Granitgiganten zum Gipfelglück: Die Wanderung zum Signal d'Uchon ist ein Erlebnis für die ganze Familie! Foto: Hilke Maunder
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Signal d’Uchon: Burgunds steinerne Giganten im Morvan

Der Signal d’Uchon im Morvan verbindet den Weitblick über den Naturpark Morvan mit faszinierenden Legenden zu einem steinernen Bestiarium.

Am Col de la Croix Messire Jean weist in 676 Meter hoch über dem Meer ein kleines Schild den Weg zu einem Waldparkplatz. Hier beginnt die kurze, kinderleichte Wanderung zu einem der schönsten Aussichtspunkte Burgunds: dem Signal d’Uchon im Morvan-Naturpark.

Leise knirschen Sand und Kiesel unter den Sohlen. Zwischen den Stämmen fällt Licht auf Moos und Laub. Regentropfen funkeln auf Farnen. Dunkel recken sich große Tannen in einen Himmel, an dem sich die Wolken ballen, kurz öffnen, schnell wieder schließen – und dann plötzlich, nur für wenige Minuten, einige Sonnenstrahlen durchlassen, die das Land schlagartig verwandeln.

Geologisches Freilichtmuseum

Noch ist vom Ziel nichts zu sehen. Der Signal d’Uchon hält sich verborgen im Wald des Morvan. Gemächlich steigt der Weg an. Dann tauchen verstohlen erste Felsen auf. Zunächst liegen sie einzeln zwischen den Bäumen. Graue Blöcke, rund und glatt, und zunächst noch geradezu unscheinbar klein.

Einige wirken, als seien sie achtlos in den Wald geworfen worden. Bald liegen ganze Gruppen von Granitblöcken im Unterholz. Manche stapeln sich übereinander. Andere lehnen sich aneinander. Doch dann öffnet sich der Blick auf den Gipfel, und der erste Gigant präsentiert sich.

Massiv aus Fels und Wald

680 Meter hoch erhebt sich der Signal d’Uchon im südlichen Teil des Morvan im Département Saône-et-Loire. Weite Täler, bewaldete Höhen und offene Weiden umgeben ihn. Im Norden und Osten zieht der Arroux durch eine Landschaft, die wirkt, als sei sie seit Jahrhunderten unverändert. Und, denkt man sich die wenigen Häuser weg, noch so aussieht wie zu Urzeiten.

Vor 300 bis 350 Millionen Jahren formte die variszische Gebirgsbildung weite Teile Europas. Damals stieg heißes Magma auf, kühlte ab und erstarrte. Im Laufe der Erdgeschichte trugen Wind und Wasser, Frost und Wärme die oberen Schichten ab und legten das Urgestein frei, das einst unter einem uralten Gebirge verborgen war: Granit.

Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess ich nimmer: Dieser Schulspruch ist mir bis heute präsent. Und wer genau hinsieht, erkennt das Trio am Signal d’Uchon. Weißlich und rosafarben erscheint der Feldspat. Für schwarze Akzente sorgt der dunkle Biotit, fürs Glitzern im Sonnenlicht der Quarz.

Wollsäcke am Waldesrand

Doch die Erosion endete nicht. Unablässig nagte der Zahn der Zeit am harten Granit. Wasser drang in winzige Risse ein und griff besonders den Feldspat an. Frost vergrößerte die Spalten, Regen spülte sie aus. Wurzeln drückten sich in die Fugen und ließen die Steine bersten.

Besonders stark griff die Erosion die Kanten der Granitblöcke an, löste die Ecken und schmirgelte die Kanten. Zurück blieben runde Formen. „Wollsackverwitterung“ nennen dies die Geologen, altération en boules heißt es auf Französisch. Und genau dieser Prozess ist am Signal d’Uchon allerorten präsent – mit Felsen, die schon früh die Fantasie der Menschen inspirierten.

Ein Bestiarium in Stein

Le Mammouth nannten sie eine Felsformation, La Griffe du Diable, Teufelskralle, einen gut drei Meter hohen Stein mit rätselhaften Rillen, der mitten im Wald auf einem Granitsockel ruht. Eine andere Felsansammlung erinnerte sie an einen Nez de Chien, Hundenase. Und, weiter oben, La Pierre qui Croule, der rollende Stein. Doch keiner der felsigen Giganten ist so berühmt wie die auf dem Straßenschild ausgewiesenen Rochers du Carnaval. Wie seltsam vereint Figuren wirken die Felsen, und geradezu übernatürliche Kräfte müssten hier am Werk gewesen sein, um sie übereinander abzulegen.

Der Morvan gehört zu den großen Granitmassiven Frankreichs. Seine markanten Felsen prägen nicht nur den Signal d’Uchon, sondern auch die Böden, das Wasser und die Flora. Wenn Granit verwittert, werden die Böden sauer – und nährstoffarm. Solche Bedingungen gefallen Pflanzen wie der Heide, dem Ginster und den Heidelbeeren.

Anders als im Kalk bilden sich im Granit keine Höhlen. Das Wasser fließt oberflächlich ab, bildet Bäche, feuchte Senken, Torfmoore und sumpfige Wiesen.

Fernblick zum Haut-Folin

680 Meter sind keine große Höhe – und reichen doch für ein erstaunliches Panorama. Weit schweift der Blick über Burgunds grünes Herz.

Gen Norden: das Tal des Arroux und der grüne Morvan

Gen Norden überblick der Signal d’Uchon das Tal des Arroux. Als silbriges Band schlängelt sich der 128 Kilometer lange Fluss, der bei Cluètre im Département Côte-d’Or entspringt, durch Weiden und Wiesen, vorbei an einzelnen Gehöften und Dörfern am Ufer. Im Frühling leuchtet das frische Grün der Wiesen, im Herbst sorgen die Ocker- und Rosttöne der Laubwälder für Farbe im Land vor der grau-weißen Geometrie des Winters.

Bis an den Horizont erstrecken sich die tiefen Wälder des Morvan auf Hügelketten, die sich sich wie Wellen eines grünen Meeres auf das Land gelegt haben.

Nach Nordwesten: Mont Beuvray und Haut-Folin – die Giganten des Morvan

Den Blick gen Nordwesten prägen die beiden höchsten Gipfel des Morvan. Der 821 Meter hohe Gipfel des Mont Beuvray (821 m), rund 22 Kilometer Luftlinie entfernt, wirkt wie ein mächtiger, bewaldeter Riegel. Auf seinem platten Gipfel wurden die Ruinen von Bibracte freigelegt. Bekannt wurde die gallorömische Stadt vor allem durch Vercingetorix, der hier gegen die Römer kämpfte. Die Ausgrabungen und das dazugehörige Museum erzählen davon.

27 Kilometer vom Signal d’Uchon erhebt sich der Haut-Folin (901 m). Sein Name „Hohes Laub“ verrät, dass seine Kuppe bewaldet ist – mit Buchen, Eichen und Fichten, um die gerne mal der Nebel wabert… mystisch!

Nach Süden: Monts de la Madeleine

Gen Süden erheben sich die Monts de la Madeleine als langgestreckte, bewaldete Hügelkette. Ihre abgerundeten Kuppen – typisch für den Morvan – schwingen sich im Norden des Zentralmassivs bei den Pierres du Jour bis auf 1.164 Meter auf.

Nach Südwesten: Die Kette der Puys – Fernblick ins Zentralmassiv

Bei klarer Sicht, und vor allem nach Regen, ist vom Signal d’Uchon auch die Kette der Vulkanberge der Auvergne zu sehen. Die Chaîne des Puys ist rund 110 bis 130 Kilometer entfernt – und hebt sich doch markant vom Himmel ab.

Signal d’Uchon: meine Reise-Tipps

Hinkommen

ÖPNV

Die nächstgelegene Bahnstation mit guter Anbindung ist Autun, rund 20 Kilometer von Uchon entfernt. Ab Autun gibt es regionale Buslinien von Mobigo, die nach Uchon fahren, darunter Linie LR 718 Château-Chinon ↔ Autun.

Schlemmen und genießen

Auberge La Croix Messire Jean

Beliebte Landgaststätte mit lokaler Hausmannskost direkt am Beginn der Wanderwege, im Sommer mit großer Terrasse.
• La Croix Messire Jean, 71190 Uchon, Tel. 03 85 54 42 06, https://aubergelacroixmessirejean.fr

Wandern

  • Start: im Dorf Uchon, am Parkplatz bei der Auberge La Croix Messire Jean oder am kleinen Waldparkplatz
  • Kurze Variante: Von den Parkplätzen führen kurze Zuwege zu den Felsformationen.
  • Längere Varianten: Mehrere Rundwanderwege verbinden Wald, Granitfelsen und Aussichtspunkt, beispielsweise eine sieben Kilometer lange Runde den Signal d’Uchon und den Étang Neuf.
  • Wegcharakter: Waldwege, sandige Abschnitte, Wurzeln und felsiges Gelände.
  • Schwierigkeit: Je nach Route leicht bis mittel.
  • Ausrüstung: Feste Wanderschuhe.
  • Achtung: Bei Nässe können Wurzeln und Granitflächen rutschig sein.

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