Château de Tiffauges: zu Besuch bei Blaubart

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Ritterspiele beleben im Sommer das Château de Tiffauges. Foto: Hilke Maunder

Krieg, Plünderung, die Pest und das Schisma, die Kirchenspaltung, prägten seine Jugend, der herrische, gewalttätige Großvater seiner Erziehung: Wie wäre wohl das Leben von Gilles de Rais zu anderen Zeiten verlaufen?

Doch er wurde im ausgehenden Spätmittelalter geboren, 1404 im Herzogtum Anjou an der Grenze zur Bretagne. 1440, 36 Jahre jung, starb er als pädophiler Serienmörder am Strang.

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Die Burganlage von Gilles de Rais oberhalb der Sèvre Nantaise. Foto: Hilke Maunder

Kriegsheld und Kinderkiller

Herausgekommen waren seine Verbrechen durch einen fatalen Fehler. 1440 ließ der gefeierte Held des 100-jähriges Krieges und Weggefährte Jeanne d’Arcs, der einst zu den reichsten Männern des Landes gehört hatte, aus Geldsorgen den Priester Jean le Ferron in der Kirche festnehmen, da dessen Bruder ihm Geld schuldete.

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Château de Tiffauges ist heute eine Ruine – aber was für eine! Foto: Hilke Maunder

Mit diesem Übergriff machte er sich den einflussreichen Bischof von Nantes zu Feind. Jener ging nun den nicht verstummen wollenden Gerüchten nach.

Sie besagten, dass auf Rais Burgen Kinder verschwünden. Im September begann das förmliche Verfahren gegen Rais.

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Wappen und Mittelalter-Dekor schmücken die Burganlage. Foto: Hilke Maunder

Massenmörder des Mittelalters

Zunächst lautete der Vorwurf nur “Verletzung der Kirche”, doch dann wurden die Inquisitoren auf der Burg von  Tiffauges fündig: Sie entdeckten Dutzende Schädel und Skelette von kleinen Kindern.

Am 21. Oktober gestand Gilles de Rais – aus freien Stücken, ohne Folter – seine Taten in der Sprache des Volkes, auf Französisch statt Latein: Hunderte Massenmorde, geopfert einer perversen pädophilen Lust und der Suche nach Gold.

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Im Inneren der weitläufigen Burganlage gibt es auch einen Weinkeller. Foto: Hilke Maunder

140 Morde

140 Morde konnte das Gericht Gilles de Rais nachweisen, fast 400 Taten werden mit seinem Namen verbunden. Am 26. Oktober 1440 wurde der Unhold gehängt und sein Körper verbrannt – und dann dennoch aus den Flammen gerissen und von adeligen Damen ordentlich bestattet.  Sein Leben indes inspirierte die Kunst.

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Kinder können im Sommer hautnah eine Zeitreise ins Mittelalter erleben. Foto: Hilke Maunder

Gilles de Rais wurde zum sagenhaften Blaubart und sein Schloss zur Topattraktion der Vendée. Allsommerlich wird dort das Leben von Gilles de Rais und das Leben in jener Zeit mit einem prall gefüllten Programm von Präsentationen wieder lebendig.

Château Tiffauges: Info

F – 85130 Tiffauges, Tel. 02 51 65 70 51, http://www.sitesculturels.vendee.fr/Chateau-de-Tiffauges

Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Zum Sommerprogramm gehören “Tournoi”, mittelalterliche Ritterspiele. Foto: Hilke Maunder

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Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Kanonen werden abgefeuert… Foto: Hilke Maunder
Tiffauges: Château de Tiffauges, Burganlage von Gilles de Rais, genannt Blaubart. Foto: Hilke Maunder
Ritter kämpfen mit Lanzen und Schwertern gegeneinander. Foto: Hilke Maunder
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