Canicule & Co.: Frankreich, alle Wetter!

Alle Wetter: Regenbogen über Caudiès. Foto: Hilke Maunder
Wunderschönes Lichterspiel mit Regenbogen über Caudiès im Fenouillèdes. Foto: Hilke Maunder

Hitzerekorde und Winde, die mit 200 km über das Land rasen: Auch in Frankreich sorgt der Klimawandel für immer extremere Wetterlagen. Doch im Hexagon haben quer durch alle Parteien die Politiker erkannt, dass der Klimawandel auch in Frankreich angekommen ist.

Und haben schon viel früher als in Deutschland mit dem nachhaltigen Umbau der Städte begonnen. Die Ziele: weniger Treibhausgase. Und Senkung der sommerlichen Temperaturen in den Städten.

Insektenhotel in Paris. Foto: Hilke Maunder

Vorreiter Paris

Grün, smart, sauberer und lebenswert: So soll vor allem auch Paris wieder werden. Dort hat Bürgermeisterin Anne Hidalgo den wohl umfassendsten Stadtumbau gestartet, den die Kapitale seit Baron Haussmann erlebt hat.

Verkehrsreiche Plätze wie Nation, République oder Bastille wurden zurückgebaut und begrünt, die Uferschnellstraße autofrei und der autofreie Sonntag ein neues Pariserlebnis.

Paris will Kopenhagen den Rang als Fahrradhauptstadt abnehmen und baut millionenschwer  Radwege aus. Neue Metrolinien, Verlängerung der RER, schadstofffreie Busse, Solartank- und E-Tankstellen und Förderung von emissionsfreien Mobilitätskonzepten und bessere Vernetzung bestehender Angebote: Paris zeigt, dass Verkehr auch anders funktionieren kann.

Auch die einst verkehrsumtoste Place de la Nation wurde rückgebaut und begrünt. Foto: Hilke Maunder

Nachhaltig grün

Und wird auch optisch immer grüner! Das neue Messegelände an der Porte Versailles erhält auch dem Dach die weltgrößte urbane Farm. Steinmauern und Häuserwände wandeln sich zu murs végétals, grünen Fassaden.

Und wer mag, darf auf städtischem Gelände seinen eigenen Garten anlegen. Einfach das Projekt online einreichen, auf Pestizide verzichten und möglichst nur einheimische Pflanzen verwenden – mehr Auflagen gibt es nicht für urban gardening in Paris.

Schon jetzt zeigen sich erste Erfolge. Die Artenvielfalt steigt, die Luft wird besser, die Temperaturen sinken. Und bei la canicule können Bürger und Besucher jetzt in den einst dreckigen Kanälen herrlich baden.

Geschmückt von kleinen urbanen Gärten: die Rue du Jardin in Paris. Foto: Hilke Maunder

Wetter-Phänomene in Frankreich

La Canicule

Pünktlich zu den Sommerferien kommt sie: la canicule – die Hundehitze.  Nach vielen kalten, oft noch sehr verregneten Frühlingstagen  schießen Ende Juni / Anfang Juli die Temperaturen plötzlich in die Höhe, und das Land flirrt in der Hitze. 2003 war la canicule besonders schlimm.

Auf 44,1 Grad war im August 2003 in den beiden Orten Saint-Christol-lès-Alès und Conqueyrac das Thermometer geklettert. Doch das war nichts gegen 2019. Am 28. Juni bracht Gallargue-le-Montueux den Allzeit-Hitzerekord: 45,8 Grad – das hatte Frankreich noch nie erlebt.

La Villette: Badespaß im Kanal. Foto: Hilke Maunder

Auch in Paris kletterten die Temperaturen auf weit über 40 Grad Celsius. Savoyen meldete in 1500 Meter Höhe noch 32 Grad. Météo France zeigte für 20 Départements die Wetterwarnstufe „rot“ an. Der Zugverkehr wurde reduziert, schadstoffreiche Fahrzeuge erhielten Fahrverbot.

Das Bewässern von landwirtschaftlichen Flächen wurde auf die frühen Morgenstunden eingeschränkt und schließlich ganz untersagt. Autowäsche und Wasserwechsel im Pool waren ebenfalls verboten.

Bis in den Winter hinein galten die Einschränkungen und Auflagen beim Wasserkonsum. Selbst im Dezember – und das nach einem völlig verregneten November 2019 – waren die Stauseen noch lange nicht wieder gut gefüllt.

La Canicule in Paris: Im Parc André Citroën sorgen Bodenfontainen für Abkühlung. Foto: Hilke Maunder

L’Episode méditerranéen

Die herbstliche Regenzeit nach der Sommerhitze ist die Südfrankreich Wetteralltag. „épisode méditerranéen“ nennen die Einheimischen die Herbststürme und Unwetter, die gegen Mitte Oktober einsetzen können und ihren Höhepunkt meist Mitte Januar haben,

Die „épisode méditerraneen“ verwandelt den sonst nahezu ausgetrockneten Agle in einen reißenden Fluss. Foto: Hilke Maunder

Zwischen Nizza und Cerbère an der Grenze zu Spanien öffnet der Himmel alle Schleusen. Mehr als 200 Liter pro Quadratmeter fallen auf die ausgedörrte Erde in nur 24 Stunden.

Was nicht ins Erdreich einsickern oder nicht von Flüssen und Bächen, Seen, Teichen und dem Meer aufgefangen wird, sucht sich seinen eigenen Weg.

Gorges de Galamus: Nach einer „épisode méditerraneen“ rauschen in der Schlucht die Wasserfälle, und der Agly gebiert sich als Wildwasser. Foto: Hilke Maunder

Überflutungen, Schlammlawinen – ausgelöst vom warmen Meer, dessen warme, feuchte Luft aufsteigt und auf die kalten Hänge der Alpen, Cevennen und Pyrenäen stößt.

Das Wasser kondensiert und entlädt sich. Früher, als natürliche Abflüsse noch nicht bebaut oder kanalisiert waren, der Klimawandel noch nicht spürbar, fielen diese mediterranen Episoden weniger stark aus.

Doch seit der Jahrtausendwende werden sie jedes Jahr intensiver, stärker und zerstörerischer – besonders im Var.

Küstenschutz in Cannes. Foto: Hilke Maunder

Windige Gesellen

In vier Sprachen warnen zwischen Montpellier und Perpignan an der Autobahn A 9 große Schilder Lastwagen- und Wohnmobilfahrer: „Achtung, starker Seitenwind, langsam fahren!“ Pinien und Zedern biegen sich unter den Böen, die Ginsterbüsche knospen nur in Lee, karg und steinig präsentiert sich die Küste bis an die Étangs.

Kalt und trocken: Tramontane & Mistral

165 Tage im Jahr bahnt sich der kalte, trockene Tramontane den Weg durch das hügelige Hinterland der Corbières und Cevennen. Als böiger, heftiger Fallwind aus dem Nordwesten vertreibt er die Badegäste und begeistert die Surfer. Die restlichen 200 Tage sind Strand und Meer indes ein mediterranes Kuschelrevier. Der Wind war 1999 auch Titel und Thema einer Mini-Serie von Henri Helman, die in Tuchan gedreht wurde.

Ebenfalls ein eiskalter Fallwind, der den Himmel blank fegt, ist der Mistral. Mit bis zu  km/h bläst er durch das Rhônetal und über die Provence. Wolken, die wie Linsen oder Mandeln am blauen Himmel hängen, verraten die Ankunft des Bibberwindes.

Der Tramontane bei Saint-Paul-de-Fenouillet. Foto: Hilke Maunder

Warm und feucht vom Meer: Vent d’Autan & Le Marin

In genau entgegen gesetzter Richtung bläst der Vent d’Autan, ein warm-feuchter Ostwind vom Mittelmeer. Auch „Le Marin“ genannt, treibt er die Windräder des Pyrenäenvorlandes an. Eine alte Bauernregel besagt, dass es nach diesem Wind immer zu regnen beginnt. Auch sind die Einheimischen überzeugt: C’est le vent qui peut rendre fou – dieser Wind kann einen verrückt machen.

Doch ob Ost- oder Westwind: eines ist ihnen gemein. Ihre Windgeschwindigkeiten erreichen Spitzenwerte von weit über 100 km/h. Im Februar 2017 erreichten die Böen, die durch Saint-Paul-de-Fenouillet fegten, sogar 139 km/h! Da warnte Météo France: Vigilance Orange. Bleibt daheim!

Die Surfer an der Küste indes freuten sich. Die Étangs von Leucate gehören zu den besten Speedsurfing-Revieren der Welt.

Spielplatz der Surfer und Kite-Surfer: der Étang de Leucate. Foto: Hilke Maunder

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Zur Einstimmung: DuMont Bildatlas Frankreich Süden (Okzitanien)*

Der Bildatlas "Frankreich Süden" von Hilke Maunder - die fünfte AuflageMein DuMont Bildatlas Frankreichs Süden* fängt zwischen Rhône und Garonne, Cevennen und Pyrenäen in sieben Kapiteln die Faszination der alten Region Languedoc-Roussillon in Wort und Bild ein – auch als eBook!

Von Montpellier, der Boomtown am Mittelmeer, bis zum römisch-romantischen Nîmes, von den Étangs bei Narbonne bis zur katalanischen Kapitale Perpinyá. Und noch ein Schlenker nach Carcassonne und Toulouse: voilà meine Herzensheimat! Wer mag, kann den Band hierdirekt bestellen.

MARCO POLO Languedoc-Roussillon: die Hommage von Hilke Maunder an ihre WahlheimatKompakt & inspirierend: MARCO POLO Languedoc-Roussillon*

Den MARCO POLO Languedoc-Roussillon/Cevennenhabe ich nach Axel Patitz und Peter Bausch inzwischen mehrfach umfangreich erweitert und aktualisiert.

Von den Cevennen über das Languedoc bis hin zum Roussillon findet ihr dort Highlights und Kleinode, Tipps für Entdecken und Sparfüchse – und Adressen, die ich in meinem Frankreichjahr neu entdeckt und getestet habe.  Beide MARCO POLO-Bände hält ein Online-Update-Service aktuell, der euch über Events, Neueröffnungen und Schließungen informiert. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Der Reisebegleiter vor Ort: Ralf Nestmeyer, Languedoc-Roussillon*

Zwischen dem Delta der Camargue und den Gipfeln der Pyrenäen hat Ralf Nestmeyer nahezu jeden Strand gesehen, jeden Stadt besucht, jedes Wehrdorf besichtigt – im Languedoc etwas intensiver, im Roussillon fokussiert er auf bekannten Highlights.

Dennoch: Das gut 560 Seiten dicke Werk ist der beste Führer für Individualreisende, die diese Region entdecken möchten und des Französischen nicht mächtig sind. Wer möchte, kann den Band hier* direkt bestellen. In Ergänzung empfehle ich den Band von Petit Futé.

Michael Müller Verlag, 8. Auflage 2018, ISBN 978-3-89953-997-4, www.michael-mueller-verlag.de

Das ganze Land: MARCO POLO Frankreich*

MARCO POLO Frankreich: praktisch und kompakt, bearbeitet von Hilke Maunder.Einfach aus dem Besten auswählen und Neues ausprobieren, ist das Motto der Marco Polo-Reiseführer. Den MARCO POLO Frankreichhabe ich gemeinsam mit Barbara Markert verfasst. Gleich zu Beginn geben wir unsere  Insider-Tipps für Frankreich preis: vom größten Flohmarkt Europas in Lille bis zur Schwimmen in der Piscine Olympique in Montpellier.

Das Kapitel „Im Trend“ verrät, was es Neues zu erleben gibt im Hexagon: vom Skijöring in den Skigebieten bis zum Übernachten im Baumhaushotel. Alle Hintergrundinformationen zu Frankreich und seinen Menschen findet ihr unter Fakten, Menschen & News. Es folgen: Tipps für Bars und Boutiquen, Erlebnissen für  Familien, Paare oder Alleinreisende. Wer mag, kann ihn hier direkt bestellen.

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