In Aramits verrät dieser Dachreiter, was seit Jahrhunderten die Vallée de Barétous prägt: die Wanderweidewirtschaft. Foto: Hilke Maunder

Vallée de Barétous: Hirten und Musketiere

In der Vallée de Barétous, dem westlichsten und kleinsten der drei großen Pyrenäentäler im Béarn, verschmelzen Béarn und Baskenland in einer Landschaft, die bereits auf den ersten Blick vom Übergang erzählt – und als Kulturraum den ältesten europäischen Friedensschluss Jahr für Jahr ganz praktisch lebt.

Am Horizont verabschieden sich die Zentralpyrenäen mit schneefunkelnden Gipfeln. Davor leuchten die kahlen Kuppen der Berge im Morgenlicht. Zwischen Buchen- und Tannenwäldern ziehen sich offene Weideflächen die Hänge hinauf, unterbrochen nur von vereinzelten cayolars, steinernen Hirtenhütten, die seit Generationen Schafe und Schäfer beherbergen.

Offen, weit und wellig schmiegt sich die Vallée de Barétous zwischen die Täler von Aspe und Ossau im Osten und der kleinsten baskischen Provinz, La Soule, im Westen. Am Col de la Pierre Saint-Martin endet Frankreich auf 1.760 Metern Höhe. Dahinter liegt die spanische Comunidad Autónoma de Navarra.

Nur 3.200 Menschen leben hier in der Vallée de Barétous in fünf Gemeinden. Die Ortschaften drängen sich dicht beieinander im Norden des Tales: Aramits, Lanne-en-Barétous, Arette, die fusionierte Großgemeinde Ance-Féas und Issor, das historisch ebenfalls zur Vallée de Barétous gehört. Weiter südlich dominieren einzelne Gehöfte die Landschaft.

Die Architektur erzählt von jahrhundertealter Anpassung an ein raues Klima. Massive Steinmauern tragen Schiefer- und Ziegeldächer, die lauzes. Heller Kalkstein rahmt Türen und Fenster ein – ein Statussymbol wohlhabender Familien, denn das Material musste kilometerweit aus Arudy im Ossau-Tal herangeschafft werden.

Wo sich einst Schäfer bekriegten

Am 13. Juli 1373 endete ein Streit um eine Wasserquelle tödlich. Pierre Sansoler, ein Hirte aus Arette, und Pedro Carrica aus dem  navarresischen Isaba gerieten aneinander. Es ging um die Quelle am Pic d’Arlas, die einzige weit und breit im kargen Kalksteinmassiv. Carrica erschlug Sansoler. Was als Einzeltat begann, entflammte die Täler. Zwei Jahre lang bekriegten sich die Vallée de Barétous und der Valle de Roncal.

Erst 1375 griffen Gaston Fébus von Béarn und Charles II. von Navarra, auch bekannt als der Schlechte ( le Mauvais ) ein. In Ansó, auf aragonischem Boden, trafen sich Gesandte beider Seiten. Der Compromis d’Ansó beendete den Konflikt. Die Barétounais verpflichteten sich, jährlich drei zweijährige Kühe ohne Makel an Roncal zu liefern. Im Gegenzug erhielten sie jährlich 28 Tage Weiderecht ab dem 13. Juli. 300 Tote hatte es laut Überlieferung auf jeder Seite gegeben.

Noch heute versammeln sich am 13. Juli die Bürgermeister der fünf Gemeinden der Vallée de Barétous – Arette, Aramits, Lanne-en-Barétous, Ance-Féas, Issor – und der vier roncalesischen Gemeinden – Garde, Isaba, Urzainqui, Uztárroz – an der Borne 262. Die Franzosen tragen Trikolore-Schärpen, die Navarresen traditionelle Tracht bei diesem Treffen am legendären Grenzstein. Ein Veterinär aus Isaba wählt drei Kühe aus. Dann erklingt dreimal: Pax avant ! – vor allem anderen Frieden! Es ist der älteste noch gültige Friedensvertrag Europas.

Auf den Spuren der Musketiere

Alexandre Dumas hat die Vallée de Barétous nie besucht. Doch bei seinen Recherchen für „Die drei Musketiere“ stieß er auf die Mémoires de M. d’Artagnan von Gatien de Courtilz de Sandras aus dem Jahr 1700, die sich als Memoiren des realen d’Artagnan ausgab. Die Memoiren waren zwar stark ausgeschmückt und nicht immer historisch korrekt, aber enthielten die Namen der drei Musketiere – und boten Dumas eine lebendige Grundlage für seine Romane.

Alle drei stammten aus der Vallée de Barétous. Henri d’Aramitz, um 1620 geboren und Abt von Aramits, trat 1640 in die Musketiere ein. Isaac de Portau aus Lanne-en-Barétous folgte 1643. Armand de Sillègue d’Athos kam aus Athos-Aspis, einer kleinen Ortschaft zwischen Sauveterre-de-Béarn und Autevielle. Jean-Armand du Peyrer, genannt Tréville, stammte aus Treis-villes im Béarn.

Stolz präsentiert das Portal der Pfarrkirche Saint-Vincent d’Aramits eine Infotafel zum berühmten Sohn von Aramits. In Lanne-en-Barétous weisen Tafeln auf das Château de Porthos hin, dem Logis einer wohlhabenden seigneurie, in dem Isaac de Porthau (1617–1712) einst gelebt hatte.

Heute könnt ihr hier bei Valérie Debec übernachten. Die Pariserin verwandelte das Herrenhaus aus dem 13./14. Jahrhundert, das mit seinen Fensterläden im Navarra-Blau, seiner hellen Fassade, seinem Schieferdach und seinen den Bau flankierenden Ecktürmen idealtypisch der Gutsarchitektur im Béarn entspricht, in ein edles chambres d’hôtes an der Route Européenne d’Artagnan.

Die Route Européenne d’Artagnan

Der kulturhistorische Fernwanderweg verbindet die Lebensstationen von Charles de Batz de Castelmore d’Artagnan und seinen Gefährten. Die 6.000 Kilometer lange Route startet im niederländischen Maastricht, durchquert Belgien und führt in Frankreich durch das Département Gers, den Béarn und dieVallée de Barétous bis nach Hendaye an der spanischen Grenze. Die Strecke ist als Wander, Reit- und Radroute konzipiert und berührt 250 hauts lieux historiques wie das Château de Porthos in Lanne-en-Barétous.
• www.route-dartagnan.eu

Als die Erde bebte

Der 13. August 1967 war ein Sonntag. Um 23:08 Uhr bebte die Erde in Arette. 5,3 bis 5,5 Magnitude zeigt die Richterskala, und auch auf der MSK-Skala war mit VIII die maximale Intensität erreicht. Der Glockenturm der Église Saint-Pierre stürzte ein, Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert, ohne Fundament gebaut, kollabierten.

Dächer glitten von den Mauern, Steine flogen. 80 Prozent von Arette wurden zerstört. Das Dorf lag im Epizentrum des Erdbebens. 62 Gemeinden auf einem Gebiet von 150.000 Quadratkilometern spürten, wie die Erde rumorte. Wie durch ein Wunder starb nur eine einzige, 80-jährige Frau. 20 Einheimische wurden verletzt – die anderen waren noch nicht zurück aus Montory, das damals ein großes Dorffest gefeiert hatte.

Die Solidarität war enorm. Nachbarorte, das Rote Kreuz und die Armee halfen bei der Versorgung und beim Aufbau provisorischer Unterkünfte in Zelten oder Holzhütten, und viele Familien lebten monatelang in diesen Behelfsheimen, während über den Wiederaufbau gestritten wurde.

Bereits am Tag nach dem Erdbeben, am 14. August 1967, inspizierte Jacques Chirac, damals Staatssekretär für Beschäftigung in der Regierung von Georges Pompidou, die Trümmer. Um die Bewohner schnell unterzubringen, schlug die Regierung moderne HLM-Wohnblöcke ( HLM = habitations à loyer modéré ) am Rand von Oloron-Sainte-Marie vor.

Jean-Marie Lonné-Peyret, der damalige Bürgermeister, und die Bevölkerung lehnten diese kategorisch ab. Sie sahen nicht nur das kulturelle Erbe, sondern auch die Dorfgemeinschaft durch diese Pläne gefährdet. Und setzten sich durch. Statt des von Paris geplanten Plattenbaus erhielt Arette 89 erdbebensichere Häuser.

Diese maisons sismiques prägen bis heute das Gesicht von Arette. Äußerlich fügen sie sich mit ihrer traditionellen Anmutung gut ins gewachsene Ortsbild gut ein. Doch wer genau hinsieht, erkennt auf den Fassaden vorstehende Träger, die Rahmen einfassen: leichtere Baustoffe, flexiblere Verankerungen prägen alle maisons sismiques.

Mit Zeitungsausschnitten und Zeitzeugenberichten hält die Maison du Barétous die Erinnerung lebendig. Auf zwei Etagen präsentiert sie in zehn Themenräumen die prägenden Aspekte des Tals – im Erdgeschoss interaktiv inszeniert, im Obergeschoss klassisch mit Viehglockensammlung und Werkzeugen der Holzbearbeitung.

Das tremblement de terre d’Arette war eines der stärksten Beben des 20. Jahrhunderts in Frankreich – nach dem Beben von 1909 in der Provence und 1923 in Bagnères-de-Bigorre. Es sorgte dafür, dass Frankreich seitdem intensiv sämtliche seismische Aktivitäten überwacht. Anders als in Deutschland, wo Erdbeben äußerst selten sind, erlebt Frankreich regelmäßig kleinere Beben der Magnitude 2–4. Frankreich ist in fünf Zonen eingeteilt (0 bis 4). Als Kollisionszone der Iberischen und Eurasischen Platte gehören die Pyrenäen zur Zone 3 (moderate Gefährdung).

Die reiche Dorfkirche

An das Erdbeben erinnert auch die Pfarrkirche Saint-Pierre – draußen mit einer Skulptur, die in Holz den eingestürzten Kirchturm nachempfindet, drinnen mit Schautafeln.

Im Inneren ist die Pfarrkirche ungewöhnlich reich ausgestattet für eine Dorfkirche – vor allem im Vergleich zu anderen ländlichen Kirchen in den Pyrenäen oder im Béarn.

Die Kirche beherbergt mehrere barocke Altäre, verzierte Holzschnitzereien und religiöse Skulpturen, die für eine ländliche Gemeinde ungewöhnlich aufwändig sind. Diese stammen vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als Arette dank des Handels mit Spanien über den Col de la Pierre Saint-Martin sehr wohlhabend wurde.

Der tote Poilu

René Marie Castaing (1896–1943) schuf für die Peterskirche von Arette im Jahr 1920 das Gemälde La mort du poilu (Der Tod des Poilu), das den Opfermut der jungen französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg thematisiert. Vier Jahre später, 1924, gewann der Maler aus Pau den Grand Prix de Rome für Malerei, und damit eine der höchsten künstlerischen Auszeichnungen Frankreichs.

Castaings Werk ist typisch für die französische Kriegsmalerei der 1920er-Jahre, die den Krieg nicht heroisch, sondern als menschliche Tragödie darstellt. Sein Stil verbindet Realismus mit emotionaler Tiefe und spiegelt die Erfahrungen, die er im Krieg selbst erlebt hat.

Das Erbe von Paul Ambille

Schräg gegenüber eröffnete Bürgermeister Pierre Casabonne im Jahr 2025 das Centre Culturel Paul Ambille mit Mediathek, Ausstellungssaal für örtliche Künstler, Übungsräumen der Musikschule und einem Auditorium für Konzerte. Mehr als eine Million Euro kostete der Bau, 70 Prozent wurden subventioniert – Europa half mit.

Möglich wurde das Kulturzentrum auch, weil Paul Ambille(1930–2010) seinem Heimatdorf im Jahr 2008 mit 400 Arbeiten nicht nur alle seine Werke, sondern auch zwei Häuser vermacht hatte. Der Maler und Lithograf aus Arette hatte 1955 ebenfalls den Premier Grand Prix de Rome für Malerei gewonnen, was ihm ermöglichte, vier Jahre lang Pensionär an der Villa Médicis in Rom zu sein.

1993 ernannte ihn Frankreich zum Peintre officiel de la Marine, und damit zum offiziellen Marinemaler. Von 1995 bis 2007 leitete Ambille als Präsident die Fondation Taylor in Paris. Nach dem Erdbeben gestaltete Paul Ambille auch die neuen farbigen Fenster für die Kirche von Arette. ​

Die Palombières von Lanne

In Lanne-en-Barétous, dem westlichsten Dorf der Vallée de Barétous, entdecke ich an der Départementsstraße ein Schild, das meine Neugier weckt. Palombières steht darauf geschrieben. Oh, das wird bestimmt ein Taubenhaus sein, denke ich spontan in Assoziation an pigeonnier und colombier. Doch da sollte ich mich deutlich irren. Denn hier, an der Grenze von Béarn und Baskenland, sind damit keine Taubenschläge gemeint, sondern Vogelfangeinrichtungen, die speziell für die Jagd auf Ringeltauben ( palombes ) gebaut wurden und nur von Oktober bis Mitte November genutzt werden dürfen.

Dann stellen sich die Männer als chatar lari auf die Bergkämme und werfen kleine weiße Holzstücke in die Luft, um die Flugbahn der Ringeltauben zu manipulieren. Diese palettes oder maillets simulieren den Angriff von Greifvögeln wie Habichten oder Sperbern. Die Tauben geraten in Panik, beschleunigen, fliegen tiefer und rasen in den Trichter ( entonnoir ) in Richtung Netz, wo sie gefangen werden.

Nach der Jagd werden die Tauben gerupft, ausgenommen und zubereitet – als Salmis de palombes (Wildragout mit Wein, Schalotten und Speck), Palombes aux choux (mit Kraut) oder einfach nur gebraten – Leber und Magen gelten als Delikatesse!​

Der Käse der Schafe

Wer die Vallée de Barétous auf der Départementsstraße D918 durchquert, sieht immer wieder braun-weiße Schilder, die verraten: Das gesamte Tal gehört zum Produktionsgebiet des Ossau-Iraty AOP, des einzigen geschützten Schafskäses der Pyrenäen.

Ein Dutzend unabhängiger Höfe stellt hier aus der Rohmilch seiner Schafe zwei bis sieben Kilogramm schwere Käselaibe her, die mindestens fünf Monate lang gereift sind – das verlangt die AOP. Die Produktion folgt jahrhundertealten Regeln. Zweimal täglich melken die Hirten ihre Herden – meist 200 bis 300 Schafe pro Hof.

Im Sommer ziehen die Tiere auf die Hochweiden, die estives. Auf einfachsten Sennhütten, den bergeries, wird dann der fromage d’estive hergestellt, dessen intensive Aromen die Bergkräuter und Blüten der Almen widerspiegeln. Dieser Käse, den ihr nur von Dezember bis April erhaltet, schmeckt deutlich intensiver als jener Käse, für den die Tiere mit hausgemachtem Heu der Talweiden im Stall gefüttert wurden.

Ob es sich um einen Käse einer Kooperative oder eines einzelnen Hofes handelt, verrät der Käsestempel. Nur der fermier Ossau-Iraty, der ausschließlich auf dem Hof aus der Milch der eigenen Herde hergestellt wird, darf den Schafskopf von vorne mit dem Buchstaben F tragen.

Auf fast allen Höfen könnt ihr ihn direkt beim Käsebauern erwerben. Einen Abstecher lohnt auch der Hofladen der Bergers de Lanne. Dort gehören auch Käselaibe mit Piment d’Espelette AOP, mit Ail des ours (Bärlauch) oder mit essbaren Blüten zum Angebot.

Berge ohne Bäume

Wer zum ersten Mal ins Tal kommt, staunt über die kahlen Berghänge. Keine Bäume, nur Gras, bis hinauf zu den Gipfeln. Jahrhundertelange Beweidung und Transhumanz haben diese Landschaft geformt. Jeden Sommer fressen bis zu 30.000 Schafe hier sämtliche jungen Triebe. Was bleibt, sind offene Weideflächen, pelouses, die 35,9 Prozent des Gebiets ausmachen. Wälder findet ihr nur an Nordhängen, extremen Steillagen oder geschützten Tälern.

Über 1.700 Metern wächst kaum noch etwas. Diese Kargheit hat ihren Reiz. Ungehindert schweift der Blick vom Col de la Madeleine, dem Aussichtsgipfel der Soule, über die Täler und Gipfel der Pyrenäen hin zum Plateau von Issarbe. Im Sommer weidet das Vieh ungebunden zwischen Kalk und Rotsandstein auf 1.450 Metern, im Winter ziehen sich Langlaufloipen 31 Kilometer lang aussichtsreich über die Almen.

Gegenüber erhebt sich das zweite Hochplateau der Vallée de Barétous bei La Pierre Saint-Martin. 2.504 Meter hoch wacht der Pic d’Anie als imposante Pyramide über die Hochweiden des Natura-2000-Gebiet Montagnes du Barétous, auf denen maulwurfartige Hügel und zahlreiche Löcher verraten: Hier leben marmottes, Murmeltiere. Jeden Sommer bietet das Office de Tourisme geführte Wanderungen an, um sie in freier Wildbahn zu beobachten. Sehr selten geworden ist inzwischen der grand tétras. Doch im Winter 2025 spazierte ein großer, ausgewachsener Auerhahn mitten durch den Skizirkus von La Pierre Saint-Martin und stieg zum Instagram-Star auf.

Skifahren im Karstgebirge

Im Winter verwandelt sich La Pierre Saint-Martin in ein Schneeloch, und meterhoch pudert das Weiß den Felskessel aus Kalk in 1.527 bis 2.153 Metern Höhe. Dann kommen die Spanier und schwingen sich über die 28 Pisten. Für Anfänger gibt es den Espace Découverte, zum entspannten Gleiten beim Panoramablick den blauen Boulevard des Pyrénées im Secteur Horizon und für Freestyler den Secteur Contrebandiers. Ähnlich wie in Avoriaz in den Alpen, greift auch hier die Architektur der 1962 eröffneten Station mit grauem Kalk und dunklem Schiefer die Landschaft auf.

Der zentrale Riegel bündelt Geschäfte, Restaurants, die Skischule ESF. Im Kiefernwald stehen Chalets – ski in, ski out für alle. Einige Serpentinen talabwärts lockt die Forêt de Braca mit 25 Kilometern markierter Loipen und Schneeschuhwegen durch ein Winterwunderland mit überraschend hellen Buchen und faszinierend erodierten Felsen aus dunklem Kalk.

Zu langweilig? Dann bucht im Centre Nordique der Forêt de Braca eine Hundeschlittentour oder versucht einmal, mit Fatbikes auf Schnee zu radeln – dies ist deutlich schwieriger als gedacht! Für den Nachwuchs gibt es einen kleinen Rodelhang – die Skihütte verleiht Bobs und Rodelteller.

Unter der Erde

Unter der Erde versteckt sich eines der größten Höhlensysteme der Pyrenäen. 1.410 Meter tief ist der Gouffre de La Pierre Saint-Martin, 2.000 Zugänge gibt es im 140 Quadratkilometer großen Karstgebiet, doch erst 88 Kilometer sind bekannt und kartografiert.

Und genau hier versteckt sich die Salle de la Verna, mit 245 Metern Durchmesser und 194 Metern Höhe und zehn Millionen Kubikmeter Frankreichs größter unterirdischer Hohlraum. Wie sie entdeckt wurde, welche Tragödie sich hier ereignete – und welche Pläne die EDF mit der riesigen Halle hatte, verrate ich euch hier.

Ein Tal am Rand

DieVallée de Barétous bildet den Übergang zwischen zwei Welten. Béarn und Baskenland treffen aufeinander, Frankreich und Spanien berühren sich am Col de la Pierre Saint-Martin. In der Kapelle auf dem Gipfel des Col de la Madeleine wird bis heute baskisch gesprochen, und auch das Béarnais des Tales, aspois-barétounais genannt, birgt bis heute phonetische und lexikalische Spuren des baskischen Nachbarn.

Auch der Talname Barétous scheint rätselhaft damit verwoben. Möglicherweise leitet er sich vom baskischen Wort bara für Hochebene, auf. Erstmals taucht das Val de Baratoens im Compromis d’Ansó von 1375 auf, worin damit ein weites, offenes Tal beschrieben wird. Zwei Flüsse durchziehen es : der Vert d’Arette und der Vert de Barlanès. Bei Aramits fließen sie zusammen und bilden den Vert, der bei Moumour in den Gave d’Oloron mündet, der wiederum in den Adour fließt, welcher sich in den Atlantik ergießt.

Die Vallée de Barétous hat ihren ganz eigenen Charme bewahrt. Es ist weniger alpin als die Täler von Ossau und Aspe, weniger touristisch als die baskische Küste. Es lebt im Rhythmus der Jahreszeiten, der Schafherden, des stillen Alltags.

Wer hierher kommt, findet keine Attraktionen im herkömmlichen Sinn, keine Shopping-Gassen, keinen kommerziellen Spaß. Sondern eine Landschaft, die vom Stolz auf harte Arbeit erzählt, von Beharrlichkeit und von einem Leben, das sich über Jahrhunderte an die Berge angepasst hat. Die Vallée de Barétous ist idyllisch, aber kein Postkartenmotiv. Es ist ein Tal, in dem Menschen und Natur einen langen, oft harten Pakt geschlossen haben. Und ein Tal, das genau deshalb fasziniert.

Die Vallée de Barétous: meine Reisetipps

Hinkommen

Im eigenen Gefährt

Von Oloron-Sainte-Marie über die D919 Richtung Süden. La Pierre Saint-Martin erreicht ihr über die D132 ab Arette (25 km, ca. 30 Minuten).

ÖPNV

Die Vallée de Barétous ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln eher umständlich zu erreichen. In OIoron-Sainte-Marie gibt es einen SNCF-Bahnhof, der u.a. von Toulouse aus von TER-Regionalzügen angefahren wird.

Ab Oloron-Sainte-Marie gibt es Busverbindungen in Richtung La Pierre Saint-Martin und in die Vallée de Barétous. Die Busse verkehren jedoch nicht täglich und oft nur zu bestimmten Zeiten (z. B. in der Hauptsaison, an Markttagen und während der Skiferien).

Aktiv

Klettern

Die Falaise d’Arguibelle ist der bekannteste Kletterberg der Vallée de Baretous und lockt mit Routen für alle Niveaus im kompakten Kalkstein.

Wandern

Die Vallée de Barétous ist ein Wanderland der Extraklasse. Es gibt mehr als 20 markierte Wanderrouten im Tal, darunter leichte Spaziergänge, anspruchsvolle Bergtouren und spezielle Strecken für Trailrunning. Viele dieser Routen sind im Plan Local de Randonnée ( P.L.R. ) aufgeführt und mit gelben Markierungen gekennzeichnet.

Schlemmen und genießen

Bar-Restaurant Gouaillardeu

Garbure, Forelle, Schinken mit Piperade, Entenbrust mit Morchelsauce, Salat aus frischer Leber mit Steinpilzen und poule au pot, das Nationalgericht des Béarn: Hier gibt es bodenständige Küche der Heimat – das freut nicht nur die Einheimischen.
• 47, avenue Marcel Loubens, 64570 Arette, Tel. 05 59 34 64 65, https://barrestaurantgouaillardeu.wordpress.com

Cidrerie Lacassie

Oh schön, ein Cidreproduzent, dachte ich, als ich das Schild an der Straße sah. Doch wie groß war das Staunen, als ich erfuhr: Hier wird kein Cidre hergestellt, sondern mittags stets das gleiche beliebte Menü serviert: Omelette à la morue, Txuleta à la cheminée ( Côte de bœuf vom Grill) und fromage de brébis. Den Cidre dürft ihr euch hier nach Belieben aus zwei großen Fässern zapfen!
• Route de Tardets, 64570 Lanne-en-Barétous, Tel. 05 59 10 95 41

La Ferme Bidalot

100 Schafe der Rasse Basco-Béarnaise und 75 Ziegen der Alpenrasse. gehören zur Herde von Maité, Maxime und ihrem Sohn Valentin. Aus der Rohmilch produzieren sie nicht nur Käse, sondern auch Ziegenmilchseife.
• 75, chemin Darregauché, 64570 Issor, Tel. mobil 06 82 43 70 12, www.lafermebidalot.fr

Le Grand Tétras

Garbure, Entenbrust, Kalbsbries, Tartiflette, oder Pilz-Omelett: Die Küche der Berghütte auf dem Plateau von Issarbe ist bodenständig und typisch französisch. Im Winter sorgt ein Holzofen für wohlige Wärme.
• 9900, route d’Issarbe, 64570 Lanne-en-Barétous, Tel. 05 59 36 00 26

Erleben

  • La Junte de Roncal, La Pierre Saint-Martin (13. Juli)
  • La Montée Impossible, Arette, quartier La Mouline (August)
  • Fête des Bergers, Aramits (September)

Beste Reisezeit

Sommer (Juni–September) für Wanderungen und Höhlenbesuche, Winter (Dezember–März) für Wintersport.

Hier könnt ihr schlafen

In allen Gemeinden der Vallée de Barétous gibt es gîtes für Selbstversorger und chambres d’hôtes. Das einstige collège von Arette wird bis Juli 2026 umgebaut zum Pyrénéa Campus mit 126 Hotelbetten, Spa und Restaurant.

Hôtel de l’Ours

Zweisternehaus mit 16 Zimmern, darunter auch Dreibett- und Vierbettoptionen für Familien, und Bar (sonntags geschl.).
• 1, rue de l’Arrou, 64570 Arette, Tel. 05 59 88 90 78, https://hotelarette.fr

Hôtel du Pic d’Anie

Das einfache Zweisternehaus ist die einzige Hotelunterkunft der Skistation und befindet sich direkt am front de neige, sprich, dem zentralen Startplatz für alle Unternehmungen. Neben Einzel- und Doppelzimmern gibt es Familienzimmer mit Stockbetten für den Nachwuchs.
• 64570 Arette, Tel. mobil 06 27 52 48 09, www.hotel-picdanie.com

Maison Rachou

Cathy und Marc haben 2019 Großbritannien verlassen, eine historische Hofstelle hoch über Lanne-en-Barétous erworben und in einem Nebengebäude ein B & B eingerichtet mit einfachen, ruhigen Zimmern im Stil der Berge und einem großen Gemeinschaftssaal mit Tee- und Kaffeeküche sowie unzähligen Reiseführern zur Region.

Marc ist ein begeisterter Radsportler, wie Berge von Fachzeitschriften verraten, und Cathy hält ihre Pferde direkt am Haus. Im Sommer können Gäste das hauseigene Schwimmbad nutzen.
•  Chemin Pacheu, 64570 Lanne-en-Baretous, Tel. 06 07 18 81 62, https://mountainvacances.fr

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Im Blog

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Klaus Simon, Hilke Maunder, Roadtrips Frankreich*

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