Die Sonnenstoffe der Katalanen

Leuchtend wie die Farben ihrer Heimat: die Sonnenstoffe von Toiles du Soleil. Foto: Hilke Maunder
Leuchtend wie die Farben ihrer Heimat: die Sonnenstoffe von Toiles du Soleil. Foto: Hilke Maunder

Fast fünf Jahrhunderte lang gehörte die Heimat der Katalanen im Südwesten Frankreichs zum Königreich Aragon. Erst 1659 fiel es im Pyrenäenfrieden an Frankreich. Doch in den Städten und Dörfern, in der Kunst und der Küche kommt es bis heute einem recht spanisch vor.

Stolz lebt das alte Grenzgebiet seine katalanische Kultur – und bewahrt das Jahrhunderte alte Kunsthandwerk der Katalanen. Besonders berühmt wurden die farbenfrohen Textilien des Pays Catalan.

Die Altstadt von Saint-Laurent-de-Cerdans. Foto: Hilke Maunder

Traditionelles Handwerk

Jahrzehnte lang eine Fundgrube für die katalanische Wohnkultur war die Maison Quinta gewesen, die Françoise Quinta in Perpignan geschaffen hatte. 2017 schloss Madame den kultigen Katalanen-Shop.

Seitdem findet ihr die Sonnenstoffe der Katalanen in der Dependance von Les Toiles du Soleil an der Place Lé0n Gambette bei der Kathedrale Jean-Baptiste.

Im Musterbuch festgehalten: das Streifenmuster Pastèque (Wassermelone). Foto: Hilke Maunder

Gefertigt werden die traditionellen katalanischen Stoffe seit Ende des 19. Jahrhunderts bei Les Toiles du Soleil (avenue Jean-Jaures) in Saint-Laurent-de-Cerdans, einem Dörfchen in den Hochlagen der Pyrénees-Orientales im Haut-Vallespir.

1994 entdeckten die Dekorateurin Françoise Quinta und und ihr Mann Henri, Innenarchitekt, die alte Fabrik, die damals noch Sans et Garcerie hieß, die Cerdans-Leinenstoffe für die Espadrillas der Tänzer der Sardane webte und von der Schließung bedroht war.

Die Farbauswahl für die Toiles du Soleil. Foto: Hilke Maunder

Trendige Streifen im Bayadère-Stil

Doch davon ließen sich die Quinta nicht abschrecken. Sie reaktivierten und modernisierten die Produktion, ersetzten die traditionellen Farben der Katalanen durch neue Farbtöne, andere Streifenmuster, veränderte Harmonien  – modern, und doch in der Tradition verhaftet.

Typisch für den Bayadère-Stil der Toiles du Soleil sind bunte Querstreifen aller Art. Mal sind sie breit, mal schmal – aber immer in kräftigen Farben. Sonnentöne, eingefangen in Stoff, aber auch dunkles Blau, dezentes Grau und lichtes Grün. 35 Farbtöne, die auch untereinander gemischt werden, stehen zur Auswahl.

Fabrikbesuch bei den Toiles du Soleil

Die Fertigungsstätte von Les Toiles du Soleil könnt ihr im Rahmen von Führungen besichtigen. Voilà ein paar Impressionen vom Werkstattbesuch!

Detail eines Webstuhls von Les Toiles du Soleil. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Die Fadenführung der Webstühle ist unglaublich eindrucksvoll! Foto: Hilke Maunder
Die Webmaschinen von Les Toiles du Soleil wirken zwar nostalgisch arbeiten aber bis heute zuverlässig! Foto: Hilke Maunder
Trotz der Maschinen – noch vieles ist Handarbeit. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

International gefragt

Neben dem Fabrikverkauf in Saint-Laurent de Cerdans und dem großen Geschäft in Paris könnt ihr die Sonnenstoffe der Katalanen auch auf der Pariser Lifestyle-Messe maison et objet bewundern.

Dort stellt die Maison Quinta alljährlich Anfang September ihre neuen Kollektionen vor. Selbst Australier und Japaner begeistern sich dort für die Stoffe.

Das Exportgeschäft macht mittlerweile bereits rund 40 Prozent des Umsatzes aus. Nicht nur in Paris, sondern auch in Tokio, New York und Moskau ist das Familienunternehmen mit Flagship Stores und Showrooms vertreten.

In Saint-Laurent-de-Cerdans ist der örtlichen espadrilles-Fertigung sogar ein Denkmal gewidmet. Foto: Hilke Maunder

Die Schuhe der Katalanen

Ebenfalls in Saint-Laurent-de-Cerdans ansässig sind dort Céline und Cécile, die seit mehr als 20 Jahren dort ganz handwerklich Espadrilles fertigen. Die typisch katalanische Espadrille heißt la vigatana und ist eng mit den Sardana-Tänzer verbunden.

Die Werkstatt von Création Catalane. Foto: Hilke Maunder

2008 wurden die beiden beim landesweiten Wettbewerb Concours National des Créateurs d’Entreprise als Talents du Pays Catalan ausgezeichnet. 2010 folgte die Bronzemedaille.

Von April bis Anfang Oktober führen sie jeden donnerstags um 15 Uhr  durch ihren Betrieb Création Catalane (Chemin du Baynat d’en Pouly, Tel. 04 68 54 08 68).

Katalanen-Handwerk modisch verjüngt: die Espadrilles-Fertigung bei Création Catalane. Foto: Hilke Maunder
Die Sohle wird erst verklebt, dann mit dem Oberstoff vernäht. Foto: Hilke Maunder
Die Espadrilles-Herstellung bei Création Catalane. Foto: Hilke Maunder

Lebendige Traditionen bei der Fête de l’Espadrille

Im Juli feiert das Bergstädtchen die Traditionsschuhe mit der Fête de l’Espadrille. Auf der Place Gabriel Péri laden die Toiles du Soleil zur Grande Braderie, die Création Catalane zur Fabrikbesichtigung. Ein katalanischer Traditionsmarkt gehört ebenfalls zu Fest wie Tanz und Musik.

Mit dabei sind die Petits Danseurs Catalans de St-Laure, Els Tirons, El Grup de Montgri Dansa, Batucada Els Xirois und Les Castell de St Jean. Bekannte Tanzgruppen aus dem Roussillon führen für euch den Reigentanz Sardane auf.

In den katalanischen Farben Rot und Gelb: die espadriles im Ausstellungsbereich von Créations Catalanes. Foto: Hilke Maunder

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