Labouiche: Schippern unter Tage

Unterwegs unter Tage - auf der Labouiche könnte ihr durch eine faszinierende Karstwelt schippern! Foto: Hilke Maunder
Unterwegs unter Tage - auf der Labouiche könnte ihr durch eine faszinierende Karstwelt schippern! Foto: Hilke Maunder

200 Stufen auf eine engen Wendeltreppe führen zum Anleger. 50 Meter unter Tage beginnt Sébastien nordwestlich von Foix (Ariège) seinen sportlichen wie ungewöhnlichen Arbeitsalltag. Mit beiden Armen zieht er entlang eines Edelstahlstrangs Ausflügler über den längsten schiffbaren Fluss Europas im Kalkstein der Montagnes du Plantaurel.

Sébastien bei der Arbeit. Foto: Hilke Maunder
Sébastien bei der Arbeit. Foto: Hilke Maunder

„Ducken“, ruft er plötzlich, und alle legen die Arme schützend über den Kopf und beugen sich tief. Nur wenige Zentimeter trennen die Tropfsteinfalte vom Haupthaar. 900.000 Jahre lang haben die Wasserläufe Labouiche und Fajal ein Wunderland aus Stein geschaffen.

Der Anleger. Bis zu 17 Boote sind auf dem Fluss unterwegs. Foto: Hilke Maunder
Der Anleger. Bis zu 17 Boote sind auf dem Fluss unterwegs. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Bereits 1905 erforschte es Dunac. Zur Touristenattraktion wurde das Höhlensystem 1935.  Gemeinsam mit  Crémadells, Norbert Casteret und Joseph Delteil entdeckte Paul Salette insgesamt 3800 Meter der Höhlenwelt, bis sie auf einen zweiten Siphon stießen, der scheinbar unüberwindbar war.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Paul Salette jedoch erkannte das wirtschaftliche Potenzial und gründet eine Pachtgesellschaft für die touristische Nutzung der Höhle. Sie sorgte für die Elektrifizierung, den Bau von Treppen und Anleger und die Verlegung der Treidelkabel. Seit 1938 führen ihre Guides de la Rivière Souterraine de Labouiche durch das Naturwunder.

Aufgestaut mit Schleusen

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Zwei Wehre stauen den unterirdischen Fluss und sorgen dafür, dass der Wasserspiegel konstant bleibt. Zweimal wird daher umgestiegen. Zwölf Grad warm ist die Luft, elf Grad das klare Wasser.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Anderthalb Stunden dauert der Törn unter Tage. Bei der 1,5 km langen Kahnfahrt kommt ihr durch hohe, mal niedrige, mal beleuchtete, mal absichtlich dunkel gelassene Stollen. 17 Schiffe sind in der Hochsaison dort unterwegs.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Damit sie sich ausweichen können, beginnen die Touren an beiden Enden des schiffbaren Abschnitts – am Wendeltreppen-Anleger und am natürlichen Eingang der Grotte.

Fantasievolle Felsen

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Weiß, schwarz und in Ockerfarben von Zartgelb über Sonnengold bis Rotbraun leuchtet der Kalk im Licht der Lampe. Strahler setzen besonders schön Stalaktiten und Stalagmiten in Szene. Manche Steine erinnern an Tiere, andere an exotische Blumen. Mit etwas Fantasie lässt sich sogar das Antlitz einer Hexe erkennen.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Langsam wird das leise Plätschern lauter, wächst an – und wird schließlich so tosend, dass es die Stimme des guide übertönt. Vor uns ergießt ein unterirdischer Wasserfall über einen glatt polierten Stein.

Der Wasserfall der Labouiche. Foto: HIlke Maunder
Der Wasserfall der Labouiche. Foto: HIlke Maunder

Die Rivière souterraine de Labouiche: meine Reisetipps

Ansehen

In diesem Häuschen findet ihr Kasse, Boutique und Toiletten. Foto: Hilke Maunder
In diesem Häuschen findet ihr Kasse, Boutique und Toiletten. Foto: Hilke Maunder

Rivière souterraine de Labouiche

09000 Baulou, Tel. 05 61 65 04 11, www.labouiche.com; geöffnet: 1. April – Mitte November, Mo. geschl.

Bitte achtet unbedingt darauf, an welchem Eingang eure Tour beginnt! Es gibt zwei Eingänge.

Der künstliche angelegte Eingang zum unterirdischen Fluss Labouiche. Foto: Hilke Maunder
Der künstlich angelegte Eingang zum unterirdischen Fluss Labouiche. Foto: Hilke Maunder
Der natürliche Eingang zum Fluss. Foto: Hilke Maunder
Der natürliche Eingang zum Fluss. Foto: Hilke Maunder

Schlemmen und genießen

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Zum Komplex gehört eine einfache Gaststätte mit Tischen drinnen und draußen. Für alle, die lieber picknicken, gibt es einen schattigen Picknickplatz.

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Im Blog

13 Kilometer südöstlich findet ihr die Hauptstadt des Départements Ariège. Ihr Wahrzeichen ist eine imposante Burg. Entdeckt Foix in diesem Beitrag.

Postkarte aus … Foix an der Ariège

 

Im Buch

Secret Citys Frankreich*

Gemeinsam mit meinem geschätzten Kollegen Klaus Simon stelle ich in diesem Band 60 Orte in Frankreich vor, die echte Perlen abseits des touristischen Mainstreams sind. Le Malzieu in der Lozère, Langogne im Massif Central, aber auch Dax, das den meisten wohl nur als Kurort bekannt ist.

Mit dabei sind auch Sens, eine filmreife Stadt im Norden von Frankreich, und viele andere tolle Destinationen. Frankreich für Kenner  – und Neugierige!

Lasst euch zu neuen Entdeckungen inspirieren … oder träumt euch dorthin beim Blättern im Sessel oder am Kamin. Wer mag, kann das Lesebuch mit schönen Bildern hier* bestellen.

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2 Kommentare

  1. Danke für den Bericht! Wir haben bei unserem Besuch die Höhle am natürlichen Eingang betreten. Allerdings sahen wir weder den Wasserfall noch wurde dabei umgestiegen. Kann es sein, dass es kürzere und längere Fahrten gibt?

    • Hallo, auch bei Touren mit Eingang durch die natürliche Höhle wird 2x umgestiegen. Allerdings kommt es bei der Hochsaison vor, dass jeder Führer nur sein Revier befährt, sprich, mit jedem Bootswechsel hast Du einen neuen Führer. Die Wehre halten den Wasserstand stabil, dadurch finden immer nur vollständige Fahrten statt – und niemals kürzere oder längere. Ich hatte bei diesem Punkt den Direktor der Anlage befragt, weil ich mich fragte, wie es funktioniert bei langen Trockenperioden oder viel Regen. Viele Grüße, Hilke

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