Die eingedeichte Drachenstadt: Tarascon

Die Tarasque - der Drache von Tarascon. Foto: Hilke Maunder
Die Tarasque - der Drache von Tarascon. Foto: Hilke Maunder

Das menschenfressende Monster Tarasque, halb Mensch, halb Tier, das der Stadt an der ViaRhôna ihren Namen gegeben hat, versteckt sich in einem dunklen Schaukasten unter den Arkaden der Place du Marché.

Nur zu Pfingsten, wenn Tarascon die Fête de la Tarasque feiert und der Drache beim Umzug durch die Straßen getragen wird, darf das Ungeheuer sein Gefängnis verlassen.

Von Arkaden gesäumt: die Rue des Halles. Foto: Hilke Maunder

Hoch über der Rhône sonnt sich an der Flutmauer eine zweite Tarasque, groß aus hartem Stein geschlagen, nur einen Steinwurf entfernt von der Kirche, die der Heiligen geweiht ist, die das Monster bezwang: Sainte-Martha. Allein mit Weihwasser und Keuschheit soll die Jungfrau diese ungeheure Tat begangen haben.

Das Collège Royale von Tarascon. Foto: Hilke Maunder

Der gezähmte Drache

60 tapferen Männern, die zuvor versucht hatten, die Tarasque zu besiegen, war die Zähmung nicht gelungen. Die Hälfte von ihnen wurde vom Feuerstrahl des Drachen verbrannt, die Restlichen flüchteten – froh, den Kampf überlebt zu haben. Der Drache ist heute im Wappen verankert, Sainte-Martha die Stiftskirche von Tarascon geweiht.

Drinnen zeigt ein Gemälde hinter der Kanzel, wie die Heilige Martha die Tarasque zähmte. Charles André van Loo hat es gefertigt. Die Gebeine der Sainte-Martha ruhen in der Krypta in einem vergoldeten Reliquiarum.

Tarascon: Porte Saint-Jean.Foto: Hilke Maunder

Die Heimat von Tartarin

Frankreichweit berühmt wurde die antike Handelsniederlassung auch durch einen Schriftsteller: Alphonse Daudet wählte Tarascon zur Heimat von Tartarin. Als beliebte literarische Figur führte der gewiefte Südfranzosenab 1872 mit seinen Prahlereien andere hinters Licht.

In der Altstadt von Tarascon. Foto: Hilke Maunder

Im Cabinet des curiosités de Tartarin im einstigen Kloster erfahrt ihr alles über den heldenmütigen Rentner, der auf Löwenjagd gehen wollte. Zwar wurde er bei der Überfahrt, wie auch beim Kamelritt, seekrank. Doch zurück kehrte er wahrhaftig mit einem erlegten (wenngleich blinden und lahmen…) Löwen. Und Tarascon bereitete ihm einen rauschenden Empfang.

Provenzalische Lebensart

Im Innenhof von Souleiado könnt ihr im Café eine kleine Pause einlegen. Foto: Hilke Maunder

Der nächste große Name, den alle Franzosen mit Tarascon verbinden, heißt Souleïado. Seit zwei Jahrhunderten residiert die Textilmanufaktur mitten in der Altstadt im prachtvollen Stadtpalais des Hôtel d’Ayminy, wo heute ein Museum die Geschichte der Stoffherstellung in der Provence erzählt und Einblicke in die Produktion der berühmten Stoffe gewährt.

Im Souleiado-Museum. Foto. Hilke Maunder
Provenzalisches Zimmer im Souleiado-Museum. Foto: Hilke Maunder

Im Innenhof serviert eine Teestube Getränke und Kuchen auf Souleïado-Decken; in der Boutique gibt es Souleïado zum Tragen für sie und ihn: seidenfeine Baumwollhemden und Kleider, Mode, die mit Farbe, Mut zu Mustern und schlicht-raffinierten Schnitten wie ein Sonnenstrahl die Lebensart der Provence in alle Welt bringt.

Zum Souleiado-Museum gehört auch eine Boutique. Foto: Hilke Maunder

Die Burg des guten Königs

Residenz des guten Königs, roi René: das Château de Tarascon. Foto. Hilke Maunder
Wuchtig und wehrhaft_ das Château de Tarascon. Foto: Hilke Maunder

Im großen Bogen laufen wir durch Gassen mit hell verputzten Fassaden und Fensterläden in den typischen Farben der Provence zurück zu einer Trutzburg, die der beliebteste Herrscher des Südens bewohnt hat: le bon roi Réné.

Direkt am Ufer der Rhône gelegen: das Burgschloss von Tarascon. Foto. Hilke Maunder

Seit dem 15. Jahrhundert sicherte die imposante Wehrburg am Ufer der Rhône die damals noch unabhängige Provence vom Einflussbereich des französischen Königs ab.

Vorbei an Sälen, die Christian Lacroix mit rotem Teppich ausgelegt hat, auf denen sich Vögel und andere Tiere im tiefen Schwarz tummeln, steigen wir ausgetretene Treppen hinauf zur Dachterrasse.

Die Teppiche von Christian Lacroix in der Burg von Tarascon. Foto: Hilke Maunder

Was für ein Ausblick! Gen Osten die Kalksteinspitzen der Alpilles, gen Westen am anderen Ufer der Rhône, und damit im Languedoc, das Städtchen Beaucaire, gen Norden und Süden die sanften Bögen der Rhône. Schuten und Tanker passieren auf dem Strom.

Foto: Hilke Maunder

Ausflugsschiffe von Mireio machen am Kai fest. Und auch und Flussschiffe unterbrechen dort immer häufiger ihre Kreuzfahrt. Tarascon ist im Kommen. Es gibt viel zu entdecken!

Antiquitätengeschäft in der Altstadt. Foto: Hilke Maunder

Künstler-Freunde

Dass die südfranzösische Rhônestadt eine norddeutsche Freundin hat, erfuhr ich per Zufall von meiner Freundin Claudine,  mit der ich auf der ViaRhôna unterwegs war. Im Hotel Le Provence entdeckt sie das Wappen ihrer Heimatstadt. Und das Werk eines Mannes, der zu den besten Freunden ihres Bruders gehörte: Anders Petersen aus Elmshorn.

2005 war der freie Künstler, dessen Arbeiten die klassischen Genre sprengen, nach Tarascon gekommen, hatte dort seine Werke im Kreuzgang des ehemaligen Franziskanerklosters gezeigt. Und im Zuge der Städtepartnerschaft mit Elmshorn einen fruchtbaren künstlerischen Austausch mit Françoise Vadon begonnen. Inzwischen hat die Künstlerin aus Tarascon ihre Arbeit mehrfach im Großraum Hamburg gezeigt, und Anders Petersens Werk ist regelmäßig in Tarascon zu sehen.

In der Altstadt von Tarascon. Foto: Hilke Maunder

Meine Reisetipps: Tarascon

Schlafen

Hôtel de Provence

Geräumige, typisch provenzalisch eingerichtete Zimmer am Platanen bestandenen Altstadtring – die Räume im Obergeschoss haben wunderschön große Terrassen!
• 7, bd. Victor Hugo, 13150 Tarascon, Tel. 04 90 91 06 43, www.hotel-provence-tarascon.com

Perfekt für den Apero: die Terrasse des Hôtel de Provence. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen

Tailles de Bon

So zartes Stierfleisch habe ich bislang nirgends gegessen! Und das Ambiente ist einfach wundervoll: im Sommer im Garten, im Winter in einem fast opernartig opulent gestalteten Gastraum, urgemütlich und kuschelig.
• 1, place du Colonel Berrurier, 13150 Tarascon, Tel. 04 90 91 47 74, www.facebook.com/taillesdebon

Bistro des Anges

Gehobene Hausmannskost in für Frankreich recht großen Portionen, lokale Weine und schönes Ambiente drinnen wie draußen.

• 20, Place du Marché, 13150 Tarascon, Tel. 04 90 91 05 11, www.facebook.com

Schöne Caféterrasse im Herzen der Altstadt: das Bistro des Anges: Foto: Hilke Maunder

Café des Artistes

Ein Hauch von Deauville. Hier tragen die Stühle, und nicht wie in der Normandie die Garderoben-Abtrennungen, die Namen der Starts. Drinnen erinnern Schwarzweißfotos an die großen Franzosen des Films.
• 7, cours Aristide Briand, 13150 Tarascon, Tel.06 87 74 81 08

Das Café des Artistes. Foto: Hilke Maunder

Le Comptoir des Gourmets

Sehr gut sortiertes Feinkostgeschäft mit Bistro am Bahnhof. Serviert werden „planchettes“, kalte Platten, mit Charcuterie, Käse oder rein vegetarisch. Mittags gibt es frische Hausmannskost mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert für günstige Euro.
• 18,  place du Colonel Berrurier

Aquaemo

Restaurant, Bar-Café, Salon de Thé und Spa – kurzum, Wellness für alle Sinne. Bereits morgens früh um halb acht!
• Zone artisanale du Roubian, 10 rue des Laboureur, Tel. 04 90 49 98 38, So. geschl.

Auch diese Bio-Bäckerei findet ihr in der Altstadt von Tarascon. Perfekt für ein kleines Goûter unter freiem Himmel! Foto: Hilke Maunder

SERVICE

Rund ums Rad

Technicycles

Verkauf, Verleih und Reparatur von Fahrrädern
• 7, Boulevard Itam, 13150 Tarascon, Tel. 04 90 93 14 10, Mobil 06 14 16 12 52, Di – Fr. 9 – 12, 14.30 – 19 Uhr, Sa. 9 – 12, 17 – 19 Uhr

Offizielles Stadt- und Tourismus-Portal von Tarascon: www.tarascon.fr

Mein Buchtipp

Und packt einen Krimi mit ins Gepäck, den ich in nächtlichen Stunden verschlungen habe: Im Sumpf der Camargue von Xavier-Marie Bonnot. Tarascon und seine Tarasque sind da auch Thema 🙂

Der zweite Fall des Marseiller Kripomannes Michel de Palma, der vom Milieu seiner Heimat nur „Le Baron“ genannt wird, gehört zu den besten französischen Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Spannend, überraschend, kenntnisreich in der Region verwurzelt – ein Lesevergnügen bis zur letzten Seite! Wer mag, kann den Krimi hier* als gebundenes Buch online bestellen. Das E-Book gibt es hier*.
Den ersten Fall von Commissaire Michel de Palma habe ich euch in meinem Blogbeitrag zum Krimiland Frankreich vorgestellt.

Weiterreisen

Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News.

Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

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Von der Dachterrasse des Burgschloss könnt ihr eine Rundumsicht genießen. Foto: Hilke Maunder
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2 Kommentare

  1. Beau reportage sur la jolie et méconnue ville de Tarascon! A bientôt j’espère chère Hilke pour un apéritif à l’ombre des platanes.
    Et merci d’être venue hier soir au vernissage de l’exposition avec Anders Petersen à Elmshorn.

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