Die schönste Tour durchs Hinterland der Provence

Endpunkt der Autotour durch die Haute-Provence: die Côte d'Azur. Foto: Hilke Maunder
Endpunkt der Autotour durch die Haute-Provence: die Côte d'Azur. Foto: Hilke Maunder

Die Haute-Provence lebt von Gegensätzen. Nur wenige Kilometer trennen den unbeschreiblichen Luxus der dicht besiedelten Küste von den verschlafenen Dörfern im Hinterland. Hier strahlt der Himmel in blauer Klarheit, duftet der Lavendel stärker, verläuft das Leben geruhsamer. Mein Tipp für eine wunderschöne Tour durchs Hinterland. 

Am Morgen ist der Himmel blau, so blau, als hätte ihn Cezanne soeben frisch gemalt: monochrom, tief und klar. Seit Tagen bläst der Mistral, zerzaust die Platanen, rüttelt an den Fensterläden. Schafe und Kühe suchen hinter Mauern Schutz, Olivenblätter glänzen wie altes Silber. Dann steigt die Sonne auf, wärmt den blank gefegten Himmel. Auf dem Platz erscheinen die ersten Boulespieler, und Jean schließt die Tische und Stühle vor dem Cafér des Le Relais auf. „Un petit noir?“

Moustiers-Ste-Marie: Beim Aufstieg zur Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Beauvoir habt ihr tolle Ausblicke auf die Dächer über die Altstadt. Foto: Hilke Maunder

Langsam erwacht Moustiers-Sainte-Marie. Erkundet den Charme des malerischen Städtchens zu erkunden, das Picasso liebte, bevor gegen elf Uhr die Busladungen eintreffen: Moustiers gilt in Frankreich als Hauptstadt des provenzalischen Fayence-Handwerks. Besonders schön sind die Arbeiten der Ateliers Aulagnet-Baratta und Mufraggi.

Östlich der Kleinstadt zieht sich ein 700 m tiefer Riss durch die Wälder, Wiesen und Berge der Hochebene von Valensole und bildet den Grand Canyon du Verdon. Folgt  dem Nordufer auf der D 952 bis La-Palud-sur-Verdon. Von dort bringt euch die Route des Crêtes (D 23) als Rundtour zu vielen Aussichtspunkten direkt an der Canyonkante.

La Palud-sur-Verdon. Foto: Hilke Maunder

Danach geht es weiter auf der D 952 Richtung Castellane die eindrucksvolle Schlucht entlang. Wer sie erwandern möchte, kann bei Rougon einer Route zum Aussichtspunkt Belvédère du Couloir Samson folgen. In Castellane ist mittwochs und samstags Markttag auf der Place Marcel Sauvaire. Tipp: Holt euch dort Lavendelhonig für daheim!

In Entrevaux überspannt eine steinerne Brücke den wilden Var, der zum Namensgeber des Departements wurde. Hinter dem mächtigen Stadttor mit Zugbrücke hat die Bergfeste ihre mittelalterliches Gepräge erhalten – und wacht nur von Ostern bis Oktober aus ihrem Dornröschenschlaf auf, wenn vorwiegend französische Touristen durch die engen Gassen mit ihren Torbögen, Terrassengärten und streunenden Katzen bummeln.

Entrevaux: Eine Brücke überspannt den Var und führt durch ein mächtiges Stadttor samt Zugbrücke in den mittelalterlichen Ortskern. Foto: Hilke Maunder

Vorbei an Puget-Théniers erreicht ihr auf der D 6202 den Eingang zu den Gorges du Cians. Die Schlucht gilt als „Colorado der Seealpen“. Je nach Jahres- und Tageszeit verändert sich das Farbenspiel, flirtet das tiefe Rot des eisenhaltigen Schiefergesteins mit gelben Blütentupfern, herbstbuntem Laub oder weißem Schnee. Beuil ist ein beliebter Wintersportort an den Südflanken des Mercantour-Nationalparks, in den immer tiefer mit vielen Kehren die D 30 führt.

Über den 1678 m hohen Col de Couillole windet sich die Straße nach Roubion hinauf.  In diesem Adlernest im Hochgebirge drängen sich die Bruchsteinhäuser um die Église Notre-Dame du Mont-Carmel (1713). Weit schweift der Blick über Lärchenfelder, schroffe Felsspitzen und Almen mit uralten Ställen und Scheunen. Macht eine kleine Wanderung und lauft hinauf zum Weiler Vignols. Die einstige Speisekammer des Ortes ist ein herrlicher Platz für ein Picknick – wie auch die alten Kirschbäume der Pré du Villars.

Westlich von den Gorges du Cians erstrecken sich die landschaftlich sehr ähnlichen Gorges de Daluis. Foto: Hilke Maunder

An eine Schleife der Tinée schmiegt sich Saint-Sauveur-sur-Tinée mit seiner im Innern goldgeschmückten Kirchen, verwinkelten Gassen und sprudelnden Brunnen. Die Lämmergeier, die am hohen Himmel kreisen, wurden erst vor wenigen Jahren wieder im Mercantour-Nationalpark neu angesiedelt. Wieder eingeführt wurden auch die Wölfe. Entdeckt sie bei geführten Naturtouren sowie im Juli/Aug. bei der „Nuit des Loups“, die Alpha Le Temps du Loup anbietet.

Ihr findet sie in Boréon, einem wunderschönen Weiler mit See, Wasserfall und tiefen Wäldern fünf Kilometer nördlich von Saint-Martin-VésubieStolz rühmt es sich als „Herz der Nizzaer Schweiz“. Aristokraten aus Italien, England und dem nahen Nizza entdeckten im 19. Jahrhundert den Ort an der Salzstraße von Nizza ins Piemont, bummelten durch die mit mittelalterlichem Fachwerk geschmückten Gassen und die Rue Cagnoli, in deren Mitte seit dem Mittelalter ein Mini-Bach die Abwässer fortspült, hin zur Platanen bestandene Place Félix-Faure.

Etwas Entspannung gefällig? Dann genießt im einzigen Thermalbad der Seealpen einen Spabesuch! 29 Grad warm sprudeln die heilenden Wasser auf 600 m Höhe in Berthemont-les-Bains aus dem Fels. Und verpasst nicht die von außen unscheinbare, aber im Innern prachtvoll geschmückte Templerkirche Église Saint Michel-de-Gast von Roquebillière.

Die mittelalterliche Brücke mit Mautturm überspannt in Sospel das Flüsschen Bévéra. Foto: Hilke Maunder

In dem einst stark umkämpften Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien hat der Glaube eine Kette der Sakralkunst entlang der Panoramarouten des Mercantour geschaffen, deren schönste Perle die Cathédrale Saint-Michel von Sospel ist, die seit Mitte des 17. Jh. als Stilmix aus französischer Klassik, italienischem Barock und romanischen Glockenturm die Place Saint-Nicolas in der Altstadt dominiert.

Wahrzeichen von Sospel ist jedoch eine „mittelalterliche“ Steinbrücke mit Mautturm, die seit dem 11. Jh. über das Tal der Béréva überspannt und nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg 1953 originalgetreu Stein für Stein wieder aufgebaut wurde. Die Seealpen verabschieden sich nun mit einer letzten Serpentinenstrecke: 22 km lang windet sich die „Route des Grandes Alpes“ in Kehren und Kurven hinab zur Zitronenmetropole Menton, das sich stolz „La perle de France“ nennt, Frankreichs Perle – an der Stadtgrenze beginnt Italien.

Die Altstadt von Menton. Foto: Hilke Maunder

Highlights

• Moustiers-Ste-Marie: schroffe Felsen & feinste Fayencen

• Gorges du Verdon: spektakulärste Schlucht der Haute-Provence

• Nationalpark Mercantour: Frankreichs beliebtester Bergpark

• Berthemont-les-Bains: einziges Thermalbad der Seealpen

• Sospel: Altstadtperle am alten Salzweg

• Menton: Strandleben im Zeichen der Zitrone

Rundtour durch das Hinterland der Provence: die Infos

Länge: 250 km

Zeit: 2 – 3 Tage mit Wanderungen

Schlafen & schlemmen

La Bastide de Moustiers

Auf einer Motorradtour entdeckte Alain Ducasse 1994 dieses alte Bruchstein-Anwesen und verwandelte es in eine edle Auberge mit elf Zimmern, einer Suite und exquisiter Regionalküche im Restaurant, die täglich neu nach den Zutaten des Wochenmarktes und des Küchengartens komponiert wird.
• Chemin de Quinson, 0
4360 Moustiers Sainte Marie, Tel. 04 92 70 47 47, www.bastide-moustiers.com

La Fripounière

Mit seiner bodenständigen wie raffinierten Regionalküche hat Patrick Caron sich längst auch unter den Feinschmeckern der Küste einen exzellenten Ruf erarbeitet, die für seine köstlich gewürzten Perlhühner die Kurvenstrecke zur Passhöhe gerne in Kauf nehmen. Und haben die Weine und Spirituosen aus den Bergen zu gut gemundet, gibt es in seiner Berghütte noch 14 kuschelige Zimmer mit Dusche.
• Col de la Couillolle, 06420 Roubion, Tel. 04 93 02 02 60, www.lafripouniere.com

Mirazur

Oberhalb von Menton verzaubert der gebürtige Argentinier Mauro Colagreco mit seinen kulinarischen Miniaturen sämtliche Sinne. Weniger als ein Jahr nach der Eröffnung gab es den ersten Sterne, 2012 den zweiten Michelin-Stern und die Auszeichnung als  „Chevalier De L’Ordre National du Mérite“. Nach einer der höchsten zivilen Auszeichnungen, die Frankreich vergibt, folgt 2019 der dritte Michelin-Stern.
• 30, Avenue Aristide Briand, 06500 Menton, Tel. 04 92 41 86 86, www.mirazur.fr

Weiterlesen

Krimizeit!

Christine Cazon: Wölfe an der Côte d'Azur. Der 5. Duval-Krimi.Wölfe an der Côte d’Azur*

Der 5. Fall führt Léon Duval, Kommissar aus dem südfranzösischen Cannes, in die raue Welt der französischen Seealpen im Hinterland der Côte d’Azur. Eigentlich wollte er dort mit seinen Kindern und der Freundin Annie nur ein paar Tage Ski-Urlaub machen.

Doch dann erhält Annie eine Nachricht und ein verstörendes Foto zugeschickt. Die Überreste eines vermisst gemeldeten Mannes wurden in der Nähe von Duvals Urlaubsort gefunden. War es Mord oder wurde er, wie gemunkelt wird, Opfer eines Wolfsangriffs?

Auch dieser Krimi von Christine Cazon ist pures Lesevergnügen, führt spannend Land und Leute vor, hält euch am Lesen, Lesen, Lesen… bis die Nacht vorbei war. So geschehen bei mir. Wer mag, kann den Krimi hier* online bestellen.

Weiter-Reisen

Tiefer einsteigen in Küste und Hinterland?

Ralf Nestmeyer: Reiseführer zur Côte d'Azur

Auch Ralf Nestmeyer  kennt die Küste und ihr Hinterland wie seine Westentasche – und hat zur Region nicht nur zig Reiseführer verfasst, sondern auch Krimis wie Roter La­ven­del* und Die Toten vom Mont Ven­toux*.

Auch seinem Côte d’Azur-Band kommt dieses Expertise zugute. Neben den klassischen Must-Sees von Saint-Tropez, Cannes, Antibes und Nizza hält er auch zahlreiche Tipps fürs bergige Hinterland parat.

Und für  aktive Entdeckungen, mit Ge­birgs­wan­de­run­gen zu ein­sa­men Berg­se­en oder zu den Fels­zeich­nun­gen im Val­lée des Mer­veil­les. Klar, das auch die legendäre  Strand­wan­de­rung rund um die Halb­in­sel von Saint-Tro­pez nicht fehlt. Kurzum perfekt für alle, die gerne individuell und auch mal oft the beaten track unterwegs sind.

Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas „Provence“*

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Provence

In meinem DuMont-Bildatlas „Provence“* stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten.

Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen – oder ihr ganz aktiv das Sonnenreich im Süden erleben könnt.

Zum Beispiel beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Bilderreise durch Südfrankreich*

DuMont-Bildband Südfrankreich„Le Grand Süd“ nennen die Franzosen die weite Region ihrer Mittelmeerküste. Gemeinsam mit Klaus Simon und Rita Henß als Co-Autoren präsentiere ich im DuMont Südfrankreichdie vielen Facetten des Südens zwischen der Provence und den Pyrenäen in unterhaltsamen Stories und auf Infoseiten.

Großformatige Bildseiten machen diesen Band zu einem tollen Geschenk für Frankreich-Freunde. Oder euch selbst! Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende.Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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Der Strand von Menton. Foto: Hilke Maunder
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