Mein Frankreich: Reinhardt Michael

Yvette und Reinhardt Michael. Foto: privat.
Yvette und Reinhardt Michael. Foto: privat.

„Mein Frankreich“ ist nicht nur Titel meines Blogs, sondern auch Programm: Ich möchte möglichst viele von euch animieren, euer Frankreich vorzustellen. Mein Frankreich – was bedeutet das für euch? Diesmal verrät es Reinhardt Michael.

Wir sind jedes Jahr in Montalivet in der Nähe von Royan für mehrere Wochen im Urlaub. Wir, das sind Yvette Michael (73), in Brest geboren und aufgewachsen in Camaret, Finistère, und ich, Reinhardt Michael (76) aus Zeulenroda in Thüringen. Von Beruf her war Yvette als MTA tätig, ich als Beamter im Ministerium für Wirtschaft in NRW.

Unser Sommerquartier haben wir in Montalivet mit einem eigenen Wohnwagen, wo wir seit vielen Jahren erst die drei Töchter, dann mehrere Enkel aufgezogen haben. Wir beiden lieben Radfahren.

Zu unseren Radtouren gehören u.a. der Canal du midi und das Tal des Tarn, um das Viadukt von Millau vor der Fertigstellung zu besichtigen. Vor zwei  Jahren radelten wir auf dem Elberadweg von Hamburg  nach Cuxhaven.

Auch von unserem Sommerquartier aus in Montalivet bei Royan geht es auf Radtouren. 2021 entdeckten wir so den Kanal Nantes – Brest.


2021 begann unsere Radtour mit einer Überraschung. Der geplante Zug von Bordeaux nach Nantes fuhr nicht, da noch zwei Wochen Arbeiten auf der Strecke waren, also wird die Tour mit dem Auto begonnen.

Nach der Überfahrt mit der Fähre Pointe de Grave – Royan habe ich mir erst einmal die Betonkirche Notre-Dame de Royan angeschaut, die nach dem Krieg von dem Architekten Guillaume Marie-Paul Gillet gebaut worden war.

Im Innern der Kirche von Royan. Foto: Reinhardt Michael
Im Innern der Kirche von Royan. Foto: Reinhardt Michael

Royan wurde noch 1945 durch zwei Bombenangriffe der Amerikaner vollkommen zerstört. Gillet hat auch den Palais des Congrès in Paris gebaut.

Nach der Ankunft in Nantes habe ich mir wieder die Anlagen der alten Schiffsbauhallen mit dem Elefanten angesehen.  Wie schon so oft ein beeindruckendes Schauspiel, wenn er prustend mit 50 Passagieren an Bord vor allem die Kinder vor sich her treibt.

Der große Elefant der <em>Île de Nantes</em>. Foto: Reinhardt Michael
Der große Elefant der Île de Nantes. Foto: Reinhardt Michael

Auf dem Weg zum Hotel bin ich an dem Turm der alten LU-Fabrik vorbeigekommen, für alle Franzosen und vor allen Dingen die Kinder eine Erinnerung an leckere Kekse. Dort waren mal über 2000 Mitarbeiter tätig.

Am Ufer gab es auch eine Tischtennisplatte, an der man mit sechs Spielern gleichzeitig spielen konnte. Sie ist eines der vielen Kunstobjekte in Nantes und am Flussufer bis hinunter zur Loiremündung.

Die Tischtennisplatte des sommerlichen Kunstfestivals<em> Le Voyage à Nantes.</em> Foto: Reinhardt Michael
Die Tischtennisplatte des sommerlichen Kunstfestivals Le Voyage à Nantes. Foto: Reinhardt Michael

Nantes zeichnet sich durch sehr moderne Architektur und traumhafte Verkehrslenkung für Fahrräder aus. Quer durch die City laufen breite Straßen, die nur für Fahrräder, Busse und Straßenbahnen reserviert sind.

Am Hotel gab es eine gute Überraschung: Bis Mitte August sind auf der anderen Flussseite der City alle Parkplätze frei, sodass ich für mehrere Tage den Wagen am Straßenrand abstellen konnte. Am nächsten Morgen ging es los.

Der <em>Canal de Nantes à Brest</em> in Nantes. Foto: Reinhardt Michael
Der Canal de Nantes à Brest in Nantes. Foto: Reinhardt Michael

Am Beginn des Kanals geht es durch einen Tunnel am Rande der Stadt, davor sauber in Reih und Glied die Leihfahrräder der Stadt. Anschließend geht es am Campingplatz und der Uni vorbei auf den Fahrradweg in Richtung Norden.

Die vielen Schleusen des Kanals sind, eine schöner als die andere, mit Blumen geschmückt. Der Radweg am Kanal ist sehr gut ausgebaut, aber auch sehr einsam.

Blumengeschmückt: die Schleusen des <em>Canal de Nantes à Brest</em>. Foto: Foto: Reinhardt Michael
Blumengeschmückt: die Schleusen des Canal de Nantes à Brest. Foto: Foto: Reinhardt Michael

Meine erst Station war Blain, eine Kleinstadt mit einer beeindruckenden Burg, die Anfang des 12. Jahrhunderts vom Herzog der Bretagne erbaut wurde.

Die Burg von Blain. Foto: Reinhardt Michael
Die Burg von Blain. Foto: Reinhardt Michael

Auf dem Weg am Kanal trifft man so einige abenteuerliche Gestalten, so z.B. ein Ehepaar aus Spanien, die von Biarritz nach Brest mit Gepäck und Hund unterwegs waren.

Auch der Hund war bei der Radtour einer radelnden Frau mit dabei. Foto: Reinhardt Michael
Auch der Hund war bei der Radtour einer radelnden Frau mit dabei. Foto: Reinhardt Michael

Auch eine junge Frau traf ich mit ihrem Sohn und vollem Campinggepäck am Kanal, begleitet vom Gepäckträger „Esel“. Der Oldtimer am Kanalrand hatte schon viele Jahre überstanden.

Unterwegs mit Kind und Esel am Kanal. Foto: Reinhardt Michael
Unterwegs mit Kind und Esel am Kanal. Foto: Reinhardt Michael

Weiter am Kanal gibt es eine Getränkestation, in der die Inhaberfamilie in einem kuppelförmigen Gewächshaus wohnt, sehr naturverbunden. Die Kinder machten gerade Schulaufgaben.

Ein Oldtimer am Kanal. Foto: ?
Ein Oldtimer am Kanal. Foto: Reinhardt Michael

Kurz vor Redon taucht neben der Piste ein verfallenes Betongebäude auf, das sich als Teil einer Eventanlage mit Namen La Carrière entpuppten. Neben zerfallenen Gebäuden sind u.a einige Tribünen noch gut erhalten.

Überragt wird das ganze von einer pyramidenförmigen Konstruktion aus lauter Weidenästen, die von einem polnischen Künstler Pollisky kreiert worden ist. Auf den Turm führt ein wendelartiger Umlauf, auf dem maximal 19 Personen gleichzeitig laufen dürfen.

Kunstwerk des polnischen Bildhauers Pollisky. Foto: Reinhardt Michael
Kunstwerk des polnischen Bildhauers Pollisky. Foto: Reinhardt Michael

Als Tagesziel bin ich Redon angelaufen, eine sehr malerische Kleinstadt. Die Stadt liegt an der Einmündung des Flusses Oust in die Vilaine. Der schiffbare Canal de Nantes à Brest kreuzt hier die Vilaine und folgt Richtung Westen dem Fluss Oust und Richtung Osten dem Fluss Isac.

Noch immer als Lieferfahrrad im Einsatz: eine alte Vélosolex. Foto: Reinhardt Michael
Noch immer als Lieferfahrrad im Einsatz: eine alte Vélosolex. Foto: Reinhardt Michael

Dadurch ist Redon zu einer bedeutenden Wasserstraßenkreuzung in der Bretagne geworden. Der Kanal hat heute aber nur noch touristische Bedeutung. Viele Häuser sind aus uraltem Fachwerk, weiter habe ich eines der letzten Vélosolex als Lieferfahrzeug getroffen.

Nach zwei Tagen mit einsamen, aber schönen Wegen am Kanal habe ich beschlossen, mit dem Zug zurück nach Nantes zu fahren, um noch ein paar Tage an der Loire zu verbringen. Doch davon im 2. Teil der Reisebeschreibung mehr. Auf ein Neues!

Reinhardt Michael. Foto: privat

Der Beitrag von Reinhardt Michael ist ein Gastartikel in einer kleinen Reihe, in der alle, die dazu Lust haben, ihre Verbundenheit zu Frankreich ausdrücken können. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Frankreich, Erlebnisse, Gedanken. Ich freue mich, wenn dieser Aufruf viele von euch zum Mitmachen inspiriert.

Ob kurz oder lang, Prosa oder Lyrik: Schickt mir den Text per Mail – und die Fotos bitte immer in Originalgröße (!). Sind es viele, sendet sie bitte per WeTransfer.com. Oder hängt sie einzeln an die Mails. Merci ! Die Beiträge werden in loser Folge veröffentlicht.

Merci fürs Teilen!

1 Kommentar

  1. Ein Grosses Danke Schön an die Autor/innen in Frankreich aus
    Arganda del Rey, im Südosten von Madrid von Hans SCHAFGANS geb. in Colonia.
    P.S. Von meiner Liebe zu Frankreich will ich euch dieses Jahr noch erzählen. Sie beginnt mit meinem Vater Ernst Maria,¨Ernesto¨ einer Gitarre und französichen Liedern … Douce France

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