Wandertipp Taïchac: Geologie zum Staunen

Sentiers des Hauts de Taichac: Blick auf den Canigou. Foto: Hilke Maunder
Die dreistündige Wanderung eröffnet immer wieder neue Blicke auf den Canigou, den heiligen Berg der Katalanen. Foto: Hilke Maunder

Dort, wo vor Urzeiten die afro-iberische auf die europäische Platte geknallt ist und die Pyrenäen hochgeschoben hat, nimmt euch der geologische Wanderweg von Saint-Martin-de-Fenouillet mit auf eine Zeitreise ins Landesinnere und präsentiert  geologische, natürliche und landschaftliche Kuriositäten.

Der Rundweg Les Hauts de Taïchac stellt all jene Landschaftsformen vor, die typisch sind für den Fenouillèdes. Die dreistündigen Wanderung durch die Weinberge, den Wald und die Garrigue führt zudem durch drei Klima- und Vegetationszonen: mediterran, atlantisch und alpin. Dies macht die aussichtsreiche Wanderung auch von der Flora her ungeheuer abwechslungsreich. Bonne rando !

Die Wanderstrecke

Lauft vom Parkplatz vorbei an der Kirche bis zum Dorfplatz mit der Auberge de Taïchac. Wenn ihr die Auberge im Rücken habt, geht die Hauptstraße einige wenige Schritte bergauf und biegt dann links in die gepflasterte Straße hinauf in Richtung Westen ein.

Beginn des Wanderweges Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
So beginnt der Wanderweg Sentier des Hauts de Taïchac in Saint-Martin-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Sie geht in einen Feldweg über, der auf Google Maps mit Le Ginestet verzeichnet ist. Überquert die Departementstraße 7 und taucht ein in ein sehr schattiges, mediterranes Wäldchen voller Stein- oder Grüneichen (chêne vert, quercus ilex).

Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Die Eiche des Südens

Die Steineiche ist der typische Baum des Midi. Sie überzieht die Ebenen und Hügel Südfrankreichs, klammert sich an den rauen Fels des Fenouillèdes und trotz dort Hitze, Trockenheit und  Tramontane. Langsam wächst sie, aber stetig – und kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Ihr dunkles, dichtes Blätterdach spielt mit Farben und Formen.

Oben dunkelgrün, unten silbrig grau, dreht sich ihr ledriges Laub und wird großer Hitze ein Spiegel, der die Wärme zurückwirft. Mal sind die Blätter glatt, dann gezähnt. Und auch ihre Eicheln sind ganz unterschiedlich – mal groß und stumpf, dann wieder winzig und rund wie Murmeln. Ihre glatte, aschgraue Rinde bricht und blättert im Laufe der Jahreszeiten ab und wird unter dem Einfluss der Flechten, die sie besiedeln, kohlschwarz, manchmal schwefelgelb.

Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taichac: An dieser T-Kreuzung müsst ihr links abbiegen. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Der Weg endet an einer Lichtung mit T-Kreuzung, auf  der linker Hand eine kleine Stromanlage  steht. Biegt an der Kreuzung nach links ab und lauft leicht bergan hin zu  den Weinbergen. Dort erreicht ihr kurz darauf den ersten stillgelegten Schafstall der Route.

Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Le Pla d’en Dallen. Früher befand sich hier ein See. Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Blick über die Weinberge zum Roc (Pic) de Vergès. Foto: Hilke Maunder

Biegt am Schafstall rechts (nordwestlich) in den Weg ein, der zwischen den letzten Weinbergen von Saint-Martin verläuft. Anfangs ist der Weg noch befestigt, nach einer Biegung ein breiter, sandiger Feldweg, an dem Thymian, spanischer Ginster, große Euphorbien und Zistrosen im Frühjahr blühen.

ZIstrosen und Ginster blühen im April. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Leicht ansteigend bringt euch der Feldweg zu den Ruinen einer alten Einfriedung und einem zweiten Schafstall. Dort informiert euch eine Tafel über die geologischen Umwälzungen vor etwa 40 Millionen Jahren.

Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Im Süden ragt der Canigou 2.784 Meter hoch über der Garrigue und den mediterranen Wäldern der Pyrénées-Orientales auf. Dann taucht das markante Profil des Roc de Vergès auf. Steigt weiter empor bis zum Kamm.

Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Die Garrigue weicht dem Staatswald am mittleren Agly. Auch die Forêt domaniale du Moyen-Agly prägen Grüneichen. Die Einheimischen sagen, im Winter könne man an Stellen, die nur sie kennen, Trüffel ernten.

Les Hauts de Taichac: Blick auf die Synklinale des Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Weiter bergauf verdecken Zistrosen und Grüneichen atemberaubende Ausblicke. Achtung: Bitte geht nicht durch die Garrigue und den mediterranen Wald hin zur Kamm-Kante. Das ist lebensgefährlich!

Am Weg folgt bereits kurz darauf ein gesicherter Belvédère mit wahrhaft grandiosen Ausblicken auf das Tal des mittleren Agly mit Saint-Paul-de-Fenouillet,  den neun Windrädern von Prugnanes und dem markanten Profil des Pech de Bugarach am Horizont.

Die Synklinale des Fenouillèdes

Die  Synklinale (Mulde) des Fenouillèdes enstand durch das Aufbrechen der Pyrenäen vor 55 Millionen Jahren. Die kleinen Hügel, die die Landschaft mit ihren steilen felsigen Kämmen mildern, sind alte erodierte Tonablagerungen. Das Agly-Tal, das den Übergang zwischen den Pyrenäen und den Corbières bildet, besteht aus gefalteten und deformierten Schichten aus Granit, Schiefer und Kalkstein.

Die Synklinale erstreckt sich zwischen den Aude-Schluchten im Westen und dem Verdouble-Tal im Osten, den Hängen und Felsen der Corbières im Norden und dem Relief des Fenouillèdes im Süden.

Dieser Korridor erstreckt sich über etwa dreißig Kilometer und ist zwischen den beiden Kalksteinzacken, die ihn einrahmen, etwa vier Kilometer breit. Die Synklinale ist die wichtigste Verkehrsachse dieser Region.

Hier verlaufen die Départementsstraße D117 von Perpignan nach Foix und die Eisenbahn, die heute als Train Rouge Rivesaltes mit Axat verbindet. Zwei Dörfer und eine Kleinstadt liegen in der Mulde: Maury im Osten, Saint-Paul-de-Fenouillet im Herzen und Caudiès-de-Fenouillèdes im Westen.

Vom Aussichtspunkt aus seht ihr auch zwei Schluchten, die der Agly mit seinem mit Kohlensäure gesättigtem Grundwasser in den Kalk gefräst hat. Die Schluchten der Gorges de Galamus sind eine enge Passage zwischen den Départements Aude und Pyrénées-Orientales.

Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Der Blick nach Westen. Foto: Hilke Maunder
Der Blick die Synklinale entlang nach Westen. Foto: Hilke Maunder
Der Blick nach Nordwsten: die Windräder von Prugnanes und der Pech de Bugarach. Foto: Hilke Maunder
Der Blick die Synklinale entlang nach Osten. Foto: Hilke Maunder
Der Blick nach Osten. Foto: Hilke Maunder

Südlich von Saint-Paul-de-Fenouillet hat der Agly oder “Fluss der Adler” mit der Clue de la Fou eine zweite, kleinere Schlucht in die Kalksteinbarriere gegraben. In den Schluchten tritt Kalktuff  auf, ein seltenes geologisches Gestein, welches hinter kalten Schichtquellen im Karst entstand und bei Lesquerde unterirdisch abgebaut wird. Mehr dazu erfahrt im auf dem Sentier des Mines.

Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Der Weg auf dem Kamm. Foto: Hilke Maunder

Folgt dem Kamm auf einem schmalen Pfad weiter gen Osten. Dann geht es bergab. Dort, wo es steiler wird, sind Treppen mit Rundhölzern angelegt. Nach Regen können sie sehr rutschig sein!

Der Weg wendet sich dann nach Süden, verlässt den Wald und eröffnet weite Blicke nach Südosten und Süden mit dem Col des Bouix sowie den Massiven von Canigou und Albères in der Ferne.

Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

La boutonnière de l’Agly

Durch Erosion entstand bei Saint-Paul-de-Fenouillet eine Vertiefung im oberen Teil der Antiklinale. Dadurch wurde das Relief auf den Kopf gestellt und andere andere geologische Schichten kamen an die Oberfläche. Sie sorgen nicht nur für ein eigenes Mikroklima, sondern auch für eine erstaunliche Vielfalt der Vegetation – mit Garrigue auf kalkhaltigen Böden, Macchia auf sauren Böden, Steineichenwäldern und Weinbergen.

Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder
Sentiers des Hauts de Taichac: der Canigou. Foto: Hilke Maunder
Der Canigou begleitet den Weg wieder, sobald die Kammlinie verlassen ist und der Wanderweg wieder weite Blicke nach Süden eröffnet. Foto: Hilke Maunder
Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Ginster und Kiefern begleiten den Weg. Foto: Hilke Maunder

Nun geht es recht steil über große Felsen weiter bergab. Die markante Silhouette des Roc de Vergès ist gen Südosten ein Blickfang, gen Süden das Massiv des Canigou.  Dann wendet sich der Saumpfad gen Südwesten, führt langsam bergab und endet an einem Picknickplatz mit Tisch und Ruhebank.

Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Picknickpause! Foto: Hilke Maunder

Nach der Rast führt der Weg wieder hinein in den mediterranen Wald hinein und hin zur Quelle Source de la Mort.

Sentiers des Hauts de Taichac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Überquert die D7 und steigt im Ravin de la Vignasse hin zu einigen Steinen im Bächlein, das ihr dort passieren könnt.

Königskerze. Foto: Hilke Maunder
Eine Königskerze blüht im Unterholz. Foto: Hilke Maunder

Das Bächlein entspringt nordwestlich des Dorfes, umfließt es in südöstlicher Richtung umgeht und mündet in die Rivérole, die wiederum bei Ansignan in den Agly mündet.

Die Vignasse bei Saint-Martin. Foto: Hilke Maunder
Die Passage über die Vignasse bei Saint-Martin-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Die letzten wenigen Meter bringt euch die D7A zurück zum Parkplatz und nach Saint-Martin-de-Fenouillet.

Saint-Martin-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder
Fast geschafft! Saint-Martin-de-Fenouillet taucht am Horizont auf. Foto: Hilke Maunder

Saint-Martin: das Dorf

Saint-Martin ist ein kleines Dorf. Gerade mal 53 Einwohner leben dort. Kaufmann oder Café gibt nicht, wohl aber eine Kirche und einen Friedhof. Wer hier lebt, ist Weinbauer, Forstarbeiter, pendelt zur Arbeit nach Perpignan oder Saint-Paul-de-Fenouillet oder besitzt ein versteckt gelegenes Ferienhaus.

Im 12. Jahrhundert hieß Saint-Martin-de-Fenouillet noch Sant Martí d’Endalens. 1790 wurde der Dorfname vom Amtswegen auf  Saint-Martin verkürzt. Prompt wurde das Dorf mit dem nahen Saint-Martin-Lys im Département Aude verwechselt. Seit Dezember 2014 heißt es nun offiziell Saint-Martin-de-Fenouillet – und zeigt so seine Zugehörigkeit zum Fenouillèdes. Die einstige Vizegrafschaft ist bis heute das einzige Gebiet der Pyrénées-Orientales, das nicht katalanisch, sondern okzitanisch ist.

Les Hauts de Taïchac. Foto: Hilke Maunder
Foto: Hilke Maunder

Les Hauts de Taïchac: die Wander-Infos

Strecken-Info

Kategorie: Leicht bis mittelschwer (mitunter sehr steil, tw. Wurzeln, Geröll und Felsblöcke), Länge: 6,5 Kilometer / 2,5 – 3 Stunden, 275 Höhenmeter. Das Wander-PDF könnt ihr hier im Blog herunterladen.

Karte

IGN Top 25 2348 ET Prades – Saint-Paul de Fenouillet

Parken

kostenloser Parkplatz am Dorfeingang von Saint-Martin an der D/A; Achtung: sehr enge Spitzkehre rechts von Saint-Paul-de-Fenouillet kommend. Besser kommt ihr auf den Parkplatz, wenn ihr einige Meter weiter fahrt, wendet und dann zum Parkplatz am Friedhof fahrt.

Schlemmen

Packt ein Picknick ein! Die Auberge de Taïchac sucht einen neuen Pächter.

Schlafen
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