Saint-Malo: Große Runde bei den Korsaren

Saint-Malo: Die Wehrmauer umfasst die gesamte ville close. Foto. Hilke Maunder
Saint-Malo: Die Wehrmauer umfasst die gesamte ville close. Foto. Hilke Maunder

Wie eine granitene Zitadelle, eine „Steinkrone auf Wellen“, so François-René Châteaubriand und Gustave Flaubert, thront die alte Korsarenstadt Saint-Malo am Ostufer der Rance-Mündung im Norden der Bretagne. Abweisend und wuchtig schützt ein begehbarer Mauerring die Ville Close, die ummauerte Altstadt am Meer.

Wehrhafte Hafenstadt: Saint-Malo. Foto: Hilke Maunder

Hoch über Saint-Malo

1.754 Meter lang sind die „remparts“ in ihren drei Stadttoren (Porte Saint-Vincent, Grand‘ Porte und Porte Saint-Thomas) und ebenso vielen Bastionen (Bastion Saint-Louis, Bastion Saint-Philippe und Bastion de la Hollande). Macht es wie ich, klettert die wuchtigen Stufen hinauf und bummelt einmal die große Runde um die Altstadt!

Immer wieder unterbrechen wuchtige Türme die imposante Wehrmauer von Saint-Malo. Foto: Hilke Maunder

Die Ringmauer um die Altstadt bietet immer wieder neue Ausblicke auf die alten Herrenhäuser der reichen Reeder, die Stadt und das Meer.

Saint-Malo intra muros. Foto: Hilke Maunder

An der Stelle, wo einst das Grab des Stadtgründers St-Malo gestanden haben soll, wurde im 11. Jahrhundert mit dem Bau der Cathédrale St-Vincent begonnen. Das Gotteshaus, das erst im 18. Jahrhundert vollendet wurde, birgt leuchtende Kirchenfenster von Jean Le Moal und Max Ingrand.

Das Rathaus von Saint-Malo. Foto: Hilke Maunder

Stolze Malouiner

Nüchterne Granithäuser mit Schieferdach säumen die engen Gassen der intra muros von Saint-Malo. Die Innenstadt innerhalb der Mauern wurde nach den alliierten Luftangriffen vom August 1944 Stein für Stein originalgetreu wieder aufgebaut. Stolz verteidigten die Malouins immer wieder ihre Unabhängigkeit.

Strenge Eleganz: Reederhaus in Saint-Malo. Foto: Hilke Maunder

Nie wurde die Festungsinsel vom Meer erobert. Vier Jahre war sie im 16. Jahrhundert sogar unabhängige Republik. „Bin weder Franzose noch Bretone, ich bin Bürger von Saint-Malo“ lautete der stolze Wahlspruch ihrer Bewohner. Für Ruhm und Wohlstand sorgte schon früh die Seefahrt.

Von den Remparts könnt ihr hier und da ganz weit in die Wohnungen hinein sehen. Foto: Hilke Maunder

Im 16. Jahrhundert legten hier die Schiffe der Entdecker ab. 1534 entdeckte der Malouiner Jacques Cartier Kanada. Sein Wohnhaus Manoir de Limoëlou erinnert als Museum an den Entdecker Kanadas.

Statue von Jacques Cartier  an der Rampe des Moulins Colin, Foto: Hilke Maunder

Königliche Freibeuter

Im 17. und 18. Jahrhundert verunsicherten Malouiner Freibeuter wie Robert Surcourf und René Duguay-Trouin die Weltmeere und kaperten vor allem englische Handelsschiffe im Auftrag der französischen Krone.

Auf der Stadtmauer erinnert eine Statue an den berühmten Korsaren René Duguay-Trouin. Foto: Hilke Maunder

Später verlegten sich die Malouiner zunächst auf den Tuch- und Sklavenhandel, dann auf die Hochseefischerei vor Labrador und Neufundland. Noch heute ist der Hafen mit einem Güterumschlag von knapp zwei Millionen Tonnen und 1,2 Millionen Passagieren wichtigste Einnahmequelle der Stadt.

Blick von den Remparts aufs Meer. Foto: Hilke Maunder

Die beste Einführung in die bewegte Vergangenheit der Seefahrer-Stadt gibt das Musée d’Histoire de la ville et d’Ethographie du pays malouins im Schloss. Der Bau der gewaltigen Festung begann im 14. Jahrhundert als Symbol der herzoglichen und später königlichen Macht. Noch. Denn 2022 soll das Museum für Seefahrtsgeschichte am Quai Duguay Trouin am Hafen von Saint-Malo seine Türen öffnen.

Der japanischen Architekte Kengo Kuma entwarf es als ultramodernes Gebäude. Der 35 Meter hohe Bau am Standort alter Getreidesilos wird aus drei rechteckigen Blöcken bestehen. Im Inneren wird es fünf Ausstellungsebenen und ein Restaurant geben. Und ganz oben ist eine Aussichtsterrasse mit Panoramablick auf die alten Stadtmauern und das Meer geplant!

Blick zum Grand Bé mit der kleinen Festung und dem Grab von Châteaubriand. Foto. Hilke Maunder

Der 1498 erbaute Tour Quic-en-Groigne verewigt einen oft zitierten Ausspruch von Anne de Bretagne. „Qui qu’en groigne, ainsi sera, car tel es mon bon plaisir“ ( Lasst sie nur klagen! Es ist so, weil ich es so will), soll sie den Bürger von St-Malo auf ihre Worte geantwortet haben.

Ebbe am Grand Bé. Foto: Hilke Maunder

Saint-Malo: meine Reisetipps

Schlafen

In einer ruhigen Seitenstraße mitten in der Altstadt versteckt sich das Hôtel Ajoncs d’Or mit 22 Zimmern.
• 10, rue des Forgeurs, Tel. 02 99 40 85 03, www.tourisme-hotel-saint-malo.fr

Welterste Crêpes-Schule

Die bretonische Crêpe und ihre herzhafte Buchweizen-Schwester Galette sollen Welterbe werden, wünscht sich der bretonische Crêpier-Meister Bertrand Larcher. Nach Crêperien in Tokio, Paris und New York eröffnete er im Oktober 2018 in Saint-Malo mit dem Atelier de la Crêpe das erste internationale Crêpier-Ausbildungszentrum.

In der Nähe

Der stumme Einsiedler Abbé Fourré schuf in Rothéneuf die Rochers Sculptés, Piraten, Seeungeheuer und andere Gestalten aus dem Fels der Klippen.

Dinard gilt als Brighton der Bretagne. Hier gibt es mehr Infos zum Seebad.

Saint-Malo. Foto: Hilke Maunder

Gefällt euch der Beitrag? Dann sagt merci mit einem virtuellen Trinkgeld. Denn Werbebanner oder sonstige Promotions sind für mich tabu. Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert. Unterstützt den Blog. Fünf Möglichkeiten gibt es.

Weiterlesen

Krimi-Zeit!

Jean-Luc Bannalec_Bretonische SpezialitätenJean-Luc Bannalec: Bretonische Spezialitäten*

Eigentlich… ist das Finistère seine bretonische Heimat. Doch im neunten Band schickt Erfolgsautor Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec seinen Kommissar Dupin nach Saint-Malo. Ehe das Seminar an der Polizeischule beginnt, ist er bereits höchstpersönlich involviert im nächsten Mord.

Eben noch schnuppert er an den Köstlichkeiten der Region, da zerreißt ein markerschütternder Schrei die Markthalle, sprintet Dupin dem Täter hinterher. Und zieht den Leser immer tiefer hinein in den neunten Fall, der in der Welt der grands chefs, der großen Küchenchefs, spielt.

Doch diesmal ermittelt Dupin nicht allein. Sondern muss, ganz im Einklang mit der Zielsetzung des Seminars, mit Polizeikräften der anderen Départements zusammenarbeiten. Und sich ein- und unterordnen. Eine schwierige Aufgabe für den koffeinsüchtigen Ermittler, bei dem es auch im Privaten gerade nicht rund läuft.

Die Ermittlungen kommen da gerade recht gelegen. In der Austernstadt Cancale, im hochherrschaftlichen Seebad Dinard und den Restaurants von Saint-Malo dringt Dupin ein in haarsträubende Familiengeheimnisse und unglaubliche Geschichten. Und löst das Geheimnis der Messermorde an der Smaragdküste.

Mein Wertung: Jörg Bong wird mit jedem Band besser. Kommissar Dupins neunter Fall hat mich so gefesselt, dass ich ihn in einer Nacht verschlungen habe.  Denn jetzt verbindet Bong alias Bannalec, der im ersten Band noch ein wenig reiseführerartig das Flair der Bretagne hineingeholt, in wahrer Meisterschaft Krimi-Handlung und Atmo.

Beim Lesen seht ihr vor eurem geistigen Auge das leuchtende Smaragdgrün des Meeres der Côte d’Émeraude, die Tafelfreunden von Saint-Malo, die Strände von Dinard. Und lernt, ganz nebenbei, auch unglaubliche Geschichten aus der Korsarenstadt Saint-Malo kennen. Wer mag, kann den Krimi hieronline bestellen

Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News.

Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du unabhängigen Journalismus  unterstützen und meine Webseite werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Direkt an der Ville Close findet ihr einige schöne kleine Badebuchten! Foto: Hilke Maunder
Beim Bummel auf der Stadtmauer sind Möwen eure ständigen Begleiter. Und wenn ihr etwas aus der Hand esst, wollen sie es stibitzen. Foto: Hilke Maunder
Vor Saint-Malo ragen zig kleine Felsinselchen aus dem Atlantik – zu einigen könnt ihr bei Ebbe hinlaufen! Foto: Hilke Maunder
Merci für's Teilen!

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Postkarte aus ... Dinan - Mein Frankreich
  2. Mit dem Rad durch die Bretagne - Mein Frankreich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.