Küste den klingenden Namen Saint-Jean-de-Luz.

Was zwar nicht anderes bedeutet („Luz“ ist eine Mutation des Wortes „Lohitz“), aber andere Assoziationen weckt: ans spanische Wort „Luz“, Licht. Ganz Unrecht hatten die Stadtpolitiker damit nicht. Saint-Jean-de-Luz strahlt, ja, vielleicht sogar überstrahlt, die anderen Badeorte an der baskischen Küste.

Die Grande Plage von Saint-Jean-de-Luz. Foto: Hilke Maunder

Hohe Mauern schützen die weite Bucht vor den Wellen des Atlantiks. Feinsandig, breit und schön geschwungen säumt ein  Sandstrand die Bucht.

Wie ein Schiff gebaut: die Kirche von Saint-Jean-de-Luz. Foto: Hilke Maunder

Im Süden grüßt das kleine Seefort von Socoa, im Nord die St. Barbara-Kapelle vom Hügel Saint-Barbe. Jenseits des Seedeiches, der als Strandpromenade die weite Bucht säumt, erstreckt sich ein Gewirr alter Gassen mit Fachwerkhäusern und stattlichen Steinpalais.

Malerisch: der Hafen von Saint-Jean-de-Luz. Foto: Hilke Maunder

Sie enden am Hafen, wo die Fischer noch Thunfisch fangen und Kräne riesige Mengen an Rotalgen auf Laster laden. Im tiefen Blau des Hafenbeckens spiegelt sich die Fassade eines Patrizierhauses, in dem 1660 die Infantin Maria Theresa von Spanien auf ihren Gatten wartete.

Am 9. Juni 1660 heirate sie der Kirche Saint-Jean-Baptiste mit 22 Jahren den nur fünf Tage älteren Ludwig XIV. Sein Logis lag ebenfalls am Hafen – und könnt ihr heute als Maison Louis VIX besichtigen.

Hier logierte der Sonnenkönig vor seiner Hochzeit. Foto: Hilke Maunder

Wenige Schritte entfernt Markthallen. Nicht nur sie beweisen: Saint-Jean-de-Luz hat wie kein zweiter Ort an der Côte Basque die Lebensart der Basken bewahrt. Entdeckt sie – mit meinen Genuss- und Lebensart-Tipps aus Saint-Jean-de Luz!

Saint-Jean-de-Luz: 100% baskisch

Les Halles

Reinste Verführung: die Markthalle von Saint-Jean-de-Luz. Foto: Hilke Maunder

Angebot und Atmosphäre der Markthallen sind einfach einzigartig. Taucht ein in dieses nostalgische Schlaraffenland und folgt eurer Nase…! In der ersten Markthalle biegen sich die Marktstände unter den Bergen an frischem Obst und Gemüse. Bayonne-Schinken und Hartwürste baumen von Stangen und Haken, Schafskäse von frisch bis alt, von winzigen Talern bis zu riesigen Laibern, stapeln sich bei den Affinateurs, den Käsemeistern.

Ddie Kännchensammlung der Buvette. Foto: Hilke Maunder

Die Bäcker reichen Kostproben von Gâteau Basque. Perfekt zum Zuschauen und Eintauchen ist die Buvette mit ihrer eindrucksvollen Kännchensammlung. Bis zu 80 kg schweren Roten Thunfisch könnt ihr in der zweiten Markthalle bestaunen, die die Poissonnerie birgt.
• Boulevard Victor Hugo, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel.  05 59 26 66 70, Mo. geschl.

Topfrisch: der rote Thunfisch in der Poissonnerie. Foto: Hilke Maunder

Beñat Moity

Der Käsekönig der Stadt heißt Beñat Moiy. 150 Sorten Käse führt er im Bestand, viele hat er selbst gereift. Dies gelingt ihm so perfekt, dass Dreisternekoche Alain Ducasse und der Élysee-Palast Stammkunden sind. Beñat ist nicht nur in der Markthalle vertreten, sondern hat nur wenige Schritte entfernt auch ein eigenes Ladengeschäft samt Reifekeller eröffnet.
6, rue Renau d’Elissagaray, 64500 Saint-Jean-De-Luz, Tel.  05 59 26 68 73, http://benat-fromager.com

Auch die „Ente“ ist ein Käse! Foto: Hilke Maunder

Maison Adam

Bereits Ludwig XIV. und Maria Therese genossen bei ihrer Hochzeit die Macarons der Maison Adam. Ihr großer Unterschied: Anders als sonstige Macarons, besitzen sie keine „Ganache“-Füllung, sondern sind reinster Mandelgenuss. Zu Familienfesten baut Patron Jean-Pierre Telleria-Adam aus den Keksen hohe Kegel.
• 6, rue de la République, 64500 Saint-Jean-De-Luz, Tel. 05 59 26 03 54, www.maisonadam.fr

Saint-Jean-de-Luz: Seit 1660 bäckt die Maisoon Adam Macaraons – ganz ohne Crème. Foto: Hilke Maunder

Confiserie Pariés

Kennt ihr Mouchou oder Kanougas? Diese typisch baskischen Köstlichkeiten gehören zu den Spezialitäten, die Pariés seit 1895 als Entreprise du Patrimoine Vivants (Unternehmen des lebendigen Erbes) herstellt. Mouchou heißt „Küsschen“ auf Baskisch und entpuppt sich als handgefertigte Macacaron ohne Crème. Jacques Damestoy erfand 1905 die Kanougas, Karamellbonbons aus Schokolade mit heute sieben Aromen.
• 9 Rue Léon Gambetta, 64500 Saint-Jean-de-Luz, www.paries.fr

Hélène verteilt Kostproben der Leckereien von Pariés. Mit dabei: die Kanouks (Silberpapier) und der Gâteau Basque. Foto: Hilke Maunder

Egiategia

Wein aus dem Meer: Ob Dena Dela Root, Rosé oder Weiß, bei Egiategia kommen alle Tropfen für drei bis vier Monate ins Meer. Der Wasserdruck entfaltet Aromen, die an Land nicht entstehen können, ist der Kellermeister überzeugt.
• Zone Portuaire de la Socoa, 64500 Ciboure, Tel. 05 59 92 27, www.egiategia.fr

Der Weinkeller von Egiatea. Der Name des Weingutes bedeutet „Im Wein liegt die Wahrheit“. Foto: Hilke Maundrt

Le Comptoir du Pêcheur

Alles, was der Atlantik an Köstlichkeiten bietet – in der Konserve oder im Glas.
• Quai du Maréchal Leclerc, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel. 05 59 26 84 47, www.lecomptoirdupecheur.com

Große Auswahl: die Espadrilles von Bayona.

Bayona

Seit 1890 steht dieser Familienbetrieb für schöne Espadrilles aus Saint-Jean-de-Luz. Waren sie früher klassisch gestreift, gibt es sie inzwischen in mehr als 50 Farben und Formen, mit und ohne Absatz. Jedes präsentiert Bayona  ein neues Modell, mitunter auch mit Durchbruchmuster oder Spitze.
• 30, rue Gambetta, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel. 05 59 51 96 41, www.espadrilles-bayona.com

Groß: die Keramik von Goicoecha. Foto: Hilke Maunder

Goicoetchea

Wirklich ungewöhnlich sind die XXL-Keramiken, die Goicoetchea erstellt. Seine 20 Töpfer drehen sie nicht auf der Scheibe, bauen sie nicht aus Einzelteilen auf, sondern bewerfen dazu Taue mit Ton. Vasen und Objekte, mehr als einen Meter hoch, entstehen mit dieser außergewöhnlichen Technik seit drei Generationen in Ossès im Baskenland. Im Innern der Vasen könnt ihr noch das Muster der Taue stehen.

Ob die XXL-Keramik ins eigene Heim passt – und die Größe stimmt – verrät eine App des Familienbetriebes.
• Atelier, Showroom, Lehrpfad; Village d’Artisans, Route de Saint-Jean-Pied-de-Port, 64780 Ossès, Tel. 05 59 37 71 30; Showroom: Place Louis XIV, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel. 05 59 43 17 20, www.poterie-goicoechea.com

Aus Tauwerk geformt: die Keramik von Goicoecha. Foto: Hilke Maunder

Maison Laffargue

Jean-Daniel Laffargue war der Sohn eines Sattlers. 1890 kam er auf die Idee, die Taschen und Gürtel der Damen mit genau jenen Metallmustern zu schmücken, die die Halsbänder der Rinder zierte. Dieser Metallschmuck ist bis heute das Markenzeichen der edlen Ledewarenkollektion.
• 25, Rue Léon Gambetta, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel. 05 59 26 11 38, www.maisonlaffargue.fr

Leder mit Beschlag: die besondere Note der Sattlerei Laffargue. Foto: Hilke Maunder

Laulhère

Auch Laulhère ist ein Unternehmen des lebendigen Erbes. 1840 gegründet, hat es die Tradition des Bérets erfolgreich modisch verjüngt. Die baskische Kopfbedeckung wird erst aus Merinowolle gestrickt, bei der „foulonnage“ bei verschiedenen Temperaturen zwölf Stunden lang gewaschen und so gefilzt und danach mit Satin als Innenfutter ausgestattet.
• 78, rue Gambetta, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel. 05 59 85 14 59, www.laulhere-france.com

Klassisch oder ausgefallen? Laulhère hat das Béret modisch wiederbelebt. Foto: Hilke Maunder

Baskische Stoffe

Früher bedeckten die Basken ihre Ochsen bei der Feldarbeit mit  Stoff. Abgenommen und abgewischt, diente das Tuchals Unterlage für die mittägliche Tafel. Traditionell mit sieben Streifen für die sieben baskischen Provinzen geschmückt (Labourd, Basse-Navarre und Soule in Frankreich, weitere vier  in Spanien). Die baskische Textiltradition halten heute Ona Tiss, Jean Vier, Lartigue 1910 und Ariga auf. Die Webereien von Ona Tiss und Lartigue 1910 könnt ihr sogar besichtigen!

Die Baskenstoffe von Lartigue 1910. Foto: Hilke Maunder

Lartigue 1910

1910 gründeten Calixte und Anastasia Lartigue in Oloron-Sainte-Marie im Béarn mit den „Tissages Lartigue“ eines der ersten Textilwerke der Region. Heute entwirft Philippe Lartigue in Ascain die berühmten Streifenmuster der Basken.

Die Dicke der Streifen verriet einst den Reichtum der Familie, die Farbe die Profession – blau für Fischer und Seeleute, rot für Landwirte. Die sieben Streifen symbolisieren die sieben baskischen Provinzen.
• Atelier: ZAC de Larre Lore, 64310 Ascain, Tel. 05 59 26 81 81, www.lartigue1910.com; Showroom: 67, rue Gambetta, 64500 Saint-Jean-de-Luz

Der Concept Store voon Jean Vier im Norden von Saint-Jean-de-Luz. Foto: Hilke Maunder

Jean Vier Concept Store

Jean Vier fertigt seit 1981 edle Haushaltswäsche und Accessoires für daheim. Auch, wenn sie aus Kostengründen in Portugal gefertigt werden, sind sie tief im Baskenland verwurzelt und werden von seinen Traditionen, Farben und Landschaften inspiriert.

Baskisches Geschirr ist traditionell in den Farben Blau, Weiß, Rot gehalten. Foto: Hilke Maunder

2019 eröffnete Jean Vier in einem liebevoll restaurierten Bauernhaus nördlich von Saint-Jean-de-Luz seinen ersten Concept Store. Dort findet ihr nicht nur die gesamte Produktpalette von Jean Vier, sondern auch andere lokale Marken und Designer.

Das Untergeschoss birgt mit den Tokiko ein angesagtes Restaurant samt Tapas-Bar und Gartenterrasse. Für urgemütliches Ambiente sorgen die alten Holzfässer der Izarra-Kellerei.
• Chemin de Chibau, 64500 Saint-Jean-de-Luz, Tel. 05 59 51 33 24, www.jean-vier.com

Winzerflair trifft Zeitgeist: einer der Speiseräume im Restaurant Tokiko. Foto:Hilke Maunder

Weiterreisen

Der Reiseführer zur Region: Südwestfrankreich*

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und dennoch sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich kann ihn aus ganzem Herzen empfehlen, denn auch in diesem Band zu Südwestfrankreich sind tolle Tipps enthalten. Auch kritische Anmerkungen fehlen nicht. Kurzum: ein Reiseführer, der grundehrlich das Reisegebiet vorstellt – ohne versteckte Promotions.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ „Südfrankreich“ und „Korsika“ erschienen. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Marcus X. Schmid, Südwestfrankreich. Michael Müller Verlag, www.michael-mueller-verlag.de

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 * Durch den Kauf über den Referral Link kannst Du diesen Blog unterstützen und den Blog werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Offenlegung

Ich entdeckte das französische Baskenland auf Einladung auf einer individuellen Pressereise der Agence d’attractivité et de Développement Touristiques Béarn Pays Basque. Vor Ort unterstützten mich unglaublich kundige wie herzliche Mitarbeiter der Office de Tourisme, Geschäfte Hotels und Restaurants, Ihnen allen sage ich „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Saint-Jean-de-Luz: Das baskistsche Kreuz ist ein beliebtes Schmuckmotiv. Foto: Hilke Maunder
Altstadt-Idyll seit 1650. Foto: Hilke Maunder
Merci für's Teilen!

2 Kommentare

  1. Hi HIlke, was auch cool ist, ist eine Bootstour. Du kannst vom Hafen aus eine Rundfahrt machen – oder sogar bis Biarritz schippern. Wir haben das mit der ganzen Familie gemacht, war richtig gut.

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