Ein beliebtes Motiv der Maler: der Blick von der Mole über den Hafen von Sète hin zur Altadt und dem Mont Saint-Clair. Foto: Hilke Maunder
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Sète – der Hafen der Künstler

Das kleine Paris am Mittelmeer“ – so soll Paul Valéry einst seine Heimatstadt genannt haben. Ob das Zitat tatsächlich von ihm stammt, ist ungewiss. Dennoch ist diese Beschreibung in aller Munde und weckt sofort Assoziationen, wenn man durch die Straßen der Stadt bummelt. Sète, als königlicher Hafen zwischen Mittelmeer und Canal du Midi auf dem Reißbrett geplant, begeistert mit seinem besonderen Licht und unverwechselbaren Charme.

Seit ihrer Gründung zieht die Stadt Künstler in ihren Bann und bringt selbst große Namen hervor. Vier Persönlichkeiten prägen das kulturelle Erbe der 45.000-Einwohner-Stadt: Paul Valéry, Georges Brassens, Robert Combas und Hervé Di Rosa. Heute erobert Street-Art die Fassaden – und ermittelt eine charmante TV-Kommissarin rund um den Mont-Saint-Clair, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen von Sète.

Paul Valéry – der Dichter vom Mont Saint-Clair

Paul Valéry wurde 1871 in einem Haus am Hafen von Sète geboren – wo genau, ist indes nicht bekannt. Schiffe und das geschäftige Hafentreiben prägten die ersten zwölf Jahre seines Lebens. Schon als Kind spielte er oft auf dem Mont Saint-Clair und träumte beim Blick aufs Meer.

Fasziniert beobachtete er das geschäftige Treiben an den Kais von Sète, die Rückkehr der Fischerboote, kreischende Möwen im Gefolge, das Auslaufen der großen Mittelmeerfähren hin nach Marokko und Algerien und die Angler entlang der Mole. Seefahrt.

Im Sommer erlebte der Sohn eines korsischen Zollbeamten und einer italienischen Aristokratin hautnah die Joutes de Sète, das traditionelle Fischerstechen, das Sète seit seiner Gründung bei der Fête Saint-Louis im August feiert.

Später schrieb er: „J’ai vécu douze ans dans la lumière de Sète. Cela m’a suffi pour toute une vie.“ ( „Ich habe zwölf Jahre im Licht von Sète gelebt. Das hat mir für ein ganzes Leben gereicht.“) Doch die Worte siegten über die Wellen. Das Meer blieb dennoch sein zentrales Lebensthema. Valéry nannte Sète eine île singulière – eine einzigartige Insel. Seine Kindheitseindrücke inspirierten ihn zeitlebens.

Paul Valéry schrieb zahlreiche Essays und Vorträge zur Kunst, darunter einflussreiche Texte über Leonardo da Vinci, in denen er Kunst und Wissenschaft, Erfindung und Erkenntnis miteinander verband. Er beschäftigte sich mit Malern wie Degas, Manet, Renoir und Morisot und analysierte in seinen Schriften die Wirkungsweisen verschiedener Kunstformen – von Architektur über Malerei und Musik bis hin zum Tanz.

Seine berühmten Cahiers (Notizbücher) enthalten Reflexionen zu künstlerischen, literarischen und wissenschaftlichen Themen und zeigen, wie bravourös er zwischen den Genres jonglierte. Valéry verstand Kunst als offenen Prozess und betonte die Wechselwirkung zwischen Werk, Künstler und Betrachter: „Alle Künste leben von Worten. Jedes Kunstwerk verlangt, dass man ihm antworte.“

Nach seinem Tod 1945 kehrte Paul Valéry auf eigenen Wunsch in die Heimat zurück. Sein Grab liegt auf dem Cimetière Marin, dem berühmten Meeresfriedhof am Mont Saint-Clair – und damit genau an jenem Ort, den er in seinem gleichnamigen Gedicht Le Cimetière marin verewigte.

Ebenfalls auf dem Friedhof ruht mit Jean Vilar, (1912–1971) einer der bedeutendsten französischen Theaterregisseure des 20. Jahrhunderts und Gründer des Festival d’Avignon. Er wurde am 25. März 1912 in Sète geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend, bevor er die Hafenstadt für seine künstlerische Ausbildung und Karriere verließ, ehe er im Alter in seinen Heimat zurückkehrte. Am 28. Mai 1971 verstarb er in Sète.

Das Musée Paul Valéry – Kunst am Meeresfriedhof

Oberhalb des Friedhofs eröffnete 1970 das Musée Paul Valéry. Der Architekt Guy Guillaume entwarf das Gebäude im Stil Le Corbusiers am Hang des Mont Saint-Clair – mit direktem Blick auf den Cimetière Marin und das Meer. Dieser Anblick lässt innehalten.

Man setzt sich in einen der Sessel, die vor der Fassade aufgereiht sind, blickt auf ein längliches Wasserbecken, über den Friedhof auf das Mittelmeer und verliert sich im Rhythmus der Wellen und Wogen in seinen Gedanken und Träumen. Einen entspannenderen Ort als diesen gibt es kaum in Sète!

Diese Ruhe überträgt sich auf den Besuch des Museums. Es würdigt nicht nur Valérys literarisches Erbe mit Gemälden, Zeichnungen und Handschriften aus dem Nachlass des Künstlers, sondern zeigt auch eine breite Auswahl an Kunstwerken aus dem 19. und 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf Arbeiten aus Sète und Umland.

88 Künstler gehören zur ständigen Sammlung. Darunter befinden sich Pierre Alechinsky, Jean Bazaine, Rémi Blanchard, André Cervera, Antoni Tàpies sowie die beiden Mitbegründer der Figuration Libre, Hervé Di Rosa und Robert Combas.

Im Untergeschoss widmet sich die Salle de Sète dem Werk von Claude Joseph Vernet (1714–1789). 1753 hatte der berühmteste Marinemaler des 18. Jahrhunderts vom französischen König Ludwig XV. auf Vermittlung des Marquis de Marigny den offiziellen Auftrag erhalten, die wichtigsten Seehäfen Frankreichs in einer Serie von 15 großformatigen Gemälden festzuhalten. Ziel dieses staatlichen Projekts war es, die Seemacht Frankreichs zu dokumentieren und zu repräsentieren.

So kam Vernet auch nach Sète, das sich damals noch Cette nannte. Sein Gemälde zeigt den Hafen mit Schiffen, Kaufleuten und Fischern in der typischen Atmosphäre des 18. Jahrhunderts: geschäftig, poetisch, maritim, detailreich – und stets mit eindrucksvollem Himmel.

Georges Brassens – Der Chansonnier des Volkes

Nicht großbürgerlich wie Paul Valéry, sondern ein echtes Arbeiterkind war Georges Brassens, der 1921 in Sète das Licht der Welt erblickte und im Viertel der kleinen Leute, dem quartier haut, aufwuchs.

Seine Mutter Elvira war eine gläubige und musikliebende Italienerin aus der Basilikata, der Vater Jean-Louis ein Maurer und Freidenker. Brassens hatte außerdem eine neun Jahre ältere Halbschwester Simone aus der ersten Ehe seiner Mutter. Es war eine offene, tolerante Atmosphäre, in der Georges Brassens aufwuchs.

Noch als Schüler, als er das Collège Paul-Valéry besuchte, schrieb er erste Lieder. Als er bei einer Dieberei erwischt wurde, ging Georges Brassens nach Paris. Dort wohnte er bei seiner Tante Antoinette Dagrosa,  die ein Klavier besaß . Dort arbeitete er bei Renault, widmete sich aber vor allem dem intensiven Selbststudium der französischen Dichtkunst in Bibliotheken. Die einfache Arbeiterstelle ermöglichte ihm das Überleben und den Druck seiner ersten Gedichte.

 1943 wurde Brassens im Rahmen des Service du travail obligatoire (S.T.O.) zum Arbeitsdienst nach Deutschland verpflichtet und arbeitete ein Jahr lang in den Brandenburgischen Motorenwerken in Basdorf bei Berlin. Dort lernte er Pierre Onténiente kennen, seinen späteren Freund und Verwalter.

Nach einem Heimaturlaub 1944 kehrte Brassens nicht nach Deutschland zurück, sondern tauchte in Paris bei Freunden unter und erlebte dort das Kriegsende. Nach dem Krieg lebte Brassens sehr zurückgezogen und in bescheidenen Verhältnissen in Paris. Er schrieb Gedichte und Chansons, die zunächst wenig Beachtung fanden.

Erst 1952 kam der Durchbruch. Die Sängerin Patachou ließ ihn in ihrem Pariser Kabarett auftreten. Seine erste Schallplatte La Mauvaise Réputation* machte ihn über Nacht berühmt. Brassens wurde zum Volkshelden – ein Anarchist mit Gitarre, der gegen Spießer und Heuchelei sang.

Diese Platte, erschienen zunächst bei Polydor, enthält einige seiner bekanntesten frühen Chansons und markiert den Beginn seiner Karriere als professioneller Musiker.v Bereits in den 1970er-Jahren erkrankte Georges Brassens an Nierenkrebs. Sein letzter öffentlicher Auftritt fand 1976 statt, als er sich gesundheitlich bereits stark eingeschränkt fühlte. Doch erst 1980 wurde er operiert. 1981 verstarb Brassens.

Seine Sehnsucht nach Sète hatte er bereits 1966 in Supplique pour être enterré à la plage de Sète* besungen – der Bitte, am Strand seiner Heimat begraben zu werden. Der Wunsch ging in Erfüllung. Brassens ruht auf dem Armenfriedhof Le Py.

Im selben Grab liegen seine Eltern und Joha Heiman, seine langjährige Lebensgefährtin aus Estland. Er nannte sie liebevoll „Püppchen“. Sie lebten nie zusammen in einer Wohnung, aber sie begleitete ihn auf seinen Tourneen und war seine wichtigste Vertraute und Muse bis zu seinem Lebensende. La non-demande en mariage ist ihr gewidmet.

Nur wenige Schritte entfernt eröffnete 1991 der Espace Georges Brassens. Das meistbesuchte Museum der Stadt lässt in zehn interaktiven Sälen Leben und Werk aufleben. Brassens‘ eigene Stimme führt euch durch die Ausstellung – eine intime Begegnung mit dem Chansonnier, seinen Liedern und seinen Lieben.

Zu sehen sind zahlreiche persönliche Gegenstände, Manuskripte, Briefe, Fotografien, Instrumente und Originaldokumente aus Brassens’ Leben und Karriere. Die Ausstellung zeigt auch Erinnerungsstücke aus seiner Kindheit, Bühnenrequisiten und seltene Aufnahmen.

Hörstationen und Videoprojektionen präsentieren seine Chansons, Interviews und Konzertmitschnitte. Im Videosaal sind unveröffentlichte Filme, Lesungen und Auftritte zu sehen, die hautnah die Bühnenpräsenz und den musikalischen Stil Brassens’ lebendig werden lassen.

Georges Brassens ist der einzige berühmte Chansonnier der Stadt. Nach seinem Tod hat Sète keinen Chansonnier von vergleichbarer nationaler oder internationaler Strahlkraft hervorgebracht. Die Stadt ehrt das musikalische Erbe von Brassens seit 2002 mit dem Festival Quand je pense à Fernande, bei dem regelmäßig zum Sommerauftakt junge Talente auftreten und das französische Chanson gefeiert wird. Doch ein neuer Brassens ist bislang nicht in Sicht.

Le Disque Bleue
Der französische Sänger Benjamin Biolay bezeichnet sich gerne als Sétois d’adoption. Schon als Kind verbrachte er dort Ferien, und die Stadt findet sich immer wieder in seinen Projekten wieder, etwa im Album Saint-Clair, an dessen Flanken Biolay 2010 ein Haus erwarb, und in Videoclips, die in Sète entstanden sind. Im Oktober widmete er seiner Herzensheimat im Süden das Doppelalbum Disque Bleue mit einer Version für Urlauber – und einer Fassung für Einheimische.

Robert Combas – Maler der Figuration Libre

Robert Combas, 1957 in Lyon geboren, zog als vierjähriger Knirps im Jahr 1961 mit seiner Familie nach Sète. Die Hafenstadt prägte seine Kindheit und Jugend. Karneval, Musik, Dialekte und das bunte Treiben der Mittelmeerstadt flossen in sein Werk ein wie in einen Kessel Buntes.

Combas gründete Anfang der 1980er-Jahre gemeinsam mit Hervé Di Rosa die Bewegung Figuration Libre. Seine Bilder sind wilde Farbexplosionen, inspiriert von Graffiti, Comics und Popkultur. Rock und Punk treiben seine Pinselstriche an. Rohe Linien, kräftige Farben und eine Mischung aus Alltags- und Fantasiewelten charakterisieren seinen Stil.

Das Musée Paul Valéry widmete ihm bereits im Jahr 2000 eine große Retrospektive. 2025 zeigt das Museum im Obergeschoss erneut eine umfassende Schau seiner Werke. Combas hat Sète international als Künstlerstadt bekannt gemacht.

Hervé Di Rosa – Mitbegründer der Figuration Libre

Als Jugendlicher lernte Robert Combas Hervé Di Rosa kennen, der ein echtes Kind der Hafenstadt war und zwei Jahre jünger. Sie verband die gemeinsame Liebe zu Rock- und Punkmusik, Comics, Grafik und Humor. 1977 schlossen sich Combas, Hervé und dessen Bruder Buddy Di Rosa sowie Ketty Brindel enger zusammen und gründeten kreative Projekte wie die Zeitschrift BATO und die Band Les Démodés. Beide prägten die Figuration Libre entscheidend mit. Di Rosas Kunst zeichnet sich durch spielerische, farbenfrohe Bildsprache aus. Comics, Street Art und Volkskunst inspirieren seine Werke.

Di Rosa blieb seiner Heimat treu. Er initiierte das Musée International des Arts Modestes (MIAM) in Sète – ein Museum für „bescheidene Kunst“ und Art Brut. Das MIAM zeigt regelmäßig seine Werke und die anderer Künstler der Populär- und Outsiderkunst. Di Rosa überschreitet bewusst die Grenzen zwischen Hoch- und Alltagskunst.

Loo’ise und Léo

Der Quai du Bosc steckt mitten im Wandel vom Hafenviertel zum Galerien-Strip. Jüngster Neuzugang ist die Galerie von Stella Mucret aka Loo’ise, die sie im Juni 2025 gemeinsam mit dem Keramikkünstler Léo Ellwood eröffnete.

1973 auf der französischen Karibikinsel Martinique geboren, ging sie nach Valence, studierte dort Anfang der 2000er-Jahre an der Kunstschule Empreinte und der Schauspielschule La MIM – und hat seitdem in den verschiedensten kreativen Bereichen wie bildende Kunst, Tanz, Künstlerförderung, Innenarchitektur und Textildesign gearbeitet.

Ständig sei sie, so Stella, auf der Such nach neuen, bereichernden menschlichen und künstlerischen Erfahrungen. Gemeinsam mit ihrer Tochter hat sie in Sète eine neue Heimat gefunden und widmet sich nun am Westufer des Canal Royal in ihren Arbeiten mit Tusche und Acryl, Lithografie und Coloration den Themen Urbanisierung und Identität.

Bei Léo Ellwood verwandeln sich Gorillas und Giraffen zu Trinkbechern, Leuchten und tierischer Deko. Gemeinsam haben sie mit ihrer Expo Phare einen Ort geschaffen, der als Raum für Ausstellungen und kreative Aktivitäten dient und auch anderen Künstlern die Möglichkeit bietet, ihre Werke dort zu präsentieren.

Le Reservoir: unkonventionelle Kunst von heute

Nur wenige Schritte weiter am Kanal gen Norden zeigt Le Réservoir in einer früheren Garage am Quai de Bosc 45-46 auf rund 2000 Quadratmetern in großzügigen Ausstellungsräumen Kunst der letzten 50 Jahre. Im Fokus stehen Kunstrichtungen wie Art Brut, urbane Kunst, Supports/Surfaces und Figuration libre. Ausgestellt werden nicht nur Werke renommierter Künstler wie Robert Combas, Hervé Di Rosa und André Cervera, sondern auch Arbeiten junger aufstrebender Künstler. Rund 3000 Kunstwerke umfasst der Verkaufskatalog.

Sandra Massounga und Marianne Waquier verfolgen in ihrer Galerie einen unkonventionellen, hybriden Ansatz, der verschiedene Genres und Stile vereint. Neben Sète gibt es eine weitere Galerie Le Réservoir in Montpellier, die auch ähnliche Programmatik verfolgt.

CRAC: Staatliches Schaufenster aktueller Kunst

Unterstützt wird die lebendige Kunstzene von Sète auch von staatlicher Seite. Der wichtigste Player ist dabei das CRAC (Centre Régional d’Art Contemporain), das seit 1997 in einem ehemaligen Kühllager (Fisch-Tiefkühl- und Konservierungsanlage) am Canal Royal untergebracht ist. Beim Umbau bewahrte Architekt Lorenzo Piqueras die industrielle Architektur des ehemaligen Kühlhauses und passte sie an die Bedürfnisse einer modernen Ausstellungsstätte an.

Herausgekommen ist eine 1.200 Quadratmeter große Ausstellungsfläche auf zwei Ebenen, auf der seit ihrer Eröffnung bereits mehr als 600 Künstlerinnen und Künstler aus Frankreich und aller Welt zu sehen waren. Neben Ausstellungen ist der CRAC auch ein lebendiger Ort für Konzerte, Vorführungen, Festivals, literarische Abende und weitere kulturelle Veranstaltungen.

Street Art – Das Museum unter freiem Himmel

Heute erobert die urbane Kunst Sètes Straßen. Das MaCO (Musée à Ciel Ouvert) erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet. Mehr als 70 großformatige Wandbilder verwandeln Sète in ein „Museum unter freiem Himmel“.

Als Hotspot der Street Art gilt die Rue de Tunis. Internationale und lokale Künstler wie Bault, Maye, Swed und Wobe Johnson schaffen hier regelmäßig neue Werke. Die Straße wird auch Rue des Arts genannt – eine lebendige Open-Air-Galerie mit ständig wechselnden Kunstwerken.

Besonders berührend: Die Hommagen an Georges Brassens. Ein Wandbild illustriert sein berühmtes Lied Je me suis fait tout petit*. So lebt der große Chansonnier in der Kunst der Straße weiter. Die Ikonen von gestern inspirieren die Sprayer von heute.

Großes Kino

Auch die Filmemacherin Agnès Varda ist eng mit Sète verbunden. 1928 in Ixelles/Elsene (Belgien) geboren, floh sie im Zweiten Weltkrieg nach dem Einmarsch der Deutschen nach Sète ins freie Frankreich. Dort verbrachte sie ihre Jugend, absolvierte das Collège und entwickelte eine starke emotionale Bindung zu der Stadt. Sète wurde für Varda zur prägenden Kulisse, sowohl persönlich als auch künstlerisch: Ihr erster Spielfilm, La Pointe Courte (1955), gilt als Vorläufer der Nouvelle Vague und wurde im gleichnamigen Fischer- und Arbeiterquartier von Sète gedreht.

Varda kehrte immer wieder nach Sète zurück, fotografierte das Leben am Hafen, die Fischer und das städtische Treiben, und widmete der Stadt auch Jahrzehnte später noch Werke wie den autobiografischen Dokumentarfilm Les plages d’Agnès (2008), in dem sie ihre Lebensstationen an den Stränden von Sète reflektiert. Sie gilt als eine der wichtigsten künstlerischen Botschafterinnen Sètes und hat die Stadt durch ihre Filme und Fotografien international bekannt gemacht.

Die Stadt war Schauplatz für Filme mit vielen bekannten Schauspielern wie Lino Ventura, Brigitte Bardot, Philippe Noiret, Yves Montand, Romy Schneider, Gérard Depardieu und auch Alain Delon.

Erfolgreiche TV-Serien

In jüngster Zeit wurde Sète vor allem als Schauplatz erfolgreicher TV-Serien berühmt.

Candice Renoir

Seit 2013 läuft die Krimiserie Candice Renoir auf France.tv. Die Serie spielt komplett in Sète und nutzt die Stadt als zentrales Element der Handlung. Gedreht wird an vielen Originalschauplätzen: entlang der Kanäle, am Hafen, in den Altstadtgassen und an den Stränden. Die Serie hat Sète einem breiten Publikum in Frankreich und international als charmante, lebendige und authentische Stadt präsentiert und damit auch den Tourismus beflügelt.

Die Titelrolle der Candice Renoir in der gleichnamigen Krimiserie spielt Cécile Bois. Sie verkörpert die charismatische, unkonventionelle Kommissarin, die nach einer längeren Auszeit in den Polizeidienst zurückkehrt und in Sète die Leitung der Mordkommission übernimmt. Das Kommissariat der Serie befindet sich in der Handlung direkt am Hafen von Sète. Für die Dreharbeiten nutzte das Produktionsteam anfangs ein Gebäude am Quai des Moulins, das sich in unmittelbarer Nähe zu den Kanälen und zum Zentrum der Stadt befindet.

Demain nous appartient (DNA)

Komplett in Sète spielt auch Demain nous appartient, seit Juli 2017 das Serien-Flaggschiff auf TF1 . Die Serie folgt dem Leben mehrerer Familien und Figuren, insbesondere der Delcourts, Moreno und Vallorta und verflechten sich mit lokalen Geschehnisse.: Kriminalfälle, Familiendramen, Liebesgeschichten und Geheimnisse sorgen für konstante Spannung und machen die Serie zu einem Quotenhit. Besonders der Einstieg – die Explosion einer Jacht – und die Enthüllung, dass Chloé Delcourt die leibliche Mutter eines Opfers ist, setzten den Ton für viele überraschende Wendungen.

Zu den Stars von DNA gehören Ingrid Chauvin (Chloé Delcourt), Alexandre Brasseur (Alex Bertrand), Samy Gharbi (Karim Saeed), Solène Hébert (Victoire Lazzari), Jennifer Lauret (Raphaëlle Perraud), Franck Monsigny (Martin Constant), Kamel Belghazi (Dr. William Daunier) sowie Emmanuel Moire, Charlotte Gaccio, Grégoire Champion, Camille Genau und Clément Rémiens.

Herzstück aller sozialen Begegnungen ist die fiktive Bar Le Spoon am Quai Aspirant Herber 6.. Die Innenaufnahmen entstehen aber in den Studios; in der ehemaligen Bar gibt es heute einen offiziellen Souvenir-Shop für Fans. Das Hôpital Saint Clair, das Théâtre de la Mer sowie der Cimetière Marin mit Blick auf das Meer gehören ebenfalls zu den zentralen Kulissen der Serie. Viele Szenen entstehen in der Altstadt, am Hafen oder an den Sandstränden und zeigen Sète als einen Hauptdarsteller neben den Menschen vor der Kamera.

Das Gros der Szenen wird jedoch in den großen Studios an der 278, Avenue du Maréchal Juin produziert. In einer umgebauten ehemaligen Weinfabrik sind hier 15 verschiedene Sets auf rund 7.500 Quadratmetern untergebracht. Der Zugang zu den Studios von TelSète ist nicht möglich, aber Fans können oft von außen einen Blick auf die Dreharbeiten und die Stars erhaschen

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Im Blog

Was ihr alles in Sète noch so entdecken und erleben könnt, stellt dieser Beitrag vor.

Alle Beiträge aus dem Département Hérault vereint diese Kategorie.

Im Buch

Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jede Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights. Inzwischen ist der wohl beste Führer für diese wunderschöne Ecke Frankreichs 2024 in der 10. Auflage erschienen.

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Okzitanien abseits GeheimtippsOkzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Es beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre Kultur, Sprache und Küche pflegt.

Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 grands sites – und unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwelen enthält dieser Band. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!  Hier* gibt es euren Begleiter.

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