Wellness in FrankReich

Wellness hat Tradition in Frankreich. Was heute als bien-être und remise en forme firmiert, ist das Erbe einer jahrtausendealten Kultur. Schon die Römer nutzten die Thermal- und Mineralquellen, die am Pyrenäenrand, in der Auvergne und in vielen anderen Landstrichen aus der Tiefe sprudeln. Heute ist diese Tradition hochoffiziell geadelt: Seit 2021 gehört Vichy zum UNESCO-Welterbe der bedeutenden Kurstädte Europas. Die Stadt hat diese Anerkennung zum Anlass genommen, ihre historischen Thermen umfassend zu modernisieren, ohne den nostalgischen Glanz der Belle Époque zu opfern. Auch Dax als größter Kurort des Landes hat mit der Modernisierung der Thermes Borda im Jahr 2026 in die Zukunft investiert.

Das Kurbad Saint-Pierre. Foto: Hilke Maunder
Das Kurbad Saint-Pierre von Dax. Foto: Hilke Maunder

Wiege des Thalasso

An der Küste nutzt Welllness die Heilkraft des Meeres. Die Griechen nannten das Meer einst Thalassa, doch erfunden wurde die moderne Thalasso-Therapie vor mehr als 100 Jahren im bretonischen Roscoff. Dort eröffnete Louis Bagot 1899 sein Institut de Rockroum. Seine Kuren waren sportlich: Berühmt wurde vor allem die bagotage, das Wandern im Meerwasser bis zur Mitte der Beine. Heute setzt die Bretagne erneut Maßstäbe: Das 2024 runderneuerte Emeria Dinard (ehemals Thalassa) verbindet die klassische Meereskur nun mit avantgardistischer Architektur und hochmodernen Therapien.

Die Geschichte der französischen Meeresbadekuren ist noch älter. 1824 gründete Marie Caroline, die Herzogin von Berry, in Dieppe das erste Zentrum für Warmbäder. In einem kleinen Holzbau direkt am Strand standen einige Badewannen, und Bademeister halfen den Kranken beim Eintauchen. Damals galt das Seewasser als Heilmittel für Depressive und Asthmatiker. Heute ist die medizinische Indikation einer neuen Ganzheitlichkeit gewichen. In modernen Spas ziehen Trends wie CBD-Wellness ein, um Stress und Entzündungen zu bekämpfen. Auch der Ayurveda-Einfluss ist in Zentren von der Atlantikküste bis in die Auvergne spürbar, wo indische Heilkunst auf lokales Thermalwasser trifft.

Das Blut der Berge

In den Pyrenäen wird das Wasser ehrfürchtig das „Blut der Berge“ genannt. Das bescherte dem Grenzgebirge legendäre Bäder wie Vernet-les-Bains und Luchon, dessen 150 Meter tiefer Felsstollen den einzigen Natur-Hammam Frankreichs birgt – Wellness im gewachsenen Fels. Besonders zahlreich sprudeln die Quellen in den Hochpyrenäen, wo die Grande Route des Spas acht traditionsreiche Bäder verbindet.

Madame de Maintenon genoss schon 1675 die Wasser von Barèges. Heute lockt dort auf 1.250 Metern Höhe Frankreichs höchstgelegenes Thermalbad mit der Ciéléo-Therme. Während ihr unter einem LED-Sternenhimmel entspannt, reagieren andere Orte auf die Belastungen der Moderne mit Digital Detox-Angeboten, um die ständige Erreichbarkeit durch absolute Ruhe zu ersetzen.

Selbst die klassische Hydrotherapie ist im 21. Jahrhundert angekommen. Orte wie Aix-les-Bains setzen inzwischen auf technologische Innovationen: Hier ergänzen KI-gestützte Gesundheitschecks die traditionellen Anwendungen. Algorithmen analysieren Vitalwerte, um den perfekten Mix aus Thermalwasser und Bewegung individuell zu berechnen. Salies setzt im Béarn auf Farblicht-Therapie beim Schweben in der Sole: Wellness in Frankreich – so kreativ wie entspannend!

Meine Beiträge zu Wellness in Frankreich