Wer bei den Senatswahlen in Frankreich ein Mandat erhalten hat, zieht hier ein: in den Palais du Luxembourg im Jardin du Luxembourg. Foto: Hilke Maunder
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Sénatoriales: Senatswahlen in Frankreich

Die Senatswahlen in Frankreich, bekannt als Sénatoriales, finden alle drei Jahre statt. Bei diesen Wahlen werden die Mitglieder des Senats, der oberen Parlamentskammer Frankreichs, gewählt.

Auch in Frankreich gibt es ein Zweikammersystem im Parlament: die Volksversammlung Assemblée Nationale als Unterhaus und den Sénat als Oberhaus. Für die Senatswahlen in Frankreich gelten ganz besondere Wahlvorschriften. Sie unterscheidet sich deutlich von den anderen französischen Wahlverfahren.

Die Wahl der Senatoren

Der Senat setzt sich aus 348 Senatoren zusammen. Anders als die Abgeordneten zur Nationalversammlung werden die Senatoren nicht direkt von den Franzosen gewählt. Bei den Senatswahlen in Frankreich handelt es sich um eine indirekte, allgemeine Wahl. Jeder Senator wird von einem Kollegium gewählter Abgeordneter aus dem Wahlkreis, den er vertreten wird, gewählt.

Dieses collège de grands électeurs setzt sich aus Senatoren ( sénateurs ), Abgeordneten ( députés ), den im Département gewählten Regionalräten ( conseillers régionaux ), den Départementsräten ( conseillers départementaux ) und den Stadt- oder Gemeinderäten ( conseillers municipaux ) zusammen.

Insgesamt kommt so ein Wahlgremium aus rund 160.000 Personen zusammen, von denen 95 Prozent Gemeinderäte sind. Die Anzahl der Senatoren in den einzelnen Wahlkreisen variiert je nach Bevölkerungszahl.

Mehrheits- oder Verhältniswahlrecht?

Die Amtszeit der Senatoren beträgt sechs Jahre. Alle drei Jahre wird bei den Senatswahlen in Frankreich die Hälfte der Senatoren neu gewählt. Ob es einen oder zwei Wahlgänge, Mehrheits- oder Verhältniswahlrecht gibt, entscheidet die Anzahl der auf ein Département entfallenden Sitze.

• Départements mit ein bis zwei Senatoren: Mehrheitswahlrecht in zwei Wahlgängen.
• Départements, mit drei oder mehr Senatoren: Verhältniswahl als Listenwahl in einem einzigen Wahlgang.

Rotierendes System

Der Senat erneuert sich dabei in zwei rotierenden Wahlkreiszonen ( séries ):

  • Série 1: Diese umfasst 170 Senatoren, die bei den Senatswahlen in Frankreich 2023 neu bestimmt wurden. Zu dieser Zone gehören die Senatoren der Île-de-France, der Départements mit den Ordnungszahlen 37 bis 66 (z. B. Indre-et-Loire bis Pyrénées-Orientales), die Vertreter einiger Überseegebiete sowie sechs der zwölfr Senatoren, die die Franzosen im Ausland vertreten. Die 2023 gewählten Senatoren der série 1 bleiben bis 2029 im Amt.
  • Série 2: Diese Zone umfasst 178 Senatoren, die zuletzt im September 2020 gewählt wurden. Dazu zählen die Senatoren der übrigen Départements (Ordnungszahlen 1 bis 36 und 67 bis 95) sowie die restlichen sechs Senatoren der Auslandsfranzosen. Die 2020 gewählten Senatoren der série 2 bleiben bis 2026 im Amt. Die nächsten Senatswahlen in Frankreich für diese Zone finden daher im September 2026 statt.

Die letzten Senatswahlen in Frankreich ( Série 1, 2023) bestätigte die Dominanz der bürgerlich-konservativen Parteien ( Les Républicains, LR ), während Macrons Partei La République en Marche (LREM) weiterhin kaum vertreten ist. Dies führt regelmäßig zu politischen Spannungen zwischen Senat und Nationalversammlung, besonders bei Reformvorhaben der Regierung.

Warum dieses System?

Die Aufteilung in zwei Serien soll eine Kontinuität im Senat gewährleisten: Alle drei Jahre wird nur die Hälfte der Sitze neu besetzt, was abrupten politischen Umbrüchen vorbeugt. Gleichzeitig spiegelt die indirekte Wahl durch das collège électoral als Gremium aus Gemeinderäten, Départements- und Regionalräten die regionale und lokale Verankerung des Senats wider – auch wenn dies oft zu einer Überrepräsentation ländlicher und konservativer Interessen führt.

Die Aufgaben des Senats

Im Unterschied zu Deutschland ist Frankreich kein Bundesstaat, sondern ein Zentralstaat. Die zweite gewählte Kammer des französischen Parlaments übernimmt zwar ähnliche Aufgaben bei der Gesetzgebung, spielt aber dennoch eine ganz andere Rolle als der Deutsche Bundesrat.

Der Senat ist der hohe Rat der Gemeinden Frankreichs. Er

  • stimmt ab über Gesetze, die entweder von der Regierung vorgelegt werden oder aus Initiativen von Nationalversammlung oder Senat entstanden.  Jeder beim Senatspräsidium eingereichte Gesetzentwurf wird zur Beratung an die sieben ständigen Ausschüsse überwiesen, in seltenen Fällen auch an einen Sonderausschuss. Jeder Ausschuss kann den Gesetzentwurf beraten und eine Meinung abgeben, wenn er ein Interesse an der Sache hat.

    Die sieben ständigen Ausschüsse des Senats sind:

  • Kulturausschuss (57 Mitglieder)
  • Wirtschaftsausschuss (39 Mitglieder)
  • Ausschuss für nachhaltige Entwicklung (39 Mitglieder)
  • Ausschuss für Auswärtiges, Verteidigung und Streitkräfte (57 Mitglieder)
  • Ausschuss für Soziales (57 Mitglieder)
  • Haushalts- und Finanzausschuss (49 Mitglieder)
  • Rechtsausschuss (49 Mitglieder)
  • muss bei jeder Verfassungsänderung beteiligt werden
  • kontrolliert die Regierung
  • vertritt die Gebietskörperschaften (Regionen, Départements und Gemeinden)
  • Der Senatspräsident ist der offizielle Vertreter des Präsidenten der Republik bei Rücktritt oder Tod

Der Sitz des Senats

Der Senat hat den wohl schönsten Arbeitsplatz von Paris. Er residiert im Herzen des Jardin du Luxembourg im Palais du Luxembourg, und damit im einstigen Witwensitz von Maria de Medici. Der Zyklus mit den Lebensstationen der Fürstin, den Rubens für das Palais entwarf, hängt heute im Louvre. Die Regentin allerdings konnte den Palast kaum nutzen. Kurz nach seiner Fertigstellung 1630 musste sie nach Köln fliehen. Sie hatte das Intrigenspiel gegen ihren Widersacher, Kardinal Richelieu, verloren.

Wer drinnen in der Bibliothek die Wandgemälde von Delacroix betrachten möchte, benötigt seit den Anschlägen von Paris 2015 eine Einladung eines Senators. Der Senatspräsident residiert im Petit Palais. Beim Europäischen Denkmaltag im September gewährt er Einblicke in sein Domizil.
• 15, rue de Vaugirard, Teilnahme an Senatssitzungen und Führungen nur auf Einladung eines Senators, virtuelle Führung: www.senat.fr.

Die Senatoren

Wer bei den Senatswahlen in Frankreich ein Mandat gewonnen hat, erhält als Senatore für seine Arbeit eine Vergütung, die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt:

  • Grundgehalt: Ein Senator bekommt ein monatliches Bruttogehalt von etwa 5.600 Euro (Stand 2025). Hinzu kommen Zulagen für Sitzungsteilnahme, Reisekosten und Bürokosten (z. B. für Mitarbeiter oder Wahlkreisbüros).
  • Pensionsansprüche: Senatoren erwerben nach mindestens einem Jahr Amtszeit Anspruch auf eine Altersrente, die sich nach der Amtsdauer richtet.

Die Vergütung wird oft als zu hoch empfunden, besonders weil viele Senatoren gleichzeitig lokale Mandate (z. B. als Bürgermeister oder Départementsräte) innehaben und so mehrfach bezahlt werden. Dies führt regelmäßig zu Debatten über Transparenz und Nebentätigkeiten.

Der Senat als Karrieresprungbrett

Viele französische Politiker nutzten den Senat als Sprungbrett für höhere Ämter. Hier einige bekannte Beispiele:

  • François Mitterrand: Der spätere Staatspräsident (1981–1995) war von 1959 bis 1962 Senator für das Département Nièvre. Seine Zeit im Senat prägte seine politische Strategie und sein Netzwerk.
  • Jacques Chirac: Bevor er Staatspräsident (1995–2007) wurde, war Chirac von 1967 bis 1969 Senator für das Département Corrèze. Der Senat diente ihm als Plattform für seinen Aufstieg in der gaullistischen Partei.
  • Ségolène Royal: Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin (2007) und Umweltministerin war von 2004 bis 2014 Senatorin für das Département Deux-Sèvres. Ihr Engagement im Senat stärkte ihr Profil als Umweltpolitikerin.
  • Gérard Larcher: Der heutige Senatspräsident (seit 2014) ist einer der einflussreichsten Politiker Frankreichs. Als Senator für die Yvelines prägte er die konservative Politik und wurde zu einem zentralen Akteur in der Blockade von Macrons Reformen.

Senatswahlen in Frankreich: quel scandal !

Die Senatswahlen in Frankreich sind zwar weniger medienwirksam als Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen, aber es gab mehrere spektakuläre Vorfälle.

  • 2011: Der „Senatswahl-Betrug“ in den Yvelines In diesem Département wurden bei den Senatswahlen in Frankreich 2011 umfangreich Wahlmanipulationen aufgedeckt. Mehrere Gemeinderäte, die zum collège électoral gehören, hatten gefälschte Stimmen abgegeben, um einen Kandidaten der konservativen Partei UMP (heute LR ) zu begünstigen. Der Senat annullierte die Wahl, und es kam zu juristischen Verfahren gegen die Beteiligten.
  • 2017: Korruptionsvorwürfe gegen Senatoren Mehrere Senatoren der Républicains (LR) gerieten in die Kritik, weil sie Scheinjobs für Familienmitglieder geschaffen hatten. Der Fall führte zu Rücktritten und einer Verschärfung der Transparenzregeln für Parlamentsmitglieder. Zentral verwickelt in diesen Skandal war François Fillon, der ehemalige Premierminister und Präsidentschaftskandidat der Républicains (LR) – allerdings nicht als Senator, sondern als Abgeordneter der Nationalversammlung. Der Druck führte zu Rücktritten von unter anderem Senator Thierry Solère, der später zu Macrons Partei wechselte, und zu einer Verschärfung der Transparenzregeln für alle Parlamentsmitglieder – auch für Senatoren. Seitdem müssen alle Assistentenverträge öffentlich einsehbar sein, und es gibt strengere Kontrollen der Arbeitszeiten und Aufgaben.
  • 2020: Chaos bei der Briefwahl Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Senatswahlen in Frankreich 2020 teilweise per Brief durchgeführt. Es gab Verzögerungen und verlorene Stimmabgaben, was zu Protesten und Forderungen nach einer Reform des Wahlverfahrens führte.
  • 2023: Streit um die Überrepräsentation ländlicher Gebiete Kritiker warfen dem Senat vor, durch das Wahlsystem und dem Übergewicht der Gemeinderäte konservative und ländliche Interessen zu begünstigen. Dies führte zu einer Blockade von Reformen, die Macron vorantreiben wollte, und zu Vorwürfen, der Senat sei ein „Museum der Konservativen“.

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