ViaRhôna im Test: von Lyon ans Mittelmeer

Lyon. Foto: Hilke Maunder
Unterwegs auf der ViaRhôna in Lyon. Foto: Hilke Maunder

ViaRhôna: 815 Kilometer lang folgt die Radroute dem Lauf der Rhône von den alpinen Gestaden am Genfer See bis zu den Stränden der Camargue am Mittelmeer.

Radwandern: So sehen voies vertes aus, Frankreichs Radwege abseits vom Verkehr.
Eine typische voie verte der ViaRhôna abseits vom Verkehr. Foto: Hilke Maunder

Die Radfernroute ist ein Mammutprojekt von drei Regionen – Auvergne Rhône-Alpes, Okzitanien und Provence-Alpes-Côte d’Azur. 2016 wurde sie als Eurovelo 17 ins Netz der europäischen Radwanderwege aufgenommen, 2020 vollendet. Nur hier und da wird noch gearbeitet und an Feinheiten gefeilt.

Immer wieder findet ihr solche Rastplätze an der ViaRhôna. Foto: Hilke Maunder
Immer wieder findet ihr solche Rastplätze an der ViaRhôna. Foto: Hilke Maunder

Die Infrastruktur ist vorbildlich: gut markierte Radwege, garniert mit Picknickplätzen, geprüften radfahrerfreundlichen Unterkünften mit dem Label Accueil vélo, viel Service und sehr guter Beschilderung.

Tag 1: Lyon – Andancette

Lyon. Foto: Hilke Maunder
Die ViaRhôna verläuft in Lyon auf de Kais der Rhône. Foto: Hilke Maunder

Lyon – Vienne: besser per Bahn

Wir – meine Freundin Claudia und ich – starteten in Lyon. Nach einer Stadtbesichtigung hievten wir die Räder am Bahnhof Lyon-Perrache erst einmal in das Fahrradabteil der Vorortbahn, um dem massiven Verkehr, der die Ausfahrt gen Süden bis Vienne begleitet, zu entkommen.

Bis nach Vienne kommen unsere Räder in den Zug. Foto: Hilke Maunder
Bis nach Vienne kommen unsere Räder in den Zug. Foto: Hilke Maunder

Eine perfekte Lösung – denn Vienne ist schon das erste Highlight unserer Tagesetappe. Wer Lyon – Vienne lieber radeln will, folgt der ViaRhôna via Givors und Saint-Romain-en-Gal nach Vienne.

Vienne: bei den Römern

Das Weinangebot der Office de Tourisme von Vienne. Foto: Hilke Maunder
Beeindruckend: die Weinausfahl des Office de Tourisme von Vienne. Foto: Hilke Maunder

Vienne war zu Römerzeiten die zweite Hauptstadt Südgalliens. Ihren Namen allerdings soll sie vom Weg zur Hölle, der Via Gehenna, erhalten haben – ein Omen? Einer der Kaiser, die hier regierten – Valentinian II. – hat sich hier 392 das Leben genommen, verzweifelt über die eigene Machtlosigkeit.

Das antike Theater von Vienne. Foto: Hilke Maunder
Das antike Theater von Vienne. Foto: Hilke Maunder

“Was für eine Legende”, denke ich, als ich im antiken Theater stehe, das sich seit 40 n. Chr. an den Pipet-Hügel schmiegt. Bis heute ist es Bühne der Kultur – beim alljährliche Festival Jazz à Vienne im Juli.

Wir werfen noch einen Blick auf den Augustus-und-Livia-Tempel, der im sechsten Jahrhundert in eine Kirche umgewandelt wurde, und radeln dann über die Hängebrücke. Früher drängte sich der Autoverkehr über die eindrucksvolle Brücke.

Die Rhône bei Vienne. Foto: Hilke Maunder
Die Rhône bei Vienne. Foto: Hilke Maunder

Heute verbindet sie als Passerelle für Fußgänger und Radfahrer die beiden Ufer der Rhône. Dann sofort ein Schwenk nach links, und schon sind wir auf der ViaRhôna, die am rechten Ufer auf einem herrlich angelegten Radweg gen Süden führt.

Paradefrucht im Potager: die Tomate. Tomaten. 10.000 Sorten gibt es weltweit. Foto: Hilke Maunder
Tomaten. 10.000 Sorten gibt es weltweit. Foto: Hilke Maunder

Statt Verkehr begleitet uns Gemüse: Aubergine und Kürbis wachsen auf den Feldern, Tomaten und Kohl, Salat in allen Farben und Formen. An Obstbäumen hängen Äpfel, die geerntet werden wollen.

Gemüsefeld be Ampuis, Foto: Hilke Maunder
Gemüsefeld be Ampuis, Foto: Hilke Maunder

Die Hänge säumen Weingärten, deren Reben zu Côte Rotie und Condrieu verarbeitet werden – Shiraz für die Roten, Viognier für den Weißen. Einen solchen Garten Eden für Gemüse hätte ich beim Blick von der autoroute du soleil nie im Rhône-Tal vermutet!

Condrieu: Weißer mit Charakter

Das Schloss von Ampuis. Foto: Hilke Maunder
Das Schloss von Ampuis. Foto: Hilke Maunder

Vorbei am Schloss von Ampuis, das die Côte-Rotie-Winzer von E. Guigal als Firmensitz renoviert haben,  erreichen wir das  Naturschutzgebiet Île du Beurre. Ein Naturkundehaus stellt Flora und Fauna des Auenwaldes an der ViaRhôna vor.

ViaRhôna: Auf der Île du Beurre. Foto: Hilke Maunder
ViaRhôna: Auf der Île du Beurre. Foto: Hilke Maunder

Das ganze Jahr hindurch könnt ihr dort an naturkundlichen Ausflügen teilnehmen, Pilze sammeln, Fährten lesen oder die Vögel kennenlernen, die an die Futterhäuschen kommen.

Das Winzerdorf Condrieu an der Rhône. Foto: Hilke Maunder
Das Winzerdorf Condrieu an der Rhône. Foto: Hilke Maunder

Condrieu! Von dessen Weingärten hatte schon Plinius geschwärmt …. Im Hôtel de Bellevue von Les-Roches-de Condrieu genießen wir mit Blick auf den Fluss ein opulentes Mittagsmahl.

Vom Hôtel Bellevue blickt ihr auf die Rhône und einen kleinen Sportboothafen, Foto: Hilke Maunder
Vom Hôtel Bellevue blickt ihr auf die Rhône und einen kleinen Sportboothafen, Foto: Hilke Maunder

Und vor dem Dessert noch einen kleinen Weißen, der genauso als AOP geschützt ist wie die Weine ringsum: der Rigote AOP de Condrieu – ein herrlich cremiger Weichkäse aus der Ziegen-Rohmilch … und perfekter Begleiter zu den Grand Crus aus Condrieu!

Hôtel Bellevue in Condrieu: Foie Gras aus der Pfanne. Foto: Hilke Maunder
Foie Gras aus der Pfanne, serviert vom Hôtel Bellevue in Condrieu. Foto: Hilke Maunder

Nach dem Déjeuner hätten wir uns am liebsten in eines der gemütlichen Betten gelegt, die sich in kuscheligen Kammern mit Rhôneblick verbergen. Viognier zum Mittag… ein Konditionskiller, aber köstlich!

Hôtel Bellevue, Dessert. Foto: Hilke Maunder
Zum Dessert gab es u.a. eine Variation des Kuchenklassikers Paris-Brest. Foto: Hilke Maunder

Saint-Pierre-de-Boeuf: Wasser, marsch!

Geradezu fasziniert bin ich von den Wasserkraftwerken, die immer wieder den Lauf der Rhône säumen. In Saint-Pierre-de-Boeuf umhüllt uns feinster Wassernebel, als wir in die Tiefe auf die tosenden Wassermassen schauen.

850 000 000 Kilowattstunden elektrischer Leistung liefert allein dieses Wasserkraftwerk der Compagnie Nationale du Rhône, die mit Wasser- und Windkraft im Rhônetal grüne Energie produziert – und auch sämtliche Schleusen betreibt.

Das Wasserkraftwerk von Saint-Pierre-de-Boeuf. Foto: Hilke Maunder
Das Wasserkraftwerk von Saint-Pierre-de-Boeuf. Foto: Hilke Maunder

Die Rhône eignet sich wie kein zweiter Fluss für die Energiegewinnung aus Wasserkraft: Kein anderer französischer Fluss hat eine so hohe Fließgeschwindigkeit. Und solch ein hohes Wasservolumen.

Die Rhônebrücke bei Saint-Pierre de Boeuf. Foto: Hilke Maunder
Die Rhônebrücke bei Saint-Pierre de Boeuf. Foto: Hilke Maunder

Mit einem Anteil von 25 Prozent im Wasserenergie-Mix ist die Rhône wahrhaftig ein Strom unter Strom. Gleich hinter dem Kraftwerk: Getreidesilos, Liegeplätze und ein kleiner Terminal für den Warenumschlag auf Binnenschiffe.

Île de la Platière: Wildnis & Idylle

Auf der ViaRhôna an der Rhone. Foto: Hilke Maunder
Weiter blick auf die Rhône… herrlich! Foto: Hilke Maunder

Eben noch wilde Wasser, und jetzt eine ebenso wilde Urnatur! Zwischen Limony und Sablons taucht die ViaRhôna ein in einen grünen Dschungel. Efeu hat die Bäume erobert, im Unterholz blubbert und gluckert es.

Île de la Platière, Foto: Hilke Maunder
Die Rhône bei der Île de Platière. Foto: Hilke Maunder

Libellen fliegen dicht an unseren Nasen vorbei, Reiher staken durch Morast, Enten schnattern. Huschte da nicht eben eine Eidechse vor uns über den Weg?

Île de la Platière, Foto: Hilke Maunder
Île de Platière. Foto: Hilke Maunder

Mitten durch die Flussinsel mäandriert der Oves. “Hier sind nachts die Biber aktiv”, verrät eine Infotafel  zu deren Füßen Orchideen blühen.

Île de la Platière, Foto: Hilke Maunder
Grünes Paradies: die Île de la Platière. Foto: Hilke Maunder

Vier Wanderwege führen tiefer hinein in die amphibische Urnatur, die seit dem Jahr 2000 als Natura 2000-Gebiet geschützt ist.

Zu Recht gilt die Flussinsel als die vielfältigste und ursprünglichste Naturlandschaft am Mittellauf der Rhône. Wir klettern über Steine und Wurzelwerk ans Ufer, schauen, staunen – und vergessen völlig die Zeit.

Auf der Rhône verkehren zahlreiche Flusskreuzschiffe - so auch hier bei Sablons südlich der Île de la Platière. Foto: Hilke Maunder
Auf der Rhône verkehren zahlreiche Flusskreuzschiffe – so auch hier bei Sablons südlich der Île de la Platière. Foto: Hilke Maunder

Andancette: Was für ein Empfang!

Erst, als die Sonne sich langsam verabschieden will, erreichen wir Andancette. Frankreichs älteste Hängebrücke – der Pont Marc Séguin von 1827 – führt dort hinüber in das kaum merklich größere Andance.

Angekommen in Andancette. Foto: Hilke Maunder
Angekommen in Andancette. Foto: Hilke Maunder

Die Sonne funkelt auf den Fluten. Vor uns: ein großer Garten mit Oleander und Olivenbäumen, der an der Flutmauer des Flusses endet.

“Noch ist der Pool warm, springt gleich rein!”, begrüßen uns Brigitte und Bruno, die in ihrer Villa Rhôna einige Gästezimmer und eine Ferienwohnung eingerichtet haben – mit nostalgischem Charme und High-Tech von heute.

Dann parken sie unsere Räder in ihrer Garage, stellen ein paar frisch gepflückten Tomaten, Oliven und Gläser auf den Gartentisch und entkorken den Wein. “Bienvenue!”

ViaRhôna: meine Reisetipps

Merci fürs Teilen!

2 Kommentare

  1. ..da will man doch gleich losradeln… Kann man alles verbuchen, sozusagen als Paket “All inclusive”?Oder ist das auch spontan möglich, nach dem Motto, mal sehen, wie weit wir kommen?

    • Hallo Claudi, Du kannst vorbuchen – Rad & Gepäcktransport – oder Du schleppst alles Gepäck mit, dann bist Du flexibel. Tolle Unterkünfte gibt es genug an der ViaRhôna – und außerhalb der Hauptsaison gibt es dort auch immer freie Betten. Wann radeln wir?

1 Trackback / Pingback

  1. Radabenteuer ViaRhôna: unser Foto-Album - Mein Frankreich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.