Die Zisterziensern des Clos de Vougeot

Château du Clos de Vougeot: Blick auf die Weingärten mit Pinot Noir
Château du Clos de Vougeot: Blick auf die Weingärten

Schlicht, schmucklos und karg: Askese war die Maxime der Zisterzienser. Doch in den dunklen Kellern ihrer Klöster kultivierten sie vollendeten Sinnesgenuss: Wein. Cîteaux und seine Töchterklöster machten im 12. und 13. Jahrhunderten die sanften Flanken der Côte d’Or, des „Gold-Hanges“ zum Garten Eden des Pinot.

Weingüter mit großen Lagen entstanden in Aloxe, Beaune, Fixin, Gevrey, Gilly, Pernand und Savigny. Doch zum Synonym für die Spitzentropfen der Zisterzienser wurden zwei Orte: Vougeot und Meursault.

Die Mönche der Abtei von Cluny waren die ersten gewesen, die einen Weinberg im Maconnais in kleine einzelnen Parzellen eingeteilt hatten. Das Kloster von Cîteaux macht es zur Methode. Seine Mönche studierten genau Mikroklima und Bodenbeschaffenheit der einzelnen Lagen, klassifizierten sie – und schufen daraus jene berühmten Climats de Bourgogne, die seit 2015 zum Welterbe der UNESCO zählen.

Größte Grand-Cru-Lage des Burgunds

Fast 700 Jahre lang kelterten die Zisterzienser im Burgund Spitzenweine. Den ältesten Weinberg der Zisterzienser findet ihr in Meursault: den Vieux Clos de Meursault – heute bewirtschaftet ihn Philippe Bouzereau. Andere Spuren der Zisterzienser sind diskreter. In Beaune gibt es noch einen sehr schönen Cellier (heute Restaurant), Blagny war Zisterzienser-Grangie. Von dort aus hat man den Montrachet bewirtschaftet. Im Zuge der Französischen Revolution wurden 1789 alle Klostergüter konfisziert und verkauft, ein Jahr später der Orden wegen „Nutzlosigkeit“ aufgelöst. Die Klostergebäude verfielen. Bis auf den Clos de Vougeot. Dessen Kellermeister wurde beauftragt, die Güter zum „Schutze der Nation“ zu verwalten.

1944 wurde das Kloster der Weinbrüderschaft Confrerie du Tastevin übertragen, die im Château ihren Sitz hat. Seit 1947 steht das Weinkloster unter Denkmalschutz. Heute ist der Clos de Vougeot mit 80 Besitzern nicht nur die größte Grand Cru-Lage des Burgunds, sondern vor allem auch ein sehr anschauliches Museum des zisterziensischen Weinbaus mitten im Rebenland der 1247 Parzellen des Burgunds, die mit jeweils einzigartigem Terroir, das Geschmack und Geschichte, Boden und Ausbau widerspiegelt,

Filmreifes Weinland

2017 hatte ein Film Kinostart, der die berühmte Weingegend zum Handlungsort eines bewegenden Familiengeschichte machte: „Ce qui nous lie“ – als „Der Wein und der Wind“ kam er im August 2017 in die deutschen Kinos. Der Inhalt ist rasch erzählt:  Es ist Spätsommer im Burgund, und die Weinernte steht bevor. Der dreißigjährige Jean (Pio Marmaï) kehrt nach vielen Jahren der Funkstille auf das idyllische Familienweingut zurück. Sein Vater liegt im Sterben.

Seine Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil), die das Gut in der Zwischenzeit aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen. So wie sich jedes Erntejahr nach den Jahreszeiten richtet, erkennen die Geschwister, dass manch offene Wunden auch über die Jahre hinweg nicht heilen. Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob die Familientradition weitergeführt werden soll oder jeder seinen eigenen Weg geht…

Kultfilm mit Profis und Laienschauspielern

Mit dem Wandel der Jahreszeiten folgt Regisseur Cédric Klapisch („L´Auberge espagnole“-Trilogie, „So ist Paris“) dem Beziehungsgeflecht dreier ungleicher Geschwister. In den Hauptrollen sind Pio Marmaï („Nathalie küsst“), Ana Girardot („Escobar – Paradise Lost“) und François Civil („Molière“, „Das bessere Leben“, „Frank“) zu sehen.

Gedreht wurde auf der Domaine Roulot  in Meursault. Der Besitzer des Weinguts, Jean-Marc Roulot, ist nicht nur Bio-Winzer, sondern wirkt auch als Schauspieler im Film mit – in der Nebenrolle des Marcel, der den Geschwistern zur Hilfe steht.  Aus Anlass des Kinostarts und 80-jährigen Jubiläums der Weinstrauße zu den Grands Crus zeigte das Château du Clos de Vougeot die Fotoausstellung „Nature humaine “ von Cédric Klapisch und dessen Fotografen Emmanuelle Jacobson-Roques und Michel Baudoin.

Vougeot: meine Reise-Infos

Château du Clos de Vougeot

Seit 2007 ist das Klostergut Gastgeber des Festivals „Musique et Vin“, wo im Juni nach der Weinverkostung 2017 im Innenhof u.a. Klassik von Ravel, Schubert, Debussy, Liszt und Mendelssohn erklang. Das Programm wechselt jährlich!
• La Montagne, 21640 Vougeot, Tel. 03 80 62 86 09, www.closdevougeot.fr

Route des Grands Crus

Die Champs-Elysées des Burgunds verbindet 37 Weinorte zwischen Dijon und Santenay. 2017 feiert(e) sie 80-jähriges Bestehen. Das Weinland lässt sich auch per Rad auf der Voie des Vignes oder beim Wandern auf dem 87 km langen Chemin des Grands Crus entdecken.

Bourgogne Greeters

Ehrenamtlich führen Einheimische als „Bourgogne Greeters“ zu den schönsten Ecken ihrer Heimat. Die Gästeführer arbeiten unentgeltlich, freuen sich aber über ein Trinkgeld.
• www.bourgogne-greeters.fr

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