Mein Frankreich: Uwe Mewes
„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal verrät es Uwe Mewes.
Über sich sagt er: Ich bin ein 69-jähriger Buchhalter in Rente, seit 35 Jahren verheiratet und leidenschaftlich mit dem Starkstrom-Rad unterwegs – am liebsten in Frankreich.
In 1970, wo alles begann: beim Schüleraustausch Wuppertal–Lorient. Da landete ein schüchterner 14-jähriger Wuppertaler Schüler in einer lustigen bretonischen Familie, die ihn herzlich aufnahm, also „adoptierte“. Bei einer Familie mit drei Kindern fiel einer mehr nicht weiter auf. Ich lernte also fleißig Schimpfworte, las leidenschaftlich die Astérix-Hefte meines corres (=Korrespondenten) Patrick und übernahm die Regeln, die auch in einem französischen Familienleben unerlässlich waren.
Somit wusste ich schon frühzeitig, was man in Frankreich tut und was nicht. In einem späteren Austausch-Aufenthalt in Lorient lernte ich dann den sogenannten pot d’adieu (= Abschiedstrunk) kennen, der wie viele andere pots mit einem ausgiebigen Abendessen unterlegt wird.
Allerdings darf hier der zu Verabschiedende zahlreiche Alkoholika aller möglichen Couleur probieren, begleitet von humorvollen Erklärungen und Erfahrungsberichten der übrigen Gäste. Somit hatte ich in der letzten Nacht mit einem heftig rotierenden Bett zu kämpfen und das Zugabteil schien auf der Heimfahrt stärker als üblich zu schlingern.

In späteren Jahren folgten Urlaube in unterschiedlichen Regionen Frankreichs. Jede neue Entdeckung hatte mich damals fasziniert, daher habe ich bis heute keinen absoluten Favoriten.
Ende der 1980er-Jahre arbeitete ich als Buchhalter in zwei unterschiedlichen deutschen Dependancen von französischen Firmen (die bekannteste war Chantelle Paris), wodurch mein gesprochenes Französisch einen kräftigen Schub erfuhr. Gleichzeitig entdeckte ich in Hilden einen Französisch-Gesprächskreis, für den ich seit 2006 die Pressearbeit und Moderation übernehme.
Wir sind eine bunt gemischte Runde mit unterschiedlichem Hintergrund, aus unterschiedlichen Nationen, mit unterschiedlichen Sprach-Levels, und unterschiedlichem Humor, aber wir teilen die Begeisterung für die französische Sprache und alles was damit zusammenhängt. Jeder kann teilnehmen! Es freut mich besonders, dass ich ein wenig wie ein französischer Botschafter in deutschen Landen tätig sein kann.
Seit 2023 bereise ich Frankreich mit meinem E-Bike. Im Land der Tour de France genießt man als Radfahrer immer noch ein höheres Ansehen als in vielen anderen europäischen Ländern. Ich meide allerdings die Großstädte, wo es mir einfach zu hektisch zugeht.

Ausnahme: Angoulême. Die Stadt des Zeichentricks, wo selbst Mülleimer mit Cartoons verschönert werden. Dort hatte ich auch Gelegenheit zu einem netten Gespräch mit einer Malerin und konnte das Entstehen einer Hauswandmalerei miterleben. Es gibt dort ein absolut sehenswertes Museum für Zeichentrick, wo man die ganze Bandbreite der bande dessinée erfahren kann. Dieses Medium ist u. a. für die Wissensvermittlung in Frankreich unerlässlich. Und zur Entspannung – natürlich Astérix!
Auf meinen Radreisen fotografiere ich auch gern die Natur und ebenso originelle Sachen, wie zum Beispiel die kleinen Menhire am Strand (natürlich in der Bretagne) oder die „Stütze für ein schnelles Internet“, was den allgegenwärtigen Sinn fürs Praktische beweist.

Besonders wertvoll finde ich die Begegnungen. Zufall? Bestimmt nicht! In Marcigny hörte ich in meinem Quartier unverkennbar Drehorgelklänge aus dem Lautsprecher. Es stellte sich heraus, dass meine Wirtsleute eine original deutsche Drehorgel besitzen, mit der sie bei Veranstaltungen auftreten (die „Dominos“). Da haben wir den anderen Gästen spontan ein Frühstückskonzert mit live gesungenen Liedern von Édith Piaf geboten.

Manche Gastgeber von chambres d’hôtes wurden zu Freunden. So auch Familie Bouin von der Ferme de la Borde an der Loire, die seit den 1990er-Jahren ihre Zimmer über das Portal Gîtes de France vermieten. Mireille ist stolz auf ihren Rosengarten, den sie mit Hingabe pflegt. Ihr Wintergarten gleicht eher einer perfekt sortierten Tourist-Info, und abends sitzt man zusammen an der table d’hôtes bei Wein und einem leckeren Menü bei gut gelaunten Gesprächen.

Ich fuhr also in 2023 meine persönliche Tour de France über die Normandie, Bretagne und ein langes Stück an der Loire entlang, weiter in Richtung Mont Ventoux. Dieser Berg zieht mich seither magisch an. Ich sehe den Gipfel im Sonnenlicht liegen – und muss einfach da hoch! Es ist natürlich selbst mit dem E-Bike sehr anstrengend, und ich beäuge ängstlich ständig den Füllstand des Akkus, den man nur durch mehr Muskelkraft positiv beeinflussen kann. Aber am Gipfel gibt es einen freundlichen Kiosk, wo ich meinen leeren Akku ein wenig nachladen darf.

Am Fuße des Ventoux gibt es ein originelles château, welches auch Zimmer vermietet. Es ist eher eine mittelalterliche Burg, auf der es eher provenzalisch-gemütlich und nicht nobel-gediegen zugeht. Die „Chefin“ heißt hier „Maman“ und bewirtet die Gäste mit ihrer persönlichen und umweltbewussten Note. Sie ist Imkerin und Mutter von sieben Kindern. Die meisten arbeiten im Château de la Gabelle mit. Maman Marguerite, ihre Tochter Isabelle und den Golden Retriever Porthos habe ich ebenfalls in mein Herz geschlossen.

Nun habe ich begonnen, meine Radreisen auch in Deutschland weiter publik zu machen, und zwar als Foto-Reisevortrag, gewürzt mit der einen oder anderen Anekdote oder mit weitergehenden Erklärungen. Im Oktober/November 2025 wird es weitere Vorträge in Solingen und Düsseldorf geben. Solche Vorträge habe ich bereits in verschiedenen Stadtbüchereien durchgeführt, aber auch in einem kleineren Kreis an der Loire und im Château La Gabelle (natürlich auf Französisch). Es ergaben sich dort ganz andere Fragen als in Deutschland, aber man hatte immer an den richtigen Stellen gelacht.
Für die Zukunft gilt: Die Begeisterung geht weiter! Ich möchte hauptsächlich weiter den Süden, also die Pyrenäen und die Provence erkunden, es gibt dort noch vieles zu entdecken. Und schließlich möchte ich in Frankreich natürlich die immer größer werdende Zahl von Freunden besuchen, um diese Freundschaften auch weiterhin zu pflegen.

Der Beitrag von Uwe Mewes ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ihr wollt mitmachen? Dann denkt bitte daran:
- Keine PDFs.
- Text: per Mail in Word, Open Office oder per Mail. Denkt daran, euch mit ein, zwei Sätzen persönlich vorzustellen.
- Fotos: Bitte schickt nur eigene Bilder und jene möglichst im Querformat und immer in Originalgröße. Sendet sie gebündelt mit www.WeTransfer.com (kostenlos & top!) – oder EINZELN ! – per Mail. Bitte denkt an ein Foto von euch – als Beitragsbild muss dies ein Querformat sein.
- Ganz wichtig: Euer Beitrag darf noch nicht woanders im Netz stehen. Double content straft Google rigoros ab. Danke für euer Verständnis.
- Vor der Veröffentlichung erhaltet ihr euren Beitrag zur Voransicht für etwaige Korrekturen oder Ergänzungen. Erst, wenn ihr zufrieden seid, plane ich ihn für eine Veröffentlichung ein. Merci !
Ich freue mich auf eure Beiträge! Alle bisherigen Artikel dieser Reihe findet ihr hier.
