Korsischer Wein: Die schönsten Tropfen

Franzosen lieben korsischen Wein – werden dort doch tolle Tropfen aus Trauben vinifiziert, die auf dem Festland selten und gar nicht wachsen: der Niellucciu (ital. Sangiovese) und  rote Herz von Patriminio, der rote Sciaccarellu, der auf dem Granit des Westens gedeiht, und die alte mediterrane Weißwein-Sorte Vermentinu, die mitunter mit roten Trauben für ausdrucksstarke Rosé-Weine gekeltert wird.

Und das unter einem Himmel, von dem durchschnittlich 2750 Stunden im Jahr die Sonne scheint… Auf die Insel kamen die Rebreiser unter der Herrschaft Genuas (von 1284 bis 1768). Die Italiener verpflichteten 1572 die Familien, mindestens vier Rebstöcke anzupflanzen. Damit begann die zweite Blüte des seit dem Altertum bestehenden Weinanbaus.

Eine Insel mit neun AOC-Regionen

Außerhalb Frankreichs indes wird korsischer Wein gern mit billiger Pantsche assoziiert. Schuld am schlechten Ruf sind die einfachen Massenweine von den Monokulturen der Ostküste, die Zweidrittel der jährlichen Weinproduktion liefern.

Kaum bekannt jedoch sind die neun AOC-Regionen der Insel – Ajaccio, Corse, Calvi, Muscat und Coteaux du Cap Corse, Figari, Patrimonio, Porto-Vecchio und Sartène. Dort produzieren  engagierte Winzer hervorragende Tropfen, die keinen Vergleich scheuen müssen.

Das Erbe des Elefanten

So wie Saparale, das zu den ältesten Weingüter Korsikas gehört. Gegründete wurde es von Philippe de Rocca, einer schillernden Persönlichkeit. 1845 war der Korse nach Afrika gegangen, um für die ägyptische Königsfamilie zu arbeiten. Auf dem Rücken eines Elefanten bereiste er den schwarzen Kontinent. eute ist der Elefant das Markenzeichen des Weingutes, das er mit dem Geld aus Afrika aufbaute.

In seiner Heimat, dem Vallée de l’Ortolo, verwirklichte er seinen Lebenstraum und verwandelte 100 Hektar Wildnis in einen Garten Eden – mit Weinbergen,  Olivenhain, Zitrus- und Obstgarten. Er errichtete Unterkünfte für alle Menschen, die für ihn arbeiteten, Werkstätten und Lager –  ein neues Dorf, selbstversorgend und autark.

Pariser Gold für korsische Tropfen

Sein größter Erfolg: Im Jahr 1900 wurden seine Weine in Paris mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Doch dann kam die winzige Phylloxera-Laus ins Tal und zerstörte binnen weniger Jahre die Weingärten. 60 Jahre lang war die Domaine sich selbst im Dornröschenschlaf überlassen.

Bis 1995 Julie und Philippe Farinelli auftauchten, neue Reben pflanzten, sukzessive die Gebäude restaurierten – und die Renaissance von Saparale einleiteten. Woher der Kontakt kam? Die Großmutter von Philippe war die Gouvernante des damaligen Besitzers gewesen….

Wiederaufbau als Paar

Heute tragen wieder 50 Hektar Trauben, sind viele Gebäude restauriert, zwei davon sogar als Hameau de Saparale, luxuriöse Ferienwohnungen für zwei bis 17 Personen mit Pool. „Doch Schafstall und Schule sowie die Ölmühle müssen noch instand gesetzt werden“, erzählt Julie Farinelli, die ihren Mann auf dem Weingut kennenlernte. Inzwischen Mutter zweiter Jungs von 9 und 12 Jahren, packt sie dennoch täglich mit an. „Da wartet noch viel Arbeit auf uns. Läuft das Weinjahr gut, wird der Gewinn in die Häuser gesteckt.“

Vom Wasserpolo zum Wein

Zu den Pionieren im korsischen Weinbau gehört auch Richard Spurr. Seine Mutter ist Irin, seit Vater Brite, und Richard, der mit seinem Ohrring, tätowierten Armen, Dreitagebart und Strubbelhaaren eher wie ein Rockstar aussieht, der erste ausländische Winzer Korsikas. Und inzwischen einer der höchstgelobten. Im Februar 2007 übernahm der ehemalige Wasserpolo-Profi das verlassene Weingut von La Signoria bei Calvi und brachte das 16 Hektar große Gelände aus eigener Kraft auf Vordermann.

Das nötige Rüstzeug hatte er vorher auf  Weingütern von Faugères und an der Universität von Montpellier erworben, die er ohne Diplom, aber mit einer Dame verließ – Marjolie. Inzwischen ist die Önologieprofessorin seine Gattin. Während eines Urlaubs verliebten sich beide in die Umgebung von Calvi, erwarben dort mit Hilfe von zwei korsischen Weinbauern einen Weinberg, der in den 1960er Jahren von der Familie Michelin angelegt worden war, und nannten ihr neues Weingut Enclos des Anges.

Was sie dort aus Niellucciu, Carignan und Grenache-Trauben für traumhafte Tropfen zaubern, lässt Gäste wie Kritiker jubeln – samtene Rotweine von tiefdunkler Farbe, deren Tanine Erinnerungen an große Weine wecken. Und auch die lang vernachlässigten Vermentinu-Weinstöcke liefern heute köstliche blass goldene Weißweine, die in Apfel- und Pfirsicharomen schwelgen. Dass sie im ersten Jahr 2007 allerdings einen Alkoholgehalt von 17.7 % erreichten, war reinster Zufall – denn, so Richard, „2007 war mein Jahr der Experimente“.

Tschüs Jura, hallo Wein!

Ein Quereinsteiger ist auch Nicolas Mariotti Bindi, den Alain Ducasse in seinem Pariser Schlemmertempel Plaza Athénée 2007 auf seine erlesene Weinkarte hievte: Der Vermentinu des jungen Juristen sei ein Juwel, schwärmte Frankreichs berühmtester Dreisternekoch.

Seitdem hat Nicolas Mariotti Bindi die hohe Qualität seiner Weine halten können. In Bastia als Sohn eines Advokaten geboren, war Bindi zunächst auch in Fußstapfen des Vaters gefolgt, hatte an der Sorbonne Jura studiert – und in Paris erkannt, dass die Liebe zum Wein stärker war als zur Juristerei.

Er machte Praktika im Beaujolais, wurde Manager des Weingutes Domaine Leccia und erwarb 2007 vom Patrimonio-Winzer Henri Orenga de Gaffory die ersten fünf Hektar eigenen Landes, auf denen der überzeugte Bio-Winzer nur autochtone Sorten anbaut: weißen Vermentinu und dunklen Nieullucci, fermentiert mit selbst hergestellter Bio-Hefe.

Info: Korsischer Wein

Kostet diese Weine!

Enclos des Anges

Wahrlich himmlische Tropfen produzieren Richard und Marjolie Spurr im Hinterland von Calvi.
• Cave de la Signoria,
 Route de Bonifato, Calvi, Tel. 06 19 85 16 39, www.nustrale.com

Domaine Nicolas Mariotti Bindi

Mitte 30 und hochgelobt: Nicolas Mariotti Bindi gehört zu den jungen Winzern des Patrimonio, die mit Qualität überzeugen.
• Porcellese, Poggio d’Oletta, Tel. 06 12 05 24 59, www.gustidicorsica.com

Domaine Saparale

Auf dem Weingut von Julie Farinelli, der ein Elefanten als Markenzeichen hat, könnt ihr luxuriös im Rebenland übernachten!
• Vallée de l’Ortolo, Saparale, 20100 Sartène, Tel. 04 95 77 15 52,www.saparale.com, www.lehameaudesaparale.com

Ein paar Zahlen

Rebfläche

9 AOCs mit ingesamt 2841 ha Rebfläche, davon:

AOC Corse: 1405 ha
AOC Patrimonio: 426 ha
AOC Ajaccio: 255 ha
AOC Corse Calvi: 225 ha
AOC Sartène: 221 ha
AOC Corse Figari: 126 ha
AOC Corse Porto Vecchio: 86 ha
AOC Muscat du Cap Corse: 67 ha
AOC Corse Coteau du Cap Corse: 30 ha

Winzer

Insgesamt 264 Produzenten, davon 106 unabhängige Winzer sowie 160 Vertragswinzer von vier Kooperativen (2016)

Ertrag

370.000 Hektoliter (2016), von 64 % Vin de Pays, 31 % AOC, 5 % Tafelwein

Von den AOC-Tropfen sind 51 % Rosé-, 33 % Rot-, 15 % Weiß- und1% Muskatweine

Weitere Infos

Conseil Interprofessionel des Vins de Corse

• 7, Boulevard du Général de Gaulle, 20200 Bastia, Tel. 04 95 32 91 32, www.vinsdecorse.com

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Zum Einstieg: Gebrauchsanweisung für Korsika

33 Sommer hatte Jenny Hoch auf der Insel verbracht. Doch erst, seitdem sie quasi lebt, wird sie langsam von den Einheimischen ins Herz geschlossen und integriert, erzählt die Journalistin und Buchautorin, die heute mit ihrer Familie die Tradition ihrer Eltern fortsetzt. Seit sie vier Jahre alt war, sei sie jedes Jahr auf Korsika gewesen, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Immer am selben Ort, immer glücklich, gerade dort zu sein. „Ich weiß, wo am Strand der Rutschfelsen ist, wie die Wellen sich brechen”, erzählte sich bei einer Lesung im Feriendorf zum Störrischen Esel.

Ihre  persönlichen Erfahrungen machen den Reiz dieses Bandes der insgesamt sehr zu empfehlenden  Taschenbuchreihe im Piper-Verlag aus. Jenny Hoch hat sie hintergründig wie humorvoll zu Papier gebracht. Dazu noch ein paar Daten und Fakten: ein perfekter Einstieg, um sich mit der Insel zu beschäftigen. Besser kann keine Reiseplanung beginnen!

Jenny Hoch, Gebrauchsanweisung für Korsika. München: Piper Verlag 2014, ISBN 978-3-492-27640-5. Wer mag, kann das Werk hier* online bestellen.

Zum Träumen: Das Haus auf Korsika

Mit wenig Geld und Aufwand hat Pierre Duculot 2011 einen meiner Lieblingsfilme gedreht, die Geschichte eines Ausbruchs, Sich-Finden, die Rückkehr zu den Wurzeln. Und eine Geschichte des Mutes. Ausgelöst durch die Erbschaft eines Hauses, das Christina erbt.

Die Hauptfigur, fast 30, lebt seit zehn Jahren mit ihrem Freund zusammen, jobbt in der Pizzeria ihres Schwiegervaters, überlebt im belgischen Charleroi. Ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen? Das ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten kann. Und mit der Erbschaft doch wagt. Sie macht auf den Weg in den Süden. Und verliebt sich – in die geerbte Bruchbude, die Insel, einen neuen Mann.

Pierre Duculot, Das Haus auf Korsika. Mit Christelle Cornil, François Vincentelli, Marijke Pinoy uvm. Wer mag, kann den Film hier* online bestellen.

Reiseführer für Entdecker

Der freie Reisejournalist Marcus X. Schmid hat für alle, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, den besten Reisebegleiter verfasst: sachlich, mit viel Hintergrund, Insiderwissen und Tipps, und doch mitunter sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich kann seinen Führer aus ganzem Herzen empfehlen – er hat mich auf allen Erkunden nie im Stich gelassen und mir oft schöne, neue, unbekannte und überraschende Ecken gezeigt.

Der gebürtige Schweizer, Jahrgang 1950, hat in Basel, Erlangen und im damaligen Westberlin Germanistik, Komparatistik und Politologie studiert und lebt heute als Autor und Übersetzer in der französischsprachigen Schweiz. Ebenfalls im Michael-Müller-Verlag sind von Schmid die Reiseführer „Bretagne“ und „Südfrankreich“ erschienen sowie Führer zu italienischen Destinationen.

Marcus X. Schmid, Korsika. Michael Müller Verlag, 12. Auflage 2017, www.michael-mueller-verlag.de. Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

Reiseführer für besondere Momente, Kultur & Genuss

Mit blau lackierten Fingernägeln ordnet Madame auf dem Markt von Bastia in einem Bastkorb längliche Stangen. „Boutargues“, verrät das Schild. „Das ist echter korsischer Kaviar. Nur noch wenige Fischer entnehmen den Meeräschen den Rogen. Mein Mann ist einer davon.“ Die Rarität hat ihren Preis: 150 Euro das Kilo. Der Nachbar-Händler sieht das erstaunte Gesicht und hält ein Holzbrett hin: „Goûtez … “ Lasst euch mit an Orten wie diesen verführen!

Ihr findet sie mit „meinem“ Baedeker Korsika, den ich mit Dr. Madeleine Reincke vom Verlag gemeinsam erstellt habe. Und bei den Recherchen auch den Parc de Saleccia bei L’Île-Rousse entdeckt habe. Sagenhafte 2.000 Arten von Büschen, Blumen und Bäumen könnt ihr dort entdecken. 130 davon sind endemisch und damit nur auf der Île de la Béauté zu finden.

Hilke Maunder, Dr. Madeleine Reincke: Baedeker Korsika. Ostfildern: Baedeker-Verlag 2018.ISBN   Wer mag, kann den Reiseführer hier* online bestellen.

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