Die Schlemmerküche der Sch’tis

Sch't-Genuss: Miesmuscheln: Die Küche der Küste
Moules, Miesmuscheln, gibt es in vielen Variationen in Frankreich - aber immer mit Pommes Frites. Foto: Hilke Maunder

Zwei Genusslandschaften machen die Heimat der Sch’tis für Gourmetziel: die Opalküste und das französische Flandern. An der Opalküste und der Baie d’Authie locken Fischmärkte mit Steinbutt, Kabeljau und Aal.

Ebbe an der Opalküste. Foto: Hilke Maunder
Ebbe an der Opalküste. Foto: Hilke Maunder

Räuchereien holen Hering und Makrele frisch aus dem Rauch. Mittags futtert die Küste moules et frites, Miesmuscheln mit Pommes Frites – am Imbiss wie im Edelbistro.

Sch't-Genuss: Miesmuscheln: Die Küche der Küste
Moules, Miesmuscheln, gibt es in vielen Variationen in Frankreich – aber immer mit Pommes Frites. Foto: Hilke Maunder

Das Hinterland liefert köstliches Gemüse. Allen voran der Chicorée mit 27 Sorten. Nordfrankreich ist der weltgrößte Chicorée-Produzent.

Am Rande der Sümpfe erstrecken sich in Clairmarais riesige Gemüsefelder. Foto: Hilke Mauder
Am Rande der Sümpfe erstrecken sich in Clairmarais riesige Gemüsefelder. Foto: Hilke Mauder

Auf den Moorböden des Marais Audomarois gedeihen Artischocken, Blumenkohl, Porree, Kartoffeln, Karotten und Knoblauch, der bei Arleux über Torffeuer geräuchert wird. Auf den Wiesen des Avesnois weiden Rinder.

Hochgenüsse von salzig bis süß

Miiaam... Maroilles! Foto: Hilke Maunder
Miiaam … Maroilles! Foto: Hilke Maunder

Mit Schwein, Hase und Truthahn begeistert das Land den Gourmet. Ein köstlicher Duft von Grillhähnchen zieht über die Märkte. Aromatische Käse wie Boulette d’Avesnes, Vieux de Lille, Mimolette und Maroilles (AOC) stapeln sich auf den Käsetheken der fromageries.

Im Sommer verkauft Meert an einem nostalgischen Eisstand hausgemachte glaces und Sorbets. Foto: Hilke Maunder
Im Sommer verkauft Meert in Lille an einem nostalgischen Eisstand hausgemachte glaces und Sorbets. Foto: Hilke Maunder

Süße Verführer sind die Bêtises de Cambrai, die nach Vanille duftenden Waffeln der Konditorei Meert aus Lille und die Merveilleux, luftig-schokige Meringues von Frédéric Vaucamps.

Sch'ti-Genuss: Die Macarons aus Amiens gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Sie enthalten Mandelmehl, Eier, Mandelöl, Früchte und Honig. Foto: CRT Picardie
Die Macarons aus Amiens gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Foto: CRT Picardie

Die Jahrhunderte alte Bierkultur haben lokale Brauereien mit Ch’ti, Jenlain, Choulette, Angélus, Goudale, Page 24 und Cuvée des Jonquilles neu belebt.

Sch't-Genuss: Lokales Bier wird an der Place des Héros von Arras serviert.
Lokales Bier wird an der Place des Héros von Arras serviert. Foto: Hilke Maunder

In Estaminets, gemütlichen Gasthäusern, kommt die ehrliche Küche von Nordfrankreich ganz authentisch auf den Tisch.

Sch't-Genuss: In Arras gebraut: L'Arrageoise. Foto: Hilke Maunder
In Arras gebraut: L’Arrageoise. Foto: Hilke Maunder

Sch’tis mit Sternen

Zu welchen Höhenflügen sie fähig ist, beweisen elf Sterneköche. Einziger Zweisternekoch ist Marc Meurin vom Château de Beaulieu in Busnes.

Sch'ti-Genuss: Lernt ihn bei Kochkursen.
Sterneküche zum Mitmachen. Foto: FCDT-Oise-ASF

Hinzu kommen die Einsterneköche Florent Ladeyn von der Auberge du Vert Mont in Boeschepe,  Nicolas Gautier von La Laiterie in Lambersart und Mathieu Boutroy vom Cerisier in Lille.

Einen Michelin-Stern gab es 2021 auch für Haut Bonheur de la table in Cassel, das Restaurant Nature in Armentières,  Le Marcq in Marcq-en-Baroeul sowie Christophe Hagnerelle von Le Val d’Auge in Bondues.

Und Alexandre Gauthier von der Auberge de la Grenouillère in La Madeleine-sous-Montreuil.  Gault-Millau hatte ihn 2016 zum Koch des Jahres erwählt.

Fabrice Seigner von Faim Gourmet steht seit mehr als 30 Jahren am Herd. Foto: Foto: CDT-Oise-ASF
Fabrice Seigner von Faim Gourmet steht seit mehr als 30 Jahren am Herd. Foto: Foto: CDT-Oise-ASF

Kochen wie die Sch’tis: die Kurse

Gemeinsam kochen und genießen steht im Mittelpunkt der Kochkurse des L’Atelier des Chefs in Lille. Zubereitet werden moderne Gerichte, die auch daheim leicht nachzukochen sind.

Die Geheimnisse der Haute Cuisine lüften die Kochkurse von Les Toquées. Fabrice Seigner steht seit mehr als 30 Jahren am Herd. Kniffe und Tipps verrät der Küchenchef bei den Kochkursen von Faim Gourmet.

Mitten durch die Hopfenfelder führt die Themenstraße Route des Brasseries. Wie vielfältig das Angebot der rund 40 Brauereien von Nord-Pas de Calais ist, verraten in Lille Olivier Faure, Nicolas Lescieux und Aurélie Baguet von L’Echappée Bière bei Brauereibesichtigungen samt Verkostung und Bierworkshops.

Sch'ti-Genuss: Carbonnade flamande - ein Lieblingsgericht der Nordfranzosen.
Carbonnade flamande – ein Lieblingsgericht der Nordfranzosen. Foto: CRT NPDC

Leibspeise der Sch’tis: Carbonnade flamande (Flämisches Biergulasch)

Zutaten für sechs Personen

  • 1,4 kg Rindfleisch (Schulter, Bug, Schwanz, Saumfleisch)
  • 700 ml braunes Bier (sollte malzig-süßlich schmecken)
  • drei Zwiebeln
  • drei Scheiben Gewürzbrot
  • 3 TL Rohrzucker
  • 3 TL Mehl
  • 4 TL Weinessig oder Aceto Balsamico
  • 4 TL Öl
  • 50 g Butter
  • zum Würzen: Lorbeer, Thymian, Gewürznelken, Salz, Pfeffer

Zubereitung

• Das Fleisch in große Würfel schneiden und in einer feuerfesten Kasserolle mit Butter und Öl drei bis vier Minuten lang von allen Seiten scharf anbraten.

• Die fein gehackten Zwiebeln hinzugeben, Mehl unterrühren und anschwitzen lassen.

• Mit dem Weinessig bzw. Aceto Balsamico ablöschen, Bier hinzugeben und auf kleinster Hitze kochen, bis die Soße sämig ist.

• Rohrzucker, klein gehacktes Gewürzbrot und einige Gewürznelken hinzugeben. Mit Salz, Pfeffer, einigen Lorbeerblättern und einigen Thymianzweigen würzen.

• Das Gulasch rund zwei bis drei Stunden durchziehen und garen lassen und dabei regelmäßig umrühren.

Zwischen Doullens und Amiens: abgeerntete Kornfelder. Foto: Hilke Maunderwischen Doullens und Amien: abgeerntete Kornfelder
Riesige Kornfelder erstrecken sich in Nordfrankreich: Hilke Maunder

Gefällt euch der Beitrag? Dann sagt merci mit einem virtuellen Trinkgeld. Denn Werbebanner oder sonstige Promotions sind für mich tabu. Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert. Unterstützt den Blog. Fünf Möglichkeiten gibt es.

Weiterlesen

Im Blog

Meine Top-Ten für den Besuch im Land der Sch’tis!

Im Land der Sch’tis: meine Top Ten

Die 2008 erschienene Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“  ist ist mit mehr als 20 Millionen Kinobesuchern der bislang erfolgreichste französische Film in Frankreich. Gedreht wurde in Bergues in Französisch-Flandern.

Spurensuche bei den Sch’tis

 

Im Buch

Georg Renöckl, 111 Orte in Nordfrankreich111 Orte, die man in Nordfrankreich gesehen haben muss*

Wisst ihr, wo Banksy an Nordfrankreichs Küste seine Stencils hinterlassen hat? Wo ihr am besten salicornes sammeln könnt? Oder wo bis heute die Zeitung im Bleisatz gesetzt wird? Georg Renöckel kennt die ungewöhnlichsten, überraschendsten und außergewöhnlichsten Orte im Norden von Frankreich.
111 davon hat der Wiener Journalist (Jg. 1976), der u.a. in Paris studiert hat, für seinen Reiseführer 111 Orte, die man in Nordfrankreich gesehen haben muss* ausgesucht. Auch für Insider und gute Kenner der Region hält er noch so manche Entdeckung bereit.

Wer ausgiebig darin stöbert, erfährt auch, warum ein Zwerg die einst mächtigste Ritterburg der Welt zerstörte. Auf der Suche nach historisch, kulturell und legendären Orten hat Georg Renöckl nicht nur die Picardie, das französische Flandern, den Hennegau und den Artois besucht, sondern auch die Île-de-France.

Heraus kam ein lesenswerter Band, der Lust macht auf Entdeckungen abseits eingetretener Pfade. Wer mag, kann den Reiseführer  hier*online bestellen.

* Durch den Kauf über den Partner-Link, den ein Sternchen markiert, kannst du diesen Blog unterstützen und werbefrei halten. Für dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Der Parc Carnot. Foto: Hilke Maunder
Der Parc Carnot von Lille. Foto: Hilke Maunder
Merci fürs Teilen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.