Faszinierend vielfältig: die Street Art von Grenoble

Street Art in Grenoble: L'arme de paix von Snek
Street Art in Grenoble: L'arme de paix von Snek

Street Art polarisiert: für die einen ein Ärgernis, für die anderen ein neuer künstlerischer Ausdruck. Grenoble zeigt, wie vielfältig heute die Straßenkunst ist. Kommt mit auf eine Entdeckungsreise erstaunlicher ‚tags‘ und ‚pieces‘!

Street Art in Grenoble: Amy Winehouse

Hochburg der Wandbilder von Grenoble ist die Rue Génissieu mit ihren kleinen, inhabergeführten Läden, angesagten Bars und Cafés und sehr durchmischter Bebauung. Hier findet ihr in Haus Nr. 34 mit der Galerie SpaceJunk auch ein Kulturzentrum, das gezielt neue Kunstformen öffentlich macht: Lowbrow, Board Culture, Pop – und auch Street Art.

Das Kulturzentrum „SpaceJunk“ in der Rue Génissieu

Und die ist in Grenoble nichts Neues mehr Bereits 1976 holten Catherine Tasca Yann Pavie Ernest-Pignon-Ernest (*1942) in die Hauptstadt von Isère, um mit einem exemplarischen Straßenkunstwerk den Kontakt zwischen Kultur und Wirtschaft zu leben. Heraus kam dieses Werk. Bitte klickt aus Copyright-Gründen auf diesen Link und beim Reiter Intervention ggf. auf Grenoble.

Typisch für den Künstler aus Nizza, der heute in Paris lebt und inzwischen weltweit arbeitet sind großformatige Figuren und Fotos in Schwarzweiß, die er – unauthorisiert – aus vergänglichem Papier auf Mauern und Fassaden klebt und damit personalisiert. So lädt Pignon die Architektur von Orten mit Geschichten und Geschichten auf.

Die „Ordering Machine“ von NeverCrew

Street Art ist – auch in Grenoble – sehr oft politisch. Mit dem Mural „Ordering Machine“ , das Christian und Pablo Togni während des Grenoble Street Art Fest 2016 geschaffen haben, kritisiert das Duo NeverCrew die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch den Menschen. Natur und Umwelt waren bereits bei früheren Wandbildern Thema der beiden Schweizer, die seit 1996 zusammenarbeiten. In Berlin findet ihr in der Bülowstraße deren Mural „Highlighting Machine No.1“, das innerhalb von drei Tagen entstand.

„L’arme de paix“ von Snek in der Rue Doudart deLagrée

Zu den schönsten Wandbildern von Grenoble gehört für mich „L’arme de paix“ von Jérôme Doutaz Snek  in der Rue Doudart de Lagrée Nr. 10, das 2016 für das Festival entstand. Vereint der Künstler aus Grenoble darin nicht wunderschönGraffiti und Kalligraphie?

Ebenfalls von Snek stammt dieses Werk in der Rue Génissieu.
Ebenfalls 2015 malte der italienische Graffiti-King Mr. Wany dieses Fantasiewesen in der Rue Génissieu 7.
Goin hinterließ seine „Marianne“ in der Rue Génissieu.

Sehr politisch ist der Grieche Goin, der mit seinem Athener Protestbild „Need Food, not Football“  2013 anlässlich der Fußball-WM berühmt wurde. In Grenoble schuf er für das Festival eine neue Marianne. Goin ist ein „stencil artist“ und arbeitet vorwiegend mit Schablone.

Street Art in Grenoble: Anthony Lister (Australien) auf einer Tanzschule in der Rue Genissieu

Anthony Lister aus Queensland gilt als einer der besten zeitgenössischen australischen Künstler. Was er für das Festival auf der Fassade einer Tanzschule hinterließ, finde ich im Vergleich mit den anderen Arbeiten aber eher durchschnittlich.

Das staundende Mädchen von AnimaltoLand (Argentinien) in der Rue Génissieu.

Aus Argentinien kam AnimaltoLand nach Grenoble. Hinter dem seltsamen Namen verbirgt sich Graciela Gonçalves Da Silva, die zwei farbenfrohe Fresken schuf. Die staunenden Augen des Mädchens blicken auf einen knuffigen Teddybär, der von Wandfläche der ersten Etage zwischen zwei Balkonen auf sie herabsieht.

Das „L’Oeil“ (Auge) von Jérôme Catz wacht über einen Hof in der Rue Génissieu.

Auch der freie Kunst-Kurator Jérôme Katz, der derzeit das SpaceJunk-Kulturzentrum leitet, hat in der Rue Génissieu ein Wandbild hinterlassen. ein großes Auge. C215 ist das Kürzel des Pariser Street-Art-Künstlers Christian Guémy, der gerne als „Frankreichs Antwort auf Banksy“ bezeichnet wird. Warum der Stencil-Künstler gerade dieses Kürzel wählte? Es war die Nummer der Zelle, in der er wegen seiner damals unerlaubten „Schmierereien“ eingesessen hatte.

Heute buchen Unternehmen weltweit seine Urban Art. Mittlerweile gibt es die Stencils von C215 sogar digital: Ubisoft hat sie in einige seiner Computerspiele eingebaut. In Grenoble hat er u.a. eine wunderschöne Katze auf die Fassade des Restaurants La Villa in der Rue des Bergers hinterlassen.

Die Katze von C215 der Rue Thiers.

Fast genauso lange wie C215 ist Étien‚ ein Street-Art-Künstler, und auch er wird inzwischen von großen Unternehmen gebucht. So buchte der Sporthersteller Salomon zum 70. Firmengeburtstag ein großes Mural. In Grenoble verzierte der „Mischer der Farben“ 2015 eine Fassade mit den „Arômeas de murène“:

„Arômes de murène“ nannte Étien‘ sein Mural in der Rue des Berger

Aus Grenoble stammt auch das Street-Art-Trio Srek, Gret & Will, das seit den 1990er-Jahren zusammenarbeitet. In der Rue des Bergers haben die drei Männer während des ersten Festivals 2015 die Garagen mit einem imposanten, farbenfrohen Adler geschmückt. Wenig weiter findet ihr bei Hausnr. 10 ein weiteres Werk, das 2016 entstand – eine karibisch anmutende Frau.

Der Adler von Srek, Gret & Will in der Rue des Bergers.

Die Rue Génissieu und die parallel verlaufende Rue des Berges sind Hochburgen der Street Art, doch auch außerhalb des angesagten Championnet-Viertels findet ihr viele spannende Werke.

Für das erste Street Art Festival von Grenoble malte Kouka, ein Pariser Sänger und Street Art-Künstler, dieses „biblische“ Wandbild in der Rue Thiers

Das Grenoble Street Art Fest lädt seit 2015 französische und internationale Street Art Künstler im Juni ein, auf öffentlichen Fassaden ihre Werke zu hinterlassen. Was dabei bereits entstand, könnt ihr auf dieser Karte nachverfolgen – auch nach den jeweils einzelnen Festivaljahren.

Welche Faszination die urbane Kunst auf die Besucher der Stadt ausübt, hat längst auch das Office de Tourisme erkannt und bietet Führungen auf den Spuren der Straßenkünstler an. Das stößt bei einigen von ihnen bitter auf. Sie haben das Festival kurzerhand umbenannt – in Grenoble Street Art Tourism Fest.

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Im Blog

Im Süden von Paris ist das 13. Arrondissement die Hochburg für Murals, Stencials, Tags und andere Fassadenkunst. Klickt mal hier!

Im Norden von Paris ist die Rue du Retrait von Ménilmonant die kleine, feine Adresse für coole Fassadenkunst. Klickt mal hier!

In Marseille könnt ihr allerfeinste urban art auf den Fassaden des Cours Julien entdecken. Hier gibt es Infos und Impressionen.

Im Buch

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