Val Thorens: Ski? Genuss, Kicks & Zen!


Aus La Belle en Cuisse duftet würzig-deftig. Im kleinen Schlemmershop von Anne Daupeyroux stapeln sich Spezialitäten der Region: Geräucherte Würste und Schinken vom Hirsch, Reh, Wildschwein und Bison, würzige Bergkäse wie Beaufort und Abondance, getrocknete Kräuter, Konfitüren aus Bergbeeren, hochprozentige Obstler und aromatisierte Öle.

Ihr Delikatessenladen versteckt sich nicht in einem charmanten Städtchen im Tale, sondern im höchstgelegenen Skiort Europas – in Val Thorens, wo jede Skisaison in Frankreich beginnt und endet. 2013 und 2014 wurde Val Tho‘ zum besten Skiort der Welt gewählt.

Skigebiet der Superlative

Nach drei Tagen mit Schneefall und stürmischen Winden reißt der Himmel über Val Thorens auf, und das Nebelloch im Hochgebirge präsentiert sich als Weiß glitzernde Perle, umgeben von sechs Gletschern und acht Dreitausendern. 29 Lifte schwingen sich die tief verschneiten Hänge hinauf und erschließen zwischen der Épaule du Bouchet (3.230 m) und dem Plan de l’Eau (1.800 m) ein baumfreies Terrain, das süchtig macht und selbst gesetzten Skifahrern plötzliche Juchzer entlockt.

„Wow“, entfährt es einer englischen Studentengruppe an der Cime de Caron, wo 1.000 französische, italienische und Schweizer Bergspitzen den 3.2000 m hohen Gipfel umzingeln und frisch präparierte Pisten über 900 Höhenmeter Richtung Orelle oder zurück nach „Val Tho“ führen.

Hotspot der Boarder

Alljährlich Anfang Dezember wird die höchstgelegene Skistation Europas zum „Superspot“ der Schneesurfer. Während der Ski-Boarderweek feiern mehr als 15.000 Rider bei Pro-Contests, Konzerten und Parties den Auftakt der Snowboardsaison und testen die neuen Modelle.

„Komm nach, wenn Du kannst“, sagt Julien an der Bergstation des Péclet, beugt sich in die Falllinie, schießt im Schuss von der Piste ins offene Gelände und carvt in weiten Schwüngen durch den Pulverschnee. Auf einem Buckel reißt er sein Board hoch, dreht sich um die eigene Achse, und surft bereits wieder durch den Schnee, der bei jedem Slide pulverfein stobt. Als Skifahrer mit diesem Tempo mitzuhalten, ist nahezu unmöglich. Den Walkman im Ohr, wartet Julien am Lift. „Bleiben wir lieber auf den Pisten“.
Val Thorens, ein wahres Schneeloch der französischen Alpen

78 Pistenträume

Acht schwarze, 30 rote, 29 blaue und elf grüne Pisten mit insgesamt 150 Kilometer Länge erschließt der Skipass Val Thorens – Orelle mit 32 Liften, stolze 600 Kilometer der Liftpass der Trois Vallées. Je höher gelegen, desto schwieriger sind die Abfahrten. Schneeschuhwandern und Wedel-Fun verbindet eine Tour auf den Gletscher Le Gébroulaz (3.500 m), die mit einem Aufstieg am Col de Thorens beginnt – und in einer 22 km langen Abfahrt endet.

Wedel-Cracks können an der Slalomstrecke Yannnick Richard ihre Zeit messen, Freestyler über den Sessellift Deux Lacs den Snowpark erreichen, der neben einer Half Pipe mit 115 m Länge Rails, Big Air, Hip und Snowboard Cross bietet. Wenig weiter wagt der Nachwuchs erste Schwünge: Tafeln mit Tieren und Rätsel begleiten die einen Kilometer lange Piste der „Espace Junior“.

Die SETAM, Betreiberin der Liftanlagen von Val Thorens, hat zur Skisaison 2017/18 14 Millionen Euro investiert und den Sessellift von Moraine durch eine Gondelbahn ersetzt. An einem Skispot, der bei Skifahrern aller Könnensstufen sehr beliebt ist, verkehren jetzt Kabinen mit je zehn  Sitzplätzen

Der Flying Fox von Val Thorens

High Five auf der Funslope

Neu zur Saison 2015/16 hinzu kam die Funslope von Val Thorens. Auf 900 Metern könnt ihr durch kurvige Pistenabschnitte, Tunnel, über Rampen, kleine Sprungschanzen fahren und am Ende mit einem High-Five bei einer Puppe abklatschen. Die Abfahrt dauert etwa drei Minuten und verfügt über 50 Hindernisse. Ein Heidenspaß – besonders für die Kids!

Wie auch die Méga-Tyrolienne, weltweit höchstgelegene Flying-Fox-Anlage. 1300 m lang misst ihr Seil. Das sind 1 Minute und 45 Sekunden reines Vergnügen mit bis zu 100 km/h, Panoramaaussicht inklusive. I’m flying…! Noch mehr Kicks gefällig? Mountainbiken im Schnee, die Winter-Segways, das Skicross-Stadium, das Eistauchen im Lou… und dann auf Kikon-Liegestühlen chillen und den Dancefloor unter freiem Himmel genießen – täglich von 17 bis 19 Uhr auf der Place Caron.
F/Savoie/Ski/Val Thorens: OT Balcons; Ferienwohnungen im Chalet-Stil.

Ski in, ski out

Erst an den Haustüren der Hotels, Chalets und Apartmentstürmen enden die Skiwege. Als Val Thorens 1972 auf 2.300 Meter Höhe entstand, wurde alles getan, um dem Skifahrer das Leben zu erleichtern. Fahrzeuge wurden in Parkhäuser verbannt, Einkaufspassagen und Galerien zum Wetter unabhängigen Schlendern und Shopping angelegt, Unterkünfte nahe der Lifte gestapelt.

Seit einigen Jahren hat ein Umdenken eingesetzt. Statt Funktionalität ist heute alpenländische Gemütlichkeit angesagt. Frühere Betonbauten wurden mit Holz und Stein verkleidet, Neubauten müssen im Chalet-Stil erfolgen. Oder temporär sein wie beiden Iglu-Pods, die das Hôtel Pashima auf sein Dach gestellt hat.
Schlafen im Iglu oder Pod: Auch das ist möglich in Val Thorens

Drei Täler

Sechs Übergänge verbinden Val Thorens mit den Abfahrten von Méribel. Von dort geht es über den Col de la Loze (2.274 m) und den Gipfel des Saulire (2.738 m) weiter bis nach Courchevel. Die drei Täler, durch parallele Bergkämme getrennt, bilden Les Trois Vallées  das – so die Eigenwerbung – „größte Skigebiet der Welt“. Seine Dimensionen sind gigantisch – und in einem Skiurlaub nicht zu bewältigen: An 25 Bergen erschließen 183 Bahnen und Lifte 600 km Piste in 1.300 bis 3.230 m Höhe – und ein unermessliches Tiefschnee-Terrain.

Garantiert schneesicher

Immer wieder ragen längliche, graue Rohre aus der Schnee: Mit diesen Gaz-ex-Einheiten, mehr als 50 an der Zahl, können Lawinen im baumfreien Gelände rund um Val Thorens per Knopfdruck aus der Ferne gesprengt. 13 Pistenraupen bringen die Abfahrten in Bestform – ein Service, den sich Val Thorens Nacht für Nacht Zehntausende Euro kosten lässt.

Wo der Wind die Schneemassen fortgeweht hat, helfen vor Ort 245, im Großraum 1.500 Schneekanonen nach. Sobald im Herbst die ersten Flocken fallen, macht sich die 500-Einwohner-Stadt für den Ansturm der Wintersportler bereit: Von November bis Mai dauert die Saison – Val Thorens ist der Skiort, mit dem das Skivergnügen in Frankreich beginnt und endet.

F_Val Thorens_3©Hilke Maunder

Adrenalinkicks abseits der Piste

Auch jenseits der Piste lockt Val Thorens mit Superlativen. Die präparierte Piste „Le Toboggan“, an der nur Schlitten der Liftgesellschaft SETAM zugelassen sind, ist mit sechs Kilometern die längste Rodelbahn Frankreichs. Das rasante Vergnügen beginnt an der Bergstation des Funitel Péclet.

Die Eistürme des Péclet-Gletschers stets im Blick, saust der Schlitten durch verdeckte Senken und enge Kurven, über steile Hänge und gerade Strecken, auf denen die Kufen immer mehr an Tempo gewinnen – erst nach 45 Minuten endet der Spaß.

Als größte überdachte Sportanlage der Alpen rühmt sich das Centre Sportif, ein bis 22 Uhr betriebsames Quartett aus Aquaclub, Indoorspielplatz, Sporthalle und Wellnesscenter in der Galerie de Caron. Ein See unterhalb des Ortes bildet im Winter Europas höchsten Rundkurs – und zwei Jahrzehnten den eisigen Parcours für das Auto- und Motorradrennen „Trophée Andros“ Anfang Dezember.

Im Winter 2017/18 könnt ihr jetzt vier legendäre Auto-Modelle, die ihre Glanzzeit in den 1980-90er-Jahren hatten, auf der Rundstrecke mit speziell entwickelten Reifen aus dem Eis fahren.Wichtig: Jeder, der sich hinter das Steuer sitzt, wird von einem professionellen Guide begleitet.

Savoyen_valthorens_LSki_Statione_©Hilke Maunder

Frankreichs höchste Sterneküche

Einsame Spitze ist auch die Gastronomie. Im Michelin-Führer 2017 hat Chefkoch Josselin Jeanblanc vom Restaurant Les Explorateurs des Hotels „Pashmina“ einen Stern erhalten. Freut euch auf eine Reise für alle Sinnen – nicht nur die Küche, sondern auch das Dekor wurde von den fgroßen historischen Expeditionen im Hochgebirge inspiriert.

Der virtuose Jean Sulpice, der mit dem Oxalys die ersten Michelinesterne nach Val Thorens geholt hatte, steht heute im eigenen Hotel am Herd – in der traditionsreichen Auberge du Père Bise (1903) am Lac d’Annecy.

Savoyardische Spitzenküche serviert das Vieux Chalet mit einem Fondue nach Jägerart, das mit Fasan, Reh und Wild serviert wird. La Cabane verwöhnt mit raffinierter Feinschmeckerküche im Ortsteils Les Balcons. Und selbst die Weine, die länger als 20 Jahre in der Höhe gelagert haben, scheinen mir hier den Konkurrenten im Tal überlegen zu sein…

Wundert’s euch da noch, dass Val Thorens bereits drei Mal zum besten Ski-Resort der Welt gekürt und als bestes Ski-Resort Frankreichs mit dem World Travel Awards ausgezeichnet wurde?

Meine Reisetipps

Hinkommen

Auto

mautpflichtige Autobahn A43 bis Albertville, ausgebaute Schnellstraße bis Moûtiers, dann 37 km auf der D117 bis Val Thorens. Pflicht: die kostenpflichtigen Parkhäuser und Parkplätze.

Bahn

TGV-Bahnhof in Moûtiers/Salins-les-Thermes

Flug

Flughäfen in Chambéry (100 km), Genf (153 km) und Lyon (193 km).

Schlafen und Schlemmen

24.466 Gästebetten in gut einem Dutzend Hotels sowie unzähligen „Résidences“, Ferienanlagen. Mir gefallen:

Club Med Sensations Val Thorens, 73440 Val Thorens, Grande Rue, Tel. 04 79 00 04 83, www.clubmed.de
All-inclusive Luxusclub für Sportliche – Kletterwand und Spa sorgen für Abwechslung

Le Fitz Roy, Place de l’Église,73440 Val Thorens, Tel. 04 79 00 04 78, www.hotelfitzroy.com
Stylisches Hotel-Châlet mit fünf Sternen und 33 Zimmern mitten im Zentrum.

Les Chalets du Soleil, Quartiers des Balcons, 73440 Val Thorens, Tel. 04 75 40 80 25, www.chaletsdusoleil.com
36 große, gemütliche Apartments für vier bis 14 Personen; Schwimmbad, Restaurant und „Ferme de Rosalie“.

Chalet des Neiges, Rue du Gébroulaz,73440 Val Thorens, Tel. 04 79 01 09 78, www.chaletsdesneiges.com
18 Apartments mit Kamin; Hallenbad und Sauna.

Oxalys, direkt am Eingang der Station,73440 Val Thorens, Tel. 04 79 00 12 29, www.residence-oxalys.com
25 Appartements und Spabereich am Pistenrand.

Hôtel Le Pashima, Place du Slalom, 73440 Val Thorens, Tel. 04 79 00 09 99, www.hotelpashmina.com
42 Zimmern und Suiten mit 19 bis 70 m², 8 „Cosy Home“ mit 60 bis 155 m²,  2 Chalet-Wohnungen mit 130 m² und zwei Igloo Pod auf dem Dach.

• die Berghütte des Lou-Sees, La Masse 73440 Saint-Martin-de-Belleville, Tel. 06 12 20 61 44 und 04 79 24 20 81, https://lesmenuires.com. Mitten in den  Skigebieten Val Thorens und Les Menuires liegt diese alte Berghütte. Die Gemeinde Les Bellevilles hat sie zur Saison 2017 mit viele Liebe zur Tradition renoviert. Ihr findet dort 31 Schlafplätze eine Gemeinschaftsküche mit großem, langen Esstisch – und einen Hüttelwart vor Ort. Auch Eistauchen könnt ihr in diesem Tal!

Schlemmer-Shopping

La Belle en Cuisse, Immeuble Arcelle 1, F – 73440 Val Thorens, Tel.  04 79 00 04 30, www.la-belle-en-cuisse.fr

F/Savoie/Winter/Val Thorens: Altes Farmgebäude an der Straße nach Les Menuires; im Hintergrund Pointe de la Masse (2.804 m).

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