Zeitlos gute Bücher - hier gibt es Tipps für frankophile Leseratten. Foto: Hilke Maunder

Sommerlektüre 2025: von Paris bis Provence

Von den mondänen Boulevards von Paris über die geheimnisvollen Winkel alter Familiengeschichten bis hin zu den sonnenverwöhnten Landschaften der Provence, in denen die Modebranche ihre dunklen Seiten offenbart: Voilà meine vier Buchempfehlungen für die Sommerlektüre 2025!

Sie führen euch durch verschiedene Facetten des französischen Kulturraums – ausgewählt aus der Flut der Neuerscheinungen für schöne Lesestunden im heimischen Garten, unterwegs im Urlaub oder bei Mußestunden am Strand und auf der Terrasse.

Ob ihr in der Hochspannung bei einem Krimierleben, in die komplexe Welt eines Generationenromans eintauchen, die bewegende Geschichte der Besatzungskinder entdecken oder Paris mit neuen Augen erkunden möchtet – dieses Quartett verspricht eine abwechslungsreiche Sommerlektüre .

Sophie Bonnet, Provenzalisches Licht*

Im elften Band ihrer beliebten Provence-Krimireihe schickt Sophie Bonnet ihren Ermittler Pierre Durand in die schillernde, aber auch gnadenlos intrigante Welt der Mode. Denn genau in seinem Heimatort, dem fiktiven Provencenest Sainte-Valérie, soll eine spektakuläre Modenschau des Designers Cyril Fontanel stattfinden. Doch das Event stößt im Dorf auf Widerstand – und als Fontanel anonyme Morddrohungen erhält, ist die Idylle endgültig vorbei. Pierre Durand übernimmt die Sicherheit, doch als in Tarascon eine Tote auftaucht, die mit Fontanel in Verbindung steht, überschlagen sich die Ereignisse.

Bonnet erzählt sie mit klassischen, teils vorhersehbaren Elementen wie Drohbriefen, alten Geheimnissen und falschen Fährten. Wer viele Regionalkrimis liest, wird wenig Überraschungen erleben. Mit einer Vielzahl von Handlungssträngen spiegelt Bonnet das pralle Leben in ihrem Dorf wider und lässt geradezu meisterhaft die Provence mit all ihren Farben, Gerüchen und Eigenheiten lebendig werden. Das Setting – eine exzentrische, von Rivalitäten geprägte Modeszene – kennt Sophie Bonnet dank ihrer Familiensaga über Karl Lagerfeld, die sie unter ihrem bürgerlichen Namen Heike Koschyk veröffentlicht hat, bestens. Intrigen und Eitelkeiten werden pointiert, aber nie klischeehaft dargestellt. Besonders gut gefiel mir die geschickte Einbindung der alten Handwerkskunst des Stoffdrucks, die dem Roman einen zusätzlichen, fast dokumentarischen Mehrwert verleiht.

Kurzum: Sophie Bonnet bleibt sich treu. „Provenzalisches Licht“ ist ein atmosphärischer, unterhaltsamer Krimi mit viel südfranzösischem Flair und einem spannenden Blick hinter die Kulissen der Modebranche. Wer die Reihe mag, wird auch diesen Band schätzen – große Innovationen bietet er nicht, aber solide, charmante Krimiunterhaltung auf gewohnt hohem Niveau. Wer mag, kann ihren Provence-Krimi hier* bestellen.

Valerie Jakob, Frag nicht nach Agnes*

Valerie Jakob, mit bürgerlichem Namen Karolina Fell, ist eine der erfolgreichsten Übersetzerinnen aus dem angloamerikanischen und französischen Sprachraum und schreibt unter diesem Namen auch eigene Romane. Ihr jüngstes Werk, erschienen am 11. März 2025, erzählt die Geschichte dreier Generationen von Frauen und verknüpft dabei zwei Zeitebenen. Im Heute hat die junge Goldschmiedin Lilo ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Monika – auch, weil sie kaum etwas über sie und deren familiäre Wurzeln weiß. Als ein Brief mit Bezug zur Großmutter Agnes auftaucht, beginnt Lilo, Nachforschungen anzustellen – und stößt auf ein Netz aus Schweigen, Vorwürfen und verdrängten Traumata.

Im zweiten Erzählstrang steht Agnes, Lilos Großmutter, im Fokus. Nach dem Krieg hofft sie auf ein neues Leben mit ihrem Mann Walter, der jedoch traumatisiert und autoritär zurückkehrt. Agnes findet Anerkennung in der Arbeit bei der französischen Besatzungsverwaltung, fühlt sich aber nach der Geburt ihrer Tochter wieder an den Herd und in ein „Gefängnis“ gedrängt. Die Ehe zerbricht, Monika wird in Pflege gegeben – und ein dunkles Familiengeheimnis überschattet das Leben aller.

Mir hat die kluge, einfühlsame Schilderung der individuellen Lebensgeschichte dieser drei Frauen im Spiegel großer historischer Umbrüche sehr berührt. Nicht pauschal und plakativ, sondern sehr authentisch und differenziert taucht man beim Lesen in die Nachkriegszeit und ihre Nachwirkungen ein und spürt das Schweigen, die Schuldgefühle und die Traumata jener Zeit: ein vielschichtiges, emphatisch verfasstes Portrait zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individuelle Sehnsüchten. Wer mag, kann den Generationenroman hier* online bestellen.

Sylvain Prudhomme, Der Junge im Taxi*

Zu den bekanntesten Stimmen seiner Generation gehört Sylvain Prudhomme. 1979 in La Seyne-sur-Mer (Var) bei Toulon geboren, verbrachte er seine Kindheit in Afrika (Kamerun, Burundi, Niger und Mauritius), wo er nach seinem Literaturstudium in Paris auch arbeitete, unter anderem als Leiter der Alliance franco-sénégalaise in Ziguinchor (Senegal) von 2010 bis 2012

2003 erschien als sein erstes bekanntes Werk die Sammlung Contes du pays tammari*(2003), in der er gesammelte Erzählungen aus dem Norden Benins publizierte. Später folgten Romane und Reportagen zum Leben in Afrika und zu Themen wie Migration, Freundschaft oder die französische Provinz. In seinem Roman „Der Junge im Taxi“ (L’Enfant dans le Taxi*, 2023) setzt er sich erstmals explizit mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit auseinander. In diesem Werk steht das Schicksal eines „Besatzungskindes“ – also eines Kindes aus einer Beziehung zwischen einer Deutschen und einem französischen Soldaten nach 1945 – im Mittelpunkt. 

Der Roman erzählt die Geschichte von Simon, der nach dem Tod seines Großvaters entdeckt, dass dieser einen unehelichen Sohn hatte, geboren aus einer verbotenen Liebe mit einer Deutschen während des Krieges. Dieses unbekannte Familienmitglied wirft ein neues Licht auf Simons eigenes Leben und seine eigene Trennung. Trotz der Warnungen seiner Großmutter macht sich Simon auf die Suche nach diesem verlorenen Verwandten, die ihn bis an den Bodensee führt.

Es ist eine Reise, die das Schweigen der Vergangenheit durchbricht, das Vergessen und Verdrängen thematisiert, familiäre und historische Verstrickungen aufdeckt … und mit seiner poetischen, stillen Erzählweise eintauchen lässt in jene Zeit, jene Schicksale. Die Geschichte der Besatzungskinder als kunstvoll inszenierte Suche: Lesegenuss bis zur letzten Seite, gelungen übersetzt von Claudia Kalscheuer. Wer mag, kann den Roman hier* online ordern.

Irène Lassus-Fuchs, 22 Touren in Paris, die man gemacht haben muss*

Seit mehr als 40 Jahren lebt Irène Lassus-Fuchs in Paris. Von 1982 bis 1988 führte sie das Restaurant Les Petites Sorcières im 14. Arrondissement von Paris. Nach ihrer Zeit als Gastronomin und Köchin begann sie zu schreiben, übersetzte und verfasste als erstes Buch im Emons Verlag, 111 Goûts à Paris à ne pas manquer*. 2025 erschienen im gleichen Verlag ihre 22 Touren in Paris, die man gemacht haben muss.*

Ihre 22 Spaziergänge durch Paris sind klar gegliedert, leicht nachvollziehbar und eignen sich gut für Paris-Einsteiger. Tipps zu Cafés, Märkten und kleinen Besonderheiten runden jede Route ab.

Ihre Touren kombinieren meist bekannte Sehenswürdigkeiten (POIs) und Viertel auf neue, aber nicht unbedingt überraschende Weise. Wer schon mehrere Paris-Führer kennt oder öfter in der Stadt war, wird kaum etwas wirklich Neues entdecken.  Im Vergleich zu Spezialführern oder Insider-Guides fehlen tiefere Einblicke in versteckte Orte oder ungewöhnliche Perspektiven auf Paris. Kurzum: Es ist kein Geheimtipp-Führer für Paris-Kenner, sondern vielmehr eine charmante Einladung, Paris Schritt für Schritt zu entdecken – mit den Augen einer Frau, die diese Stadt spürbar liebt. Wer mag, kann die 22 Pariser Stadtspaziergänge hier* online erwerben.

Offenlegung

Für die Tipps zur Sommerlektüre 2025 stellten mir die Verlage sämtliche Titel kostenfrei für die Buchbesprechungen zur Verfügung. Dafür sagte ich merci und herzlichen Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Weiterlesen

Noch mehr Buchtipps und Beiträge zur Literatur aus und über Frankreich gibt es in dieser Kategorie.