Kaum ein Land ist so vielfältig wie Frankreich. Jede seiner Regionen hat einen ganz eigenen Charakter. Doch Frankreich ist mehr als das Hexagon im Herzen der EU.

La Grande Nation besitzt mit Martinique, Guadeloupe und Co. in den französischen Antillen, der afrikanischen Vulkaninsel Île de la Réunion sowie Neukaledonien und Französisch-Polynesien in Ozeanien wahre Tropen-Träume.

Lasst euch inspirieren! Die Links bringen euch zu den Beiträgen der einzelnen Regionen und Ziele.

Hauts-de-France (Nord-Pas-de-Calais, Picardie; Amiens, Lille)

Hoher Himmel, weites Land: Kornfelder in der Picardie. Foto: Hilke Maunder

Für die Region Hauts-de-France wurden die historische Provinz Picardie und das Département Nord-Pas-de-Calais vereint. Und gleich, wenn ihr über die belgische Grenze rollt, werden ihr mit dem schlechten Ruf Nordfrankreichs konfrontiert: Industrialisierung, verarmte Straßendörfer, Industrieerbe.

Doch  lasst euch nicht täuschen. Die Region  steckt mitten im Strukturwandel – und präsentiert sich inzwischen als eine echte Perle.

Innovativ, mutig, kreativ, überraschend und immer wieder spannend. Und das alles garniert mit gastfreundlichen Menschen, der atemberaubenden Naturküste der Côte d’Opale und der Baie de la Somme, quicklebendigen Städten mit flandrischem Flair und grandiosen Kathedralen, Glockenspielen und Riesen, die vor dem Volk durch die Straßen stolzieren. Die Braderie von Lille ist der größte Flohmarkt Europas, eine Abraumhalde Kletter- und Skiberg.

Ungewöhnliches wagen, ist die Maxime. In Dunkerque (Dünkirchen) bauten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal eine Schiffbauhalle zum Kulturzentrum des FRAC um. In Lens macht der Louvre-Lens auf altem Zechenland mit Kunst heute Kohle. In Calais verwandelte Patrick Bouchain einen Schlachthof zum Kulturtreff „Le Channel“.

Grand Est (Elsass, Lothringen, Champagne-Ardenne, Vogesen; Strasbourg)

La Petite France mit der „Gerwerstub“ (Maison des Tanneurs) auf der Altstadtinsel von Strasbourg. Foto: Hilke Maunder

Grand-Est ist auch so ein administratives Gebilde, an dem sich vor allem das Elsass reibt. Es wäre gerne eine eigene Region. Und nicht gemeinsam vereint mit Lorraine (Lothringen) und Champagne-Ardenne.

Im Osten Frankreich ist Europa gelebter Alltag, kreuz und quer fuhr man zwischen Frankreich, Schweiz und Luxembourg selbstverständlich umher, um zu arbeiten, lernen, wohnen, genießen und erleben.

Bis der Coronavirus kam, alte Ressentiments geschürt wurden, und alle fassungslos auf die geschlossenen Grenzen schauten. So etwas darf nie wieder geschehen.

Lebt Europa. Und macht bei euren Entdeckungen und Ausflügen nicht an den Grenzen von Ländern oder Regionen hat. Wandert, klettert oder paddelt in den Mittelgebirgen der Ardennen und Vogesen, besucht die Champagnerkeller, erlebt Zeitreisen auf den Spuren vieler Kriege. Und taucht dann ein in das weltoffene, junge Flair der Europastadt Strasbourg.

Île-de-France & Paris

Hingucker bei jeder Seine-Fahrt: die Kathedrale Notre-Dame de Paris. Foto: Hilke Maunder

Stadt der Liebe, Stadt des Lichts,  schönste Stadt der Welt: Was hat sie nicht alles für lobende Namen erhalten, die Hauptstadt Frankreichs. Eiffelturm, Louvre, Champs-Élysée,  Notre-Dame, Sacré-Cœur und die Seine sind nur einige der weltberühmten Sehenswürdigkeiten, die alljährlich mehr als 35 Millionen besuchen.

Dort Paris ist viel mehr, gestaltet in Tolbiac Zukunft, verdrängt das Auto zugunsten von Fahrrad und Fußgängern, kämpft vergeblich gegen die Flut campierender Migranten und Sozialproblemen in den Gettos der Banlieue.

Paris, das ist die ganze Welt einer Stadt. Mit allem Glanz, allem Elend. Eine Weltmetropole voller Faszination. Eingebettet in ein weites Becken, in dem royale Residenzen auf wilde Wälder treffen, Künstlerkolonien auf Industrie(erbe), Bettenburgen auf nostalgische Villen, reich auf arm. Staunen auf Erschrecken. Ein magischer Mix für echte Entdecker! Und alle anderen finden auch dort weltberühmte Orte, die von Stil und Schönheit à la française künden.

Normandie (Rouen)

Die Bucht von Étretat säumt Kieselstrand zwischen hohen Klippen. Foto: Hilke Maunder

Im Nordwesten brandet das Meer an Frankreichs höchste Klippen, im Zentrum teilen die weiten Schleifen der Seine das Kalksteinplateau des Pays de Caux von der Hügellandschaft der Bocage, die hinüber zur fast schon bretonisch anmutenden Halbinsel des Cotentin führt, wo raue Kaps mit reizvollen Sandbuchten flirten.

Am Seeweg zwischen Atlantik und Nordsee war die Normandie Jahrtausende Schauplatz der Geschichte. Kelten und Römer besiedelten das Land, Namensgeber wurden aber die Wikinger, die „Nordmannen“. Ihre Nachfahren eroberten England und forderten den Nachbarn Frankreich heraus – bis Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Im Zweiten Weltkrieg rückte die nordwestlichste Provinz Frankreichs mit dem D-Day erneut ins Zentrum des Weltgeschehens.

Bereits 1504 fischten Männer aus Honfleur vor der Küste Neufundlands. Später wurde Fécamp Haupthafen der Hochseefischer, stachen von Dieppe aus Kaperkapitäne in See – im Auftrag der Krone. Heute wickeln die normannischen Häfen Cherbourg, Dieppe und Le Havre die Hälfte des französischen Außenhandels ab. Containerriesen und Fähren sorgen für kosmopolitisches Flair und Weltoffenheit.

Honfleur, Barfleur und andere kleine Häfen haben ihre maritime Nostalgie bewahrt und locken mit beschaulichen Mußestunden beim Blick auf Schiefer gedeckte Hafenhäuser und idyllisch beleuchtete Kais.

Bretagne (Rennes)

Die vier Strände von Saint-Lunaire sind sehr unterschiedlich – jeder hat einen ganz eigenen Charakter. Foto: Hilke Maunder

Die Bretagne ist ein Land der Legenden. Hier lebten die Wikinger, sollen König Artus und Zauberer Merlin durch die Wälder von Huelgoat gestreift sein, gab ein Engel den Auftrag für den Mont-Saint-Michel, und hier brechen sich die Wellen an der bretonischen „Küste der Legenden“ des Finistère. Die äußerste Spitze ist eine wilde Gegend, über die oft stürmische Westwinde und prasselnde Regenschauer fegen.

Und auch im nordbretonischen Côtes-d’Armor liebt steile Kaps. Doch an der Rosa Granitküste weicht schroffer Fels Fantasiegestalten aus Granit. Märchenhaft – wie die Côte d’Émeraude mit ihrem smaragdgrünen Meer, das sanft auf Sandstrände ausläuft. Und bei der Grande Marée in Saint-Malo Power-Wellen präsentiert. Lieblich und sanft hingegen ist der Süden der Bretagne, der am Golf von Morbihan mit seinen Inseln geradezu mediterrane Züge annimmt.

Centre – Val de Loire (Loiretal)

Schloss Villandry mit seinen berühmten Gärten. Foto: Hilke Maunder

Die Region Centre-Val de Loire entstand bei der Verwaltungsreform 2016 aus zwei Gebieten. Lebensader ist die Loire, an deren Ufer Adlige und Könige mehr als 400 Schlösser errichteten. Berühmt und gigantisch wie Chambord, idyllisch und verspielt wie das Wasserschloss Azay-le-Rideau. Südlich der Loire folgen die Départements Indre und Cher. Beide sind herrliche Flecken abseits vom touristischen Mainstream.

Beschaulich, ländlich, wunderschön! Saftige Weiden, tiefe Wälder, fischreiche Seen und sanfte Hügel prägen die geografische Mitte Frankreichs. Ein herrliches Radelland, diese ehemalige Provinz Berry. Und verpasst in der Heimat von George Sand nicht die  Hauptstadt Bourges, ein Mittelalter-Juwel mit Zeitgeist-Vibes!

Pays de la Loire (Unterlauf/Mündung der Loire, Nantes)

Der Grand Éléphant. der Machines de l’Île spaziert mit euch über die Île de Nantes – und spritzt dabei Passanten mit Wasser aus dem Rüssel nass. Foto: Hilke Maunder

Im Süden der Bretagne liegen die Pays de la Loire mit den historischen Provinzen Anjou, Maine, Poitou und Vendée. Das administrative Gebilde hat die alte Hauptstadt der Bretonen zur Kapitale erkoren: Nantes.

Sie hat sich seit 1990 mithilfe von Kultur und Mut zu einer der innovativsten und spannendsten Städte des Landes entwickelt, pulsiert voller Lebenslust und kreativem Geist..

Das feucht-milde Atlantikklima begünstigt Landwirtschaft, Garten- und Weinbau: Hier wachsen die Maiglöckchen, die Franzosen zum 1. Mai verschenken – und kommt dem Muscadet-Sèvre et Maine sur lie ein außergewöhnlicher Wein her.

Dazu passen die köstlichen Meeresfrüchte der Küste. Der warme Golfstrom macht sie zur riesigen Badewanne mit Inseln, Felsküste, versteckten Buchten und langen Sandstränden.

Bourgogne-Franche-Comté (Burgund, Franche-Comté, Jura; Dijon)

Immer im Blick bei den Ortseinfahrten im nördlichen Burgund: die Kirche. Foto: Hilke Maunder

Zwischen den Gipfeln der Vogesen und den Bergen des Jura erstreckt sich ein Flickenteppich aus Wäldern und Feldern, Seen und Flüssen: voilà die Freigrafschaft Franche-Comté. Wer gerne wandern, paddelt und Natur erlebt, ist in der drei Départements Doubs, Jura und Haute-Saône genau richtig.

Weiter südlich lockt die Bourgogne stilvoll mit Genuss und Lebensart. Aus dem Burgund kommen die besten Pinot-Noir-Rotweine Frankreichs und erlesene Chardonnay-Weißweine. Meurseult, Nuits-Saint-Georges oder Clos de Vougeot sind Namen, die Weinfreunde träumen lassen.

Zwischen berühmten Weinbergen und sanften Hügeln erstrecken sich ausgedehnte Wälder wie die Forêt du Morvan, das bis nach Autun reicht. Das charmante Städtchen ist seit der Antike ein Hort des Savoir-vivre. So wie Dijon, die Hauptstadt des Burgunds, mit seinem Schlaraffenland in der großen Markthalle und seiner Cité de la Gastronomie.

Städte, Dörfer und Schlösser bergen reiches Kulturerbe. Und wer Lust hat, nimmt nicht das Rad, sondern vielleicht einmal ein Hausboot und fährt auf den Kanälen der Bourgogne zu den schönsten Winkeln des Burgund.

Auvergne-Rhône-Alpes (Ardèche, Drôme, frz. Alpen, Rhônetal; Lyon)

Auf den Pisten von Châtel – sie gehören zum Skigroßraum Portes de Soleil. Foto: Hilke Maunder

Eisige Spitzen und tiefe Schluchten, Vulkanberge und Weingärten, Wildwasser und das breite Band der Rhône: Die Großregion Auvergne-Rhône-Alpes vereint unglaublich unterschiedliche wie spektakuläre Landschaften. Sie dominiert der Mont-Blanc (4.809 m) als höchster Berg Europas. An seinen Flanken entspring die  Rhône, die sich in Lyon mit der Saône vermählt.

Westlich der Rhône lockt die Ardèche mit Paddel- und Wanderspaß. In Annonay hoben die Gebrüder Montgolfière mit feurigen Ballons in den Himmel ab. Und erfand Canson das Papier der Künstler. Noch weiter westlich kommt ihr in die Auvergne, wo bis heute das Erbe der Vulkane Landschaft und Leben, Menschen und Kultur prägt.

Im Süden der Großregion verbindet die Drôme alpine Berglandschaften mit den ersten Vorboten der Provence: Lavendelfeldern, die im Sommer Hochplateaus wie Valensole in ein duftendes Blütenmeer verwandeln.

Nouvelle-Aquitaine (Aquitaine, Poitou-Charentes, Limousin; Bordeaux)

Lauft von Carcans am Strand entlang – gen Norden kommt ihr nach Hourtin. Foto: Hilke Maunder

Von den Surfstränden der Silberküste und tiefen Seen und Wäldern des Limousin hin zu Weingärten des Bordelais und den Schneespitzen der Pyrenäen reicht die Palette der Landschaften in Nouvelle-Aquitaine.

An der Côte d’Argent, der Silberküste am Atlantik, schwingt sich Frankreichs höchste Wanderdüne mehr als 100 m hoch hinter Kiefernwald auf. Zwischen der  Girondemündung bis nach Bayonne säumt sie  230 km lang feinster Sandstrand.

Hinter den Dünen geht er in den einen riesigen Kiefernwald der Landes über, mit dem Napoleon den Sandflug eindämmen wollte. Dort verstecken sich flache, warme Seen, die zu Ferienparadiesen für Familien wurden: Biscarosse und Mimizan sind fest in der Hand von Urlaubern auf Campingplätzen und Ferienhütten.

Die Brandung der baskischen Küste machte die Côte Basque zwischen Anglet und Hendaye zum Surferparadies und Frankreichs Kalifornien. Das Baskenland im äußersten Süden ist durch die Grenze zu Spanien zweigeteilt, in Kultur, Sprache und Leben aber vereint. Das eigene Heim ist für die Basken von großem Wert; rot-weiß leuchten sie im Grün des Pyrenäenvorlandes. Wer hier wandert, folgt vielleicht dem Jakobsweg hinüber nach Spanien. Oder pilgert nach Lourdes weiter östlich.

Occitanie (Rhône– Garonne, Pyrenäen, Mittelmeer & Massif Central; Toulouse)

Toulouse: Place du Capitole mit dem Theater und dem Hôtel de l’Opéra. Foto: Hilke Maunder

Bienvenue im Midi. Er beginnt bei „midi moins le quart“, im noch nicht ganz richtigen Midi: der Bergwelt der Cevennen. Als Land des Oc, der alten okzitanischen Sprache, erstreckt sich Okzitanien zwischen der Rhône im Osten und dem Adour im Westen bis an die spanische Grenze auf dem Hauptkamm der Pyrenäen. Es ist ein altes Kulturland, geprägt von mehr als 2000 Jahre Geschichte. Römer und Katharer hinterließen ihre Spuren, Pastelbarone und Malerfürsten.

Hin kommt ihr von Norden auf den der mautfreien A 75, deren Höhepunkt das Viadukt ist. Und auf den Sprintstrecken Route du Soleil und La Languedocienne, die der römischen Via Domitia folgen.

Sie verband das gallorömische Reich mit der iberischen Halbinsel. Die Verbindung von Atlantik und Mittelmeer schuf ein Baron aus Béziers, der für den Sonnenkönig die berühmteste Hausboot- und Radelstrecke erfand: den Canal du Midi.

An die Sonnenstrände des Mittelmeer ließ Frankreichs Präsident in den 1960er-Jahren funktionelle Urlaubsorte von weltbekannten Architekten setzen. Mit La Grande-Motte begann die Erschließung der Küsten mit ihren kilometerlangen Sandstränden für den Massentourismus.

Im Hinterland bewahren ursprüngliche Landschaften und Dörfer Kultur, Natur und Lebensart des Midi. Von der Garrigue am Gardon, dem Parc Naturel Régional du Haut-Languedoc mit seinen Schluchten und Bergen, der Montagne Noire bei Carcassonne, den Bergen der Corbières, dem Erbe der Vorzeit bei Les Eyzies.

Die waldreiche Gascogne; der hügelige und immergrüne Gers, Hochburg der Stopfleberpastete und Keller des Armagnac – la douce France des Genusses. Und voller Lebenslust und Lebensart in den beiden konkurrierenden Metropolen: in der backsteinroten ville rose Toulouse und der Boomtown am Lez, Montpellier.

Région Sud  (Provence, Côte d’Azur, Seealpen; Marseille, Nizza)

Ein Fischer kehrt zurück in den Vieux-Port von Marseille. Foto: Hilke Maunder

Seit mehr als 2600 Jahren ist Marseille Frankreichs Melting Pot am Mittelmeer. Hier fassten Leute aus aller Welt Fuß, alle Stände, alle Schichten: Banker und Bäcker, Reeder und Händler, Prostituierte, Promis und Politiker. Auch heute prägen Einwanderer die nach Paris zweitgrößte Stadt Frankreichs und Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe 2024.

Gekreuzt wird dann vor atemberaubender Kulisse. Gen Westen die Côte Bleue, die Maler und andere Künstler inspirierte, gen Osten die Calanques mit ihren kreideweißen Felsen, tiefen Fjorden und versteckten Badebuchten mit klarstem Badewasser. Noch weiter östlich drängen sich an der Côte d’Azur Badeorte, Luxusvillen und Spitzenrestaurants. Palmen säumen die Strände am türkisblauen Meer, in dem winzige Felsinseln Fluchtorte für Großstadtmüde und Gläubige sind.

Im Hinterland locken grüne Olivenhaine und die Rosenfelder der Parfümstadt Grasse. Von Juni bis August kleidet sich die Provence hellviolett bis tieflila: Zur Blütezeit verwandelt der Lavendel das Hochplateau von Valensole und die Region um Sault, Felder der Drôme und der Vaucluse in Teppiche aus „blauem Gold“.

Am Horizont setzen Berge wie der Mont Ventoux, Montagne Sainte-Victoire und Massif de la Sainte-Baume Akzente im lieblichen Land, dass sich auch schroff und wild zeigen kann – mit Schluchten wie den Gorges du Verdon, die am zweitgrößten Stausee des Landes enden, dem Lac de Sainte-Croix.

Korsika (Ajaccio, Bastia, Bonifacio Calvi…)

Bonifacio thront hoch auf den Kreideklippen der Südspitze Korsikas. Foto: Hilke Maunder

Nach Sizilien und Sardinien ist Korsika die drittgrößte Insel des westlichen Mittelmeers. Nur 12 km trennen den Außenposten, der Italien näher liegt als Frankreich, von Sardinien, nur 82 km vom Festland des Stiefels. Und viele Jahrhunderte regierte Genua, nicht Frankreich, das Gebirge im Meer, auf dem der Kaiser der Franzosen geboren wurde: Napoleon Bonaparte.

„Kalliste“, die „Schöne“, haben die Griechen einst das Eiland getauft, und schön war auch Sica. Diese schöne Frau soll einst von zwei Verehrern bedrängt worden sein. Der trojanische Prinz Cyrnos, ein Enkel des Äneas, entführte Sica und floh mit ihr auf die Insel Korsika. Sein Rivale Sardus verfolgte das Paar, suchte jedoch auf der benachbarten Insel Sardinien nach ihnen.

Eine andere Version besagt, dass die schöne Sica von ihrem Geliebten ermordet worden sei. Aus ihrem Herzen entstand die Insel, deren blutrote Sonnenuntergänge bis ans Ende der Tage an ihr tragisches Schicksal erinnern. Hach, ist Korsika schön!

Übersee

Aus der Kolonialzeit besitzt Frankreich noch 13 Überseegebiete, die heute unterschiedlich eng ans Mutterland gekoppelt sind – als DROM, DOM-ROM, COM, CSG und TAAF.

Das Volk nennt sie bis heute DOM-TOMs (Départements/Térritoires d’outre mer). Und liebt die fernen Außenposten als Urlaubsziel: Martinique und Guadeloupe sind angesagte Sonnenziele in der Karibik, Neukaledonien und Französisch-Polynesien Frankreichs ferne Südsee-Träume.

Französisch-Guyana (Cayenne)

Guadeloupe (Pointe-à-Pitre)

Die Zipfel der Haube verraten, ob eine Frau verheiratet ist. Foto: Hilke Maunder

Der Archipel in den karibischen Antillen versetzt die Sinne sofort in einen Rausch. Guadeloupe birgt auf engstem Raum so viel Vielfalt und Abwechslung, Ruhe oder Trubel, Regenwald oder Sandstrand, das es nicht für einen Urlaub reicht.

Die beiden Hauptinseln des insgesamt 1630 Quadratkilometer großen Archipels bilden einen Schmetterling. Im Westen des „Papillon“ liegt die wilde, vulkanische Basse-Terre. Im Osten findet ihr das flache Kalkplateau der landwirtschaftlich geprägten Grande-Terre.

Vor der Südspitze von Basse-Terre erstreckt sich in den türkisfarbenen Gewässern der Karibik der kleine Archipel der Ȋles des Saintes. Auf den kargen Heiligeninseln landeten im 17. Jahrhundert Seefahrer aus dem Westen und Norden Frankreichs.

Bis heute sorgen die Nachfahren dieser Normannen und Bretonen dafür, dass die Menschen dort so ganz anders aussehen als in der restlichen Karibik: hellhäutig, blond und blauäugig.

Marie-Galante ist die letzte Bauerninsel von Guadeloupe und liegt als „grande galette“ kreisrund im Atlantik. Paradiesisch, fand auch der Sänger Laurent Voulzy – und widmete ihr ein Chanson, das zum Welthit wurde.

Martinique (Fort-de-France)

Im Winter sind die Mangos reif – auch in Tartane. Foto: Hilke Maunder

Türkisblaue Karibikstrände, tropische Blütenträume und feinster Rum: Auch das ist Europa. Denn Martinique gehört als kleinstes Eiland der Antilles Françaises zur EU. Fast alles ist für die Franzosen so vertraut wie daheim: die Sprache, das Recht, das Baguette. Für farbenfrohe Exotik sorgt die Flora, für ohrenbetäubende Nachtkonzerte ein pfeifender Frosch.

Das 30 x 80 km große Karibik-Eiland, das wie die große Schwester Guadeloupe als „pays d’outre-mer“ administrativ zu Frankreich gehört, zeigt sich besonders in den Urwäldern der Montagne Pelée als tropisch-exotisches Naturjuwel.

Zwischen Vorhängen der Würgefeigen, Baumfarnen und bis zu vier Meter hohen Weihnachtsternen leuchten große Bromelien und kleine Orchideen auf Baumveteranen, die sich hoch in den Himmel recken. Dornen haken an Hosen, Ranken lassen meine Füße straucheln. Überall gluckert es, der Boden dampft.

Näher zur Küste begleiten Gummibäume in Übergröße, purpurfarbener Ingwer, lila leuchtende Bougainvillea und rote Flammenbäume den Saumpfad im Hinterland von Grande-Rivière. „Île aux fleurs“, Blumeninsel, nennen die Einheimischen ihre Insel, und hier trügt der werbeträchtige Name nicht.

Was auf Martinique wie Unkraut wächst, macht jede Blumenboutique neidisch: rosa Porzellanrosen, knallrotes Blumenrohr, orangegelbe Hummerscheren und Papageienschnabel – ist die Fauna eher karg, präsentiert sich die Flora äußerst üppig. Und verführerisch. Besonders neben den Ruinen des Château Dubuc auf der Caravelle-Halbinsel, wo dicht an dicht Mangos an uralten Bäumen baumeln.

Mayotte (Mamoudzou)

Saint-Barth

La Réunion (Saint-Denis)

Französisch-Polynesien (Papeete)

Neukaledonien (Nouméa)

Neukaledonien und das Meer… ein einziger Traum! Foto: Hilke Maunder

Australien bildete zusammen mit Neuseeland und anderen Ecken im Südwestpazifik einst den riesige Urkontinent Gondwana. Als er vor rund 250 Millionen auseinanderbrach, entstand auch Neukaledonien – und driftete gen Nordosten. Dort ruht es sie nun, die Heimat der Kanaken – ein Inselreich inmitten  der weltgrößten Lagune: Frankreich in der Südsee.

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