Eine Box voller Überraschungen

Grundsolider Alltagstropfen von den Côtes du Rhone: der Rote vom Château La Borie. Foto: Hilke Maunder
Grundsolider Alltagstropfen von den Côtes du Rhone: der Rote vom Château La Borie. Foto: Hilke Maunder

Stau. Pendeln. Nasse Kälte. Und kein Licht. Morgens im Dunkeln raus, abends im Gedränge heim. Da schreit die Lebensenergie, die der Sommer aufgefüllt hat, täglich lauter:  „Ich muss wieder nach Frankreich!“ Ein Hauch davon brachte ein Überraschungspaket.

Eine PR-Agentur hatte meinen Blog entdeckt und mir eine Portion Frankreich per Post geschickt. „Liebe geht durch den Magen“  muss sie wohl gedacht haben. Kurz und gut, ich habe den Karton abgeholt (Jottweedee…!) ausgepackt, kulinarische Köstlichkeiten getestet. Und Tops und Flops entdeckt.

Eine Box voller Überraschungen: Was war drin?

Absender war die PR-Agentur Frers, Fierenz und Koch, die in Deutschland die Werbetrommel für die Weine der Côtes du Rhône rührt. Das hätte sie bei mir nicht gemusst, ist doch ein lieber Freund Direktor eines der führenden Shiraz-Keller weltweit.

Als flüssige Botschafter waren zwei Weine dabei, die einfache, aber durchaus gute Alltagsweine sind – besonders mit Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Beide Weine kosten, je nach Einkaufsquelle, in den genannten Jahrgängen acht bis zehn Euro.

Domaine de Mortine, Caprices, Côtes du Rhône 2015

Die Domaine de Montine findet ihr bei Grignan in der Drôme Provençale. Direkt auf dem Weingut, das die Kusinen Mélina und Camille Monteillet in 4.Generation leiten, könnt ihr in fünf Ferienwohnungen Urlaub machen, im Sommer in den gutseigenen Pool springen, im Winter die Trüffel des Tricastin entdecken.

Die Weine des Duos sind Vorboten des tiefen Südens. Der Shiraz verabschiedet sich, die Grenache übernimmt. So auch bei den „Caprices“, wo sie 70 Prozent im Cuvée stellt. Das drückt den Alkhoholgehalt hoch (14 Vol %), macht den Wein schön erdig, kraftvoll – und bewahrt die Aromen dunkler Beerenfrüchte.

Tipp 1

Bester Wein des Hauses aus den Lagen bei Grignan ist der mehrfach prämierte tropfen Secret de Terroir, und ein Geheimnis des Bodens birgt es wirklich, dieses genussvolle Gleichgewicht aus Grenache und Syrah, das Nase, Gaumen, die ganzen Sinne begeistert. Gold gab’s dafür in Paris.

Tipp 2

Und das zu Recht, wie ich bei den Découvertes du Vallée de la Rhône kosten durfte. Vom 15.-18.  April 2019 könnt ihr bei der Weinmesse, die nicht nur in Avignon im Papstpalast residiert, sondern auch tourt, die besten Tropfen des zweitgrößten Weinbaugebietes Frankreichs wieder hautnah mit allen Sinnen entdecken!

Château La Borie, Côtes du Rhône Village 2016

Ebenfalls in der Drôme Provençale sitzt das Château La Borie – und zwar in Suze-la-Rousse, der Heimat von Frankreichs renommiertester Wein-Uni. Dass sie auch für euch einiges anbietet, könnt ihr hier erfahren.

Doch zurück zum Weingut. Es ist eines der wenigen Anwesen der Côtes du Rhône, das den Begriff Château in seinem Namen verwenden darf. Die Weine des Gutes gehören zu zwei Appellationen, den Côtes du Rhône und den Côtes du Rhône Villages.

Der ehemalige Besitz der Prinzen von Orange kam  1963 ebenfalls in den Besitz von Cousins, den  Bories und Margnat. Heute sind Éric und Jérôme Margnat Herrscher über 75 Hektar Weinland, das zwar nicht als „bio“ zertifiziert ist, aber ähnliche Ansätze verfolgt. Ausgebaut wird nicht im Barrique, sondern in Beton, um die Frucht zu betonen.

Das ist auch in meinem Testtropfen zu kosten. Er wurde aus 50 Prozent Grenache, 45 Prozent Syrah und fünf Prozent Mourvèdre zur Abrundung komponiert. Die Nase als erstes Mineral-, Gewürz- und Schokoladendüfte, der Gaumen freut sich über die weichen Tannine und schöne Finesse. Das Finale erinnert an eingemachte Früchte. Ordentlich!

Was passt zu den Tropfen? Tartines vom Tier oder Grünzeug! Das Brot ist selbst gebacken… Foto: Hilke Maunder

Die Begleiter zu den Tropfen

Als Begleiter zu den beiden Weinen hat die PR-Agentur einige leckere Begleitet mit dazu gepackt. Doch: Keine der Köstlichkeiten kam aus dem Anbaugebiet der Weine – oder war im Rhônetal zu finden. Dabei gibt es dort unzählige tolle kleine Manufakturen, Produzenten und Erzeuger. Schade! Einiges passte auch einfach nicht zu den Wein: Rouille? Sie gehört zur Bouillabaisse!

Das richtige Zusammenspiel von Essen und Trinken, der „accord mets – vins“ ist in Frankreich eine Glaubensfrage, entfesselt stundenlange Gespräche, wird leidenschaftlich geführt – und sogar im Fernsehen übertragen.

Ein wenig bin ich wohl schon Französin geworden, wenn ich mir die Frage stelle, warum Nougat aus Aix-en-Provence mit in der Box liegt, wenn doch der berühmte Nougat aus Montélimar direkt im Anbaugebiet der Weine im Einklang mit der Tradition vor Ort handwerklich hergestellt wird.

Tierische Tartines

Wie auch die dunklen Schokoladen von Valrhona aus Tain-l’Hermitage aus der nördlichen Rhône, der Heimat des Shiraz von berühmten Kellern wie Cave de Tain, Maison M. Chapoutier oder Paul Jaboulet Ainé. Oder all die schönen Öle, Pâtes und Aufstriche, die ihr im Rhône-Tal bei aix & terra findet.

Doch ich will nicht päpstlicher sein als der Papst, und ein paar Leckereien waren wirklich darunter. Dazu zählen die Pâté de Lapin von der Ferme du Colombier, die – ihr ahnt es schon – nicht eine reine Kaninchen-Pâté ist, sondern zu 80 Prozent aus Schweinefleisch besteht.

Denn hergestellt und verpackt wird alles von einem Bauernhof in Lothringen, der in Villotte-sur-Aire seit 1984 seine Tiere aufzieht und verarbeitet. 900 Schweine steht dort im Stall, darunter auch 100 trächtige Sauen. Die Paté de Lapin birgt daher auch nur 20 Prozent Kaninchen in einem Mix, der auch Eier und Milch enthält.

Ebenfalls von diesem Hof mit dabei war eine Terrine de Boudin aux Pommes – „Himmel und Erde“ als Aufstrich im Glas. Überaus lecker!

Von Jean Larnaudie war eine Terrine de Campagne au Piment d’Espelette dabei. Larnaudie stellt in Figeac (Nouvelle-Aquitaine) seit 1951 Foie Gras her. Und packt Terrinen wie diese ins Glas. Sie alle tragen das Label Rouge, das höchste Qualität garantiert.

Verarbeitet wurden für die Terrine vom Lande der Schlund und die Leber vom Schwein. Verdickt wurde der Brotaufstrich ganz natürlich mit Maniok, gewürzt mit dem schärfsten Chile Frankreichs. Kurzum, ein köstlicher Gegenspieler zum kräftigen Roten.

Zwiebel-Confit? Selber machen!

Leider völlig übersüsst und viel zu flüssig war die Confiture d’Oignons du Piment d’Espelette von Biper Ona Espelette. Inhaber Dominique Pocorena hatte eine tolle Idee, den Zwiebel und Chili passen eigentlich top zusammen. Nur der Mix ist noch nicht gelungen, Bitte daher einmal neu kochen: mit halb so viel Zucker, weniger Wasser und mehr Piment. Merci!

❤  Zwiebelkonfitüre: das Rezept

Ihr könnt eine Zwiebelkonfitüre auch daheim schnell zubereiten.  Nehmt rote oder weiße Zwiebeln, schneidet sie in Ringe, bratet sie in Öl glasig, und fügt etwas Zucker, Salz und Pfeffer sowie ganze Chilischoten hinzu. Das Ganze abgedeckt (Deckel so auflegen, dass Wasserdampf entweichen kann) bei mittlerer bis starker Hitze schmoren, bis Zwiebeln fast zerfallen sind und der Zucker leicht karamellisiert.

In Twist-Off-Gläser füllen, umgedreht hinstellen zum Luftentweichen und Versiegeln und zwei Wochen durchziehen lassen Dann schmeckt der Zwiebelmix am besten!

Grüne Begleiter

Aus Saint-Rémy-de-Provence, und damit recht nahe am Anbaugebiet, stammte das Glas mit Caviar d’Aubergine der Moulin de Calanquet. Anne und Gilles Brun betreiben dort eine Olivenmühle, stellen dort feinste Olivenöle und Tapenaden her – und verarbeitet andere Früchte und Gemüse zu typisch provenzalischen Brotaufstrichen.

Dazu gehört neben dem Pistou auch Auberginenkaviar. Dazu wird die Haut abgezogen, das Fleisch feinst zermahlen, mit Kräutern gewürzt und etwas Olivenöl versehen. Der zartgrüne Aufstrich ist ein beliebter Begleiter zum Apéro. Franzosen streichen ihn dazu auf dünne Scheiben frisch getoasteten Baguettes. Bon Appétit. Santé! Prost!

Côtes du Rhône: Weiterlesen

Im Blog

Die Weine der südlichen Côtes du Rhône habe ich hier vorgestellt.

Die schönsten Tropfen der nördlichen Côtes du Rhône findet ihr hier.

Im Buch

Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Provence

In meinem DuMont-Bildatlas „Provence* stelle ich in sechs Kapiteln zwischen Arles und Sisteron die vielen Facetten der Provence vor. Ihr erfahrt etwas vom jungen Flair zu Füßen des Malerberges, vom Weltstadttrubel an der Malerküste, dem weißen Gold aus der Pfanne oder einer Bergwelt voller Falten.

Specials und Themenseiten verraten euch, welche großen Probleme der Lavendel hat, wo ihr Slow Food genießen – oder ihr ganz aktiv das Sonnenreich im Süden erleben könnt.

Zum Beispiel beim Mountainbiken, Malen, Paddeln, Wandern oder Wildbaden. Hinzu kommen Serviceseiten mit allen Infos, persönlichen Tipps und großer Reisekarte. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

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Offenlegung

Die beschriebenen Produkte erhielt ich kostenlos von einer PR-Agentur Dafür „merci“ und ganz dicken Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv und kritisch, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising, lehne bezahlte Beiträge ab –  und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

Merci für's Teilen!

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