Frankophile Sommerbücher: Rom-Com oder Krimi?
Wenn das Kopfkino nach einer Pause vom Alltag verlangt, schlägt die Stunde leichter Literatur. Es gibt Bücher, die wie ein Kurzurlaub wirken – sie transportieren uns mit dem ersten Satz an Orte, an denen die Sonne intensiver scheint und das Leben ein wenig aufregender ist.
Ob im flirrenden Licht der Traumfabrik oder beim Rauschen des Atlantiks: Eine unterhaltsame Sommerlektüre ist wie eine frische Brise am Meer, die unseren Kopf freimacht. Mit Esprit, Atmosphäre und Figuren, die uns das Gefühl geben, mit Freunden zu reisen. Zwei aktuelle Romane vollbringen genau dies.
Cécile Mury, Paris Hollywood*

Hôtel Meurice, Paris. Eine junge Filmjournalistin, ein Weltstar mit schlechter Laune – und ein Interview, das komplett aus dem Ruder läuft. So beginnt Paris Hollywood*, die romantische Komödie von Cécile Mury, die im Original im April 2026 bei Flammarion erschien und jetzt bei Piper in der deutschen Übersetzung von Isabelle Toppe vorliegt.
Der Inhalt: Marianne Corvo arbeitet als Kinokritikerin bei einem fiktiven Pariser Kulturmagazin und bekommt die Aufgabe ihres Lebens: ein Interview mit Ben Whyte, dem launischen Box-Office-König und globalen Sexsymbol. Doch vor dem „Monster“ verliert Marianne komplett die Kontrolle – sie reiht Patzer an Patzer und löst damit ausgerechnet bei Ben Whyte Heiterkeit aus, der von ihrer Tollpatschigkeit fasziniert ist. Aus dem Interview-Desaster entwickelt sich eine turbulente Liebesgeschichte zwischen Paris und Hollywood, bei der sich beide fragen müssen: Verliebt man sich in die Person – oder nur in das Image, das die Kamera zeigt?
Hinter dem Roman steckt eine Frau, die das Hollywood-Geschäft von Berufs wegen kennt: Cécile Mury arbeitet als Kinojournalistin bei Télérama, einem der renommiertesten Kulturmagazine Frankreichs. Als Medieninsiderin nutzt sie diese Perspektive, um die vermeintlich makellose Traumwelt der Traumfabrik genüsslich zu sezieren. Ihr Buch wird so zu einem klugen Spiel mit dem Kontrast zwischen Schein und Sein, das im Zeitalter von durchgestylten Social-Media-Profilen und künstlich konstruiertem Starkult aktueller denn je ist.
„Paris Hollywood“ ist Cécile Murys Debütroman – und gleich ein Erfolg: Noch vor dem Erscheinen sicherten sich die französische Produktionsfirma Haut et Court und die britische Good Chaos die Filmrechte. Paris Hollywood* inszeniert sich als Rom-Com, doch als besonders durchgeknallte.
Ein wenig wie Bridget Jones, doch nur noch viel burlesker, übertriebener, unglaublicher. Während Bridget noch im britischen Alltag verankert blieb, spielt sich Mariannes Drama zwischen Pariser Luxushotels und Hollywood-Filmsets ab als schnelle Sequenz völlig realitätsferner, absurder Situationen. 444 Seiten strauchelt, liebt und jettet Marianne durch ihr Liebensleben als chaotische, sympathische Heldin in einem stattlichen Schmöker, der für lange Strandtage oder Flugreisen genug Stoff bietet. Wer mag, kann ihn hier* bestellen – oder in jeder Buchhandlung erhalten.
Vom glitzernden Haifischbecken des internationalen Filmgeschäfts führt der zweite Lesetipp direkt an die raue Atlantikküste – und von einer Frau, die sich in der männerdominierten Domäne Hollywoods behaupten muss, zu einer unkonventionellen Ermittlerin, die in der Bretagne auf eigene Faust aufräumt.
Gabriela Kasperski, Bretonisch mit Meeresrauschen*

Eine Buchhändlerin, die ermittelt, wo andere Urlaub machen – das ist die Erfolgsformel von Gabriela Kasperski. Bevor sie Kriminalromane schrieb, stand sie selbst im Rampenlicht: Sie war als Moderatorin im Radio- und TV-Bereich sowie als Theaterschauspielerin tätig. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie in Zürich und arbeitet als Dozentin für Synchronisation, Figurenentwicklung und Kreatives Schreiben. Mit Bretonisch mit Meeresrauschen* legt die Autorin den siebten Band ihrer Bretagne-Krimireihe vor und beweist, dass ihr die Ideen noch lange nicht ausgehen.
Im Zentrum steht Tereza Berger, eine charmante, leicht chaotische und unkonventionelle Buchhändlerin, geschieden und schokoladensüchtig, die seit 2020 in Camaret-sur-Mer auf der Halbinsel Crozon lebt. Doch in Band 7 erschüttert ein brutaler Überfall den Ort. Nach einem Konzert wird die Betreiberin einer neuen Musikbar niedergeschlagen und fällt ins Koma. Schnell steht ein Verdächtiger fest – ein junger Musiker. Doch Tereza wäre nicht Tereza, würde sie sich mit einer vorschnellen Lösung zufriedengeben, und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Je tiefer sie in die rivalisierende Gastroszene eintaucht, desto klarer wird: In der kleinen Gemeinde wird nicht nur um Kundschaft, sondern mit harten Bandagen gekämpft. Pikant wird es zusätzlich durch die Vergangenheit: Tereza meidet ein Zusammentreffen mit ihrem Ex, dem Ortspolizisten Gabriel, wie der Teufel das Weihwasser – persönliche Befindlichkeiten müssen aber zurückstehen, als der Fall sie einholt.
Die größte Stärke von Bretonisch mit Meeresrauschen* ist die Atmosphäre: Gabriela Kasperski lässt die malerische Bretagne vor dem geistigen Auge auferstehen und inszeniert gekonnt ihre Heldin: eine liebenswert chaotische Detektivin, die trotz aller Tollpatschigkeiten Kampfgeist zeigt. Wer komplexe Ermittlungsarbeit nach Vorbild skandinavischer Krimis erwartet, dürfte enttäuscht werden – das Format ist klar auf Wohlfühl-Atmosphäre statt auf düstere Spannung ausgelegt.
Kasperski bedient damit perfekt das Phänomen des Cosy Crime, das in unserer krisengeschüttelten Welt als digitaler und literarischer Sehnsuchtsort fungiert. Ihre Fans flüchten hier ganz bewusst in den überschaubaren Mikrokosmos einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft, in der zwar gemordet wird, am Ende aber die Gerechtigkeit siegt und die heile Welt wiederhergestellt wird. Das macht Bretonisch mit Meeresrauschen* zum einem echten Cosy-Krimi mit viel Flair, locker erzählt mit vielen französischen Wortsprengseln, einer Vielzahl von Figuren, bunt wie das Leben und eine Brise vom Meer. Wer mag, kann Band 7 der Krimireihe hier* bestellen.
Gefällt Dir der Beitrag? Dann sag merci mit einem virtuellen Trinkgeld.
Denn nervige Banner oder sonstige Werbung sind für mich tabu.
Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert.
Unterstütze MeinFrankreich! Per Banküberweisung. Oder via PayPal.


