Frankreich lesen: die Sommer-Schmöker

Lesetipps

Bonjour & bonnes vacances! Wer noch einen Schmöker für den Strand oder ein Lesestoff mit Frankreich-Flair sucht, wird vielleicht bei diesen Lesetipps fündig. Genießt den Sommer! Oder träumt euch nach dem Job lesend hin zu la douce France!

Hochspannung

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Spezialitäten*

Eigentlich… ist das Finistère seine bretonische Heimat. Doch im neunten Band schickt Erfolgsautor Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec seinen Kommissar Dupin nach Saint-Malo. Ehe das Seminar an der Polizeischule beginnt, ist er bereits höchstpersönlich involviert im nächsten Mord.

Eben noch schnuppert er an den Köstlichkeiten der Region, da zerreißt ein markerschütternder Schrei die Markthalle, sprintet Dupin dem Täter hinterher. Und zieht den Leser immer tiefer hinein in den neunten Fall, der in der Welt der grands chefs, der großen Küchenchefs, spielt.

Doch diesmal ermittelt Dupin nicht allein. Sondern muss, ganz im Einklang mit der Zielsetzung des Seminars, mit Polizeikräften der anderen Départements zusammenarbeiten. Und sich ein- und unterordnen. Eine schwierige Aufgabe für den koffeinsüchtigen Ermittler, bei dem es auch im Privaten gerade nicht rund läuft.

Die Ermittlungen kommen da gerade recht gelegen. In der Austernstadt Cancale, im hochherrschaftlichen Seebad Dinard und den Restaurants von Saint-Malo dringt Dupin ein in haarsträubende Familiengeheimnisse und unglaubliche Geschichten. Und löst das Geheimnis der Messermorde an der Smaragdküste.

Mein Wertung: Jörg Bong wird mit jedem Band besser. Kommissar Dupins neunter Fall hat mich so gefesselt, dass ich ihn in einer Nacht verschlungen habe.  Denn jetzt verbindet Bong alias Bannalec, der im ersten Band noch ein wenig reiseführerartig das Flair der Bretagne hineingeholt, in wahrer Meisterschaft Krimi-Handlung und Atmo.

Beim Lesen seht ihr vor eurem geistigen Auge das leuchtende Smaragdgrün des Meeres der Côte d’Émeraude, die Tafelfreunden von Saint-Malo, die Strände von Dinard. Und lernt, ganz nebenbei, auch unglaubliche Geschichten aus der Korsarenstadt Saint-Malo kennen. Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen

Meine Wertung: 5 / 5

Sophie Bonnet: Provenzalischer Stolz*

Sophie Bonnet lebt mit ihrer Familie im gleichen Hamburger Stadtteil wie ich – und ist total verliebt in die Provence. Dort spielen alle ihre Krimis, dort ermittelt auch ihre Inspektor Pierre Durand. Doch der Dorfpolizist des fiktiven Städtchens Saint-Valérie ist suspendiert. Und überführt, als Flucht aus Sinneskrise und Selbstmitleid, für einen Freund ein Hausboot. Doch bevor Pierre ablegen kann, entdeckt er einen Fremden unter Deck.

Der siebte Band der Krimireihe nimmt euch mit in die Camargue – und mitten hinein in die Glaubenswelt einer Pfingstgemeinde und ihrer Anhänger unter den gens de voyage, dem fahrenden Volk.

Spannende Krimihandlung, interessante Sozialstudien, gut gezeichnete Charaktere und viel Lokalkolorit: Wer diesen Mix mag, hat mit Provenzalischer Stolz* den Sommerkrimi fürs Strandtuch oder eine gemütliche Lesestunde auf Terrasse oder Balkon gefunden. Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Meine Wertung: 4.5 / 5

Kurz vor meinem Frankreichabenteuer 2020 kam Sophie Bonnet noch zum Salongespräch vorbei. Auf Youtube könnt ihr sie bei mir im Interview erleben.

Michel Bussi: Tage des Zorns

Ich bin ein Kind von Jules Verne, Maurice Leblanc, Agatha Christie…

So beginnt Michel Bussi auf seiner Homepage seine Selbstvorstellung. Und so schreibt der Uni-Prof aus Rouen auch, der zu Frankreichs beliebtesten Krimiautoren gehört.

Raffiniert bis zum Schluss ist auch sein jüngster Krimi, der unter dem Titel On la trouvait plutôt jolie* 2017 in Frankreich erschienen ist. Und euch mitten hinein führt in den urbanen Dschungel von Marseille, in die Welt der Migranten, der Illegalen, der Ausgenutzten.

Dort wird der Chef einer Flüchtlingsorganisation tot aufgefunden. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass er von einer jungen Nordafrikanerin ermordet wurde, die vor vielen Jahren nach Marseille geflohen war. Als eine Überwachungskamera einen zweiten Mord aufzeichnet, scheinen die Beweise geradezu erdrückend.

Doch es wäre nicht Bussi, wenn da nicht falschen Fährten und überraschende Wendungen das Lesevergnügen bis zum Schluss hochspannend hielten. Was für eine Geschichte – und was für ein erschreckender Bericht über den Zustand der Migranten, ihre Opfer, ihre Hoffnungen und den wiederholten Verrat, dem sie zum Opfer fallen können.

Dem aufmerksamen Leser werden hier und da ein paar Ungereimtheiten und Widersprüche auffallen, aber auch das ist längst Markenzeichen bei Bussi. Und sind nicht so gravierend, dass sie den Krimispaß trüben. Wer mag, kann den Triller hier* online bestellen.

Meine Wertung: 4/5

Maria Dries: Das Grab im Médoc*

Tschüs Barfleur, bienvenue Bordeaux: Nach elf normannischen Regionalkrimis mit Commissaire Lagarde zieht Maria Driess schreibend tiefer in den Süden und lässt in Nouvelle-Aquitaine nun eine Frau ermitteln.

Madame le Commissaire Pauline Castelot leitet in Bordeaux  eine Truppe von Sonderermittlern. Das Team sieht sich im Auftaktband der neuen Krimireihe mit rätselhaften Einbrüchen konfrontiert, die sich auf den Weingütern ringsum häufen.

Doch die Täter hinterlassen keine Spuren. Und scheinen auch nicht vor Mord zurück zu schrecken. Erst wird der Winzer Armand nach einem Einbruch in einem Brunnen tot aufgefunden, dann eine Frau nach einer Verkostung im Weinberg. Stehen die beiden Fälle in Verbindung?

Fast 100 Seiten lang springt die Autorin von Ort zu Ort, von Figur zu Figur, erzählt viele einzelne Geschichten, die sich erst langsam verbinden, und dann doch zwei Geschichten sind: ein krimineller Drogen-Weinskandal. Und die mörderische Folge einer Bootsfahrt, bei dem die Täterin ihre große Liebe verlor – durch Nachhilfe ihres vorherigen Liebhabers.

Nach drei Stunden legte ich den Krimi enttäuscht beiseite. Das Beste am Buch war die Leseprobe auf die Barfleur-Krimis… Doch Das im Médoc enttäuschte. Zu viele Figuren, die blass blieben. Zu viele Orte. Zu viele Sprünge. Und eine Handlung, die wenig fesselt. Manchmal blitzen Schreibkunst und Krimispaß durch.

Doch meist überwiegen fade Beschreibung „festlich gedeckt“, „schön“… was stelle ich mir da vor? Und warum nur nennt die Autorin auf Seite 195 eine Figur François Ozon – da denkt doch jeder gleich an den französischen Regisseur…

Kurzum: Der Krimiauftakt wirkt unfertig. Und wie eine Erzählung, die durch unverhältnismäßig große Schrift und sehr luftiges Layout auf Buchgröße gebracht wurde. Klassisch hergestellt, wäre der Krimi höchstens 150 Seiten lang gewesen. Wer mag, kann den Krimi hier* bestellen.

Meine Wertung: 2/5

Herz-Schmerz & Historie

Nicolas Barreau: Eines Abends in Paris*

Nicolas Barreau ist Frankreichs Star-Schreiber für Herz-Schmerz-Stories. Seine Liebesgeschichten von der Seine begeistern Millionen. Mit „Das Lächeln der Frauen“, vom ZDF fürs Herzkino verfilmt, schaffte der Pariser den internationalen Durchbruch.

Und ist doch seiner Heimat treu geblieben. 1980 wurde er in Paris geboren, studierte dort an der Sorbonne Romanistik und Geschichte, und lebt heute dort als freier Autor. Und lässt sich von der Stadt der Lichter immer wieder inspirieren. Ein Bummel, ein Einfall. So war es auch bei „Eines Abends in Paris“.

Die Handlung ist so einfach wie berührend. Jeden Mittwoch Abend kommt eine Frau im roten Mantel ins Programmkino, das der schüchterne Alain von seinem Onkel geerbt hat und nun weiterbetreibt: ohne Popcorn, ohne Hollywood. Jeden Mittwoch Abend stehen alte Liebesfilme auf dem Programm.

Eines Tages nimmt Alain allen Mut zusammen und spricht die Stammkundin an. Ein Flirt beginnt. Der unerwartet endet, als die Dame plötzlich nicht mehr kommt. Alain beginnt sie zu suchen. Und der Leser.

Oder meist die Leserin, leidet mit, fragt und wundert sich, verbraucht Taschentücher, und erlebt Kino im Kopf bis zur letzten Seite. Ein tolles Buch für einen verregneten Nachmittag… oder Schmökerstunden vor dem Einschlafen! Wer mag, kann das Buch hier* online bestellen.

Meine Wertung: 4 / 5

Kochen & Backen

Tessa Kiros: Von der Provence bis nach Pondicherry*

So müssen Kochbücher sein: Schon beim Blättern lassen sie träumen… von den Aromen, von den Landschaften, in denen die Gerichte daheim sind. So wie dieses verführerische Sammlung von 165 Rezepten aus Frankreich und der frankophilen Ferne. Und die so gut gelingen, wie die Fotos Lust machen.
Von der Zitronentarte eines Hotels in Mougins, für die sogar Picasso schwärmte. Und dem Wasserspinat-Rindfleisch-Salat, der in Vietnam bereits morgens genossen wird. Bis zu den Miesmuscheln, die auf Guadeloupe nicht als moules frites serviert werden, sondern mit Brotfruchtspalten.
Mir läuft jetzt schon beim Schreiben wieder das Wasser im Mund zusammen. Heute Abend wird das kreolische Ratatouille nachgekocht! Wer mag, kann die kulinarische Reise durch die frankophilen Küchen hier* online bestellen.

Meine Wertung: 5* / 5 – mit Extrasternchen, da Zeug zum Lieblingsbuch!

Michael Paul: Süßes Paris*

Ein heiterer Blick auf Gaumenfreunden von Paris, garniert mit Adressen, Rezepten und tollen Fotos: Wer schon einmal vor den Schaufenstern der Pariser Pâtissiers staunend die kunstfertigen Kuchenkreationen von Pierre Hermé & Co. bewundert hat und wie Michael Paul verliebt in französische Pâtisserie und Desserts ist, wird dieses Werk lieben.

Man kann auf dem Sofa träumerisch lesend seinen Fußstapfen durch Paris folgen, schwelgen in Törtchen und Tartes. Oder am Ofen selbst Madeleines, Financiers oder Millefeuilles backen. Schokotrüffel à la parisienne mit der Hand rollen, Trockenfrüchte in Schoko tunken.

Oder eine Liste erstellen für den nächsten Schlemmerbummel in Paris. Ein schönes Buch, sehr gut auch zum Verschenken, für das ich mir nur eine Titeloptik gewünscht hätte, die besser zum Look im Innern des Buches gepasst hätte.

Meine Wertung: 4/5

Offenlegung

Für diesen Beitrag stellten mir die Verlage ihre Titel kostenfrei zur Rezension zur Verfügung. Einen Einfluss auf meine Wertung und meine Berichterstattung hat dies nicht. Ich berichte unabhängig und bin beim Bewerten total subjektiv.

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8 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    danke für die Buchtipps. Ich habe auch noch einen:
    Pierre Martin: Madame le Commissaire. Spielt ebenfalls in der Provence Gibt inzwischen 7 Bände

  2. Das Kochbuch „Von def Provence bis nach Pondicherry“ habe ich sofort bestellt, heute ist es angekommen. Ich bin begeistert und freue mich auf das Nachkochen. Danke für den tollen Tio.

  3. Anregung 1: In Frankreich ist es auch üblich, dass regelmässig Veröffentlichungen von bekannten Literaten zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen erscheinen, aus diesem Fundus könnte man zusätzlich schöpfen …
    Anregung 2: Beliebte Fernsehsendungen vorstellen, für uns in Deutschland grösstenteils auch über den Rechner per VPN zu sehen. Ich schaue z. B. sehr gerne Reportagen über historische Ereignisse.

  4. Vielen Dank für die tollen Tipps. Ich bin gerade auf der Suche nach neuem Lesestoff. Wenn ich die Empfehlungen noch mit Buchtipps erweitern darf, dann sind das: „Die Frauen von der Purpurküste“, von Silke Ziegler, es wird eine Trilogie und das erste Buch „Isabelles Geheimnis“ habe ich mit dem e-book gelesen. Das Buch selbst erscheint in diesen Tagen auf dem Markt. Ein weiteres Buch, welches mein Herz berührt hat ist: “ Merci , Monsieur Dior“. Es ist ein Roman aus der Modewelt und erzählt sehr viel über den Menschen „Dior. Von der Autorin „Agnès Gabriel.

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