L’Amour fou der Aufklärung: Émilie & Voltaire

„Wenn ich König wäre, ich würde einen Missbrauch abschaffen, der die Hälfte der Menschheit zurücksetzt. Ich würde Frauen an allen Menschenrechten teilhaben lassen, insbesondere den geistigen.“

Paris, 1733. Bei einem Souper lernt Émilie Voltaire kennen. Als 18-Jährige war die Pariserin 1725 mit dem 30-jährigen Marquis Florent Claude du Chastellet (*1695) verheiratet worden. Liebesheiraten waren damals unüblich, Ehen strategische Vertragsverhältnisse.

Pflicht erfüllt: frei für die Liebe

Sie hatte ihm drei Kinder geboren. Und damit als Marquise du Châtelet ihren Teil der ehelichen Pflicht erfüllt. Nach einigen kurzen Affären saß Emilie nun François-Marie Arouet, genannt Voltaire (1694 – 1778) gegenüber. Für den Rest ihres Leben sollte sie ihm intellektuell überlegende Muse, Geliebte und Partnerin sein.

Vorbild England

In seinen Philosophischen Briefen* verherrlichte Voltaire 1734 englische Nation und überzeichnete satirisch den französischen Lebensstil. Der König war entrüstet und erließ Haftbefehl. Die Inhaftierung auf der Bastille drohte.

Seine Geliebte wurde zur Retterin. Émilie bot ihm ihr halb verfallenes Schlösschen in der Champagne bei Cirey-sur-Blaise an. Es lag strategisch günstig, ganz in der Nähe des unabhängigen Herzogtums Lothringen.

Das Liebesschloss von Voltaire

Als sich abzeichnete, dass der Haftbefehl nicht aufgehoben werden würde, reiste sie ihm nach. 15 Jahre lang wurde Cirey zum Lebensmittelpunkt der beiden.

Gemeinsam renovierten sie das Schloss mit Voltaires Mitteln und bauten es nach seinen Ideen aus. Im neuen Flügel erhielt Voltaire sein Laboratorium. Auch fand er dort Raum für seine rasch wachsende Bibliothek.

Eng verbunden

Émilie du Châtelet war eine hochintelligente Frau mit großer Leidenschaft für das Leben, das Lernen und die Liebe. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die sie für wichtig hielt, wollte sie möglichst vielen Menschen zugänglich machen.

Gemeinsam mit Voltaire übersetzte sie daher Newtons Theorien vom Lateinischen ins Französische. Nach ihrem Tod 1749 trauerte Voltaire noch viele Jahre um sie. In D’Argentat schrieb er:

„Ich habe keine Geliebte verloren, sondern ein Hälfte von mir selbst, eine Seele, die für mich geschaffen war, eine Freundin über 20 Jahre, die an meiner Seite geboren wurde.“

Im Château de Cirey ist noch heute das kleine Theater zu sehen, das Voltaire auf dem Dachboden eingerichtet hat. Es ist das einzige von ihm in Auftrag gegebene Theater, das bis heute erhalten ist. Zugleich gilt es als älteste Bühne in einem privaten Schloss, die in so gutem Zustand bewahrt wurde.

www.visitvoltaire.com

Buchtipp

David Bodanis hat mit Emilie und Voltaire – Eine Liebe in Zeiten der Aufklärungdas bislang einzige Portrait zur Beziehung der beiden verfasst. Leider bleiben die Figuren des US-amerikanischen Autos mitunter etwas hölzern.

Statt in ihr Leben einzutauchen, verbreitet er des Öfteren nur Plattitüden. Wer darüber hinweg lesen kann, findet eine unterhaltsam verfasste Biographie vor. Sie erhellt den zeitgeschichtlichen, wissenschaftlichen und philosophischen Horizont des Paares.

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