Von Krimi bis Küche: Lesetipps zu Weihnachten
Frankreich zwischen Buchdeckeln – das sind in diesem Jahr nicht nur Krimis aus der Provence und kulinarische Reisen, sondern auch mutige Graphic Novels und leidenschaftliche Liebesgeschichten. Ein Blick auf den Büchertisch zeigt: Die Vielfalt ist größer denn je, und besonders Frauenfiguren erobern die Seiten. Voilà meine Lesetipps zu Weihnachten für alle, die ein Stück Frankreich verschenken – oder selbst im Kerzenlicht schmökern – wollen.
Die Buchregale füllen sich: Mehr als 1.000 französischsprachige Titel werden jährlich ins Deutsche übersetzt, Tendenz steigend. Was früher nur Krimis und Kochbücher waren, ist heute ein buntes Kaleidoskop. Graphic Novels etablieren sich als ernst zu nehmende Literaturform, biografische Romane wagen sich an intime Lebensgeschichten wie die von Anaïs Nin, und selbst klassische Provence-Krimis überraschen mit psychologischer Tiefe.
Ein Trend fällt besonders auf: Starke Frauenfiguren dominieren die Neuerscheinungen – sei es als Ermittlerin, als Schauspielerin im Kampf um künstlerische Freiheit oder als Schriftstellerin im Liebesrausch. Auch die französische Küche feiert zwischen zwei Buchdeckeln ihre Renaissance: Opulente Bildbände erzählen die Geschichte von éclair und coq au vin, während Krimis ihre Rezepte gleich mitliefern. Wer noch ein Geschenk für Frankreich-Fans sucht, wird hier fündig – für gemütliche Winterabende mit einem Glas Rotwein und dem Duft von Lavendel in der Nase.
Meine Lesetipps zu Weihnachten: Hochspannung

Nicole de Vert: Französische Lügen*
In Bargème, einem abgelegenen Dorf der Provence, treffen sich in einem Hotel sechs Millionäre und besprechen ein hochgeheimes Projekt. Als einer von ihnen plötzlich ermordet aufgefunden wird, beginnt Margaux Surfin, die früher in Stuttgart bei der Mordkommission ermittelte und seit ihrem Burn-out als Privatermittlerin und Mimikexpertin in Südfrankreich arbeitet, ihre Nachforschungen. Je tiefer sie recherchiert, desto tiefer stößt die Ex-Polizistin auf ein Geflecht aus Lug und Trug, Manipulation und Macht.
Mit diesem atmosphärisch dichten Provence-Krimi endet die beliebte Krimireihe nach acht Bänden. Da ich die vorherigen Bände nicht kannte, brauchte ich etwas, ehe ich die vielen Familien- und Beziehungsgeflechte durchblickte. Dann aber genoss ich die spannende Krimihandlung und die authentische Provence-Stimmung, die ihr, ähnlich wie bei den Krimis von Sophie Bonnet, euch mit den beigefügten Kochrezepten auch direkt nach Hause holen könnt. Hier* könnt ihr den Krimi bestellen.

Ulrich Wickert: Der Raub im Tunnel*
Ulrich Wickerts Krimi „Der Raub im Tunnel“, der 8. Band um den Untersuchungsrichter Jacques Ricou, erzählt von einem spektakulären Überfall im Pariser Tunnel du Landy : Ein Aktenkoffer mit einem Bitcoin-Schlüssel wird aus einem schwarzen Mercedes entwendet, was Ricou in einen Strudel aus Waffengeschäften, Korruption und Geldwäsche führt.
Der Plot hat das Zeug zu einem richtigen Thriller. Doch leider gibt es immer wieder Flauten im Spannungsbogen. Während Ulrich Wickert den Auftakt und die Ermittlungsarbeit fesselnd beschreibt und die Charaktere, allen voran Ricou, clever und mutig agieren, lassen immer wieder langatmige Nebenhandlungen die Spannung stocken. Und hat man dennoch bis zum Finale durchgehalten, geht es plötzlich auf einmal sehr schnell, wird der Plot überladen mit vielen Wendungen – und wirkt daher nicht schlüssig.
Nach wie vor wunderbar sind jedoch Wickerts trockener, fast britisch anmutender Humor und die atmosphärisch dichte, spannende Grundkonstellation des Falles. Kurzum: Mit einem besseren Lektorat, das die Erzählstruktur gestrafft und die Schludrigkeiten bei Schreibweisen (Chateau statt Château, am Place …. ) bemerkt hätte, wäre auch Band 8 der beliebten Krimireihe ein wahrhaft toller Thriller zu einem topaktuellen Thema geworden – statt eines Romans mit viel Paris, aber wenig Kribbeln. Hier* könnt ihr Band 8 der Krimi-Reihe um Richter Ricou bestellen.
Meine Lesetipps zu Weihnachten: Kultur-Geschichte(n)

Stéphane Betbeder (Autor), Rémi Torregrossa (Zeichner): Romy Schneider: Ich bin nicht mehr Sissi*
Graphic Novels sind in Frankreich längst eine angesehene Literaturform, die weit über das herkömmliche Comicformat hinausgeht. Stéphane Betbeder und Rémi Torregossa beweisen dies geradezu exemplarisch mit ihrer poetischen und intimen Graphic Novel, die den Weg der jungen Romy Schneider zeichnet – weg von ihrem berühmten „Sissi“-Image hin zu einer eigenständigen, ernst genommenen Schauspielerin in Frankreich. Das Buch thematisiert Romys inneren Konflikt, ihren Kampf mit Ruhm, Verlust und der Suche nach künstlerischer Selbstbestimmung, und beleuchtet bisher wenig beachtete Lebensjahre, geprägt von Ambitionen, persönlichen Tragödien und ihrer künstlerischen Entwicklung.
Stéphane Betbeder, 1971 in Pau geboren, wusste schon im Kindesalter, dass er später als Comiczeichner arbeiten wollte. Das nötige Rüstzeug holte er sich dazu an der renommierten École européenne supérieure de l’image in Angoulême. Dort merkte er jedoch schon recht schnell, dass Zeichnen nicht seine Stärke war – und konzentrierte sich daher seit seinem Abschluss 1994 auf das Schreiben von Szenarien. Deutlich jünger, denn erst 1987 in Antibes geboren, ist Rémi Torregrossa, mit dem Betbeder als Script-Autor für dieses Projekt zum ersten Mal zusammenarbeitet.
Mit seinen ausdrucksstarken Zeichnungen und künstlerisch komplexen Bildern, die mal verträumt, mal hart wirken, zeichnet Torregrossa das Porträt einer komplexen Frau, die zwischen öffentlichem Image und privater Realität steht. Text und Bild verschmelzen dabei in dieser Graphic Novel zu einem fast filmischen Werk. Für alle, die sich noch nie mit diesem in Frankreich sehr angesagten Genre beschäftigt haben, ist dieses Buch ein gelungener Einstieg. Hier* könnt ihr die Graphic Novel über Romy Schneider bestellen.

Charlotte von Feyerabend: Liebesrausch*
Die Beziehung der verheirateten Anaïs Nin zum zwölf Jahre älteren Henry Miller samt der komplexen Dreiecksbeziehung mit June Miller gehört zu den Mythen von Paris in den 1930er-Jahren und zu den faszinierendsten Kapiteln der literarischen Szene dieser Zeit. Die beiden Schriftsteller verband eine leidenschaftliche Affäre, geprägt von totaler Hingabe und turbulenten Emotionen. Sie trafen sich 1931, und ihre Beziehung beeinflusste nicht nur ihr jeweiliges Werk, sondern wurde auch zu einem Symbol für das kreative und dekadente Paris jener Jahre.
Rasant, emotional und mitunter auch erotisch lässt uns Charlotte von Feyerabend hautnah diesen weltberühmten Liebesrausch miterleben. In bildreicher Sprache entführt die Autorin, in den 1970er-Jahren in Baden-Württemberg geboren und beruflich eher sonst mit Nordeuropa verbandelt, in die Künstlerszene der damaligen Zeit. Gekonnt zeichnet sie tiefgründige Charaktere und erzählt von dieser besonderen Beziehung so detailreich und dicht, dass sich das Kopfkino immer schneller dreht. Es hätte ewig so weitergehen können, doch wie im echten Leben kommt das Ende dann doch hastig und abrupt, vielleicht der einzige Wermutstropfen in diesem ansonsten akribisch recherchierten und tiefgründigen Roman. Liebesrausch*: ein spannendes, sinnliches Buch und eine faszinierende Zeitreise. Hier* könnt ihr den biografischen Roman bestellen.
Meine Lesetipps zu Weihnachten: Küchen-Geflüster

Murielle Rousseau, Loire*
Murielle Rousseau wurde 1966 als Tochter eines Franzosen und einer Deutschen in Saint‑Germain‑en‑Laye bei Paris geboren. , studierte u. a. Romanistik und Germanistik an der Sorbonne und lebt seit ihrem 19. Lebensjahr überwiegend in Deutschland. In Freiburg betreibt sie heute eine PR‑Agentur und arbeitet als Autorin und Kulinarik‑Expertin. Ihre Eltern kauften in den 1960er-Jahren im Département Sarthe derPays de la Loire das vier Hektar große Grundstück von Le Piquet mit etwas Wald und einem Landhaus. Heute hütet und pflegt es Murielle Rousseau.
Rousseau sagt über sich selbst, dass viele ihrer Rezepte aus der Familienküche stammen; sie versteht sich weniger als professionell ausgebildete Restaurantköchin, sondern als Autorin, die in französischen Familienküchen und Landhäusern kochen gelernt hat. Ihre Kochbücher verbinden traditionelle Rezepte mit Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Frankreich sowie Beobachtungen aus der Alltagskultur, was auch in „Loire“ das Grundprinzip ist.
Das Kochbuch ist daher als kulinarische Reise entlang der Loire angelegt, die sie seit ihrer Kindheit kennt. Vorgestellt werden regionale Produkte und Produzenten (v.a. Käse, Wein, Obst), klassische Gerichte und Desserts der Loire‑Region sowie Alltagsszenen und Porträts von Land und Leuten; dazu kommen persönliche Texte über Natur, Schlösser, Märkte und Lebensart entlang des Flusses. Sie bleibt damit dem Konzept ihrer früheren Titel Bretagne*, Provence* und Partie de campagne treu, in denen erzählerische Miniaturen und stimmungsvolle Fotografien von Marie Préaud die Rezepte begleiten. Wer mag, kann das Regional-Kochbuch Loire hier* online erwerben.

Loïc Bienassis, Helmut Ertl, Die große Geschichte der französischen Küche*
Was speisten die französischen Könige bei ihren königlichen Banketten? Wann und wie wurde die Chantilly-Sahne erfunden? Warum wird heute in Frankreich nach dem russischen Service serviert – und nicht nach dem französischen? Wie entstanden die bistros und bouillons ? Wo liegen die Ursprünge der Restaurants? Wie entstanden der Schokoladen-Éclair, die mille-feuille und der coq au vin ?
Auf 256 Seiten bietet dieses liebevoll illustrierte Buch einen umfassenden Überblick über Frankreichs Kochkunst und die Tischkultur vom Mittelalter bis heute. Es stellt berühmte Köche wie Auguste Escoffier vor, den Konditor Pierre Hermé und erzählt die Geschichte der Familie Pic, verrät die Ursprünge grandioser Gerichte und prestigeträchtigster Desserts – und macht Seite für Seite Appetit. Und Lust auf mehr. Wer mag, kann das Kompendium hier* bestellen.
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Offenlegung
Die Verlage bzw. Autoren stellten mir für diese Buchbesprechung sämtliche Titel kostenfrei zur Verfügung. Dafür danke ich. Einfluss auf meine Rezension hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.
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