Ausflugstipp: der Train des Merveilles

Train des Merveilles: Im HInterland von NIzza hängen die Dörfer an den Hängen der Berge – Ackerbau ist hier nur auf Terrassen möglich. Foto: Hilke Maunder
Im HInterland von NIzza hängen die Dörfer an den Hängen der Berge – Ackerbau ist hier nur auf Terrassen möglich. Foto: Hilke Maunder

Die Flüsse Paillon, Bévéra und Roya haben in Hinterland von Nizza sich tief in den Fels gefräst und eine spektakuläre Landschaft geschaffen, in denen uralte Dörfer auf hohen Kämmen und Spitzen wie Adlerhorste hocken, eingebettet in ein sattes Grün. Mitten hindurch saust ein legendärer Zug: der Train des Merveilles.

9.15 Uhr: Abfahrt für den Zug der Wunder

Ohne Kurverei auf engen Straßen bringt euch der Train des Merveilles in die Berge. Seit 1928 verbindet in gut zwei Stunden Nizza mit Tende. Holt euch eine Tageskarte! Dann könnt ihr unterwegs jederzeit Pausen einzulegen. Genießt bei der Bahnfahrt die herrlichen Aussichten auf die Landschaft mit Adlernestern, die auf Bergkämmen hocken, tief unten das Meer. Von Mai bis Oktober kommentieren Guides auf Englisch und Französisch die Fahrtstrecke!

9.45 Uhr: Peille – der Balkon

Mit seinen alten Natursteinhäusern, Kirchen und Kapellen, Plätzen und Gassen war Peille von vor mehr als 100 Jahren ein beliebter Ausflugsort. Dazu trug einst auch die Ölmühle bei. Folgt dem Circuit des Cartes Postales und vergleicht an 14 Stationen alte Postkarten mit heutigen Ansichten. Was unverändert ist? Noch immer glitzert tief unten blau das Mittelmeer!

Wie Alltag und Arbeit zu Urgroßmutters Zeiten aussahen, verrät das Musée du Terroir, zu dem auch ein Küchengarten gehört. Danach wisst ihr, was Pinnata, Caban, drailh, taraa, poulhieia bedeuten – und wozu die provenzalischen Werkzeuge einst gedient haben.

11.30 Uhr: Der kleine Hunger

„Le petit creux“, die kleine Kuhle, nennen Franzosen den kleinen Hunger, der sich mittags meldet – groß getafelt wird abends! Diesen stillt in Peille La Voute mit köstlichen Pfannkuchen: süß als Crêpes, salzig als galettes aus Buchweizenmehl. Schwarz und kräftig ist der Kaffee der Bar L’Absinthe an der Place du Serre – der perfekte Ort, um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

13 Uhr: Sightseeing im Zug

Pünktlich geht es weiter gen Norden. Lehnt euch  zurück und genießt 40 Minuten Bilderbuchlandschaften im Vorbeifahren.

Auch Sospel liegt an der Bahnlinie. Dort überspannt eine mittelalterliche Brücke mit Mautturm das Flüsschen Bévéra. Foto: Hilke Maunder

14 Uhr: Genuss in alten Gassen

In Breil-sur-Roya wachsen im Schatten des Mont Bégo (2872 m) dank des milden Mikroklimas noch auf 300 m Höhe die Zitronen. Schlendert vom Bahnhof erst zum Fluss und lasst die Silhouette auf sich wirken, ehe ihr durch die Altstadt bummelt, wo die Geschäfte erst gegen 15/16 Uhr wieder öffnen.

Die Rue Pasteur ist der reinste Schlemmerboulevard: mit traumhaftem Honig von der Miellerie de la Saorge, hausgemachten Wurstwaren und Terrinen der Boucherie de la Roya, den Kuchen, Keksen und typischen Brotsorten der Region bei Le Petit Gourmand.

Feinstes Olivenöl finden Sie bei der Domaine de la Chapelle Saint-Jérôme, köstlichen Ziegenkäse von Odoli bei den Käse-Affinateurs der kleinen Stadt  Technikfans besuchen in Breil das Écomusée du Haut-Pays et des Transports im alten Lokschuppen neben dem Bahnhof mit drei Dutzend Loks, Waggons, Trolley- und Omnibussen.

17 Uhr: Apéro!

Auch Vin de Noix (Walnusswein) und Vin d’Orange (Orangenwein) gehören zu den lokalen Spezialitäten. Kostet die köstlichen Tropfen in Breil-sur-Roya beim Apéro in der Bar Le Biancheri am gleichnamigen Platz oder im rustikalen Gasthof La Bonne Auberge, der bei schönem Wetter seine Tische in die Gasse stellt.

Beide Lokale schätzen die Einheimischen auch für ihre gute Küche. Doch Achtung: Der letzte Zug verlässt Breil-sur-Royal um 19.24 Uhr!

Euch gefällt es so gut, dass ihr bleiben wollen? Dann quartiert euch im Hôtel Castel du Roy ein – und springt vor dem Dîner noch schnell in den Pool!

17.30 Uhr: Letzter Halt Adlernest

Von Breil folgt die Bahn erst dem Tal der Roya, dann des Paillon und erreicht ein malerisches Adlernest, des Bahnhof sogar eine eigene Facebook-Seite hat: Peillon-Sainte-Thècle. Wer noch nicht fußmüde ist, lässt sich auf steile Gassen und Treppenwegen durch das alte Dorf mit seinen hohen, schlanken Häusern treiben und betrachtet in der Chapelle des Pénitents-Blancs die wunderschönen Wandmalereien, die Canavesio zugeschrieben sind.

19 Uhr: Ein Hauch Asien  

Pascale und Paul servieren im Bistro des Sources in Peillon nicht nur Klassiker wie Leber oder Niere vom Kalb, Andouilette und Rindertartar,, sondern auch Dorade, Pasta, vegetarische Gerichte und lokale Genüsse, die mit asiatischen Aromen verfeinert wurden.

20.15 Uhr: Zurück nach Nizza

Um 20.15 Uhr verlässt die letzte Bahn Peillon in Richtung Nizza, wo ihr um 20.41 Uhr nach einem erlebnisreichen Tag im Hochland eintrefft. Nach neun bringt euch ein Taxi zurück nach Nizza (19 km).

Im Land der Merveilles: Infos

Train des Merveilles

tgl. ab Nizza 5.48, 7.30, 8.33, 9.17, 12.24, 14.55, 16.43, 17.13, 18.02, 18.59, 19.41 Uhr, Zugauskunft Tel. 08 00 11 40 23, www.ter.sncf.com

Peille

Touristen-Info: Point Info Tourisme
15, rue Centrale. Peille, Tel : 04 93 82 14 40 , mobil 06 76 45 04 53, www. peille.fr

La Voute: 42, rue Centrale, Tel. 04 93 04 56 85, 8 – 20 Uhr, Di. abend und Mittwoch geschlossen

Breil-sur-Roya

Office de Tourisme

17, place Biancheri, 06540 Breil sur Roya
Tel. 04 93 04 99 76, http://breil-sur-roya.fr

Le Biancheri

• 5, Place Biancheri, Tel. 04 93 04 40 11, www.facebook.com

La Bonne Auberge

• 52, Rue Pasteur, Tel. 04 93 04 41 50, www.facebook.com, Nov. geschl., sonst tgl.

Hôtel Castel du Roy

• 146, Route de l’Aigara, Tel. 04 93 04 43 66, http://castelduroy.com, Apr. – Sept. , 17 Zi.

Écomusée du Haut-Pays et des Transports

Mai – Sept. tgl. 14-17.30 Uhr, Erw. 5 € , halber Preis bei Anreise mit ÖPNV.

Peillon – Saint-Thècle

Le Bistrot des Sources

672, Avenue de l’Hôtel de ville, 06440 Peillon, Tel. 09 83 30 00 76, www.facebook.com, Mo. Ruhetag, im Winter Mo., Di.

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Reisebegleiter für die Küste
Baedeker smart Cote d'Azur

Der Baedeker smart hat sich neu erfunden. Zu den ersten Bänden, die im Relaunch 2019 erschienen sind, gehört der Baedeker smart Côte d’Azur*. Mit den maßgeschneiderten Tagestouren, meinen Insidertipps und vielen selbst getestete Adressen könnt ihr die Côte d’Azur ganz entspannt genießen.

Entdeckt mit Christine Cazon, Krimiqueen der Küste, das mondäne wie volkstümliche Cannes und die Stadt ihres Ermittlers Leon Duval. Folgt mir beim Wandern auf dem Sentier Littoral, erlebt in Nizza einen Tag voller Genüsse – oder Monaco einen Tag lang rund ums Meer.

Und verpasst auch nicht den maßgeschneiderten Ausflug ins Hinterland der azurblauen Küste.Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Tiefer einsteigen in Küste und Hinterland?

Ralf Nestmeyer: Reiseführer zur Côte d'Azur

Auch Ralf Nestmeyer  kennt die Küste und ihr Hinterland wie seine Westentasche – und hat zur Region nicht nur zig Reiseführer verfasst, sondern auch Krimis wie Roter La­ven­del* und Die Toten vom Mont Ven­toux*.

Auch seinem Côte d’Azur-Band kommt dieses Expertise zugute. Neben den klassischen Must-Sees von Saint-Tropez, Cannes, Antibes und Nizza hält er auch zahlreiche Tipps fürs bergige Hinterland parat.

Und für  aktive Entdeckungen, mit Ge­birgs­wan­de­run­gen zu ein­sa­men Berg­se­en oder zu den Fels­zeich­nun­gen im Val­lée des Mer­veil­les. Klar, das auch die legendäre  Strand­wan­de­rung rund um die Halb­in­sel von Saint-Tro­pez nicht fehlt. Kurzum perfekt für alle, die gerne individuell und auch mal oft the beaten track unterwegs sind. Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

Erst mal inspirieren lassen?

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Themenseiten folgen dem Duft der Parfümeure nach Grasse und lassen euch hautnah beim Trüffelmarkt in Apt mit dabei sein.

Von Marseille bis Menton: die Côte d’Azur  – „das blaue Wunder“. Mit vielen Aktivtipps, Specials und Adressen für Entdecker.

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Das ganze Land

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreich* habe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hierdirekt bestellen.

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6 Kommentare

  1. Salut liebe Hilke!
    so ein feiner Bericht, vielen dank, ich glaub dieser Zug fährt erst ab MAI oder?
    le train de pignes glaub ich ganzjährig-…
    ich frage deshalb nach, da ich den gesamten März im Midi bin – Inspirationsreise Initiationsreise*y* Solltest du in der Umgebung sein, freut mich ein Rosé rendez-vous,
    Herzlichst Tina!

    • Hallo Christl, 14 Jahre in der Provence – wie schön! Ich freue mich immer über Gastbeiträge. Wenn Du magst, erzähl doch im Rahmen meiner Blogparade zum Frankreich meiner Leser einmal davon. Einfach einen Text schreiben – egal, wie lang – und mit einigen Bildern in Originalgröße mir per Mail an info@maunder.de zusenden. Ich mache dann einen Beitrag fertig und schicke ihn Dir vor der Veröffentlichung noch einmal zur Freigabe. Hättest Du Lust dazu? Es würde mich und meine Leser bestimmt interessieren! Herzlich, Hilke.

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