Vive les vacances: endlich Ferien!

Blick auf Sète mit Strand und Mont Saint-Clair
Blick auf Sète mit Strand und Mont Saint-Clair
Blick auf Sète mit Strand und Mont Saint-Clair

En France, les grandes vacances commencent le 1 juillet…“

So stand es in Études Françaises, meinem orangefarbenem Lehrbuch aus der Quarta, mit dem ich – im Schlepptau von Monsieur Leroc, Madame Leroc, der Tochter Monique, ihrem Bruder Daniel und Freunden – nicht nur Französisch, sondern auch das Land lieben lernte. Die großen Einheit-Ferien gibt es nicht längst nicht mehr. Auch la douce France macht längst nach Zonen Urlaub. Hier sind sie vorgestellt.

Achtung, Autofahrer!

Ferienzeit bedeutet in Frankreich immer: viel Verkehr. Die Presse wetteifert dann geradezu darum, den längsten Superstau vorzustellen. Auf 972 km Länge addierten sie sich am 8. 8. 2015 – der bislang ungeschlagene Rekord für einen Ferientag in Frankreich. Doch es gibt Auswege: die wunderschönen Départementstraßen – mautfrei, idyllisch und garantiert auch zu Ferienzeiten bis auf wenige Ausnahmen nicht überlastet.

Wo der Verkehr rollt – oder sich ballt – verrät in Echtzeit Le Bison Futé. Besser als Google Maps oder Karten führt euch die App Waze durch das Land. Radarwarn-Apps wie Blitzer.de oder iCoyote, die vor Polizeikontrollen warnen, sind in Frankreich verboten. Navis mit Blitzer-Warnungen werden in Form von Points of Interest geduldet.

Umweltplakette

Nach den Großstädten Paris, Grenoble, Lille, Strasbourg, Lyon und Toulouse haben  auch zahlreiche Départements, darunter Gers, Savoie, Haute-Savoie, Maine-et-Loire, Vendée, Eur-et-Loire sowie der Loiret mit Orléans Umweltzonen eingerichtet, in denen die Crit’Air-Vignette Pflicht ist. Alle Infos zur französischen Umweltplakette findet ihr hier.

Tempo 80

Achtung: Ab 1. Juli 2018  gilt auf Frankreichs Landstraßen ohne Fahrbahntrennung in der Mitte künftig Tempo 80. Davon sind 400.000 Straßenkilometer im Hexagon betroffen –  fast alle Routes Départementales und sehr viele Routes Nationales. Gehofft wird, die hohe Zahl der Todesopfer so zu reduzieren. 2017 starben 5.109 Menschen auf Frankreichs Landstraßen. Zweidrittel von ihnen waren Männer. Wer 90 statt 80 fährt, riskiert ein Bußgeld von 98 Euro und einen Punkt.

Parken

Zahlreiche Städte und Ausflugsziele haben ihr Parkgebühren deutlich angehoben und die Kontrollen verstärkt. Ebenfalls deutlich angehoben wurden die Bußgelder für Falschparker – hier sind sie aufgelistet. Frankreich bewertet das Falschparken in vier Klassen.

Bip & Go-Spur. Foto: ATOUT France

Entspannt in die Ferien

Schlange stehen, Mautticket suchen, Bargeld oder EC-Karte heraus kramen: Das war einmal. Fahrt lieber mit Tempo 30 durch die Péages, die Mautstellen auf den französischen Autobahnen. Möglich machen es die elektronische Mautbox  liber-t, die von Bip&Go und tolltickets nicht nur für Franzosen, sondern für alle  EU-Bürger angeboten wird. Bip&Go ist eine Tochtergesellschaft der großen französischen Autobahngesellschaft sanef.

Liber-t funktioniert auf allen Autobahnen Frankreichs unabhängig vom jeweiligen Betreiber. Die Funktionsweise ist hierbei recht simpel: die Plakette wird automatisch an der Einfahrt und der Ausfahrt der Autobahn erkannt und speichert die Strecken und Gebühren. Die Mautkosten werden anschließend von dem Bankkonto abgezogen, das ihr bei eurer Registrierung angegeben habt.

Anmelden könnt ihr euch online auf den deutschsprachigen Webseiten der beiden Betreiber.  Die elektronische Maut-Plakette gibt es in zwei Ausführungen. Wer mindestens einmal im Monat mautpflichtige Autobahnen benutzt, fährt am besten mit einem Jahresabo. Reist man nur ein paar Mal pro Jahr durch Frankreich, bietet sich das A-la-Carte-Modell an. Dann zahlt ihr das Abo nur in den Monaten, in denen die Plakette auch genutzt wird. 

Ferien-Feeling? Reinhören!

• Voyage, voyage – der Hit von Desireless von 1987 wurde 2009 erfolgreich von der belgischen Sängerin Kate Ryan adaptiert.

• Les vacances au bord de la mer – Mit diesem Titel stieg Michel Janosz  in die erste Liga französischer Chansonniers auf.

• Vive les vacances – das humorvolle Sommerlied auf Staus und leere Sonnenmilch trällerte Dorothée 1985 – und stürmte damit die Charts.

• On ira tous au paradis – Eric Bousquet, Chef der Werbeagentur Business, nutzte 2008 die Bekanntheit des Hits von Michel Polnareff, um daraus für die Region einen Werbesong zu kreieren: „Nous irons tous en Aveyron“.

Kinoreife Ferien

Auch „Les Vacances de Monsieur Hulot“ von Jacques Tati aus dem Jahr 1953 gehört für meinen Französischlehrer in den 1970er-Jahren zum Curriculum, und bis heute ist der Schwarzweißklassiker Kult unter Cineasten. Diesen Status schaffte dank meiner Tochter auch ein zweiter Film: Camping

5,5 Millionen Menschen sahen die Komödie im Sommer 2006 – trotz Fußball-WM. Ort der Handlung ist der Campingplatz “Les flots bleus” bei ArcachonDort verläuft der traditionelle Sommerurlaub ganz anders als geplant. Nicht nur, dass Jacky Pic (Claude Brasseur) und seine Frau durch einen Computerfehler auf ihren angestammten Stellplatz verzichten muss und er mit allen Mitteln versucht, ihn wiederzugewinnen…dann taucht auch noch der elitäre Pariser Schönheitschirurg Michel Saint Josse (Gérard Lanvin) mit seiner Tochter auf  und muss – alle Hotels sind zur Hochsaison belegt – das Zelt mit Patrick Franck Dubosc) teilen.

Es wird geflirtet und gezankt, getrunken und getanzt, das Leben himmelhochjauchzend wie todtraurig erlebt – und immer wieder herzlich gelacht. Eine erfrischende Sommerkomödie, eben, die gekonnt auch nachdenkliche Momente integriert und und mit einem Lächeln auflöst. Nach Camping 2 folgte 2015 Camping 3. Ob es auch Camping 4 geben wird? Ich bin gespannt!

Ich wünsche euch eine wunderschöne Ferien- und Sommerzeit. Wenn ihr in Frankreich unterwegs sein solltet, verfasst doch gerne einmal einen Gastbeitrag und stellt euer Urlaubsgebiet auf MeinFrankreich.com vor. Dafür sage ich schon jetzt: danke und merci! Bonnes vacances! Hilke

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