Frankreich: Grüne Projekte für besseres Klima 

Die grüne Wand von Aix-en-Provence. Foto: Hilke Maunder
Die grüne Wand von Aix-en-Provence. Foto: Hilke Maunder

Grün gefärbte Haare sind sein Markenzeichen. Und grün sind auch alle seine Projekte. Patrick Blanc ist Frankreichs Weltstar der grünen Wände.

Seit mehr als 20 Jahren begrünt er Fassaden weltweit. Nach der Fassade des Musée du Quai Branly in Paris hat der Meister der lebendigen Wände auch in Aix-en-Provence  gewirkt.

Der <em>mur végétal</em> von Patrick Blanc. Foto: Hilke Maunder
Der mur végétal von Patrick Blanc. Foto: Hilke Maunder

Dort schuf er 2008 für die Brücke Pont Max Juvenal an der Nordfassade auf 650 Quadratmetern einen grünen Mikrokosmos, der die Luft filtert, Sauerstoff produziert, den Kohlendioxidgehalt der Luft senkt – und so das Mikroklima verbessert.

Die Wand fertigte Patrick Blanc aus einem Leichtmetallgerüst mit aufgeschraubten Hartschaumplatten aus Polyvinylchlorid, auf die Filz aus recycelter Altkleidung als Wasserspeicher und Wurzelbasis kam.

Die begrünte Fassade der Markthalle von Avignon. Foto: Hilke Maunder
Die begrünte Fassade der Markthalle von Avignon. Foto: Hilke Maunder

30 – 35 Pflanzen pro Quadratmeter setzte er hinein und bewässert sie seitdem in einem geschlossenem Kreislauf. Nun ab und an müssen Pflanzen ausgetauscht und ersetzt werden.

Überraschend viele Pflanzen eignen sich für grüne Wände, sagt Patrick Blanc, allen voran Moose, Farne und Soleirolia (Bubikopf). Monsieur verwendet zudem gerne Zwergkoniferen, Zistrose, Sonnenröschen, Nelke, Salbei, Purpurglöckchen, Storchschnabel, japanische Iris und Felsenmispel.

Seit der Jahrtausendewende besitzt auch das Sentier-Viertel von Paris eine grüne Wand. Foto: Hilke Maunder
Seit der Jahrtausendewende besitzt auch das Sentier-Viertel von Paris eine grüne Wand. Foto: Hilke Maunder

Pro Jahr filtert eine grüne Wand rund 8,8 Kilogramm Feinstaub und 300 Kilogramm Kohlendioxid auf  einer Fläche von 1000 Quadratmetern. Der optische Hingucker hat damit einen veritablen aufs Stadtklima und hilft, die Folgen des Klimawandels zu mindern.

Begrünte Fassaden können bei Regen Wasser viel besser aufnehmen als Stadtbäume am Boden. Drahtgeflecht und Filz halten die rund 20.000 Pflanzen der „grünen Lunge“ des neuen Stadtviertels im Sextius-Mirabeau, in dem sonst der Stein dominiert.

700 Quadratmeter groß: die größte Wasserwand Europas. Foto: Hilke Maunder
700 Quadratmeter groß: die größte Wasserwand Europas. Foto: Hilke Maunder

Das Stadtklima zu verbessern ist auch die Aufgabe der Südfassade der Eisenbahnbrücke über die Avenue Juvénal von Aix-en-Provence. Für sie entwarf der französische Designer Christian Ghion le mur d’eau.

Die 700 Quadratmeter große und 17 Meter hohe Wasserwand gehört zu den größten derartigen Wänden in Europa. 50 Kubikmeter Wasser fließen rund um die Uhr, tagein, tagaus, die Fassade hinab, werden aufgefangen und wiederverwendet.

Nachts setzen leistungsstarke LED-Scheinwerfer die Wasserwand in Szene. Was sie bewirkt, zeigt sich besonders im Sommer. Die Wasserwand gleicht Klimaschwankungen aus und verhindert Wärmeinseln. Und sorgt so für weniger Hitze und Staub in der alten Stadt.

Das Canopée Urbaine von Toulouse

Die <em>canopées urbaines</em> von Toulouse. Foto: Hilke Maunder
Die canopées urbaines von Toulouse. Foto: Hilke Maunder

Nicht nur grüne Wände, sondern auch künstliche “Bäume” können das Stadtklima verändern. Das testet Toulouse in einem Pilotprojekt. Dazu stellte das Pariser Start-up Canopée Urbaine  im August 2019 auf der Place Jean Diébold im Herzen von Saint-Cyprien riesige Blumentöpfe auf, aus denen noch größere Stahlgerüste und Stangen ragten.

Neun schnell wachsende Kletterpflanzen – Akebie, Klematis, Hortensie, Jasmin, Bignone, Hopfen, Rose, Passionsblume und wilder Wein – haben in den drei Töpfen mittlerweile die hellen Gerüste erobert. Gefertigt wurden sie aus Verbundwerkstoffen, die sich in der Luftfahrt bewährt haben: leicht und doch äußerst stabil.

Kletterpflanzen für besseres Klima

Auch Bougainvillea eignet sich für die <em>canopée urbaine</em>. Foto: Hilke Maunder
Auch Bougainvillea eignet sich für die canopée urbaine. Foto: Hilke Maunder

Bei der Wahl der Kletterpflanzen verließ sich das Pariser Start-up auf die örtliche Expertise. Agronomiestudenten der Ingenieurschule aus dem Toulouser Vorort Purpan wählten sie aus. Sie kontrollieren seitdem Wuchs und Wasserverbrauch mit einem Forschungsprojekt zur Canopée Urbaine.

Inzwischen bilden die Pflanzen ein 150 Quadratmeter großes Blätterdach mit vielen Vorteilen für das Stadtklima. Die Canopée Urbaine liefert Schatten, der bislang im Sommer fehlte. Durch Photosynthese und Evotranspiration tragen die Pflanzen zu besserer Luft bei. Sie locken Insekten an und verbessern auch in der Wahrnehmung der Menschen das Ambiente.

Wie sehr schon ein bisschen Schatten das Klima beeinflusst, zeigt sich auf der Place Jean Diébold besonders gut. Der zubetonierte Platz, auf dem kein einziger Grashalm wächst und der Verkehr braust und saust, ist eine der größten Wärmeinseln der Stadt.

Aspet. Foto: Hilke Maunder
Grüne Wände dieser Art gibt es seit Jahrhunderten in Frankreich. Monsieur wohnt in Aspet einem Haus, das wilder Wein völlig erobert hat. “Das senkt die Heizkosten”, sagt er. Foto: Hilke Maunder

Energieverbrauch senken

Die 70.000 Straßenlaternen der Stadt bescheren Toulouse eine gewaltige Stromrechnung. Diese Kosten mit alternativen Energiequellen zu senken,  ist Ziel des Projektes Trott-Èlec, das die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Technischen Universität von Toulouse ins Leben gerufen hat.

Das Pilotprojekt nutzt Piezotechnologie. Sie erlaubt, aufgenommene mechanische Energie umzuwandeln in elektrische Energie – und umgekehrt. Dazu wurden in der Rue Lieutenant-Colonel Pelissier Miniaturgeneratoren in den Boden versenkt. Sobald man über diese Bodenplatten geht oder läuft, lädt  Trott-Èlec die Bewegungsenergie in Akkus, die sie speichern – und abends als Strom für die Beleuchtung wieder abgeben.

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4 Kommentare

  1. Hallo Hilke,
    Ein super wichtiges Thema, das leider die Stadtplaner noch immer vernachlässigen. Aber so mancher ‚Häuslesbesitzer’ kann sich ja etwas inspirieren lassen. Vielen Dank. Allerdings ein kleiner Hinweis: die Pflanze am Haus in Aspet ist kein Efeu (!!), sondern ein sog. Wilder Wein aus Amerika. Er wird gerne zur Fassadenbegrünung genommen und im Herbst hat er herrlich gefärbte Blätter.
    Viele Grüße Birgit

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