Strand-Perle: Santa-Giulia
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Die schönsten Strände von Korsika

Zwischen roten Granitfelsen, türkisfarbenem Wasser und kilometerlangen Sandstränden entfaltet Korsika eine Küstenlandschaft von erstaunlicher Vielfalt. Die Mittelmeerinsel vereint einsame Naturbuchten, familienfreundliche Badeorte und einige der spektakulärsten Strände Europas. Wer die Küste erkundet, entdeckt nicht nur Traumkulissen, sondern auch Geschichten von Genuesertürmen, Schmugglerpfaden und einer Natur, die vielerorts bis heute nahezu unberührt geblieben ist.

Sie versteckt sich am Ende der Bucht hinter gewaltigen Granitkolossen, die das Meer glatt poliert hat, und zerfurchten Felsen, die Fabelwesen gleichen: die plage insolite – und damit genau solch ein Strand, den Einheimische nicht verraten und Urlauber als Geheimtipp nur an Freunde weitergeben. Ein helles Band aus feinstem Sand, das in azurfarbenes Wasser ausläuft. Glasklar ist es – und badewarm bis in den Herbst.

1.047 Kilometer lang ist die Küstenlinie von Korsika. Sie birgt so viele Strandperlen, dass auch ihr ganz sicher eure eigene Traumbucht entdeckt! Meist genügt es, auf den Uferstraßen das Fahrzeug zu parken und den schmalen Saumpfaden zur Küste zu folgen. Ein kleiner Marsch durch die duftende Macchia, und dann steht ihr  wieder an einem der Strände, mit denen Schlagerstars vor mehr als 50 Jahren die Charts stürmten.

1962 war Nana Mouskouri „Am Strand von Korsika“. 1972 träumte Mireille Mathieu von einem kernigen Korsen am sandigen Gestade. Heute inspiriert die Küste eher Krimiautoren. Jean Renard alias Hans Fuchs und Michel Bussi sorgen mit ihren Korsika-Krimis für reichlich Spannung beim Sonnenbaden!

Solche Entdeckungen sind auf Korsika keine Seltenheit. Zwischen dem Cap Corse im Norden und Bonifacio im Süden wechseln sich lange Sandstrände, versteckte Buchten, rote Felsküsten und türkisfarbene Lagunen ab. Anders als an vielen Mittelmeerküsten Europas blieben große Teile der Ufer unverbaut. Hotelburgen sind selten, bis heute dominiert die Natur das Bild. Strenge Bauvorschriften, zahlreiche Schutzgebiete und der Einsatz des Conservatoire du Littoral haben dazu beigetragen, dass Korsika vielerorts noch so aussieht wie vor Jahrzehnten.

Der Strand von Ajaccio unterhalb der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder
Selbst die Hauptstadt Ajaccio hat einen kleinen Strand im Zentrum– unterhalb der Zitadelle. Foto: Hilke Maunder

Die Ostküste: Familienstrände am langen Sandband

Die Ostküste ist die sanfte Seite Korsikas. Zwischen Bastia und Aléria zieht sich ein fast 80 Kilometer langes Band aus Sandstränden entlang des Tyrrhenischen Meeres. Die Berge treten hier zurück, das Land öffnet sich zum Meer. Viele Strände fallen flach ins Wasser ab und eignen sich ideal für Familien.

Zu den schönsten Abschnitten zählt die Plage de Cannella südlich von Solenzara. Goldener Sand, klares Wasser und eine geschützte Lage machen sie zu einem beliebten Badeplatz. Weiter nördlich begeistert die Plage de Pinia mit dem größten Küstenpinienwald Korsikas. hinter den Dünen. Hier mischt sich der Duft der Bäume mit salziger Meeresluft.

Auch die Strände von Moriani-Plage und San-Nicolao an der Costa Verde ziehen Familien an. Das Meer bleibt lange flach, die Infrastruktur ist gut ausgebaut, und selbst in der Hochsaison verteilt sich der Badebetrieb auf viele Kilometer Küste.

Wer es ruhiger mag, findet rund um Aléria ursprüngliche Strandabschnitte wie die Plage de Padulone. Hier bestimmen Dünen, Strandhafer und das Rauschen der Brandung die Atmosphäre. Spektakuläre Felskulissen sucht man an der Ostküste vergeblich. Dafür bietet sie Weite, Ruhe und kilometerlange Spaziergänge direkt am Meer.

FKK-Hotspot Ostküste

Ihr wollt hüllenlos baden? Dann nix wie hin zur Ostküste. 54 Kilometer südlich von Bastia säumen in San Nicolao die beiden größten und beliebtesten FKK-Clubs den neun Kilometer langen Sandstrand: Corsica Natura und Club Corsicana. Bekannt und beliebt als Feriendörfer der naturistes sind auch Bagheera in Bravone, die Domaine Naturiste de Riva Bella in Aléria und  das village naturiste La Chiappa im südlicheren Porto-Vecchio. In der Abgeschiedenheit des Naturschutzgebietes fanden auch die naturistes ihr Paradies. 1968 kamen die ersten Nackerten nach Korsika. Heute ist die Insel Europas beliebteste Destination für Freikörperkultur.

Der Süden: Korsikas Bilderbuchstrände

Wer auf Postkarten, Reisemagazinen oder in sozialen Netzwerken einen Strand von Korsika sieht, blickt meist auf den Süden der Insel. Zwischen Porto-Vecchio und Bonifacio reiht sich eine Bilderbuchkulisse an die nächste. Türkisfarbenes Wasser schimmert über hellem Sand. Rote Granitblöcke ragen aus dem Meer. Schirmkiefern spenden Schatten.

Der bekannteste Strand Korsikas ist die Plage de Palombaggia. Südöstlich von Porto-Vecchio zieht sich der helle Sandstrand über mehrere Kilometer am Meer entlang. Davor liegen die kleinen Cerbicale-Inseln, ein geschütztes Naturreservat für Seevögel.

Das Wasser leuchtet in allen Blau- und Grüntönen des Mittelmeers. Die roten Felsen bilden einen starken Kontrast zum hellen Sand und den dunkelgrünen Kronen der Kiefern. Trotz ihrer Berühmtheit hat der Strand von Palombaggia nichts von ihrer landschaftlichen Wirkung verloren. Frühmorgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Granitblöcke vergolden, zeigt sich die Bucht von ihrer schönsten Seite.

Nur wenige Minuten entfernt liegt die Plage de Tamaricciu. Eigentlich handelt es sich um die natürliche Verlängerung der Plage de Palombaggia. Berühmt wurde die Bucht durch eine einzelne Schirmkiefer, die auf einem Granitfelsen über dem Meer thront. Kaum ein anderes Motiv wird häufiger fotografiert. Die Aufnahme gehört heute zu den bekanntesten Wahrzeichen Korsikas.

Noch ruhiger wirkt die Bucht von Santa Giulia. Sie erinnert eher an eine Lagune als an einen klassischen Mittelmeerstrand. Das Wasser bleibt auf weite Strecken knietief. Familien mit Kindern schätzen die geschützte Lage ebenso wie Stand-up-Paddler und Kajakfahrer. An windstillen Tagen spiegeln sich die umliegenden Hügel in der Wasseroberfläche.

Viele Korsen halten allerdings eine andere Bucht für die schönste der Insel: Rondinara. Fast kreisförmig schneidet sie sich zwischen zwei Landzungen in die Küste. Von den Höhen der Zufahrtsstraße betrachtet, wirkt die Bucht wie mit dem Zirkel gezogen. Das ruhige Wasser macht Rondinara zu einem beliebten Ankerplatz für Segler. Gleichzeitig bietet der Strand genügend Raum, um auch in der Hauptsaison noch ein ruhiges Plätzchen zu finden.

Weiter südlich wartet mit Roccapina einer der spektakulärsten Naturstrände Korsikas. Hoch über der Bucht erhebt sich ein Granitfelsen, dessen Form an einen liegenden Löwen erinnert. Wind und Wetter haben den Fels über Jahrtausende modelliert. Die Bucht selbst blieb weitgehend unverbaut. Wer hier badet, erlebt eine Landschaft, die noch immer von der Natur bestimmt wird.

Bonifacio: Blick vom Aufstieg zur Vilel Haute auf die Steilküste. Foto: Hilke Maunder
Blick vom Aufstieg zur ville haute von Bonifacio und auf die Steilküste. Foto: Hilke Maunder

Ganz im Süden der Insel thront Bonifacio schwindelerregend auf Kalksteinklippen, die nahezu senkrecht ins Meer fallen. Zwischen den weißen Felsen verstecken sich kleine Badebuchten, die ihr nur per Boot oder über schmale Pfade erreichen könnt.

In Bonifacio beginnt an der Chapelle Saint-Roch die Promenade des Falaises. Fünf Kilometer lang folgt sie der Küste bis zur Landspitze Capo Pertusato. Unter dem Leuchtturm versteckt sich ein idyllisches Plätzchen zum Baden oder Picknicken. Die Pointe de Sperone, auch  Capo di Sperone geannnt, bildet die südlichste Spitze Korsikas. Unter ihren steilen Klippen verstecken sich ebenfalls ein paar schöne, noch recht einsame Sandstrände.

Inoffizielle Plätzchen für hüllenloses Sonnen- und Meeresbaden findet ihr hier reichlich. Und da geht es ausgesprochen entspannt zu. Links und rechts der nirgends ausgewiesenen Nacktzone liegen bekleidete Badegäste, und selbst am Nacktstrand ist alles vertreten: bekleidet, oben ohne, splitterfasernackt. Und nähert sich die Gendarmerie, wird schnell die Badehose übergezogen – denn nur oben ohne ist in Frankreich offiziell gestattet. Toleranz à la française .

An der Südwestküste findet ihrunterhalb des Löwens von Roccapina eine sandige Badebucht mit sehr feinem Sand und seichtem Wasser. Zur Plage de Roccapina führt eine gut befahrbare Schotterpiste. Eine Piratenbucht wie aus dem Film versteckt sich unter dem Sémaphore de Pertusato. Zum kleinen Strand hinab geht es rechter Hand vom Leuchtturm auf einem 400 Meter langen Pfad. Nördlich von Roccapina wird die Küste immer unzugänglicher.

Plage de Erbaju, Plage d’Argent, Plage de Cala Longa, Plage de Tivella und Plage de Cala d’Agulia sind versteckte, wilde Strandperlen, die ihr am besten zu Fuß oder vom Wasser aus erreichen könnt. Den Abschluss der Südwestküste bilden die Strände von Propriano am Golf von Valinco.

Die Westküste: Wo Granit aufs Meer trifft

Noch dramatischer zeigt sich die Westküste, wo der Wind bei die See aufwühlt. Dann warten Surfer auf die perfekte Welle. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich die korsische Westküste rund um Sagone. Bei ruhiger See lockt hier das Buchten-Hopping. Kleine Sandstrände wechseln sich mit felsigen Abschnitten ab. Hinter den Buchten steigt die Macchia an den Hängen empor. Ihr Duft begleitet jeden Spaziergang entlang der Küste.

Am Capu Rossu erhebt sich eine mächtige rote Felsnase über dem Meer. Der Weg zum Genueserturm führt durch eine Landschaft, die beinahe archaisch wirkt. Tief unten schlagen die Wellen gegen die Felsen. Das Wasser erreicht eine Sichttiefe, die Schnorchler begeistert.

Nicht weit entfernt liegt die Plage d’Arone. Der breite Sandstrand öffnet sich zu einer weiten Bucht. Familien schätzen den feinen Sand, während Wanderer von hier aus die umliegenden Küstenpfade erkunden. Besonders eindrucksvoll sind die Abendstunden, wenn die Sonne die Granitfelsen in warmes Rot taucht.

An der Plage de Péru steht der alte Genueserturm wie ein Wächter über dem Meer. Die Geschichte der korsischen Küstenverteidigung wird hier unmittelbar sichtbar. Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert entstanden entlang der Küsten mehr als hundert solcher Türme, um die Insel vor Angriffen vom Meer aus zu schützen. Viel weiter südlich – in Belvédère-Campomoro – bin ich zu einem solchen Wächter Genuas hinaufgestiegen: Erfahrt ihr mehr über die einfache wie äußerst schöne Küstenwanderung westlich von Propriano!

Im Schatten des Genueserturmes: der Strand von Belvédère-Campomoro. Foto: Hilke Maunder
Strandperlen auf Korsika: Belvédère-Campomoro. Foto: Hilke Maunder

Wer Ruhe sucht, findet sie an der Plage de Capizollu. Die abgelegene Sandbucht zählt zu den weniger bekannten Stränden der Westküste. Gerade deshalb hat sie sich ihren ursprünglichen Charakter bewahrt.

Wunderschön sind die Calanques von Piana. Die roten Granitformationen gehören seit 1983 zum UNESCO-Welterbe. Wind und Meer haben bizarre Skulpturen geschaffen, die bei Sonnenuntergang in leuchtenden Rot- und Orangetönen erstrahlen. Baden könnt ihr hier nicht – doch diese grandiose Küstenlandschaft solltet ihr nicht verpassen!

Noch abgeschiedener liegt Girolata. Das kleine Dorf kann nur per Boot oder zu Fuß erreicht werden. Keine Straße führt hierher. Fischerboote schaukeln im Hafen, während die Berge unmittelbar hinter den Häusern aufragen. Die Abgeschiedenheit verleiht dem Ort einen besonderen Reiz.

Weiter südlich öffnet sich die Bucht von Cupabia. Ihr halbmondförmiger Strand zählt zu den schönsten Naturstränden der Insel. Obwohl er deutlich weniger bekannt ist als Palombaggia oder Santa Giulia, schwärmen viele Korsika-Kenner gerade von dieser Bucht.

Die Strände von Calvi

Stadtleben und Strandtrubel verbinden die einzelnen Strandabschnitte an der Bucht von Calvi. Dort habt ihr stets die Zitadelle im Blick. Und mitunter etwas action mit den Fallschirmspringern, die dort trainieren! Als vier Kilometer langes Band säumt die vier Kilometer Plage de Calvi mit Strandlokalen und Wassersportverleih die weite Bucht. Nur fünf Autominuten entfernt lockt die Plage de Roncu mit einem Sprung ins Mittelmeer, das bis in den Oktober badewarm bleibt.

Die  tramway de la Balagne verbindet auf ihrem Weg nach L’Ile-Rousse die einzelnen Strände und Badebuchten im Westen. Versucht, nicht einen modernen Triebwagen zu erwischen, sondern noch einen der alten Züge von U Trinighellu, auch Micheline genannt.

Diese ruckeln und schaukeln, tuten vor jeder Kurve – und erinnern daran, wie erlebnisreich Bahnfahren einst war. In den nostalgischen Waggons der Schmalspurbahn können die Sitzlehnen in Fahrtrichtung umgeklappt werden, werden die Fahrkarten noch abgeknipst – und darf der Kopf aus dem Fenster gehalten werden! Herrlich, so den Fahrtwind zu spüren!

Für Fahrräder gibt es in jedem Waggon einen Abstellplatz. Die rot-beige Bimmelbahn verkehrt nur während der Saison von Mitte April bis Mitte Oktober. Dann hält sie zwischen Calvi und L’Île Rousse an jedem (!) Badestrand entlang der eingleisigen Strecke. Sainte-Restitude, Ondari-Arinella, Giorgio, Sant’Ambroggio, Algajola, Aregno oder Bodri: Wo wollt ihr baden? Ein paar Impressionen findet ihr hier.

Einsamer sind die Strandperlen der kleinen Revellata-Halbinsel. Sie sind nur auf Schotterstraßen zu erreichen. Felsen, die im Licht der untergehenden Sonne rot leuchten, rahmen sie ein. Romantisch!

Die Agriates: Korsikas Karibik

Viele Reiseführer sprechen von der Wüste der Agriates. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Wüste. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurden hier Getreide angebaut, Wein kultiviert und Vieh gehalten. Erst die Landflucht ließ die Felder verschwinden. Die Natur eroberte das Gebiet zurück. Heute gehört die Küstenlandschaft der Agriates zu den ursprünglichsten Landstrichen Korsikas. Straßen gibt es kaum. Nur per Boot, zu Fuß, mit dem Mountainbike oder im Allradwagen kommt ihr zu den Strandperlen der Agriates.

Ihre 40 Kilometer lange Küste ist äußerst kinderfreundlich; alle Strände fallen sehr flach ins Meer. Berühmt ist vor allem die Plage de Lotu. Von Saint-Florent aus bringen euch Taxi-Boote in die geschützte Bucht. Türkisfarbenes Wasser und heller Sand: Hier erinnert Korsika an die Karibik. Während der Überfahrt seht ihr die Tour de Mortella. Der Genueserturm gab später den britischen Martello Towers ihren Namen.

Sandiges Souvenir

Hellweiß, goldgelb, ocker und tiefschwarz: Die Strände von Korsika haben viele Farben. Füllt euch ein wenig Sand in klare Tütchen, hängt die Tütchen mit Bindfaden an ein längliches Aststück Treibholz und macht eure Strandsand-Sammlung zum dekorativen Hingucker daheim oder im Büro!

Ein Küstenweg bringt euch in 40 Minuten zu Fuß zur Plage de Saleccia, der zweiten „Karibik“-Bucht der Agriates. Dieser Strand diente als Kulisse für den Kriegsfilm „Der längste Tag“ mit Robert Mitchum. Ganz in der Nähe könnt ihr im Parc de Saleccia korsische und mediterrane Pflanzenlandschaften sowie Macchia aus aller Welt entdecken. Lest dazu einmal diesen Blogbeitrag!

Am westlichen Rand der Agriates liegt die Plage d’Ostriconi an der Mündung eines kleinen Flusses. Dünen, Lagune und Meer: Erstaunlich, dass Ostriconi trotz dieser schönen Landschaft vergleichsweise wenig besucht wird!

Cap Corse: Die wilde Spitze der Insel

Cap Corse. wirkt wie eine Insel auf der Insel. Die schmale Halbinsel ragt weit in das Ligurische Meer hinaus. Steile Hänge, kleine Fischerdörfer und einsame Buchten prägen die Landschaft.

Am bekanntesten ist Nonza. Hoch oben klebt das Dorf an einem Felssporn. Tief darunter breitet sich ein dunkler Strand aus. Er ist das Zeugnis einer hochgiftigen Industrie. Bis 1965 wurde vor Nonza Asbest abgebaut. Die Fabrik ist verlassen, ihr Abraum, offiziell als ungefährlich eingestuft, heute das Wahrzeichen von Nonza.

Ganz im Norden der Halbinsel führt euch eine sehr schmale und kurvige Stichstraße zur Plage de Barcaggio – diese Zufahrt ist für Wohnwagen absolut ungeeignet! Aalt euch im weichen, warmen Sand und genießt den Paradeblick auf die Île de la Giraglia, den nördlichsten Punkt Korsikas. Oder spaziert den Strand entlang bis zum Genueserturm von Agnello. Barcaggio ist auch eine Etappe auf dem Zöllnerpfad, der euch als sentier des douaniers von Macinaggio bis nach Centuri-Port einmal rund um die Inselspitze leitet.

Die Strecke solltet ihr auf zwei Tage verteilen. So bleibt noch Zeit zum Baden, Schlemmen und Schauen! Mein Etappenvorschlag: am ersten Tag von Macinaggio vorbei an der plage de Tamarone bis Barcaggio (3 Stunden), einem Sandband zwischen Macchia und Meer.. Am zweiten Tag geht es von dort via Tollare bis nach Centuri (5 Stunden).  Unabdingbar bei dieser Tour sind gutes Schuhwerk und ausreichend Trinkwasser!

Warum Korsika – noch – keine zweite Côte d’Azur wurde

Auf den ersten Blick wirkt Korsikas Küste wie ein mediterraner Glücksfall: endlose Strände, türkisfarbenes Wasser, spektakuläre Buchten. Doch was heute wie ein Naturparadies erscheint, ist auch das Ergebnis politischer Entscheidungen, lokaler Widerstände und eines ausgeprägten Bewusstseins für Landschaft.

Während an vielen Küsten des Mittelmeers in den 1960er- und 1970er-Jahren große Ferienanlagen entstanden, blieb Korsika vergleichsweise unverbaut. Ein entscheidender Faktor ist die lange Zeit schwache wirtschaftliche Entwicklung der Insel. Doch ebenso wichtig war der politische Wille, die Küste zu schützen.

Eine zentrale Rolle spielt das Conservatoire du Littoral, eine staatliche Einrichtung, die seit den 1970er-Jahren große Teile der französischen Küsten unter Schutz stellt und Flächen aufkauft, um sie dauerhaft von Bebauung freizuhalten. Auch auf Korsika wurden so zahlreiche Strandabschnitte gesichert – darunter Teile der Agriates oder empfindliche Küstenzonen im Süden der Insel. Hinzu kommt ein ausgeprägtes lokales Bewusstsein für Landschaft und Eigentum.

Viele Korsen betrachten die Küste nicht als Ressource für touristische Großprojekte, sondern als Teil ihrer Identität. Bauvorhaben stoßen deshalb regelmäßig auf Widerstand, sowohl in der Bevölkerung als auch in lokalen Gremien. Nicht selten wurden geplante Hotelanlagen oder Wohnkomplexe nach Protesten gestoppt oder deutlich reduziert.

Gleichzeitig hat sich der Tourismus auf Korsika anders entwickelt als in klassischen Badezielen des Mittelmeers. Statt großer All-inclusive-Resorts dominieren kleine Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze. Viele Strände bleiben dadurch öffentlich zugänglich und landschaftlich unverändert. Doch der Druck wächst. Besonders rund um Porto-Vecchio, Ajaccio und Calvi steigt die Nachfrage nach Bauflächen. Klimawandel, Wassermangel und steigende Besucherzahlen stellen die Insel vor neue Herausforderungen. In der Hochsaison erreichen manche Strände ihre Belastungsgrenze, Parkplätze sind überfüllt, und sensible Dünenbereiche geraten unter Druck.

Zwischen Schutz und Nutzung entsteht so ein Spannungsfeld, das über die Zukunft der Insel entscheidet. Korsika steht heute exemplarisch für die Frage, wie viel Tourismus eine Landschaft verträgt, ohne ihren Charakter zu verlieren. Dass die Insel bislang nicht zur zweiten Côte d’Azur geworden ist, liegt daher nicht an fehlendem Interesse, sondern an einem fragilen Gleichgewicht. Genau dieses Gleichgewicht macht viele der heutigen Traumstrände erst möglich – und zugleich verletzlich.

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Im Buch

Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika*

Cover: Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika. Foto: Hilke Maunder

33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst, seitdem sie quasi auch hier lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt. Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre  persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden  Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen! Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Zum Träumen: Das Haus auf Korsika*

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot 2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Finden, der Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt.

Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.hrer hier* online bestellen.

Hilke Maunder, Baedeker „Korsika“*

Baedeker Korsika

Mit blau lackierten Fingernägeln ordnet Madame auf dem Markt von Bastia in einem Bastkorb längliche Stangen. „Boutargues“, verrät das Schild.

„Das ist echter korsischer Kaviar. Nur noch wenige Fischer entnehmen den Meeräschen den Rogen. Mein Mann ist einer davon.“ Die Rarität hat ihren Preis: 150 Euro das Kilo.

Der Nachbar-Händler sieht das erstaunte Gesicht und hält ein Holzbrett hin: “ Goûtez !“ Lasst euch mit meinem Baedeker Korsika* an Orte wie diesen (ver)führen. Genussmomente und einzigartige Erlebnisse: Sie machen den Band besonders. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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