Toiles du Soleil: Sonnenstoffe der Katalanen

Fast fünf Jahrhunderte lang gehörte der Roussillon im Südwesten Frankreichs zum Königreich Aragon. Erst 1659 fiel es im Pyrenäenfrieden an Frankreich. Doch in den Städten und Dörfern, in der Kunst und der Küche, kommt es bis heute einem recht spanisch vor: Stolz lebt das alte Grenzgebiet seine katalanische Kultur – und bewahrt Jahrhunderte altes Kunsthandwerk. Besonders berühmt wurden die farbenfrohen Textilien der Katalanen.

Katalanen – Flair für daheim

Eine einzigartige Fundgrube für die Wohnkultur der Katalanen hat Françoise Quinta mit ihrer Maison Quinta (3, rue Grande des Fabriques) in Perpignan geschaffen, das auf drei Etagen mit Möbeln, Küchengerät und Delikatessen katalanische Lebensart lebendig hält. Die berühmten Sonnenstoffe findet ihr ganz oben unter dem Dach.

Gefertigt werden die traditionellen katalanischen Stoffe seit Ende des 19. Jahrhunderts bei Les Toiles du Soleil (avenue Jean-Jaures) in Saint-Laurent-de-Cerdans, einem Dörfchen in den Hochlagen der Pyrénees-Orientales im Haut-Vallespir. 1994 entdeckten die Dekorateurin Françoise Quinta und und ihr Mann Henri, Innenarchitekt, die alte Fabrik, die damals noch „Sans et Garcerie“ hieß, die Cerdans-Leinenstoffe für die Espadrillas der Tänzer der Sardane webte und von der Schließung bedroht war.

Trendige Streifen im Bayadère-Stil

Doch davon ließen sich die Quintas nicht abschrecken. Sie reaktivierten und modernisierten die Produktion, ersetzten die traditionellen Farben der Katalanen durch neue Farbtöne, andere Streifenmuster, veränderte Harmonien  – modern, und doch in der Tradition verhaftet.

Typisch für den Bayadère-Stil der Toiles du Soleil sind bunte Querstreifen aller Art, mal breit, mal schmal – aber immer in kräftigen Farben: Sonnentöne, eingefangen in Stoff, aber auch dunkle Blautöne, dezentes Grau und lichtes Grün. 35 Farbtöne, die auch untereinander gemischt werden, stehen zur Auswahl.

Die Farbpalette der Sonnenstoffe. 35 Töne stehen zur Auswahl.

Toiles du Soleil: in Paris wie in New York

Neben dem Fabrikverkauf in Saint-Laurent de Cerdans und dem großen Geschäft in Paris könnt ihr die Sonnenstoffe der Katalanen auch auf der Pariser Lifestyle-Messe „maison et objet“ bewundern, wo die Maison Quinta alljährlich Anfang September seine neuen Kollektionen vorstellt – und besonders auch Australier und Japaner für seine Stoffe begeistert.

Das Exportgeschäft macht mittlerweile bereits rund 40 Prozent des Umsatzes aus. Nicht nur in Paris, sondern auch in Tokio, New York und Moskau ist das Familienunternehmen mit Flagship Stores und Showrooms vertreten.

Handgefertigt werden zwei Arten von Espadrilles – mit und ohne Absatz, aber immer mit den Toiles du Soleil.

Die Schuhe der Katalanen

Ebenfalls in Saint-Laurent-de-Cerdans ansässig sind dort Céline und Cécile, die seit mehr als 20 Jahren dort ganz handwerklich Espadrilles fertigen. Die typisch katalanische Espadrille heißt „La Vigatana“ und ist eng mit den Sardana-Tänzer verbunden. 2008 wurden die beiden beim landesweiten Wettbewerb Concours National des Créateurs d’Entreprise als „Talents du Pays Catalan“ ausgezeichnet.

2010 folgte die Bronzemedaille. Von April bis Anfang Oktober führen sie jeden donnerstags um 15 Uhr  durch ihren Betrieb Création Catalane (Chemin du Baynat d’en Pouly, Tel. 04 68 54 08 68).

Früher fertigten 15 Betriebe die Espadrilles. Heute macht es nur noch ein Unternehmen.

Lebendige Traditionen bei der Fête de l’Espadrille

Im Juli feiert das Bergstädtchen die Traditionsschuhe mit der Fête de l’Espadrille. Auf der Place Gabriel Péri laden die Toiles du Soleil zur „Grande Braderie“, die „Création Catalane“ zur Fabrikbesichtigung. Ein katalanischer Traditionsmarkt gehört ebenfalls zu Fest wie Tanz und Musik mit den Petits Danseurs Catalans de St-Laure, Els Tirons, El Grup de Montgri Dansa, Batucada Els Xirois und Les Castell de St Jean und Sardane-Vorführungen bekannter Tanzgruppen aus dem Roussillon.

Ein Denkmal erinnert in Saint-Laurent-de-Cerdans an die traditionsreiche Sandalenherstellung

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