Sainte-Adresse: Belgiens Hauptstadt an der Seine

Sainte-Adresse: Hauptstadt von Belgien. Pressebild zum Jubliäum. Stadt Le Havre

Wer sich mit der Geschichte des Ersten Weltkrieges beschäftigt, stößt immer wieder auf Überraschendes. Oder hättet ihr gewusst, dass nicht Brüssel, sondern ein kleiner französischer Badeort während der Grande Guere die Hauptstadt Belgiens war?

Sainte-Adresse, das noble Küstenviertel von Le Havre. Foto: Hilke Maunder
Sainte-Adresse, das noble Küstenviertel von Le Havre. Foto: Hilke Maunder

Das Nizza von Le Havre

Sainte-Adresse hockt auf einer Klippe hoch über der Mündung der Seine. 1879 hatte sich die Schauspielerin Sarah Bernhard dort eine Villa errichten lassen. Claude Monet malte sein Werk Garten in Sainte-Adresse.

Damit lockte er Künstlerkollegen wie Raoul Dufy, den Fauvisten Albert Marguet und den belgischen Genremaler Alfred Stevens in den Badeort. In den 1870er-Jahren mit einer Straßenbahn an Le Havre angeschlossen, galt er als Nizza von Le Havre, als Nice Havrais.

Flucht ins nicht besetzte Frankreich

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war Belgien neutral. Dennoch marschierten am 4. August 1914 um acht Uhr morgens deutsche Truppen in Belgien ein. Von Oostende aus flüchte daher am 11. Oktober 1914 Belgiens Regierung an Bord des Passagierschiffes Pieter de Coninck in den nicht besetzten Teil Frankreichs.

Als Exil wählen sieSainte-Adresse. Der König verweilte dagegen vier Jahre lang mit seiner Familie in De Panne, in der Nähe seiner Truppen hinter der Yserlinie.

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Spurensuche in Sainte-Adresse

An der Place Frederic Sauvage, der Endstation der Straßenbahn zwischen Saint-Adresse und Le Havre, hatte der Kaufhauskönig Georges Dufayel ein großes Erholungsheim für die Arbeiter und Angestellten seiner Grands Magasins Crespin-Dufayel errichtet.

Mit mehr als 15.000 Mitarbeitern (1912) gehörte das Warenhaus an der 22–34, rue de Clignancourt im 18. Arrondissement von Paris zu den bedeutendsten Kaufhäusern der Welt.

In dieses neoklassizistische, 1911 nach Plänen von Ernest Daniel errichtete Immeuble Dufayel zogen die Minister und ihre Familien ein. Im Erdgeschoss nahm am 15. Oktober eine belgische Post ihre Arbeit auf. Bis heute erinnert daran ein leuchtend roter Briefkasten mit Post-Logo und den Jahreszahlen 1914 – 1918. Die belgische Regierung residierte bis zum November 1918 in Le Havre.

© Fotos: Stadtarchiv Le Havre, Hilke Maunder, Poster: Léo Kouper

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