Voie des vignes: per Rad durch Burgunds Weinparadies
Per Rad das Weinland Burgund entdecken: Die markierte voie des vignes bietet dazu die perfekte Route – einen Tag lang oder ein ganzes Wochenende!
Zwischen Ladoix-Serrigny im Norden und Chagny im Süden erstreckt sich das Paradies der großen Weine der Côte d’Or. In ihren 27 Appellationen sind berühmte weiße Tropfen wie Corton-Charlemagne, Meursault oder Montrachet zu Hause, aber auch die eleganten Rotweine von Pommard oder auch Volnay.
Aloxe-Corton, Auxey-Duresses, Bâtard-Montrachet, Beaune, Bienvenues-Bâtard-Montrachet, Blagny, Chassagne-Montrachet, Chevalier-Montrachet, Chorey-lès-Beaune, Corton, Corton-Charlemagne, Côte de Beaune, Côte de Beaune Villages, Criots-Bâtard-Montrachet, Ladoix, Maranges, Meursault, Monthélie, Montrachet, Pernand-Vergelesses, Pommard, Puligny-Montrachet, Saint-Aubin, Saint-Romain, Santenay, Savigny-lès-Beaune und Volnay: lauter Träume von Weinkennern, aufgereiht an einer Perlenschnur südlich von Beaune.

Auf den Spuren der climats
Seit 2000 Jahren haben die Winzer die Landschaft der Côte d’Or geprägt. Typisch für den Weinbau sind die climats. Das Mosaik der 1.247 Parzellen mit Mikroklima und unverwechselbarem Terroir gehört seit Juli 2015 zum Weltkulturerbe.
Die Themenroute Route des Grands Crus verbindet seit 1937 auf 60 Kilometer Länge 37 Weinorte zwischen Dijon und Santenay. Das Weinland lässt sich auch beim Wandern auf dem 87 Kilometer langen Chemin des Grands Crus entdecken. Oder per Rad auf der Voie des Vignes.

Radroute durchs Rebenland: die voie des vignes
Von Dijon via Beaune nach Santenay und weiter bis nach Nolay schlängelt sich die markierte Themenroute durch die Weinberge der Bourgogne. Insgesamt 81 Kilometer lang führt sie mitten durch das Reich weltberühmter Rebstöcke, die auf climats genannten Parzellen seit Jahrhunderten Weine von Weltruf hervorbringen. Um diese Strecke auf ganzer Länge zu bewältigen, braucht es ein Wochenende.

Die voie des vignes
- Dijon – Santenay: 81 km
- Beaune – Santenay: 22-25 km
- Beaune – Nolay 36 -38 km
Die voie des vignes-Tagestour
Wer weniger Zeit hat oder Lust auf eine Stippvisite, kann an einem Tag auf dem 36 Kilometer langen Teilstück von Beaune über Santenay nach Nolay schnell und intensiv eintauchen ins Welterbe-Weinland. Pommard, Volnay, Meursault, Puligny-Montrachet, Chassagne-Montrachet und Santenay: Alle berühmten Weinorte der Côte de Beaune liegen an dieser Radroute.
Unterwegs gibt es genug Gelegenheit, eine Pause einzulegen und Küche und Keller zu genießen – bei einem Picknick am Aussichtspunkt, beim déjeuner oder dîner oder bei einer Weinprobe in den Kellern der berühmten Winzerdörfer.
Von Beaune bis Santenay: die Etappen der voie de vignes
Die voie de vignesbeginnt offiziell an der historischen Porte des Avaux am südlichen Rand der Altstadt von Beaune. Von dort führt sie entlang bekannter Hanglagen wie dem Clos des Mouches auf ruhigen Wirtschaftswegen drei Kilometer weit bis nach Pommard.
Pommard

Die Rotweine des Dorfes gelten als die kräftigsten, tanninreichsten und körperreichsten der gesamten Côte de Beaune. Mitten im Dorf erhebt sich das Château de Pommard, das 2026 sein 300-jähriges Bestehen feierte. Mit den 20 Hektar des Clos Marey-Monge besitzt die US-amerikanische Familie Carabello-Baum seit 2014 den größten zusammenhängenden Monopol-Clos in Burgund, sprich Weinberg in Alleinbesitz.
Eine zwei Meter hohe Mauer umgibt die Reben. Michael Carabello-Baum stellte die Produktion konsequent um auf Nachhaltigkeit. Seit 2019 arbeitet das Weingut biologisch, seit 2021 besitzt es die Demeter-Zertifizierung für biodynamischen Weinbau.

In Pommard mit 28 Premier Crus wie Les Rugiens und Les Epenots hingegen gibt es neben Kalkstein, Mergel, Ton auch viel Eisenoxid, was den Weinen von Häusern wie Comte Armand, Courcel und Parent eine kräftige Struktur und Tannine verleiht. Sie zeigen oft Aromen von dunklen Früchten wie Kirschen, Brombeeren und Pflaumen, begleitet von würzigen und erdigen Noten.

Mit diesem Wissen und lokaler Feinkost, Wasser und Wein im Korb geht es hinaus in die Weinberge. Am höchsten Punkt der Voie des Vignes steht zwischen Pommard und Volnay einladend eine hölzerne Tisch-Bank-Kombi im Schatten eines Baumes – perfekt für ein Picknick mit Köstlichkeiten aus Burgund!

Hier war bestimmt schon Bacchus daheim, als der Weinbau nach Burgund kam, und genoss den weiten Blick gen Osten über die „Goldhänge“ der Côte d’Or mit Reben bis an den Horizont!
Volnay

Anderthalb Kilometer weiter prallen Welten zusammen. Zeigte sich der Pommard noch muskulös und erdverbunden im Glas, kommt der Volnay jetzt ganz duftig, fruchtig, fast samtig daher.
Der Boden in Volnay mit seinen 29 Premier Crus besteht hauptsächlich aus Kalkstein, Mergel, Geröll und hier und da stark eisenhaltigen Schichten, was den Weinen Eleganz und Finesse verleiht. Die Tropfen von weltberühmten Gütern wie Marquis d’Angerville, Domaine Hubert de Montille oder Domaine Michel Lafarge sind daher recht leicht und von seidiger Textur.
Die Familie Lafarge gehört zu den Pionieren des biodynamischen Weinbaus in Burgund. Ihr geschichtsträchtiger Clos du Château des Ducs ist eine 2,41 Hektar große Premier-Cru-Monopollage und komplett von einer Mauer umgeben, der die Reben vor starkem Wind und zu großem Frost schützt.
Meursault

In Meursault wechselt der Ton der Weine: Hier regiert der Chardonnay. Der Pinot Noir, sonst der Star in Burgund, spielt hier nur eine Nebenrolle. Und noch etwas ist besonders. Das Dorf besitzt keinen einzigen Grand Cru – trotz weltberühmter Namen wie Les Genevrières, Les Charmes, Les Gouttes d’Or und Le Porusot. Les Perrières verweist auf die Steinbrüche, die einst das Baumaterial lieferten. Dicht liegt der Kalkstein dort unter der Oberfläche und verleiht den Weinen ihre typische Mineralität.
Sanft geneigt sind die Hänge, von hellbeige bis goldbgelb changieren die Farben der Fassaden. Auch hier spielt sich das Leben meist hinter den verschlossenen Hoftoren ab, doch hier und da lässt sich, wenn sie sich öffnen, ein Blick hineinwerfen. Viele der Keller sind auch hier, ähnlich wie in Beaune, unterirdisch angelegt und durchlöchern Meursault. Das Dorf besitzt damit eine doppelte Architektur: Gewölbe, Fässer und Flaschen im Untergrund, oben helle Fassaden und glasierte Dächer.

Geometrische Muster aus farbig glasierten Ziegeln, die im Sonnenlicht fast ornamental wirken, zieren auch das Rathaus, das sich 1966 wahrhaft filmreif zeigte: Hier wurden zahlreiche Szenen der Komödie La Grande Vadrouille* mit Louis de Funès und Bourvil gedreht, die im deutschsprachigen Raum als Die große Sause* großen Erfolg hatte.
Alljährlich im November wird in Meursault getafelt. Dann treffen sich die Winzer und Weinhändler, Kunden, Sammler und Sommeliers, Journalisten, Schriftsteller und prominente Weinliebhaber an einem Tisch – und feiern mit 700 bis 800 Personen die Paulée de Meursault, das berühmte Abschlussbankett Les Trois Glorieuses. Sie findet traditionell am Montag nach der Weinversteigerung der Hospices de Beaune statt. Tradition ist, zum Festessen seine besten Flaschen mitzubringen – und sie am Tisch mit anderen Gästen zu teilen.
Puligny-Montrachet

Nur vier Radkilometer auf der voie des vignes trennen Meursault vom nächsten Weltstar: Puligny-Montrachet. Anders als Meursault, wirkt das Dorf mit seinen nicht einmal 400 Einwohnern geschlossener, ruhiger – und auch besser erhalten. Sein Zentrum drängt sich um die romanische Kirche Saint-Pierre-et-Saint-Jean, alte Waschhäuser sorgen für historisches Flair.

Thomas Jeffersons Lieblingswein
1787 besuchte Thomas Jefferson Burgund – und trank beim Winzer Jean-Joseph Bache einen Meursault, Jahrgang 1784, der Lage Goutte d’Or. Dieser Wein wurde zu seinem Lieblingstropfen aus Meursault, den er regelmäßig bestellte.
I am in urgent need of Meursault (…) it is that which I prefer.
Thomas Jefferson, späterer 3. US-PRäsident, 1787
Offiziell zum Namen kam der berühmte „kahle Hügel“ Montrachet erst 1879 – erst seitdem trägt das Dorf seinen weltberühmten Doppelnamen.

Nur acht Hektar groß ist die edle Lage, die sich Puligny und Chassagne teilen. Puligny besitzt hier gleich vier legendäre Grands-Crus-Lagen: Le Montrachet, Chevalier-Montrachet, Bâtard-Montrachet und Bienvenues-Bâtard-Montrachet. Hinzu kommen 17 Premier Cru wie Les Pucelles, Les Colombettes, Les Caillerets, Clavaillon und Les Demoiselles.

Chassagne-Montrachet
Nur ein kurzes Stück weiter beginnt Chassagne-Montrachet, das wie Puligny als eine Insel im Rebenmeer liegt – und ebenfalls erst 1879 durch Napoléon III. den Zusatz Montrachet erhielt. Auch hier drängen sich die Häuser um die Dorfkirche, doch insgesamt wirkt Chassagne deutlich bodenständiger als Puligny.
Und auch bei der Farbe ist das alte Winzerdorf eine Ausnahme. Früher wurde hier vor allem Rotwein angebaut. Erst später verdrängt der Chardonnay den Pinot Noir. Heute sind die Burgunderreben vor allem in Lagen mit mehr Ton und Eisen zu finden; wo Mergel und Kalk dominieren, reift der Chardonnay.

Chassagne teilt sich mit Puligny die berühmte Grand-Cru-Lagen Le Montrachet und Bâtard-Montrachet. Criots-Bâtard-Montrachet ist der einzige Grand Cru, der sich vollständig auf Chassagner Gebiet befindet. Hinzu kommen rund 55 Premier-Cru-Climats. Besonders bekannt – und zugleich die größte Lage – ist der Premier Cru Morgeot südlich des Dorfes.

Kalksteinmauern säumen die kleinen Wege zwischen den Weinlagen. Lieux-dits erinnern an Flurnamen aus alter Zeit. Weit schweift der Blick über die Ebene der Saône hin zu den Bergen des Jura, die bei klarer Sicht den Horizont begrenzen.
Santenay

Die Südgrenze der Côte de Beaune markiert Santenay mit seinem Schloss, dem Château de Philippe le Hardi . 1372 soll es der Burgunderherzog Philippe der Kühne übernommen haben. 1395 erließ dieser ein Dekret, welches den Anbau von Gamay verbot und den Weg für die Monokulturen von Pinot Noir und Chardonnay ebnete.
Das wehrhafte Burgschloss mit seinem glasierten Dach gehört zu den großen historischen Weingütern Burgunds. Seine rund 96 Hektar Rebflächen erstrecken sich nicht nur über die Côte de Beaune, sondern auch auf die südlichere Côte chalonnaise.

In Santenay endet die voie des vignes. Wer mag, kann auf einer ehemaligen Bahntrasse der Verlängerung der voie des vignes bis nach Nolay auf den Hautes Côtes du Beaune folgen. Oder sich im Thermalbad von Santenay entspannen – und sein Glück im Spiel im Casino testen.

Die Côte de Beaune auf der voie de vignes erradeln: meine Reise-Infos
Hin & weg
Bahnhof: Gare de Beaune, von dort per Rad bis Santenay (Bahnhof). Nolay besitzt keinen Gleisanschluss mehr. Zurück nach Beaune per Rad geht es über La Rochepot, ehe wieder der voie des vignes gefolgt wird, diesmal in umgekehrter Richtung (22 km).

Schlemmen und genießen
L’Agastache
Caroline Landre, Service und Sommelière, wählte die Duftnessel als Namensgeberin und betreibt mit Nunzio Lacono am Herd in Volnay ein modernes Bistro, das eine marktorientierte, kreative Saisonküche mit mediterranen Akzenten serviert – mittags nach der beliebten Formel entrée, plat (+dessert).
• 1, rue de la Cave, 21190 Volnay, Tel. 03 80 21 12 30, https://lagastache-restaurant.com
Auprès du clocher
Moderne Sterneküche von Jean-Christophe Monney, begleitet von exzellenten Weinen aus Pommard und von der Côte de Beaune.
• 1, rue de Nackenheim, 21630 Pommard, Tel. 03 80 22 21 79, https://aupresduclocher.com
Les Murisaltiens
Gemütliches, authentisches Bistro von Franck Perreaut mit bodenständiger Küche aus Burgund. Œufs en Meurette und Bœuf Bourguignon sind Klassiker der Karte.
• 38, rue de la Gare, 21190 Meursault, Tel. 03 80 24 02 68, https://les-murisaltiens.eatbu.com
L’Épisode
Frische, unkomplizierte Bistro-Küche von Julien Escot, sehr beliebt bei den Einheimischen. Mittags schnelle, gute komponierte Tagesgerichte, abends raffiniertere Teller.
• 6, place du Murger, 21190 Meursault, Tel. mobil 06 31 14 00 26, auf Facebook und Instagram

Au Fil du Clos
Elegante Schlemmeradresse von Jean-Christophe Moulin im Herzen des Dorfes und 180-Grad-Blick auf die Reben. Im Saal bedient seine Frau Maud.
• 1, rue de Mazeray, 21190 Meursault, Tel. 03 80 20 40 82, https://aufilduclos.fr
Le Soufflot
Legendärer Hotspot für Weinfreaks, Winzer und Sommeliers. Am Herd steht Jeremy Pezzulis, Eric Oucher hat die wohl beste Weinkarte der Côte d’Or komponiert.
• N74 8, Route nationale, 21190 Meursault, Tel. 03 80 22 83 65, www.restaurant-meursault.fr
Olivier Leflaive
Exklusiv wie das Hotel aus dem 17. Jahrhundert im Herzen von Puligny-Montrachet ist die Küche von Lionel Freitas. Beim Sommelier-Déjeuner könnt ihr zu jedem Gang verschiedene Crus direkt vergleichen. 17 Zimmer und Suiten laden zur ruhigen Nacht. Wer mag, bucht sein Bett hier*.
• 10, place du Monument, 21190 Puligny-Montrachet, Tel. 03 80 21 95 27, https://olivier-leflaive.com/hotel-restaurants
Le Montrachet
Luxuriöses Fine-Dining mit der Haute Cuisine von Romain Versino, der die klassische französische Kochkunst mit moderner Leichtigkeit verbindet.Wer mag, kann im luxuriösen Design-Hotel COMO vor Ort übernachten*.
10, place du Pasquier de la Fontaine, 21190 Puligny-Montrachet, Tel. 03 80 21 30 06, www.comohotels.com
PAPI
Erfrischend unkompliziertes, modernes Bistro im Herzen des Dorfes, trendy und gesellig. Auf der Karte: französische Klassiker, Burger, Salate und beste Pizza.
7, place de l’Europe, 21190 Chassagne-Montrachet, Tel. 07 86 88 99 72, auf Instagram
Ed.Em
Sternegekröntes Gourmet-Restaurant in einem idyllischen Anwesen. Küchenchef Édouard Mignot lässt die französische Küche mit Fernost flirten, Émilie Rey bereitet grandiose Desserts zu – und weiß stets, welcher Tropfen perfekt zu welcher Speise passt.
• 4, impasse des Chenevottes, 21190 Chassagne-Montrachet, Tel. 03 80 21 94 94, https://restaurant-edem.com
L’Ouilette
Ehrliche, herzhafte cuisine bourguignonne von Weinbergschnecken bis hin zum saftigen Charolais-Rind.
• Place du Jet d’Eau, 21590 Santenay, Tel. 03 80 20 62 34, www.ouillette.fr
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